Bewertung und Kritik zu
DER IDEALE MANN – Schauspiel Stuttgart
Premiere: 28. März 2026, Schauspielhaus
Von: Oscar Wilde
Deutsche Fassung: Elfriede Jelinek
Inszenierung: Marco Štorman
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Yassu Yabara
Musik: Imre Lichtenberger Bozoki
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Philipp Schulze
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger
Über die Inszenierung
Marco Štormans Inszenierung von „Der ideale Mann“ verbindet Oscar Wildes gesellschaftssatirisches Drama mit der sprachlichen Schärfe von Elfriede Jelineks deutscher Fassung. Die Aufführung legt die Mechanismen politischer Macht, moralischer Doppelmoral und gesellschaftlicher Fassaden frei und arbeitet mit einer Ästhetik, die Ironie, Überzeichnung und psychologische Präzision miteinander verschränkt. Die Inszenierung untersucht, wie öffentliche Integrität und private Abgründe untrennbar ineinandergreifen.
Frauke Löffels Bühne schafft einen Raum, der zwischen mondäner Eleganz, politischem Salon und künstlicher Repräsentation changiert. Die Kostüme von Yassu Yabara betonen die sozialen Rollen und die performative Oberfläche der Figuren. Die Musik von Imre Lichtenberger Bozoki setzt atmosphärische Akzente, die zwischen Leichtigkeit, Spannung und ironischer Brechung wechseln. Die Inszenierung nutzt Wildes Vorlage, um Fragen nach Macht, Korruption und moralischer Verantwortung in die Gegenwart zu spiegeln.
Ensemble
- Sir Robert Chiltern — Gábor Biedermann
- Lord Caversham — Sven Prietz
- Lord Goring — Felix Strobel
- Lady Chiltern — Celina Rongen
- Mabel Chiltern — Gabriele Hintermaier
- Mrs. Cheveley — Christiane Roßbach
- Vicomte de Nanjac / Phipps — Karl Leven Schroeder
- Lady Markby — Silvia Schwinger
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine Verbindung aus Wildes Gesellschaftssatire und Jelineks sprachlicher Zuspitzung
- ein Bühnenraum, der Eleganz, Künstlichkeit und politische Repräsentation reflektiert
- eine Inszenierung, die Macht, Moral und gesellschaftliche Fassaden kritisch beleuchtet
- ein Ensemble, das zwischen Ironie, Emotionalität und präziser Figurenzeichnung balanciert
- eine musikalische Ebene, die Atmosphäre, Rhythmus und ironische Brechungen verstärkt
Die Produktion untersucht, wie politische Integrität, persönliche Verfehlungen und gesellschaftliche Erwartungen miteinander kollidieren und welche theatrale Spannung aus diesem Geflecht entsteht.




