Bewertung und Kritik zu
DIALOGUES DES CARMÉLITES – Staatsoper Stuttgart
Premiere: 29. März 2026
Komponist: Francis Poulenc
Musikalische Leitung: Cornelius Meister
Regie: Ewelina Marciniak
Bühne: Mirek Kaczmarek
Kostüme: Julia Kornacka
Choreografie: Ana Szopa
Licht: Aleksandr Prowaliński
Chor: Manuel Pujol
Dramaturgie: Carolin Müller-Dohle
Mit: Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart
Über die Inszenierung
Ewelina Marciniaks Inszenierung von „Dialogues des Carmélites“ legt den Fokus auf die psychologischen und spirituellen Spannungen, die Poulencs Oper prägen. Die Aufführung verbindet historische Kontexte der Französischen Revolution mit einer zeitgenössischen Bildsprache, die kollektive Angst, individuelle Verantwortung und die Suche nach innerer Freiheit sichtbar macht. Die Regie arbeitet mit starken Kontrasten zwischen Intimität und Massenszenen, zwischen Kontemplation und Gewalt.
Mirek Kaczmareks Bühne schafft einen Raum, der zwischen klösterlicher Strenge, politischer Bedrohung und innerer Zerrissenheit oszilliert. Die Kostüme von Julia Kornacka betonen die Fragilität und Entschlossenheit der Karmelitinnen, während die Choreografie von Ana Szopa körperliche Spannungen und rituelle Abläufe präzise herausarbeitet. Cornelius Meister formt mit dem Staatsorchester Stuttgart einen Klang, der zwischen lyrischer Zartheit und dramatischer Wucht wechselt und die emotionale Tiefe der Oper trägt.
Ensemble
- Blanche de la Force — Rachael Wilson
- Madame de Croissy — Evelyn Herlitzius
- Madame Lidoine — Simone Schneider
- Mère Marie — Diana Haller
- Soeur Constance — Claudia Muschio
- Mère Jeanne — Helene Schneiderman
- Soeur Mathilde — Catriona Smith
- Le Marquis de la Force — Shigeo Ishino
- Le Chevalier de la Force — Cameron Becker
- Beichtvater — Torsten Hofmann
- 1. Kommissar — Joseph Tancredi
- 1. Offizier / 2. Kommissar / Kerkermeister — Jacobo Ochoa
- Thierry / Dr. Javelinot — Jaewoung Lee
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine psychologisch präzise und zugleich politisch aufgeladene Lesart der Oper
- ein Bühnenraum, der spirituelle Enge und äußere Bedrohung miteinander verschränkt
- eine musikalische Interpretation, die lyrische Feinheit und dramatische Intensität verbindet
- ein Ensemble, das emotionale Tiefe und vokale Präzision vereint
- eine choreografische Ebene, die Rituale, Angst und Gemeinschaft sichtbar macht
Die Produktion untersucht, wie Glaube, Angst und individuelle Entscheidungskraft in Zeiten politischer Gewalt miteinander kollidieren und welche existenzielle Wucht Poulencs Oper bis heute entfaltet.




