
Moderne Monologe zum Vorsprechen:
Monologe für Männer / Schauspieler
Rolle: Jean
Stück: Fräulein Julie
Autor: August Strindberg
Erscheinungsjahr: 1889
Originalsprache: Schwedisch
Übersetzung (Deutsch): Ernst Brausewetter
Übersetzung (Englisch): Edith and Warner Oland
Jean und Fräulein Julie
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JEAN: Ja, wenn Sie es denn hören wollen! Es war lächerlich! Sehen Sie, das ist die Geschichte, die ich vorhin nicht erzählen wollte; aber jetzt werde ich sie erzählen! Wissen Sie, wie die Welt von unten aussieht? Nein, das wissen Sie nicht! Gleich Habichten und Falken, deren Rücken man selten sehen kann, da sie meist droben schweben. Ich wuchs im Insthause mit sieben Schwestern und – einem Schwein zusammen, draußen auf den nackten, grauen Feldern heran, wo nicht ein Baum wuchs. Aber vom Fenster aus konnte ich die Mauer des gräflichen Parks mit den Äpfelbäumen darüber erblicken. Das war der Garten des Paradieses; und dort standen viele Engel mit flammendem Schwert und bewachten ihn. Aber nichtsdestoweniger fand ich und andere Jungen den Weg zum Baume des Lebens – nun, verachten Sie mich? [...] Na, gleichviel! Einmal kam ich mit meiner Mutter in den Garten hinein, um die Zwiebelbeete von Unkraut zu säubern! Dicht bei der Gartenmauer stand ein türkischer Pavillon im Schatten von Jasminen und umrankt von Kaprifolien. Ich wußte nicht, wozu es diente, aber ich hatte noch niemals ein so schönes Gebäude gesehen. Leute gingen dort aus und ein, und eines Tages stand die Thür offen. Ich schlich dorthin und sah die Wände mit Bildern von Königen und Kaisern bedeckt, und vor den Fenstern waren rote Gardinen mit Franzen daran – nun wissen Sie, was ich meine. Ich – er nimmt einen Fliederzweig und hält ihn dem Fräulein unter die Nase – ich war niemals im Schlosse gewesen, hatte niemals etwas anderes, als die Kirche gesehen – aber dies hier war viel schöner; und wo meine Gedanken auch hineilten, immer kehrten sie dorthin zurück. Und dann allmählich erhob sich in mir die Sehnsucht, einmal die ganze Herrlichkeit kennen zu lernen – enfin, ich schlich mich hinein, sah und bewunderte. Aber dann kam jemand! Für die Herrschaft gab es zwar nur einen Ausgang, aber ich fand noch einen andern, und ich hatte weiter keine Wahl! [...] So sprang ich denn und stürzte durch eine Himbeerhecke, rutschte über ein Gartenbeet hinweg und kam auf die Rosenterrasse. Dort erblickte ich ein helles Kleid und ein paar weiße Strümpfe – das waren Sie. Ich legte mich unter einen Haufen Unkraut, – darunter, können Sie sich das denken? – unter Disteln, die mich stachen, und nasse Erde, welche stank. Und ich schaute nach Ihnen, während Sie zwischen den Rosen dahinschritten, und ich dachte: wenn es wahr ist, daß ein Mörder ins Himmelreich kommen kann und bei den Engeln bleiben, so ist es sonderbar, daß ein Kätnersjunge hier auf Gottes Erde nicht soll in einen Schloßpark kommen und mit des Grafen Tochter spielen können. [...] (mit tiefem Schmerz, stark auftragend.) Ach, Fräulein Julie! Ach! Ein Hund kann auf dem gräflichen Sofa liegen, ein Pferd kann von einer Damenhand auf die Schnauze geklopft werden, aber ein Junge – in verändertem Ton. Ja, ja, bei einem Einzelnen ist wohl genug Stoff vorhanden, um in der Welt emporzukommen, aber wie oft ist das der Fall! Indessen wissen Sie, was ich that? Ich sprang in Kleidern in den Mühlbach hinunter; wurde aber herausgezogen und bekam Prügel. Am nächsten Sonntag aber, als Vater und Alle im Hause zu Großmutter fuhren, wußte ich es so einzurichten, daß ich zu Hause blieb. Und dann wusch ich mich mit Seife und warmem Wasser, legte meine besten Kleider an und ging zur Kirche, wo ich Sie zu sehen bekommen konnte! Ich sah Sie und ging nach Hause, entschlossen zu sterben; aber ich wollte schön und angenehm sterben, ohne Schmerzen. Und da besann ich mich, daß es gefährlich wäre, unter einem Fliederbusch zu schlafen. Wir hatten einen solchen, welcher gerade in Blüte stand. Ich pflückte alle Blüten ab, die er besaß, und bettete mich dann im Haferkasten. Haben Sie bemerkt, wie glatt der Hafer ist? weich für die Hand, wie Menschenhaut. Dann schloß ich den Deckel, druselte ein, schlief schließlich ganz fest und erwachte wirklich sehr krank. Aber ich starb doch nicht, wie Sie sehen. Was ich wollte – ich weiß es nicht! Sie zu gewinnen, war ja keine Möglichkeit vorhanden – aber Sie waren für mich ein Beweis dafür, wie hoffnungslos es für mich sei, aus dem Kreise emporzukommen, in dem ich geboren.
Jean and Miss Julie
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JEAN: Do you know how people in high life look from the under world? No ... of course you don't. They look like hawks and eagles whose backs one seldom sees, for the soar up above. I lived in a hovel provided by the state, with seven brothers and sisters and a pig; out on a barren stretch where nothing grew, not even a tree, but from the window I could see the Count's park walls with apple trees rising above them. That was the garden of paradise; and there stood many angry angels with flaming swords protecting it; but for all that I and other boys found a way to the tree of life--now you despise me. You say you don't, but you despise me all the same. No matter! One time I entered the garden of paradise--it was to weed the onion beds with my mother! Near the orchard stood a Turkish pavilion, shaded and overgrown with jessamine and honeysuckle. I didn't know what it was used for and I had never seen anything so beautiful. People passed in and out and one day--the door was left open. I sneaked in and beheld walls covered with pictures of kings and emperors and there were red-fringed curtains at the windows--now you understand what I mean--I ... I had never been in the castle and how my thoughts leaped--and there they returned ever after. Little by little the longing came over me to experience for once the pleasure of--enfin, I sneaked in and was bewildered. But then I heard someone coming--there was only one exit for the great folk, but for me there was another, and I had to choose that. Once out I started to run, scrambled through a raspberry hedge, rushed over strawberry bed and came to a stop on the rose terrace. For there I saw a figure in a white dress and white slippers and stockings--it was you! I hid under a heap of weeds, under, you understand, where the thistles pricked me, and lay on the damp, rank earth. I gazed at you walking among the roses. And I thought if it is true that the thief on the cross could enter heaven and dwell among the angels it was strange that a pauper child on God's earth could not go into the castle park and play with the Countess' daughter. Oh, Miss Julie, a dog may lie on the couch of a Countess, a horse may be caressed by a lady's hand, but a servant--yes, yes, sometimes there is stuff enough in a man, whatever he be, to swing himself up in the world, but how often does that happen! But to return to the story, do you know what I did? I ran down to the mill dam and threw myself in with my clothes on--and was pulled out and got a thrashing. But the following Sunday when all the family went to visit my grandmother I contrived to stay at home; I scrubbed myself well, put on my best clothes, such as they were, and went to church so that I might see you. I saw you. Then I went home with my mind made up to put an end to myself. But I wanted to do it beautifully and without pain. Then I happened to remember that elderberry blossoms are poisonous. I knew where there was a big elderberry bush in full bloom and I stripped it of its riches and made a bed of it in the oat-bin. Have you ever noticed how smooth and glossy oats are? As soft as a woman's arm. -- Well, I got in and let down the cover, fell asleep, and when I awoke I was very ill, but didn't die--as you see. What I wanted--I don't know. You were unattainable, but through the vision of you I was made to realize how hopeless it was to rise above the conditions of my birth.

