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Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Meroe, Fürstin der Amazonen 
Stück: Penthesilea
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1808 
Originalsprache: Deutsch 


23. Auftritt 

Meroe und Priesterinnen. 

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MEROE:
O ihr, der Diana heil'ge Priesterinnen,
Und ihr, Mars reine Töchter, hört mich an:
Die afrikanische Gorgone bin ich,
Und wie ihr steht, zu Steinen starr' ich euch.
[...] Ihr wißt,
Sie zog dem Jüngling, den sie liebt, entgegen,
Sie, die fortan kein Name nennt –
In der Verwirrung ihrer jungen Sinne,
Den Wunsch, den glühenden, ihn zu besitzen,
Mit allen Schrecknissen der Waffen rüstend.
Von Hunden rings umheult und Elephanten,
Kam sie daher, den Bogen in der Hand:
Der Krieg, der unter Bürgern ras't, wenn er,
Die blutumtriefte Graungestalt, einher,
Mit weiten Schritten des Entsetzens geht,
Die Fackel über blühnde Städte schwingend,
Er sieht so wild und scheußlich nicht, als sie.
Achilleus, der, wie man im Heer versichert,
Sie blos ins Feld gerufen, um freiwillig
Im Kampf, der junge Thor, ihr zu erliegen:
Denn er auch, o wie mächtig sind die Götter!
Er liebte sie, gerührt von ihrer Jugend,
Zu Dianas Tempel folgen wollt' er ihr:
Er naht sich ihr, voll süsser Ahndungen,
Und läßt die Freunde hinter sich zurück.
Doch jetzt, da sie mit solchen Gräulnissen
Auf ihn herangrollt, ihn, der nur zum Schein
Mit einem Spieß sich arglos ausgerüstet:
Stutzt er, und dreht den schlanken Hals, und horcht,
Und eilt entsetzt, und stutzt, und eilet wieder:
Gleich einem jungen Reh, das im Geklüfft
Fern das Gebrüll des grimmen Leu'n vernimmt.
Er ruft: Odysseus! mit beklemmter Stimme,
Und sieht sich schüchtern um, und ruft: Tydide!
Und will zurück noch zu den Freunden fliehn;
Und steht, von einer Schaar schon abgeschnitten,
Und hebt die Händ' empor, und duckt und birgt
In eine Fichte sich, der Unglückseel'ge,
Die schwer mit dunkeln Zweigen niederhangt. –
Inzwischen schritt die Königinn heran,
Die Doggen hinter ihr, Gebirg' und Wald
Hochher, gleich einem Jäger, überschauend;
Und da er eben, die Gezweige öffnend,
Zu ihren Füssen niedersinken will:
Ha! sein Geweih verräth' den Hirsch, ruft sie,
Und spannt mit Kraft der Rasenden, sogleich
Den Bogen an, daß sich die Enden küssen,
Und hebt den Bogen auf und zielt und schießt,
Und jagt den Pfeil ihm durch den Hals; er stürzt:
Ein Siegsgeschrei schallt roh im Volk empor.
Jetzt gleichwohl lebt der Aermste noch der Menschen,
Den Pfeil, den weit vorragenden, im Nacken,
Hebt er sich röchelnd auf, und überschlägt sich,
Und hebt sich wiederum und will entfliehn;
Doch, hetz! schon ruft sie: Tigris! hetz, Leäne!
Hetz, Sphynx! Melampus! Dirke! Hetz, Hyrkaon!
Und stürzt – stürzt mit der ganzen Meut', o Diana!
Sich über ihn, und reißt – reißt ihn beim Helmbusch,
Gleich einer Hündinn, Hunden beigesellt,
Der greift die Brust ihm, dieser greift den Nacken,
Daß von dem Fall der Boden bebt, ihn nieder!
Er, in dem Purpur seines Bluts sich wälzend,
Rührt ihre sanfte Wange an, und ruft:
Penthesilea! meine Braut! was thust du?
Ist dies das Rosenfest, das du versprachst?
Doch sie – die Löwinn hätte ihn gehört,
Die hungrige, die wild nach Raub umher,
Auf öden Schneegefilden heulend treibt;
Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reissend,
Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust,
Sie und die Hunde, die wetteifernden,
Oxus und Sphynx den Zahn in seine rechte,
In seine linke sie; als ich erschien,
Troff Blut von Mund und Händen ihr herab.
(Pause voll Entsetzen)
Jetzt steht sie lautlos da, die Grauenvolle,
Bei seiner Leich', umschnüffelt von der Meute,
Und blicket starr, als wär's ein leeres Blatt,
Den Bogen siegreich auf der Schulter tragend,
In das Unendliche hinaus, und schweigt.
Wir fragen mit gesträubten Haaren, sie,
Was sie gethan? Sie schweigt. Ob sie uns kenne?
Sie schweigt. Ob sie uns folgen will? Sie schweigt,
Entsetzen griff mich, und ich floh zu euch.

 


   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Rupert von Schroffenstein 
Stück: Die Familie Schroffenstein 
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1803 
Originalsprache: Deutsch 
 


1. Aufzug, 1. Szene 

Rupert und Eustache.

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Rossitz. Das Innere einer Kapelle. Es steht ein Sarg in der Mitte; um ihn herum Rupert, Eustache, Ottokar, Jeronimus, Ritter, Geistliche, das Hofgesinde und ein Chor von Jünglingen und Mädchen. Die Messe ist soeben beendigt.

RUPERT:
(führt Eustache in den Vordergrund. Alle folgen.)
Ich weiß, Eustache, Männer sind die Rächer –
Ihr seid die Klageweiber der Natur.
Doch nichts mehr von Natur.
Ein hold ergötzend Märchen ists der Kindheit,
Der Menschheit von den Dichtern, ihren Ammen,
Erzählt. Vertrauen, Unschuld, Treue, Liebe,
Religion, der Götter Furcht sind wie
Die Tiere, welche reden. – Selbst das Band,
Das heilige, der Blutsverwandtschaft riß,
Und Vettern, Kinder eines Vaters, zielen,
Mit Dolchen zielen sie auf ihre Brüste.
Ja sieh, die letzte Menschenregung für
Das Wesen in der Wiege ist erloschen.
Man spricht von Wölfen, welche Kinder säugten,
Von Löwen, die das Einzige der Mutter
Verschonten. – Ich erwarte, daß ein Bär
An Oheims Stelle tritt für Ottokar.
Und weil doch alles sich gewandelt, Menschen
Mit Tieren die Natur gewechselt, wechsle
Denn auch das Weib die ihrige – verdränge
Das Kleinod Liebe, das nicht üblich ist,
Aus ihrem Herzen, um die Folie,
Den Haß, hineinzusetzen. Wir
Indessen tuns in unsrer Art. Ich biete
Euch, meine Lehensmänner, auf, mir schnell
Von Mann und Weib und Kind, und was nur irgend
Sein Leben lieb hat, eine Schar zu bilden.
Denn nicht ein ehrlich offner Krieg, ich denke,
Nur eine Jagd wirds werden, wie nach Schlangen.
Wir wollen bloß das Felsenloch verkeilen,
Mit Dampfe sie in ihrem Nest ersticken,
– Die Leichen liegen lassen, daß von fernher
Gestank die Gattung schreckt, und keine wieder
In einem Erdenalter dort ein Ei legt.

   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Agnes 
Stück: Die Familie Schroffenstein 
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1803 
Originalsprache: Deutsch 
 


2. Aufzug, 1. Szene 

Agnes und Ottokar 

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Gegend im Gebirge. Im Vordergrunde eine Höhle. Agnes sitzt an der Erde und knüpft Kränze. Ottokar tritt auf, und betrachtet sie mit Wehmut. Dann wendet er sich mit einer schmerzvollen Bewegung, während welcher Agnes ihn wahrnimmt, welche dann zu knüpfen fortfährt, als hätte sie ihn nicht gesehen.

AGNES:
's ist doch ein häßliches Geschäft: belauschen;
Und weil ein rein Gemüt es stets verschmäht,
So wird nur dieses grade stets belauscht.
Drum ist das Schlimmste noch, daß es den Lauscher,
Statt ihn zu strafen, lohnt. Denn statt des Bösen,
Das er verdiente zu entdecken, findet
Er wohl sogar ein still Bemühen noch
Für sein Bedürfnis, oder seine Laune.
Da ist, zum Beispiel, heimlich jetzt ein Jüngling
– Wie heißt er doch? Ich kenn ihn wohl. Sein Antlitz
Gleicht einem wilden Morgenungewitter,
Sein Aug dem Wetterleuchten auf den Höhn,
Sein Haar den Wolken, welche Blitze bergen,
Sein Nahen ist ein Wehen aus der Ferne,
Sein Reden wie ein Strömen von den Bergen
Und sein Umarmen – Aber still! Was wollt
Ich schon? ja, dieser Jüngling, wollt ich sagen,
Ist heimlich nun herangeschlichen, plötzlich,
Unangekündigt, wie die Sommersonne,
Will sie ein nächtlich Liebesfest belauschen.
Nun wär mirs recht, er hätte was er sucht,
Bei mir gefunden, und die Eifersucht,
Der Liebe Jugendstachel, hätte, selbst
Sich stumpfend, ihn hinaus gejagt ins Feld,
Gleich einem jungen Rosse, das zuletzt
Doch heimkehrt zu dem Stall, der ihn ernährt.
Statt dessen ist kein andrer Nebenbuhler
Jetzt grade um mich, als sein Geist. Und der
Singt mir sein Lied zur Zither vor, wofür
Ich diesen Kranz ihm winde. (Sie sieht sich um.) Fehlt dir was? 

   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Ruprecht 
Stück: Der zerbrochene Krug 
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1808 
Originalsprache: Deutsch


7. Auftritt 

Ruprecht, Adam, Walter, Licht, EveFrau Marthe

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RUPRECHT: 
Hier, Herr Dorfrichter.
Ruprecht, Veits, des Kossäten, Sohn, aus Huisum.

Glock zehn Uhr mocht es etwa sein zu Nacht,
Und warm just diese Nacht des Januars
Wie Mai, – als ich zum Vater sage: Vater!
Ich will ein bissel noch zur Eve gehn.
Denn heuren wollt ich sie, das müßt Ihr wissen;
Ein rüstig Mädel ists, ich habs beim Ernten
gesehn, wie alles von der Faust ihr ging,
Und ihr das Heu man flog, als wie gemaust.
Das sagt ich: Willst du? Und sie sagte: »Ach!
Was du da gakelst.« Und nachher sagt' sie: »Ja.«

Da sagt ich: Vater, hört Er? Laß Er mich.
Wir schwatzen noch am Fenster was zusammen.
»Na«, sagt er, »lauf; bleibst du auch draußen?« sagt er.
Ja, meiner Seel, sag ich, das ist geschworen.
»Na«, sagt er, »lauf, um elfe bist du hier.«

Na, sag ich, das ist ein Wort, und setz die Mütze auf,
Und geh; und übern Steig will ich, und muß
Durchs Dorf zurückgehn, weil der Bach geschwollen.
Ei, alle Wetter, denk ich, Ruprecht, Schlag!
Nun ist die Gartentür bei Marthens zu:
Denn bis um zehn läßts Mädel sie nur offen,
Wenn ich um zehn nicht da bin, komm ich nicht.

Drauf – wie ich übern Lindengang mich näh're,
Bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbt
Und dunkel, wie der Dom zu Utrecht, sind,
Hör ich die Gartentüre fernher knarren.
Sieh da! Da ist die Eve noch! sag ich,
Und schicke freudig Euch, von wo die Ohren
Mir Kundschaft brachten, meine Augen nach
– Und schelte sie, da sie mir wiederkommen,
Für blind, und schicke auf der Stelle sie
Zum zweitenmal, sich besser umzusehen,
Und schimpfe sie nichtswürdige Verleumder,
Aufhetzer, niederträcht'ge Ohrenbläser,
Und schicke sie zum drittenmal, und denke,
Sie werden, weil sie ihre Pflicht getan,
Unwillig los sich aus dem Kopf mir reißen,
Und sich in einen andern Dienst begeben:
Die Eve ists, am Latz erkenn ich sie,
Und einer ists noch obenein.

Ich kann das Abendmahl darauf nicht nehmen,
Stockfinster wars, und alle Katzen grau.
Doch müßt Ihr wissen, daß der Flickschuster,
Der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen,
Dem Mädel längst mir auf die Fährte ging.
Ich sagte vor'gen Herbst schon: Eve, höre,
Der Schuft schleicht mir ums Haus, das mag ich nicht;
Sag ihm, daß du kein Braten bist für ihn,
Mein Seel, sonst werf ich ihn vom Hof herunter.
Die spricht: »Ich glaub, du schierst mich«, sagt ihm was,
Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch:
Drauf geh ich hin und werf den Schlingel herunter.

Nun schießt, da ich Glock elf das Pärchen hier begegne,
– Glock zehn Uhr zog ich immer ab – das Blatt mir.
Ich denke: halt, jetzt ists noch Zeit, o Ruprecht,
Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht;
Hier mußt du sorgsam dir die Stirn befühlen,
Ob dir von fern hornartig etwas keimt.
Und drücke sacht mich durch die Gartenpforte,
Und berg in einem Strauch von Taxus mich,
Und hör Euch ein Gefispre hier, ein Scherzen,
Ein Zerren hin, Herr Richter, Zerren her,
Mein Seel, ich denk, ich soll vor Lust –

Ein Viertelstündchen dauerts so; ich denke:
Was wirds doch werden, ist doch heut nicht Hochzeit?
Und eh ich den Gedanken ausgedacht,
Husch! sind sie beid ins Haus schon, vor dem Pastor.

Jetzt hebt, Herr Richter Adam,
Jetzt hebt sichs, wie ein Blutsturz, mir. Luft!
Da mir der Knopf am Brustlatz springt: Luft jetzt!
Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt, sag ich!
Und geh, und drück, und tret und donnere,
Da ich der Dirne Tür verriegelt finde,
Gestemmt, mit Macht, auf einen Tritt, sie ein.

Just da sie auf jetzt rasselt,
Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin,
Und husch! springt einer aus dem Fenster Euch:
Ich seh die Schöße noch vom Rocke wehn.

Das Mädchen steht, die werf ich übern Haufen,
Zum Fenster eil ich hin, und find den Kerl
Noch in den Pfählen hangen, am Spalier,
Wo sich das Weinlaub aufrankt bis zum Dach.
Und da die Klinke in der Hand mir blieb,
Als ich die Tür eindonnerte, so reiß ich
Jetzt mit dem Stahl eins pfundschwer übern Detz ihm:
Den just, Herr Richter, konnt ich noch erreichen.

Jetzt stürzt der Kerl, und ich schon will mich wenden,
Als ichs im Dunkeln auf sich rappeln sehe.
Ich denke: lebst du noch? und steig aufs Fenster
Und will dem Kerl das Gehen unten legen:
Als jetzt, Ihr Herrn, da ich zum Sprung just aushol,
Mir eine Handvoll grobgekörnten Sandes –
Und Kerl und Nacht und Welt und Fensterbrett,
Worauf ich steh, denk ich nicht, straf mich Gott,
Das alles fällt in einen Sack zusammen –
Wie Hagel, stiebend, in die Augen fliegt.

Als stürzte mich ein Schloßenregen
Von eines Bergs zehn Klaftern hohem Abhang,
So schlag ich jetzt vom Fenster Euch ins Zimmer:
Ich denk, ich schmettere den Boden ein.
Nun brech ich mir den Hals doch nicht, auch nicht
Das Kreuz mir, Hüften, oder sonst, inzwischen
Konnt ich des Kerls doch nicht mehr habhaft werden,
Und sitze auf, und wische mir die Augen.
Die kommt, und: »Ach, Herr Gott!« ruft sie, und: »Ruprecht!
Was ist dir auch?« Mein Seel, ich hob den Fuß,
Gut wars, daß ich nicht sah, wohin ich stieß.

Da ich jetzt aufersteh, –
Was sollt ich auch die Fäuste hier mir schänden? –
So schimpf ich sie, und sage: Liederliche Metze,
Und denke, das ist gut genug für sie.
Doch Tränen, seht, ersticken mir die Sprache.
Denn da Frau Marthe jetzt ins Zimmer tritt,
Die Lampe hebt, und ich das Mädchen dort
Jetzt schlotternd, zum Erbarmen, vor mir sehe,
Sie, die so herzhaft sonst wohl um sich sah,
So sag ich zu mir: blind ist auch nicht übel.
Ich hätte meine Augen hingegeben,
Knippkügelchen, wer will, damit zu spielen.

Nun ja, Frau Marthe kam, und geiferte,
Und Ralf, der Nachbar, kam, und Hinz, der Nachbar,
Und Muhme Sus' und Muhme Liese kamen.
Und Knecht' und Mägd' und Hund' und Katzen kamen,
's war ein Spektakel, und Frau Marthe fragte
Die Jungfer dort, wer ihr den Krug zerschlagen,
Und die, die sprach, Ihr wißts, daß ichs gewesen.
Mein Seel, sie hat so unrecht nicht, Ihr Herren.
Den Krug, den sie zu Wasser trug, zerschlug ich,
Und der Flickschuster hat im Kopf ein Loch.



   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Frau Marthe 
Stück: Der zerbrochene Krug 
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1808 
Originalsprache: Deutsch


7. Auftritt 

Frau Marthe, Richter Adam, Walter und weitere.

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FRAU MARTHE: 
Ich klag, Ihr wißts, hier wegen dieses Krugs;
Jedoch vergönnt, daß ich, bevor ich melde,
Was diesem Krug geschehen, auch beschreibe,
Was er vorher mir war. [...]
Seht ihr den Krug, ihr wertgeschätzten Herren?
Seht ihr den Krug? [...]
Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr;
Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen.
Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,
Sind die gesamten niederländischen Provinzen
Dem span'schen Philipp übergeben worden.
Hier im Ornat stand Kaiser Karl der Fünfte:
Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.
Hier kniete Philipp und empfing die Krone;
Der liegt im Topf, bis auf den Hinterteil,
Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.
Dort wischten seine beiden Muhmen sich,
Der Franzen und der Ungarn Königinnen,
Gerührt die Augen aus; wenn man die eine
Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,
So ists, als weinete sie über sich.
Hier im Gefolge stützt sich Philibert,
Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen,
Noch auf das Schwert; doch jetzo müßt er fallen,
So gut wie Maximilian: der Schlingel!
Die Schwerter unten jetzt sind weggeschlagen.
Hier in der Mitte, mit der heil'gen Mütze,
Sah man den Erzbischof von Arras stehn;
Den hat der Teufel ganz und gar geholt,
Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster.
Hier standen rings, im Grunde, Leibtrabanten,
Mit Hellebarden, dicht gedrängt, und Spießen,
Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel,
Hier guckt noch ein Neugier'ger aus dem Fenster:
Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht. [...]
Erlaubt! Wie schön der Krug, gehört zur Sache!
Den Krug erbeutete sich Childerich,
Der Kesselflicker, als Oranien
Briel mit den Wassergeusen überrumpelte.
Ihn hatt ein Spanier, gefüllt mit Wein,
Just an den Mund gesetzt, als Childerich
Den Spanier von hinten niederwarf,
Den Krug ergriff, ihn leert' und weiterging.
[...] Hierauf vererbte
Der Krug auf Fürchtegott, den Totengräber;
Der trank zu dreimal nur, der Nüchterne,
Und stets vermischt mit Wasser aus dem Krug.
Das erstemal, als er im Sechzigsten
Ein junges Weib sich nahm; drei Jahre drauf,
Als sie noch glücklich ihn zum Vater machte;
Und als sie jetzt noch funfzehn Kinder zeugte,
Trank er zum dritten Male, als sie starb.
[...] Drauf fiel der Krug
An den Zachäus, Schneider in Tirlemont,
Der meinem sel'gen Mann, was ich euch jetzt
Berichten will, mit eignem Mund erzählt.
Der warf, als die Franzosen plünderten,
Den Krug, samt allem Hausrat, aus dem Fenster,
Sprang selbst, und brach den Hals, der Ungeschickte,
Und dieser irdne Krug, der Krug von Ton,
Aufs Bein kam er zu stehen, und blieb ganz.
[...] Drauf in der Feuersbrunst von sechsundsechzig,
Da hatt ihn schon mein Mann, Gott hab ihn selig –
(Der Richter wird ungeduldig) [...]
– Wenn ich nicht reden soll, Herr Richter Adam,
So bin ich unnütz hier, so will ich gehn,
Und ein Gericht mir suchen, das mich hört.
[...] Wie viel ihr brauchen möget, hier zu richten,
Das weiß ich nicht, und untersuch es nicht;
Das aber weiß ich, daß ich, um zu klagen,
Muß vor euch sagen dürfen, über was. [...]
[Was ist dem Krug geschehn?] Was ihm geschehen?
Nichts ist dem Krug, ich bitt euch sehr, ihr Herren,
Nichts Anno sechsundsechzig ihm geschehen.
Ganz blieb der Krug, ganz in der Flammen Mitte,
Und aus des Hauses Asche zog ich ihn
Hervor, glasiert, am andern Morgen, glänzend,
Als käm er eben aus dem Töpferofen. [...]
Nun, diesen Krug jetzt, seht – den Krug,
Zertrümmert einen Krug noch wert, den Krug
Für eines Fräuleins Mund, die Lippe selbst
Nicht der Frau Erbstatthalterin zu schlecht,
Den Krug, ihr hohen Herren Richter beide,
Den Krug hat jener Schlingel mir zerbrochen.
[...] Er, der Ruprecht dort.



   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Frau Brigitte 
Stück: Der zerbrochene Krug 
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1808 
Originalsprache: Deutsch


11. Auftritt 

Frau Brigitte, Richter Adam, Frau Marthe, Ruprecht, Walter und weitere.

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FRAU BRIGITTE: 
Ihr Herrn, der Ruprecht, mein' ich, halt zu Gnaden,
Der wars wohl nicht. Denn da ich gestern nacht
Hinaus aufs Vorwerk geh, zu meiner Muhme,
Die schwer im Kindbett liegt, hört ich die Jungfer
Gedämpft, im Garten hinten, jemand schelten:
Wut scheint und Furcht die Stimme ihr zu rauben.
»Pfui, schäm Er sich, Er Niederträchtiger,
Was macht Er? Fort! Ich werd die Mutter rufen«;
Als ob die Spanier im Lande wären.
Drauf: Eve! durch den Zaun hin: Eve! ruf ich.
Was hast du? Was auch gibts? – Und still wird es:
Nun? Wirst du antworten? – »Was wollt Ihr, Muhme?«
Was hast du vor? frag ich. – »Was werd ich haben?«
Ist es der Ruprecht? – »Ei so ja, der Ruprecht.
Geht Euren Weg doch nur.« – So koch dir Tee.
Das liebt sich, denk ich, wie sich andre zanken.
[...] Da ich vom Vorwerk nun zurückekehre,
Zur Zeit der Mitternacht etwa, und just,
Im Lindengang, bei Marthens Garten bin,
Huscht Euch ein Kerl bei mir vorbei, kahlköpfig,
Mit einem Pferdefuß, und hinter ihm
Erstinkts wie Dampf von Pech und Haar und Schwefel.
Ich sprech ein Gottseibeiuns aus, und drehe
Entsetzensvoll mich um, und seh, mein Seel,
Die Glatz, Ihr Herren, im Verschwinden noch,
Wie faules Holz, den Lindengang durchleuchten.
[...] Da ich nun mit Erstaunen heut vernehme,
Was bei Frau Marthe Rull geschehn, und ich,
Den Krugzertrümmerer auszuspionieren,
Der mir zu Nacht begegnet' am Spalier,
Den Platz, wo er gesprungen, untersuche,
Find ich im Schnee, Ihr Herrn, Euch eine Spur –
Was find ich euch für eine Spur im Schnee?
Rechts fein und scharf und nett gekantet immer,
Ein ordentlicher Menschenfuß,
Und links unförmig grobhin eingetölpelt
Ein ungeheurer klotz'ger Pferdefuß.
[...] Bei meiner Treu!
Erst am Spalier, da, wo der Sprung geschehen,
Seht, einen weiten, schneezerwühlten Kreis,
Als ob sich eine Sau darin gewälzt;
Und Menschenfuß und Pferdefuß von hier,
Und Menschenfuß und Pferdefuß, und Menschenfuß und Pferdefuß,
Quer durch den Garten, bis in alle Welt.
[...] Wer einen Dachs sucht und die Fährt entdeckt,
Der Weidmann, triumphiert nicht so, als ich.
Herr Schreiber Licht, sag ich, denn eben seh ich,
Von Euch geschickt, den Würd'gen zu mir treten,
Herr Schreiber Licht, spart Eure Session,
Den Krugzertrümmrer judiziert Ihr nicht,
Der sitzt nicht schlechter Euch, als in der Hölle:
Hier ist die Spur, die er gegangen ist.
[...] Hierauf: Herr Schreiber Licht, sag ich, laßt uns
Die Spur ein wenig doch verfolgen, sehn,
Wohin der Teufel wohl entwischt mag sein.
»Gut«, sagt er, »Frau Brigitt, ein guter Einfall;
Vielleicht gehn wir uns nicht weit um,
Wenn wir zum Herrn Dorfrichter Adam gehn.«
[...] Zuerst jetzt finden wir
Jenseits des Gartens, in dem Lindengange,
Den Platz, wo, Schwefeldämpfe von sich lassend,
Der Teufel bei mir angeprellt: ein Kreis,
Wie scheu ein Hund etwa zur Seite weicht,
Wenn sich die Katze prustend vor ihm setzt.
[...] Vom Lindengange, ja,
Aufs Schulzenfeld, den Karpfenteich entlang,
Den Steg, quer übern Gottesacker dann,
Hier, sag ich, her, zum Herrn Dorfrichter Adam.



   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Eve 
Stück: Der zerbrochene Krug 
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1808 
Originalsprache: Deutsch


9. Auftritt 

Eve, Adam, Walter, Frau MartheRuprecht usw.

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EVE: 
Unedelmüt'ger, du! Pfui, schäme dich,

Daß du nicht sagst: gut, ich zerschlug den Krug!
Pfui, Ruprecht, pfui, o schäme dich, daß du
Mir nicht in meiner Tat vertrauen kannst.
Gab ich die Hand dir nicht, und sagte: ja,
Als du mich fragtest: »Eve, willst du mich?«
Meinst du, daß du den Flickschuster nicht wert bist?
Und hättest du durchs Schlüsselloch mich mit
Dem Lebrecht aus dem Kruge trinken sehen,
Du hättest denken sollen: Ev ist brav,
Es wird sich alles ihr zum Ruhme lösen,
Und ists im Leben nicht, so ist es Jenseits,
Und wenn wir auferstehn, ist auch ein Tag.

Gesetzt, es wär der Leberecht gewesen,
Warum – des Todes will ich ewig sterben,
Hätt ichs dir Einzigen nicht gleich vertraut;
Jedoch warum vor Nachbarn, Knecht' und Mägden –
Gesetzt, ich hätte Gründ, es zu verbergen,
Warum, o Ruprecht, sprich, warum nicht sollt ich
Auf dein Vertraun hin sagen, daß du's warst?
Warum nicht sollt ichs? Warum sollt ichs nicht?

O du Abscheulicher! Du Undankbarer!
Wert, daß ich mir die Fiedel spare! Wert,
Daß ich mit Einem Wort zu Ehren mich,
Und dich in ewiges Verderben bringe.

Nein, gnäd'ger Herr, weil ers denn selbst so will,
Um seinetwillen nur verschwieg ich es:
Den irdnen Krug zerschlug der Ruprecht nicht,
Wenn ers Euch selber leugnet, könnt Ihrs glauben.
Und wenn ichs gestern sagte, wars gelogen.


   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Sosias
Stück: Amphitryon
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1807 
Originalsprache: Deutsch 


1. Akt, 1. Auftritt 

Sosias allein

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SOSIAS:(tritt mit einer Laterne auf:)
Heda! Wer schleicht da? Holla! – Wenn der Tag
Anbräche, wär mirs lieb; die Nacht ist – Was?
Gut Freund, ihr Herrn! Wir gehen eine Straße –
Ihr habt den ehrlichsten Gesell'n getroffen,
Bei meiner Treu, auf den die Sonne scheint –
Vielmehr der Mond jetzt, wollt ich sagen –
Spitzbuben sinds entweder, feige Schufte,
Die nicht das Herz, mich anzugreifen, haben:
Oder der Wind hat durch das Laub gerasselt.
Jedweder Schall hier heult in dem Gebirge. –
Vorsichtig! Langsam! – Aber wenn ich jetzt
Nicht bald mit meinem Hut an Theben stoße,
So will ich in den finstern Orkus fahren.
Ei, hols der Henker! ob ich mutig bin,
Ein Mann von Herz; das hätte mein Gebieter
Auf anderm Wege auch erproben können.
Ruhm krönt ihn, spricht die ganze Welt, und Ehre,
Doch in der Mitternacht mich fortzuschicken,
Ist nicht viel besser, als ein schlechter Streich.
Ein wenig Rücksicht wär, und Nächstenliebe,
So lieb mir, als der Keil von Tugenden,
Mit welchem er des Feindes Reihen sprengt.
Sosias, sprach er, rüste dich mein Diener,
Du sollst in Theben meinen Sieg verkünden
Und meine zärtliche Gebieterin
Von meiner nahen Ankunft unterrichten.
Doch hätte das nicht Zeit gehabt bis morgen,
Will ich ein Pferd sein, ein gesatteltes!
Doch sieh! Da zeigt sich, denk ich, unser Haus!
Triumph, du bist nunmehr am Ziel, Sosias,
Und allen Feinden soll vergeben sein.
Jetzt, Freund, mußt du an deinen Auftrag denken;
Man wird dich feierlich zur Fürstin führen,
Alkmen', und den Bericht bist du ihr dann,
Vollständig und mit Rednerkunst gesetzt
Des Treffens schuldig, das Amphitryon
Siegreich fürs Vaterland geschlagen hat.
– Doch wie zum Teufel mach ich das, da ich
Dabei nicht war? Verwünscht. Ich wollt: ich hätte
Zuweilen aus dem Zelt geguckt,
Als beide Heer im Handgemenge waren.
Ei was! Vom Hauen sprech ich dreist und Schießen,
Und werde schlechter nicht bestehn, als andre,
Die auch den Pfeil noch pfeifen nicht gehört. –
Doch wär es gut, wenn du die Rolle übtest?
Gut! Gut bemerkt, Sosias! Prüfe dich.
Hier soll der Audienzsaal sein, und diese
Latern Alkmene, die mich auf dem Thron erwartet.
(Er setzt die Laterne auf den Boden.)
Durchlauchtigste! mich schickt Amphitryon,
Mein hoher Herr und Euer edler Gatte,
Von seinem Siege über die Athener
Die frohe Zeitung Euch zu überbringen.
– Ein guter Anfang! – »Ach, wahrhaftig, liebster
Sosias, meine Freude mäßg' ich nicht,
Da ich dich wiedersehe.« – Diese Güte,
Vortreffliche, beschämt mich, wenn sie stolz gleich
Gewiß jedweden andern machen würde.
– Sieh! das ist auch nicht übel! – »Und dem teuren
Geliebten meiner Seel Amphitryon,
Wie gehts ihm?« – Gnädge Frau, das faß ich kurz:
Wie einem Mann von Herzen auf dem Feld des Ruhms!
– Ein Blitzkerl! Seht die Suade! – »Wann denn kommt er?«
Gewiß nicht später, als sein Amt verstattet,
Wenn gleich vielleicht so früh nicht, als er wünscht.
–Potz, alle Welt! – »Und hat er sonst dir nichts
Für mich gesagt, Sosias?« – Er sagt wenig,
Tut viel, und es erbebt die Welt vor seinem Namen.
– Daß mich die Pest! Wo kömmt der Witz mir her?
»Sie weichen also, sagst du, die Athener?«
– Sie weichen, tot ist Labdakus, ihr Führer,
Erstürmt Pharissa, und wo Berge sind,
Da hallen sie von unserm Siegsgeschrei. –
»O teuerster Sosias! Sieh, das mußt du
Umständlich mir, auf jeden Zug, erzählen.«
– Ich bin zu Euern Diensten, gnädge Frau.
Denn in der Tat kann ich von diesem Siege
Vollständge Auskunft, schmeichl' ich mir, erteilen:
Stellt Euch, wenn Ihr die Güte haben wollt,
Auf dieser Seite hier – (Er bezeichnet die Örter auf seiner Hand Pharissa vor)
– Was eine Stadt ist, wie Ihr wissen werdet,
So groß im Umfang, praeter propter,
Um nicht zu übertreiben, wenn nicht größer,
Als Theben. Hier geht der Fluß. Die Unsrigen
In Schlachtordnung auf einem Hügel hier;
Und dort im Tale haufenweis der Feind.
Nachdem er ein Gelübd zum Himmel jetzt gesendet,
Daß Euch der Wolkenkreis erzitterte,
Stürzt, die Befehle treffend rings gegeben,
Er gleich den Strömen brausend auf uns ein.
Wir aber, minder tapfer nicht, wir zeigten
Den Rückweg ihm, – und Ihr sollt gleich sehn, wie?
Zuerst begegnet' er dem Vortrab hier;
Der wich. Dann stieß er auf die Bogenschützen dort;
Die zogen sich zurück. Jetzt dreist gemacht, rückt er
Den Schleudrern auf den Leib; die räumten ihm das Feld
Und als verwegen jetzt dem Hauptkorps er sich nahte,
Stürzt dies – halt! Mit dem Hauptkorps ists nicht richtig.
Ich höre ein Geräusch dort, wie mir deucht.

 


   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Amphitryon 
Stück: Amphitryon
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1807 
Originalsprache: Deutsch 


3. Akt, 1. Auftritt 

Amphitryon allein.

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AMPHITRYON:
Wie widerlich mir die Gesichter sind
Von diesen Feldherrn. Jeder hat mir Glückwunsch
Für das erfochtne Treffen abzustatten,
Und in die Arme schließen muß ich jeden,
Und in die Höle jeden fluch ich hin.
Nicht einer, dem ein Herz geworden wäre,
Das meine, volle, dain auszuschütten.
Daß man ein Kleinod aus versiegeltem
Behältnis wegstiehlt ohne Siegellösung,
Seis; Taschenspieler können uns von fern
Hinweg, was wir in Händen halten, gaunern.
Doch daß man einen Mann Gestalt und Art
Entwendet, und bei seiner Frau für voll bezahlt,
Das ist ein leidges Höllenstück des Satans.
In Zimmern, die vom Kerzenlicht erhellt,
Hat man bis heut mit fünf gesunden Sinnen
In seinen Freunden nicht geirret; Augen,
Aus ihren Höhlen auf den Tisch gelegt,
Von Leib getrennte Glieder, Ohren, Finger,
Gepackt in Schachteln, hätten hingereicht,
Um einen Gatten zu erkennen. Jetzo wird man
Die Ehemänner brennen, Glocken ihnen,
Gleich Hämmeln um die Hälse hängen müssen.
Zu argem Trug ist sie so fähig just,
Wie ihre Turgeltaub; eh will ich an
Die Redlichkeit dem Strick entlaufner Schelme,
Als an die Tücke dieses Weibes glauben.
– Verrückt ist sie, und morgen, wenn der Tag graut,
Werd ich gewiß nach Ärzten schicken müssen.
– Fänd nur Gelegenheit sich, anzuknüpfen.

 


   


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Alkmene 
Stück: Amphitryon
Autor: Heinrich von Kleist 

Erscheinungsjahr: 1807 
Originalsprache: Deutsch 


2. Akt, 4. Auftritt 

Alkmene und Charis.

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ALKMENE:
Wie soll ich Worte finden, meine Charis,
Das Unerklärliche dir zu erklären?
Da ich bestürzt mein Zimmer wieder finde,
Nicht wissend, ob ich wache, ob ich träume,
Wenn sich die rasende Behauptung wagt,
Daß mir ein anderer erschienen sei;
Da ich gleichwohl den heißen Schmerz erwäg
Amphitryons, und dies ein letztes Wort,
Er geh den eignen Bruder, denke dir!
Den Bruder wider mich zum Zeugnis aufzurufen;
Da ich jetzt frage, hast du wohl geirrt?
Denn einen äfft der Irrtum doch von beiden,
Nicht ich, nicht er, sind einer Tücke fähig;
Und jener doppelsinnge Scherz mir jetzt
Durch das Gedächtnis zuckt, da der Geliebte,
Amphitryon, ich weiß nicht, ob du's hörtest,
Mir auf Amphitryon den Gatten schmähte,
Wie Schaudern jetzt, Entsetzen mich ergreift
Und alle Sinne treulos von mir weichen, –
Faß ich, o du Geliebte, diesen Stein,
Das einzig, unschätzbare, teure Pfand,
Das ganz untrüglich mir zum Zeugnis dient.
Jetzt faß ichs, will den werten Namenszug,
Des lieben Lügners eignen Widersacher,
Bewegt an die entzückten Lippen drücken:
Und einen andern fremden Zug erblick ich,
Und wie vom Blitz steh ich gerührt – ein J!
[...] O Charis! – Eh will ich irren in mir selbst!
Eh will ich dieses innerste Gefühl,
Das ich am Mutterbusen eingesogen,
Und das mir sagt, daß ich Alkmene bin,
Für einen Parther oder Perser halten.
Ist diese Hand mein? Diese Brust hier mein?
Gehört das Bild mir, das der Spiegel strahlt?
Er wäre fremder mir, als ich! Nimm mir
Das Aug, so hör ich ihn; das Ohr, ich fühl ihn;
Mir das Gefühl hinweg, ich atm' ihn noch;
Nimm Aug und Ohr, Gefühl mir und Geruch,
Mir alle Sinn und gönne mir das Herz:
So läßt du mir die Glocke die ich brauche,
Aus einer Welt noch find ich ihn heraus.

 


   


  1. ALKMENE in «Amphitryon» I.
  2. GUTWITZ in «Epicoene oder Das stille Frauenzimmer»
  3. MADAME KAUDEL in «Madame Kaudel's Gardinenpredigten»
  4. PEER GYNT in «Peer Gynt»
  5. DER PFARRER in «Peer Gynt»
  6. NORA in «Nora oder Ein Puppenheim»
  7. OSWALD in «Gespenster»
  8. DER STADTVOGT in «Ein Volksfeind»
  9. BERNICK in «Die Stützen der Gesellschaft» II.
  10. BERNICK in «Die Stützen der Gesellschaft» I.
  11. STENSGARD in «Der Bund der Jugend»
  12. DER KAMMERHERR in «Der Bund der Jugend»
  13. BRAND in «Brand»
  14. JEAN VALJEAN in «Die Elenden / Les Misérables»
  15. DER SENATOR in «Die Elenden / Les Misérables»
  16. GRINGOIRE in «Der Glöckner von Notre Dame»
  17. ESMERELDA in «Der Glöckner von Notre Dame»
  18. DER PRIESTER in «Der Glöckner von Notre Dame» II.
  19. DER PRIESTER in «Der Glöckner von Notre Dame» I.
  20. LÄUFFER in «Der Hofmeister»
  21. CATHARINA in «Catharina von Siena» II.
  22. CATHARINA in «Catharina von Siena» I.
  23. SABINE in «Die deutschen Kleinstädter»
  24. FRAU STAAR in «Die deutschen Kleinstädter»
  25. PALME in «Palme oder Der Gekränkte»
  26. Y in «XYZ»
  27. HAITANG in «Der Kreidekreis»
  28. ATALANTA in «Atalanta oder die Angst»
  29. KASSIERER in «Von morgens bis mitternachts»
  30. AFFE ROTPETER in «Ein Bericht für eine Akademie»
  31. ELEKTRA in «Elektra»
  32. DAS JUNGE MÄDCHEN in «Der Tor und der Tod»
  33. CLAUDIO in «Der Tor und der Tod»
  34. KLARA in «Maria Magdalena» III.
  35. KLARA in «Maria Magdalena» II.
  36. KLARA in «Maria Magdalena» I.
  37. KARL in «Maria Magdalena»
  38. JUDITH in «Judith»
  39. HERODES in «Herodes und Mariamne» II.
  40. HERODES in «Herodes und Mariamne» I.
  41. RHODOPE in «Gyges und sein Ring»
  42. KRIEMHILD in «Die Nibelungen: Kriemhilds Rache» II.
  43. KRIEMHILD in «Die Nibelungen: Kriemhilds Rache» I.
  44. ERNST in «Agnes Bernauer»
  45. ALBRECHT in «Agnes Bernauer»
  46. AGNES in «Agnes Bernauer» II.
  47. AGNES in «Agnes Bernauer» I.
  48. ROGER in «Der scharlachrote Buchstabe»
  49. ALFRED LOTH in «Vor Sonnenaufgang»
  50. MICHAEL KRAMER in «Michael Kramer» III.
  51. MICHAEL KRAMER in «Michael Kramer» II.
  52. MICHAEL KRAMER in «Michael Kramer» I.
  53. ELEKTRA in «Iphigenie in Delphi»
  54. PROSPERO in «Indipohdi»
  55. FRANZISKA WERMELSKIRCH in «Fuhrmann Henschel»
  56. PIPERKARCKA in «Die Ratten»
  57. HEINRICH in «Der arme Heinrich» II.
  58. HEINRICH in «Der arme Heinrich» I.
  59. DER SOHN in «Der Sohn»
  60. LEON in «Weh dem, der lügt!»
  61. GREGOR in «Weh dem, der lügt!»
  62. SAPPHO in «Sappho» III.
  63. SAPPHO in «Sappho» II.
  64. SAPPHO in «Sappho» I.
  65. MELITTA in «Sappho»
  66. RAHEL in «Die Jüdin von Toledo»
  67. HERO in «Des Meeres und der Liebe Wellen»
  68. CORNELIA in «Verliebtes Gespenste / Die geliebte Dornrose»
  69. CHLORIS in «Verliebtes Gespenste / Die geliebte Dornrose»
  70. RATTENGIFT in «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung»
  71. GOTHLAND in «Herzog Theodor von Gothland»
  72. PEPEL in «Nachtasyl»
  73. NASTJA in «Nachtasyl»
  74. LUKA in «Nachtasyl» I.
  75. LUKA in «Nachtasyl» II.
  76. TATJANA in «Die Kleinbürger»
  77. HELENA in «Die Kleinbürger»
  78. MIRANDOLINA in «Mirandolina»
  79. TRUFFALDINO in «Der Diener zweier Herren» II.
  80. TRUFFALDINO in «Der Diener zweier Herren» I.
  81. AGAFIA TICHONOWNA in «Die Heirat»
  82. OSSIP in «Der Revisor»
  83. TORQUATO TASSO in «Torquato Tasso»
  84. LEONORE in «Torquato Tasso»
  85. STELLA in «Stella»
  86. FERNANDO in «Stella»
  87. PHORKYAS in «Faust - Teil 2»
  88. HELENA in «Faust - Teil 2» II.
  89. HELENA in «Faust - Teil 2» I.
  90. VALENTIN in «Faust - Teil 1»
  91. MEPHISTOPHELES in «Faust - Teil 1» II.
  92. MEPHISTOPHELES in «Faust - Teil 1» I.
  93. MARGARETE (GRETCHEN) in «Faust - Teil 1»
  94. LIESCHEN in «Faust - Teil 1»
  95. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» IV.
  96. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» I.
  97. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» II.
  98. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» III.
  99. FAUST in «Faust - Teil 1» IV.
  100. FAUST in «Faust - Teil 1» III.
  101. FAUST in «Faust - Teil 1» II.
  102. FAUST in «Faust - Teil 1» I.
  103. DER SCHÜLER in «Faust - Teil 1»
  104. OREST in «Iphigenie auf Tauris»
  105. IPHIGENIE in «Iphigenie auf Tauris» III.
  106. IPHIGENIE in «Iphigenie auf Tauris» I.
  107. IPHIGENIE in «Iphigenie auf Tauris» II.
  108. KLÄRCHEN in «Egmont» II.
  109. KLÄRCHEN in «Egmont» I.
  110. EGMONT in «Egmont»
  111. BRACKENBURG in «Egmont»
  112. EUGENIE in «Die natürliche Tochter»
  113. SÖLLER in «Die Mitschuldigen»
  114. SOPHIE in «Die Mitschuldigen»
  115. ALCEST in «Die Mitschuldigen»
  116. CLAVIGO in «Clavigo» II.
  117. CLAVIGO in «Clavigo» I.
  118. CARLOS in «Clavigo»
  119. SOPHONISBE in «Sophonisbe»
  120. MEDEA in «Medea» III.
  121. MEDEA in «Medea» II.
  122. MEDEA in «Medea» I.
  123. JASON in «Medea»
  124. DIE AMME in «Medea»
  125. IPHIGENIE in «Iphigenie in Aulis»
  126. KLYTÄMNESTRA in «Iphigenie in Aulis»
  127. PHAIDRA in «Hippolytos»
  128. HIPPOLYTOS in «Hippolytos»
  129. DIE AMME in «Hippolytos»
  130. HELENA in «Helena» II.
  131. HELENA in «Helena» I.
  132. TEIRESIAS in «Die Bakchen»
  133. AGAUE in «Die Bakchen»
  134. DER BOTE in «Die Bakchen»
  135. ODYSSEUS in «Der Kyklop»
  136. DIE DIENERIN in «Alkestis»
  137. ALKESTIS in «Alkestis»
  138. ADMETOS in «Alkestis»
  139. MARIA STUART in «Maria Stuart in Schottland»
  140. RASUMICHIN in «Schuld und Sühne»
  141. MARMELADOW in «Schuld und Sühne»
  142. WARWARA PETROWNA in «Die Dämonen»
  143. PIOTR STEPANOWITSCH in «Die Dämonen»
  144. DER MANN in «Der Traum eines lächerlichen Menschen»
  145. DON RODRIGO in «Der Cid»
  146. DON DIEGO in «Der Cid»
  147. DIE INFANTIN in «Der Cid» II.
  148. DIE INFANTIN in «Der Cid» I.
  149. CHIMENE in «Der Cid»
  150. SANCHO PANZA in «Don Quijote»
  151. DOROTEA in «Don Quijote»
  152. DON QUIJOTE in «Don Quijote»
  153. ANDRES in «Don Quijote»
  154. ALICE in «Alice im Wunderland»
  155. ISABEL in «Der Richter von Zalamea» II.
  156. ISABEL in «Der Richter von Zalamea» I.
  157. CRESPO in «Der Richter von Zalamea»
  158. ROSAURA in «Das Leben ein Traum» II.
  159. ROSAURA in «Das Leben ein Traum» I.
  160. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» IV.
  161. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» III.
  162. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» II.
  163. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» I.
  164. CLARIN in «Das Leben ein Traum»
  165. BASILIUS in «Das Leben ein Traum»
  166. DON LUIS in «Dame Kobold»
  167. ANGELA in «Dame Kobold»
  168. MYRRHA in «Sardanapal»
  169. RAPHAEL in «Himmel und Erde»
  170. JAPHET in «Himmel und Erde»
  171. AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» II.
  172. AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» I.
  173. LUCIFER in «Cain»
  174. EVA in «Cain»
  175. CAIN in «Cain»
  176. ADAH in «Cain»
  177. WOYZECK in «Woyzeck»
  178. MARIE in «Woyzeck»
  179. LEONCE in «Leonce und Lena» II.
  180. LEONCE in «Leonce und Lena» I.
  181. LENA in «Leonce und Lena»
  182. ST. JUST in «Dantons Tod»
  183. ROBESPIERRE in «Dantons Tod»
  184. MARION in «Dantons Tod»
  185. LUCILE in «Dantons Tod» II.
  186. LUCILE in «Dantons Tod» I.
  187. DANTON in «Dantons Tod»
  188. BECKMANN in «Draußen vor der Tür» II.
  189. BECKMANN in «Draußen vor der Tür» I.
  190. ROSEL in «Doktor Faust's Mantel» II.
  191. ROSEL in «Doktor Faust's Mantel» I.
  192. MEISTER STABERL in «Die Bürger in Wien» II.
  193. MEISTER STABERL in «Die Bürger in Wien» I.
  194. CHOR DER FRAUEN in «Lysistrate»
  195. DER WURSTHÄNDLER in «Die Ritter»
  196. STREPSIADES in «Die Wolken»
  197. ETEOKLES in «Die Sieben gegen Theben»
  198. DANAOS in «Die Schutzflehenden»
  199. DER BOTE in «Die Perser»
  200. ATOSSA in «Die Perser»
  201. ORESTES in «Die Orestie: Die Eumeniden» I.
  202. ORESTES in «Die Orestie: Die Eumeniden» II.
  203. ATHENE in «Die Orestie: Die Eumeniden»
  204. ORESTES in «Die Orestie: Die Choephoren»
  205. ELEKTRA in «Die Orestie: Die Choephoren» II.
  206. ELEKTRA in «Die Orestie: Die Choephoren» I.
  207. DIE AMME in «Die Orestie: Die Choephoren»
  208. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» III.
  209. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» II.
  210. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» I.
  211. KASSANDRA in «Die Orestie: Agamemnon» II.
  212. KASSANDRA in «Die Orestie: Agamemnon» I.
  213. DER WÄCHTER in «Die Orestie: Agamemnon»
  214. AIGISTHOS in «Die Orestie: Agamemnon»
  215. AGAMEMNON in «Die Orestie: Agamemnon»
  216. IO in «Der gefesselte Prometheus» II.
  217. PROMETHEUS in «Der gefesselte Prometheus»
  218. IO in «Der gefesselte Prometheus» I.

WIR EMPFEHLEN

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