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Unser Deutschlandmärchen

Bewertung und Kritik zu

UNSER DEUTSCHLANDMÄRCHEN 
nach dem Roman von Di̇nçer Güçyeter
Regie: Hakan Savaş Mican 
Premiere: 6. April 2024 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

Eingeladen zum 62. Berliner Theatertreffen (2025) 

Zum Inhalt: Mutter und Sohn bewegen sich noch einmal durch ein gemeinsames Leben, durch ihr Deutschlandmärchen, das alles andere ist als ein Märchen. Auf der Suche nach Identität, Sprache und dem eigenen Platz kämpfen sich Fatma und Dinçer durch unerbittliche Verhältnisse, mit- und gegeneinander, zwischen tiefer Zuneigung und wütender Abrechnung. 

Unser Deutschlandmärchen, das Romandebüt des 1979 in Nettetal geborenen Dinçer Güçyeter, das 2023 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde, verwebt Motive seiner Lebensgeschichte und der seiner Mutter, die in den 60er-Jahren als Gastarbeiterin aus der Türkei nach Deutschland kam. Regisseur Hakan Savaş Mican erzählt diese ungewöhnlich offene und berührende Familiengeschichte als eine lustvoll musikalische Reise. Zwei ungeheuer starke Menschen bewegen sich zwischen unerreichbaren Heimaten, durch ein Leben voller Sehnsüchte, geplatzter Träume, Wut und Liebe.

REGIE Hakan Savaş Mican BÜHNE Alissa Kolbusch VIDEO Sebastian Lempe KOSTÜME Sylvia Rieger KOMPOSITION Peer Neumann LIVEMUSIK Claire Cross, BEKİR KARAOĞLAN UND Peer Neumann, Cham Saloum SOWIE Ceren Bozkurt CHOREOGRAFIE Gioia Magelli LICHTDESIGN Carsten Sander DRAMATURGIE Clara Probst, Holger Kuhla

2 Bewertungen

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Emotional geladenes Singspiel für Mutter und Sohn
1 Jahr her.
Kritik

''Roman und Inszenierung zeigen das harten Leben einer Frau, die schon mit siebzehn nach Deutschland verheiratet wird, sich nach einem Kind sehnt und dazu als Muslima sogar die Jungfrau Maria anbetet. Sie muss die Erziehung des Sohns und die Ernährung der Familie im Alleingang bewältigen, die Herabsetzungen der türkischen Männer erdulden, die dem unfähigen Vater, der eine Geliebte hat und eine schlecht gehende Kneipe führt, Geld schulden. Und dennoch ist Fatma stolz Arbeiterin zu sein. Das will sie auch für ihren Sohn. Über die Leistung zur Anerkennung. Es geht für Dinçer um die Suche nach der eigenen Identität als Sohn einer türkischen Gastarbeiterin, als Künstler und als Schwuler, der in der Abwesenheit der Mutter ihre Schuhe anzieht und durch die Wohnung tanzt.

Im Roman von Dinçer Güçyeter und der Inszenierung von Hakan Savaş Mican erhält die Mutter, die ein Leben lang hart in der Fabrik und auf dem Feld gearbeitet hat, endlich eine Stimme, und dazu mit gefühlvoll, die Liebe idealisierenden türkischen Volksliedern und Popsongs, gesungen von Sesede Terziyan, noch die von Fatmas Lieblingssängerin Sesen Aksu. Dagegen steht Sohn Dinçer mit seinem Werdegang vom Kind, das schon mit sieben der Mutter heimlich mit aufs Feld folgt, in der Schule Deutsch lernt, seiner Mutter Briefe vorliest und schließlich als Lehrling selbst widerwillig in den Blaumann steigen soll. Taner Şahintürk spielt diesen Sohn als zunächst der Mutter bedingungslos folgend, sich dann aber später auch immer mehr selbst behauptend und widersetzend. Er singt dazu kraftvolle Pop- und Rocksongs von Herbert Grönemeyer, Danzig oder Sisters of Mercy. Regisseur Savaş Mican setzt in seiner Inszenierung voll auf diesen Gegensatz und die emotionale Kraft der Lieder, die den Abend über die Länge von zwei Stunden sehr gut tragen und erlebbar machen.'' schreibt Stefan Bock am 9. Juli 2024 auf KULTURA-EXTRA

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2 von 3 Person(en) gefiel diese Kritik
Tolle Gorki-Markenkern-Revue
13 Tage her.
Kritik

Taner Şahintürk und Sesede Terziyan wechseln sich in den Rollen von Sohn Dinçer und Mutter Fatma mit großen Soli ab. Auf beeindruckendem musikalischem Niveau treten die beiden Schauspieler in einen Dialog: sie singt sehnsuchtsvolle türkische Lieder, vor allem von der Popsängerin und Komponistin Sezen Aksu, er antwortet mit westlichen Songs, mal auf Deutsch wie mit Herbert Grönemeyers „Flugzeuge im Bauch“, mal auf Englisch wie mit „More“ von Sisters of Mercy. Wenn man unter den vielen Momenten einen besonders hervorheben möchte, dann dieses „More“-Solo, in das Sahintürk seine ganze Wut hineinpackt. Seine Figur Dinçer möchte sich nicht mehr wie die sogenannte „Gastarbeitergeneration“ am Rande der Gesellschaft abrackern. Er will Anerkennung auf Augenhöhe und künstlerische Freiräume ausprobieren, am Theater in Köln, mit eigenen lyrischen Texten.

Hier sind wir natürlich beim Kern des postmigrantischen Theaters, mit dem Shermin Langhoff am Ballhaus Naunynstraße angetreten ist und seit 2013 am Gorki Theater die deutschsprachige Theaterlandschaft prägt. In „Unser Deutschlandmärchen“ hat Savaş Mican sehr, sehr viel von dem hineingepackt, wofür das Gorki Theater programmatisch steht und einen Hit gelandet: ein Abend mit großen Gefühlen, sentimental, aber nicht kitschig.

Der einzige Makel des Abends ist, dass man in den Spielszenen zwischen den Songs das Gefühl hat, diese Geschichte von Mutter und Sohn aus einer Migrantenfamilie in den vergangenen Jahren schon oft am Haus in ähnlicher Form gehört und gesehen zu haben.

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