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Katja Kabanova

Bewertung und Kritik zu

Katja Kabanova – Deutsche Oper am Rhein

Premiere: 5. März 2022
Musikalische Leitung: Axel Kober
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühne: Henrik Ahr
Kostüme: Barbara Drosihn
Licht: Stefan Bolliger
Dramaturgie: Bettina Auer
Spielleitung: Nils Braun

Über die Inszenierung

Tatjana Gürbaca nähert sich Janáčeks „Katja Kabanova“ mit einer klaren, psychologisch präzisen Regiehandschrift, die die innere Zerrissenheit der Titelheldin in den Mittelpunkt stellt. Ihre Inszenierung zeigt eine Welt, in der gesellschaftliche Normen, familiäre Kontrolle und religiöse Strenge wie unsichtbare Mauern wirken. Katjas Sehnsucht nach Freiheit prallt auf ein Umfeld, das jede Abweichung sanktioniert – und genau aus dieser Spannung entsteht ein intensiver, emotional aufgeladener Opernabend.

Henrik Ahrs Bühne schafft einen reduzierten, zugleich atmosphärisch dichten Raum, der Katjas innere Gefangenschaft sichtbar macht. Barbara Drosihns Kostüme verankern die Figuren in einer zeitlosen, streng geordneten Gesellschaft, während Stefan Bolligers Lichtgestaltung die emotionalen Brüche und Übergänge präzise akzentuiert. Die Inszenierung arbeitet mit klaren Bildern, die sich tief einprägen und die psychologische Dimension des Werks eindrucksvoll freilegen.

Musikalische Interpretation

Unter der musikalischen Leitung von Axel Kober entfaltet das Orchester der Deutschen Oper am Rhein Janáčeks charakteristischen Klang: kantig, drängend, zugleich voller lyrischer Wärme. Kober legt großen Wert auf die feinen Zwischentöne der Partitur und schafft eine musikalische Spannung, die Katjas inneren Konflikt unmittelbar erfahrbar macht.

Warum diese Produktion beeindruckt

  • eine psychologisch präzise, zeitlose Lesart von Janáčeks Oper
  • ein Bühnenraum, der Enge, Kontrolle und Sehnsucht sichtbar macht
  • eine musikalisch differenzierte Interpretation unter Axel Kober
  • eine Inszenierung, die gesellschaftliche Zwänge eindringlich beleuchtet
  • ein intensiver Opernabend zwischen emotionaler Wucht und stiller Tragik

„Katja Kabanova“ an der Deutschen Oper am Rhein wird so zu einem berührenden Porträt einer Frau, die an den Grenzen ihrer Welt scheitert – und deren Sehnsucht nach Freiheit noch lange nachklingt.

1 Kritik

4.0 von 5 Sterne
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Where is the love?
12 Stunden her.
Kritik

''Henrik Ahr (Bühne) hat der Regisseurin einen hölzernen Guckkasten gebaut. Der Raum wird nach hinten kleiner, links, rechts und ganz hinten gibt es Auslassungen, die wie Fenster wirken, aber auch als Projektionsflächen dienen. Diese Raumlösung bietet schöne Möglichkeiten, so kann beispielsweise das Spiel auf den vorderen Teil begrenzt werden, oder Figuren sind im hinteren Teil der Bühne zunächst im Freeze zu sehen, bevor sie ins Spiel eingreifen. Und immer wieder wird das Wellenspiel der Wolga projiziert, gewissermaßen als Konstante und Sehnsuchtsort.

Die bedrückende Atmosphäre, die Katjas Alltag prägt, ist bestimmt durch ihre Schwiegermutter Kabanicha (Karin Lovelius), die eifersüchtig über ihren Sohn wacht, ihn wegschickt und zugleich den Bewegungsraum ihrer Schwiegertochter auf ein Minimum einzuengen versucht. Ihr Sohn Tichon (Riccardo Romeo) kann sich dem zu keiner Zeit entziehen, geschweige denn dem etwas entgegensetzen. Romeo nutzt seine wenigen Auftritte, um klarzumachen, dass auch seine Figur nicht zu beneiden ist und unter den äußeren Zwängen und Erwartungen leidet. Szenisch etwas blass bleibt notgedrungen Karin Lovelius als Kabanicha, die für die erkrankte Rosie Aldridge eingesprungen ist. Angeschlagen auch Kimberley Boettger-Soller (Tichons Schwester Varvara), was allerdings kaum zu hören und nicht zu sehen war. Überzeugend ihre Darstellung als lebenslustiger Gegenpol zu ihrer Schwägerin, aber auch als diejenige, die Katja mit ins Verderben zieht. Sie entflieht am Ende der bedrückenden Atmosphäre und geht nach Moskau, ohne Wanja (David Fischer), den Mann ihrer Träume. Und auch Boris Grigorjewitsch (Jussi Myllys), Katjas etwas unverhoffter Liebhaber (eine Anziehung zwischen ihnen wird vor dem ersten Treffen nicht angedeutet) ist in seinen Zwängen verhaftet. Er gibt Katja Ruhe und Geborgenheit – die erste Begegnung zwischen beiden ist von einer Zärtlichkeit und Unbeholfenheit geprägt, die Myllys und Hamvasi sehr schön ausspielen –, ist aber nicht derjenige, der sie retten kann.

Wie sehr alle in ihren Rollen verhaftet sind, zeigt die Inszenierung, wenn Katja Abschied von der Welt nimmt. Wanja, der Lehrer, und sein Freund Kuligin (Roman Hoza) beugen sich über Buch und Partitur und nehmen nicht wahr, das sich Katjas Schicksal vor ihren Augen entscheidet. Kabanicha prüft ihr Äußeres in einem Spiegel, und Tichon lässt sich die Schuhe putzen und richtet seine Krawatte – immer und immer wieder. Abgerundet wird das Ganze durch die gut choreographierten Auftritte der Statisterie – etwa beim Gewitter, vor dem alle Schutz suchen – und durch das Personal der Familie Kabanova: Beobachtende, Wissende, aber auch sie können nicht eingreifen (Alexandra Urquiola als Glascha und Kim Holtappels als Fekluscha). Nur Boris’ Onkel fällt aus dem Rahmen: Sawjol Prokofjewitsch Dikoj (Sami Luttinen) ist ein ungehobelter Trunkenbold, der tut, was ihm gefällt, aber offenbar Qualitäten hat, die auch die harte Kanabicha für ihn einnehmen.'' schreibt Karoline Bendig am 10. Februar 2026 auf KULTURA-EXTRA

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