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Maxim Gorki Theater
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Telefon: 030 202210
SPIELPLAN & KARTEN

Zukunftsmusik

Zukunftsmusik – nach dem Roman von Katerina Poladjan

Premiere: 24. Januar 2026
Ort: Gorki Theater, Berlin
Regie:Nurkan Erpulat

Über das Stück

In einer Kommunalka, einer typischen sowjetischen Gemeinschaftswohnung irgendwo in Sibirien, spielt die Geschichte von Zukunftsmusik. Moskau liegt weit entfernt, und doch kündigt sich im Jahr 1985 eine Veränderung an, die das Leben aller Bewohnerinnen und Bewohner grundlegend erschüttern wird. Vier Frauen aus drei Generationen – Urgroßmutter, Großmutter, Mutter und Tochter – teilen sich den Alltag mit einem Ingenieur, einem Schaffnerehepaar und den geheimnisvollen Karisen, deren Herkunft niemand so recht kennt.

Noch ahnt niemand, dass der 11. März 1985 eine Zeitenwende einleiten wird. Ein politischer und gesellschaftlicher Umbruch rollt durch das Land und lässt eine alte Welt verschwinden. Für manche bedeutet dieser Wandel Befreiung, für andere den Verlust einer vermeintlichen Ordnung. Zwischen diesen Polen stehen individuelle Lebensgeschichten, die sich alle dieselbe Frage stellen: Was tun – und wann kommt endlich das Glück?

Romanvorlage und Inszenierung

Katerina Poladjans Roman Zukunftsmusik wird in der Bühnenfassung von Hausregisseur Nurkan Erpulat erstmals auf die Theaterbühne gebracht. Die Uraufführung markiert zugleich ein Wiedersehen: Zwölf Jahre zuvor eröffnete Erpulats Inszenierung von Tschechows Kirschgarten die erste Spielzeit am Gorki Theater.

Künstlerisches Team

Bühne: Magda Willi
Kostüme: Miriam Marto
Musik: Tobias Schwencke
Lichtdesign: Connor Dreibelbis
Dramaturgie: Johannes Kirsten, Clara Probst
Dramaturgische Mitarbeit: Paula Rave

Besetzung

Mit: Marc Benner, Aysima Ergün, Doğa Gürer, Via Jikeli, Çiğdem Teke, Ursula Werner

2 Bewertungen

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Über eine Kommunalka in der späten Sowjetunion
3 Tage her.
Kritik

''Dass das irgendwie auch etwas nach modernem Tschechow klingt, ist von der Autorin durchaus beabsichtigt. Und da gibt es hier neben den nach Glück und Liebe sehnsüchtigen Frauen (wie bei den Drei Schwestern) auch so etwas wie ein Kirschgarten-Ende. Das Haus soll abgerissen oder umgebaut werden. Wohin die Reise geht, wissen die auf gepackten Koffern Sitzenden aber auch noch nicht. Eine kleine Reminiszenz darauf, dass Regisseur Erpulat zu Beginn der Intendanz von Shermin Langhoff Tschechows Kirschgarten hier inszeniert hat. Nun lässt er sein Ensemble in dem engen Drehbühnenbild von Magda Willi von Zimmer zu Zimmer wandern und Episoden aus dem Roman mit Hang zum Slapstick spielen. An den Schultern stark ausgepolstert (Kostüme: Miriam Marto) sehen alle ein wenig wie Karikaturen aus den 1980er Jahre aus. Sie spielen eine sozialistische Wartegemeinschaf, die geduldig in der Schlange steht, obwohl keiner weiß, was es gibt. Ein langer Teppich im Bus wird über den Köpfen jongliert. Für einen Sturm zerren Çiğdem Teke und Doğa Gürer einfach nur an ihren Kostümen.

Für eine Romanadaption kommt die Inszenierung mit verhältnismäßig wenig epischen Passagen aus. Nicht alle Figuren des Romans treten auf, und nicht alle Nebenhandlungen werden auserzählt. Dafür gibt es sehnsüchtige, russisch gesungene Lieder (Musik: Tobias Schwencke), deren Übersetzung in Übertiteln zu lesen ist. Persönliches Glück gegen sozialistisches Allgemeinwohl. Während Maria konstatiert, dass es kein Recht auf erwiderte Liebe gibt, hofft Janka auf ein Leben, das sie noch nicht gelebt hat. Wie, das bleibt hier offen, so wie es auch keinen geraden Link von der sowjetischen Vergangenheit in die russische Zukunft gibt. Den bringen dann nach der Vorstellung die 18-jährige Sängerin Naoko und der 22-jährige Gitarrist Alexandr Orlow von der Band Stoptime. 2025 wurden sie in St. Petersburg beim Spielen verbotener Lieder auf der Straße verhaftet. Nach Berlin emigriert spielen sie nun nach jeder Vorstellung ein Set von 5 Songs u.a. auch Soldat, ein kritisches Lied über den Krieg, der in Russland so nicht heißen darf. Meine Träume könnt ihr mir nicht nehmen, heißt es passend zum Abend in einem weiteren Song.'' schreibt Stefan Bock am 29. Januar 2026 auf KULTURA-EXTRA

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Roman-Adaption im Tschechow-Sound
10 Tage her.
Kritik

Der Roman beschreibt eine Momentaufnahme, den 11. März 1985, der eine welthistorische Wende einleitete, die damals kaum jemand erahnte. Mit Konstantin Tschernenko starb der letzte linientreue Generalsekretär der KPdSU, sein Nachfolger wurde das für die allermeisten noch unbeschriebene Blatt Michail Gorbatschow, der das System mit „Perestroika“ und „Glasnost“  grundlegend wandelte.

In der Kommunalka irgendwo im fernen Sibirien bekommen die Romanfiguren die Botschaft vom neuen Herrscher in Moskau nur gerüchteweise mit. Viel zu sehr sind sie mit sich und ihren Alltagssorgen beschäftigt. Die skurrilen Figuren sind Prototypen: der regimetreue Matwej (Doğa Gürer) mit seinem zu groß geratenen, kleinkarierten Jacket, die junge Musikerin Janka (Via Jikeli), die Rockstar werden möchte, aber bisher nur in der Küche spielt, und die patente Großmutter Warwara (Ursula Werner), die bei Mutter und Enkelin einzieht.

Die knapp zwei Stunden sind solide Roman-Nacherzählung mit skurrilen, verlorenen Gestalten. Allerdings riecht der Abend zu oft meilenweit nach Roman-Adaption, wenn zum Beispiel handlungsraffende Überleitungen frontal ins Publikum gesprochen werden.

Am offenkundigsten sind die Tschechow-Anklänge in der Schluss-Szene, als alle aufbrechen und melancholisch Abschied nehmen müssen. Natürlich ein Sinnbild für die Stimmung am Haus zum unfreiwilligen, bald nahende Ende von Shermin Langhoffs Amtszeit.

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