Bewertung und Kritik zu
ÖDIPUS – Residenztheater München
Deutschsprachige Erstaufführung: 24. April 2026
Von: Robert Icke nach Sophokles
Aus dem Englischen von: Christina Schlögl
Inszenierung: Robert Icke
Bühne: Hildegard Bechtler
Associate Director: Lizzie Manwaring
Kostüme: Wojciech Dziedzic
Sounddesign: Tom Gibbons
Sounddesign Associate: Erwin Sterk
Licht: Natasha Chivers
Lichtdesign Associate: Hector Murray
Video: Tal Yarden
Videodesign Associate: Taylor Edelle Stuart
Dramaturgie: Lea Maria Unterseer
Mit: Florian von Manteuffel, Barbara Horvath, Robert Dölle, Rita Russek, Michael Goldberg, Daria Welsch, Linda Blümchen, Steffen Höld, Dominik Weileder, Volodymyr Melnykov, Thomas Reisinger
Über die Inszenierung
Robert Icke übersetzt den Sophokles‑Mythos radikal in die Gegenwart und verlegt die Handlung in eine Wahlkampfzentrale kurz vor der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Ödipus ist hier ein politischer Hoffnungsträger, dessen Aufstieg von einem vertuschten Unfall, Fake News und Familiengeheimnissen überschattet wird. Die Inszenierung verbindet Politthriller und Familientragödie zu einem hochpräzisen, spannungsgeladenen Abend.
Hildegard Bechtlers Bühne zeigt einen modernen, funktionalen Raum, der sich zunehmend als Schauplatz eines psychologischen Zerfalls entpuppt. Video‑ und Sounddesign schaffen eine mediale Überlagerung aus Nachrichtenbildern, Überwachung und innerer Zerrissenheit. Ickes Regie arbeitet mit filmischer Genauigkeit, rhythmischer Verdichtung und einer klaren Fokussierung auf die Frage nach Wahrheit, Verantwortung und Identität.
Ensemble
- Florian von Manteuffel
- Barbara Horvath
- Robert Dölle
- Rita Russek
- Michael Goldberg
- Daria Welsch
- Linda Blümchen
- Steffen Höld
- Dominik Weileder
- Volodymyr Melnykov
- Thomas Reisinger
Besondere Aspekte dieser Inszenierung
- eine radikale Gegenwartsüberschreibung des Sophokles‑Mythos
- eine Verbindung aus Politthriller, Familiendrama und psychologischem Kammerspiel
- ein hochpräzises Zusammenspiel von Bühne, Video und Sounddesign
- ein Ensemble, das zwischen emotionaler Intensität und politischer Kälte agiert
- eine Inszenierung, die Wahrheit, Macht und Identität als fragile Konstrukte zeigt
Die Produktion untersucht, wie politische Ambitionen, persönliche Schuld und verdrängte Vergangenheit ineinandergreifen – und wie schnell ein scheinbar stabiles Lebensmodell zusammenbrechen kann.





