Ein deutsches Märchen von Carl Zuckmayer
Premiere: 20. September 2025, Staatstheater Cottbus
Regie: Sebastian Hartmann
Staatstheater Cottbus
www.staatstheater-cottbus.de
Lausitzer Straße 33 - 03046 Cottbus
Telefon: 0355 7824 – 100
SPIELPLAN & KARTEN
Ein deutsches Märchen von Carl Zuckmayer
Premiere: 20. September 2025, Staatstheater Cottbus
Regie: Sebastian Hartmann
Sebastian Hartmann wäre nicht Sebastian Hartmann, wenn er Carl Zuckmayers Komödie über Wilhelm Voigt, der den Militarismus des Kaiserreichs bloßlegte, einfach nachspielen würde. Er versucht sich an der Dekonstruktion, doch leider bleibt es beim Versuch.
Gemeinsam mit seinen acht Spieler*innen stürzt er sich auf Slapstick und Klamauk. Das Portal der Cottbuser Bühne wird im Saal 1:1 als Guckkasten-Bühne nachgebaut und an diesem Abend für ein Kasperletheater mit Pappköpfen genutzt. Es werden ausgiebig Dialekte imitiert, wie zuletzt auch in Parizeks Burgtheater-Produktion „Die letzten Tage der Menschheit“ und einige im Publikum klatschen sich auch auf die Schenkel.
Doch konzeptionell bleibt dieser Abend dünn. Gerade als es interessant zu werden beginnt und sich aus dem Modus von Probebühnen-Späßen lösen könnte, endet der „Hauptmann von Köpenick“ nach 100 Minuten unvermittelt. Kurz blitzt auf, was aus dem Abend werden könnte, als drei Ensemble-Mitglieder unter ihren überdimensionalen Pappmaché-Köpfen eine Szene aus dem Talk-TV der 1990er nachspielten. Thomas Gottschalk hatte Publikumsliebling Heinz Rühmann, der den „Hauptmann“ in der berühmtesten, BRD-typisch biederen Verfilmung von 1956 mimte, und SZ-Kritikerlegende Joachim Kaiser geladen. Sehr entlarvend, wie Kaiser den Vorzeige-Schauspieler der Nazi-Film-Produktion als „zivilen Deutschen“ abfeierte und gegen jede Empirie weißwusch.