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Anatevka (Fiddler on the Roof)

Bewertung und Kritik zu

ANATEVKA (Fiddler on the Roof) – Volkstheater Rostock

Premiere: 21. März 2026
Basierend auf den Geschichten von: Scholem Alejchem
Mit Genehmigung von: Arnold Pearl
Buch: Joseph Stein
Musik: Jerry Bock
Gesangstexte: Sheldon Harnick
Deutsch von: Rolf Merz und Gerhard Hagen
Originalproduktion: Harold Prince
Originalregie & Choreografie: Jerome Robbins
Format: Spartenübergreifende Inszenierung
Aufführungsdauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

Künstlerisches Team

Musikalische Leitung: Danyil Ilkiv
Inszenierung: Ulrich Wiggers
Bühne und Kostüme: Leif-Erik Heine
Choreografie: Kati Heidebrecht
Choreografische Assistenz: Kirill Berezovski
Choreinstudierung: Csaba Grünfelder
Dramaturgie: Stephan Knies
Studienleitung: Hans-Christoph Borck
Musikalische Einstudierung: Danyil Ilkiv, Ralph Zedler
Regieassistenz und Soufflage: Marta Sofia Mautone, Martha Helms, Sophie-Marie Tietje
Inspizienz: Babette Bartz

Ensemble

  • Frederic Böhle – Tevje
  • Kirsten Scott – Golde
  • Martha-Luise Urbanek – Zeitel
  • Agostina Migoni – Hodel
  • Lea Hartlaub – Chava
  • Katrin Heller – Jente
  • Tobias Völklein – Mottel Kamzoll
  • Antje Luckstein – Schandel
  • Grzegorz Sobczak – Perchik
  • Nils Pille – Lazar Wolf
  • Olaf Lemme – Motschach
  • André Trautmann – Der Rabbi
  • Jaehwan Shim – Mendel
  • Jiwoong Shin – Awram
  • Hyunsik Shin – Nachum / erster Russe
  • Adam Sánchez – Nachum / erster Russe (03.04.)
  • Emelie Kroon – Oma Zeitel / Fruma-Sarah
  • Alexander Nielsen – Jussel
  • Ulrich K. Müller – Der Wachtmeister
  • Joshua Walton – Fedja
  • Stephan Knies – Fiedler auf dem Dach
  • Flurin Stocker – Sascha

Tanzcompagnie des Volkstheaters

  • Almog Adler
  • Norikazu Aoki
  • Gianmaria Girotto
  • Ron Estrea Kaslasy
  • Shoko Seki
  • Flurin Stocker

Weitere Mitwirkende

  • Statisterie
  • Opernchor des Volkstheaters
  • Norddeutsche Philharmonie Rostock

Über die Inszenierung

Ulrich Wiggers inszeniert „Anatevka“ als großes, emotionales und zugleich gesellschaftlich relevantes Musical, das Tradition, Wandel und familiäre Bindungen in den Mittelpunkt stellt. Die Produktion verbindet Schauspiel, Gesang, Tanz und Musiktheater zu einem lebendigen, vielschichtigen Abend.

Leif-Erik Heines Bühne und Kostüme schaffen ein atmosphärisches Bild des ukrainisch-jüdischen Dorfes, während Kati Heidebrechts Choreografie die Gemeinschaft, Konflikte und Hoffnungen der Figuren körperlich erfahrbar macht. Die musikalische Leitung von Danyil Ilkiv sorgt für eine kraftvolle Umsetzung der ikonischen Partitur.

Besondere Aspekte dieser Inszenierung

  • eine spartenübergreifende Verbindung von Schauspiel, Tanz und Musiktheater
  • eine emotionale, zugleich gesellschaftlich relevante Erzählweise
  • eine starke musikalische Umsetzung der bekannten Songs
  • ein großes Ensemble mit hoher Präsenz und Energie
  • eine Inszenierung, die Tradition und Wandel eindrucksvoll gegenüberstellt

Die Produktion zeigt, wie „Anatevka“ auch heute noch berührt, bewegt und gesellschaftliche Fragen mit musikalischer Kraft verhandelt.

1 Kritik

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Rostock – mon amour!
1 Tag her.
Kritik

Ich habe in der letzten Zeit sieben großartige Theateraufführungen im Volkstheater Rostock angesehen, das Volkstheater ist ein Vierspartentheater mit Anbindung an die HMT, der Hochschule für Musik, Theater und Tanz, die dort in der Altstadt, in einem alten Kloster ansässig ist. Ich hatte dort zu tun und gelangte nur in Abständen in die Aufführungen, zuerst im November, da sah ich: Die Ratten [...].

Dann im März sah ich das Musical Anatevka, werkgetreu und tragisch gegeben, mit einer großen Verbeugung vor den osteuropäisch-jüdischen Dorfgemeinschaften, die immer wieder vertrieben und schließlich im Holocaust für immer vernichtet wurden, mit einer berührenden, ganz kurzen Versöhnungsszene zwischen den jüdische Dörflern und den russischen Soldaten im gemeinsamen Tanz. Ausgesprochen gut besetzt, mit einem nachdenklichen, weichen, seine eigenen Maximen immer wieder infrage stellenden Tevje, wunderbar kraftvoll gespielt von Frederic Böhle, der wie geschaffen für seine Rolle war, sogar mit eigenen Beziehungen zur Klezmer-Musik, genial die Ausgestaltung seines Zweifelns, seiner Gedankenspiele, seiner Worte, die er mit Gott spricht, sein Mut, der sich immer wieder aufrichtet, aber auch seine Trauer, sehr unsentimental inszeniert, eine einzige Verbeugung vor der Geschichte und dialektischen Debattenkultur des jüdischen Volkes. Auch sehr genial wurde hier Jente gegeben, die Heiratsvermittlerin, Katrin Heller verlieh ihrer Figur etwas köstlich Hexenhaftes, was trotzdem etwas Humoristisches hatte, sie war im Grunde die Gegenspielerin von Tejve, die die alte Zeit in aller Starrsinnigkeit verkörperte und trotzdem liebevollgestaltet wurde. Die Vielschichtigkeit und Widerspräcuhlichkeit, die ein Spielender in seiner Figur ausdrücken kann, macht die Qualität aus, denn das kommt dem Menschlichen am nächsten, hier ist es wunderbar gelungen!

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Anja Röhl
https://anjaroehl.de

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