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Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Michael Kramer 
Stück: Michael Kramer 
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1900 
Originalsprache: Deutsch 


4. AKT

Michael Kramer, seine Tochter Michaline und Lachmann 

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Michaline führt Liese Bänsch, die einfach und dunkel gekleidet ist, herein. Beide Frauen bleiben gleich bei der Türe stehn. Liese hält das Taschentuch vor den Mund.

KRAMER: (scheinbar ohne Liese zu bemerken, entzündet ein Streichholz und steckt Lichter an. Lachmann setzt diese Tätigkeit fort, bis zwei Armleuchter und etwa sechs einzelne Lichter brennen.) Was haben die Gecken von dem da gewußt: diese Stöcke und Klötze in Mannsgestalt!? Von dem und von mir und von unsren Schmerzen!? Sie haben ihn mir zu Tode gehetzt. Erschlagen, Lachmann, wie so'n Hund. Das haben sie, denn das kann ich wohl sagen. – Und sehn Se; was konnten sie ihm denn tun? Nun also: Tretet doch her, ihr Herrn! Immer seht ihn euch an und beleidigt ihn! Immer tretet herzu und versucht, ob ihr's könnt! Hörn Se, Lachmann: Das ist nun vorbei! – Er nimmt ein seidenes Tuch vom Angesicht des Toten. 's ist gut, wie er daliegt! 's ist gut! 's ist gut! – Im Scheine der Kerzen gewahrt man in der Nähe des Toten eine Staffelei, auf der gemalt worden ist. An diese setzt sich nun Kramer. Er fährt fort, unbeirrt, als ob außer ihm und Lachmann niemand zugegen wäre. Ich habe den Tag über hier gesessen, ich habe gezeichnet, ich habe gemalt, ich habe auch seine Maske gegossen. Dort liegt sie, dort, in dem seidnen Tuch. Jetzt gibt er dem Größten der Großen nichts nach.Er deutet auf die Beethovenmaske. Und will man das festhalten, wird man zum Narren. Was jetzt auf seinem Gesichte liegt, das alles, Lachmann, hat in ihm gelegen. Das fühlt' ich, das wußt' ich, das kannt' ich in ihm und konnte ihn doch nicht heben, den Schatz. Sehn Se, nun hat ihn der Tod gehoben. – Nun ist alles voll Klarheit um ihn her, das geht von ihm aus, von dem Antlitz, Lachmann, und hörn Se, ich buhle um dieses Licht, wie so'n schwarzer, betrunkner Schmetterling. – Hörn Se, man wird überhaupt so klein: Das ganze Leben lang war ich sein Schulmeister. Ich habe den Jungen malträtiert, und nun ist er mir so ins Erhabne gewachsen. – – Ich hab' diese Pflanze vielleicht erstickt. Vielleicht hab' ich ihm seine Sonne verstellt: dann war' er in meinem Schatten verschmachtet. Aber sehn Se, Lachmann, er nahm mich nicht an, und wenn ihm vielleicht der Freund gefehlt hat ... Ich, Lachmann, durfte der Freund nicht sein. – Als damals das Mädchen bei mir war, da hab' ich ... da hab' ich mein Bestes versucht. Doch da kriegte das Böse in ihm Gewalt, und wenn das Böse in ihm Gewalt kriegte – da tat es ihm wohl, mir wehe zu tun. Reue? Reue kenne ich nicht! Aber ich bin zusammengeschrumpft. Ich bin ganz erbärmlich vor ihm geworden. Ich sehe zu diesem Jungen hinauf, als wenn es mein ältester Ahnherr wäre!

Liese Bänsch wird von Michaline herangeführt, sie legt ihren Kranz zu den Füßen des Toten nieder, Kramer blickt auf und ihr grade ins Gesicht.


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Michael Kramer 
Stück: Michael Kramer 
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1900 
Originalsprache: Deutsch 


4. AKT

Michael Kramer, seine Tochter Michaline und Lachmann 

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KRAMER:(seine Tochter ein wenig festhaltend) Leb wohl, gutes Kind! Dich verdrießt's ja auch nicht. Du bist wohl die nüchternste von uns allen! – Nein, nein, Michaline, so mein' ich das nicht. Du hast einen kühlen, gesunden Kopf. Und ihr Herz ist so warm wie irgendeins, Lachmann. Michaline weint stärker. Aber höre: Bewähre dich nun auch, Kind. Nun müssen wir zeigen, wie weit wir Stich halten. (Michaline faßt sich resolut, drückt ihm die Hand und hernach auch Lachmann, dann geht sie.) Lachmann, wir wollen die Lichter aufstecken. Machen Sie mal die Pakete auf. – Sich selber der Arbeit unterziehend. Leid, Leid, Leid, Leid! Schmecken Sie, was in dem Worte liegt? – Sehn Se, das ist mit den Worten so: sie werden auch nur zuzeiten lebendig, im Alltagsleben bleiben sie tot. Er reicht Lachmann einen Leuchter, auf den er ein Licht gesteckt. So. Tragen Sie's meinem Jungen hinein. Lachmann begibt sich mit dem Leuchter in den verhangenen Teil des Raumes. Kramer, nun allein vor dem Vorhang, spricht laut weiter. – Wenn erst das Große ins Leben tritt, hörn Se, dann ist alles Kleine wie weggefegt. Das Kleine trennt, das Große, das eint, sehn Se. Das heißt, man muß so geartet sein. Der Tod ist immer das Große, hörn Se: der Tod und die Liebe, sehn Se mal an. Lachmann kommt wieder nach vorn. Ich bin unten beim Herrn Direktor gewesen, ich habe dem Manne die Wahrheit gesagt, und weshalb sollt' ich denn lügen, hörn Se?! Mir ist jetzt durchaus nicht danach zumut. Was geht mich die Welt an, möcht' ich bloß wissen! Er hat sich ja auch drüber weggesetzt. – – – Sehn Se, die Frauen, die wollen das. Der Pastor geht dann nicht mit ans Grab, und da hat's eben nicht seine Richtigkeit. Hörn Se, mir ist das ganz nebensächlich. Gott ist mir alles. Der Pastor nichts. – Wissen Sie, was ich heut morgen gemacht habe? Lieblingswünsche zu Grabe gebracht. Still, stille für mich. Ganz stille für mich, sehn Se. Hörn Se, das war ein langer Zug. Kleine und große, dick und dünn. Jetzt liegt alles da wie hingemäht, Lachmann. (...) Freiwillig, hörn Se –? Wer weiß, wo das zutrifft! – Sehn Se sich diese Skizzen mal an. Er kramt in seinem Rock und zieht aus seiner Brusttasche ein Skizzenbuch, das er vor Lachmann aufschlägt, nachdem er ihn ans Fenster geführt hat, wo man beim Abendlicht noch zur Not sehen kann. Da sind seine Peiniger alle versammelt. Sehn Se, da sind sie, so wie er sie sah. Und hörn Se, Augen hat er gehabt. – Das ist der wahrhaftige böse Blick, aber 's ist doch ein Blick! das will ich doch meinen. – – – Ich bin vielleicht nicht so zerstört, als Sie denken, und nicht so trostlos, wie mancher meint. – Der Tod, sehn Se, weist ins Erhabne hinaus. Sehn Se, da wird man niedergebeugt. Doch was sich herbeiläßt, uns niederzubeugen, ist herrlich und ungeheuer zugleich. Das fühlen wir dann, das sehen wir fast, und hörn Se, da wird man aus Leiden – groß. – – – Was ist mir nicht alles gestorben im Leben! Manch einer, Lachmann, der heute noch lebt. Warum bluten die Herzen und schlagen zugleich? Das kommt, Lachmann, weil sie lieben müssen. Das drängt sich zur Einheit überall, und über uns liegt doch der Fluch der Zerstreuung. Wir wollen uns nichts entgleiten lassen, und alles entgleitet doch, wie es kommt! (...) Als Michaline mich weckte die Nacht, da hab' ich mich wohl recht erbärmlich gezeigt. Aber sehn Se, ich hab' es da gleich gewußt. – Und wie er dann mußte so liegenbleiben, das waren die bittersten Stunden für mich. In dieser Stunde, wahrhaftigen Gott, Lachmann! – war das nun Läuterung oder nicht? –, da hab' ich mich selber nicht wiedererkannt. Hörn Se, da hab' ich so bitter gehadert: ich habe das selber von mir nicht gedacht. Ich habe gehöhnt und gewütet zu Gott. – Hörn Se, wir kennen uns selber nicht. Ich habe gelacht wie ein Fetischist und meinen Fetisch zur Rede gefordert: Da war mir das doch ein verteufelter Spaß, ein verteufelt nichtsnutziger Streich, sehn Se, Lachmann! sehr henkerhaft billig und salzlos und schlecht. – Sehn Se, so war ich. So bäumt' ich mich auf. Dann ... bis ich ihn dann in der Nähe hier hatte, da kehrte mir erst die Besinnung zurück. – – So was will einem erst gar nicht in den Kopf. Nun sitzt es. Nun lebt man schon wieder damit. Nun ist er schon bald zwei Tage dahin. Ich war die Hülse, dort liegt der Kern. Hätten sie doch die Hülse genommen.


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Elektra 
Stück: Iphigenie in Delphi 
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1941 
Originalsprache: Deutsch 


3. Akt

Elektra allein. 

ELEKTRA: 
Wie schrecklich ist es hier! Wie hallen hier
furchtbar die Felsen! Stechend gleißt's in mir
und, schien es, stürzte schreiend seinen Glanz
in meines Sehens Sehen, das mir fast
ertaubte. Unbegreiflich ist, o Loxias,
das Grausen deiner Gottheit, schauerlich,
mehr als die tückisch murrende, die Nacht
der Styx und ihre wälzenden Gewässer.
Erstarrt' im je vor Kälte so wie hier,
sei's selbst im Eisesgräberhauch der Mordnacht?
Und dennoch steh' ich ganz in Flammen, brenne! -
würd' im zu Asche doch! - allein ich stehe
in Flammenqual, die unverlöschlich ist
vom Anbeginn der Welt. Wer bin ich wohl?
Elektra, sagt man, Agamemnons Tochter,
des TantalidenI Tantalide selbst,
ein Ding verborgen schleppend, das ich bald
küsse in Heimlichkeit, bald laut verfluche.
Ich werf' es von mir, doch es kehrt zurück
der blutbeschmierte Wegwurf jedesmal.
Was ist es denn? Ein Beil I mit DoppelschneideI
Doch jedem, der es anfaßt, sträubt vor Grausen
Das Haar sich. So geschah's dem Greise, der
Mühsam sich Reisig brach und dem ich's gab,
damit es seine Mühe ihm erleichtre.
Und nun: dort ist dein Altar, Loxias!
Der Spalte Dunst
verwirrt das schon Verwirrte. Herrscher du
im heiligen Delphi, das Parnassos krönt!
Ich biete mich dir an als Priesterin,
allein im Wahnsinn sehend und allwissend! -
Schenk mir noch mehr davon: Allwissenheit
durch dich, betäube mich durch deinen Rauch
und zeige mir die Morde dieser Erde,
in der Entrückung deiner Gotteskraft,
grell und erbarmungslos: nicht einer bleibe
der Sterblichen, mir, fernerhin verhüllt!
Zu schwer erträgt sich einer: gib mir mehr!
Orest erschlug die Mutter mit dem Beil!
Sie war auch meine, seine Mutter, war
das Weib, in dessen Schoß er wurde und
das ihn zur Welt gebar. Er schlug sie tot,
schlug des zum Dank - und wenig fehlte, heißt's,
daß die Geburt Orestens schon das Leben
ihr nahm! - ihr mit der Axt ins Angesicht.
Nimm hin das Beil, Apollon, denn er tat's
auf dein Geheiß!
Sie legt das Beil auf den unteren Altar
Verfluchter Bruder! Oh,
geliebter Bruder! Oh! Geliebt, verflucht!
Verflucht, geliebt!


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Prospero 
Stück: Indipohdi 
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1921 
Originalsprache: Deutsch 


5. Akt 

Prospero allein.  

Höher in den Felsen ist Prospero erschienen. Der Mantel wallt von seinen Schultern. In der Hand hält er eine Bettlerschale, aus der eine blaue Flamme lodert. Er ist von der aufgehenden Sonne beleuchtet.

PROSPERO:(gegen die Sonne)
Titan! Titan! Du schleppst zum letztenmal
die Welt von Licht, die Welt voll Glut herauf
in deines Schöpfers Seele. Brausend fegt
die Feuersturmflut über alle Gipfel
und stürzt, ein Tönemeer, in alle Tiefen.
Du stärkster Dienstmann meines Zaubersaals,
du unverbrüchlich Treuer, wie ich dich
jetzt grüße, Herrlicher, so entlass' ich dich.
Gewiß, ich war ein Meister der Magie,
ein Zauberer, doch eine andre Hand
wob unsichtbar an meinen Zaubern mit,
und ich ward ihr ein freier Höriger.
Des Weberschiffleins Schnur zog meine Hand,
allein, in meiner wirkte jene andre
und trieb das Werk der Schöpfung vorwärts, die
im Tod entsteht und im Entstehen stirbt.
Noch einmal, in dem heiligen Augenblick
des Abschieds, wo der mächtige Webstuhl noch
dröhnt und mein Werk erschafft, was doch nicht mein ist,
grüß' ich dich, furchtbar-wundervolle Welt
des Zaubers und der Täuschung. Du gebierst
millionenfachen Fluch, wie Blumen auf
glückseligen Wiesen, und ich habe sie
jauchzend gepflückt und jubelnd mich gewälzt
im Schmerzenstau, im Todesduft der Gräser.
Und als mein immer wachsendes Geweb'
mich enger stets umstrickte und Gestalt,
unzähliger Form, mich, der sie schuf, umdrang,
da würgte mich mein eigner Zauber, drang
mein Volk von Schatten grausam auf mich ein
und legte mich, den Schöpfer, in die Folter.
Ich schlage um mich. Kampf, noch immer Kampf,
als habe ein Wutbiß diese Welt gezeugt
und diese blutige Riesenmühle Schöpfung,
die grausam mörderisch die Frucht zermalmt.
Nein, nein, es ist nicht wahr. Nichts ist hier Täuschung,
denn Blut ist Blut, und Brot ist Brot, und Mord
ist Mord. Sind alle diese Rachen,
die Mitgeschöpfe gen einander gähnen,
womit dies blinde Leben schrecklich prunkt,
Täuschung? Zerstückt des Haies Kiefer nicht
des Menschen Leib? Ist nicht des Tigers Hunger
qualvoller Haß und Mordsucht, und zerreißt
er nicht Lebendiges und schlingt sein Fleisch?
Ward eine Kreatur in diese Welt
hineingeboren ohne Waffe, und
die Mutter, die in Furcht und Graun gebiert,
gebiert sie Furcht und Grauen nicht im Kinde? –
Das ist nicht Täuschung, nein, es ist so, und
so wäre denn dies Täuschung, daß die Welt
nur meines Zaubers Täuschung war: und dies
ist Wahnwitz! – Nein! Zwei Augen leuchten mir
im Nebel. O Tehura! Und es dringt
wie leise Sphärenklänge auf mich ein,
vom Stern der Liebe. Nah ist die Versöhnung.
O reine Priesterin, nimm weg die Welt
und schenke mir das Nichts, das mir gebührt.
Ich fühle dich, ich sinke in dich! Nichts!
(Alles ist im Nebel verschwunden.)



Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Franziska Wermelskirch
Stück: Fuhrmann Henschel
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1899 
Originalsprache: Deutsch 


3. AKT

Franziska Wermelskirch und Frau Henschel 

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FRANZISKA: (kommt hereingetanzt.) Platz, Platz, Frau Henscheln, ich hab' keine Zeit! (Sie dreht sich um den Tisch herum nach dem Takte des von oben klingenden Walzers. [...] Franziska tanzt unbeirrt weiter und singt die Walzermelodie dazu. Frau Henschel, immer mehr belustigt. [...] Die Musik bricht ab. Sie fällt erschöpft auf einen Stuhl.) Ich könnte mich mausetot tanzen, Frau Henscheln. [...] Tanzen Sie gar nicht? [...] Kommen Sie, tanzen Sie mal mit mir. [...] Wissen Sie was, ich schleiche mich rauf. Ich schleiche mich rauf auf die Galerie. Sind Sie da schon mal oben gewesen? Im großen Saal auf der Galerie? Wo die Säcke stehen mit den gebackenen Pflaumen. Da geh' ich ganz frech rauf und gucke runter. Da ess' ich Pflaumen und gucke runter. Warum soll ich denn da nicht runtergucken? [...] Ich gucke ganz frech. Das ist mir ganz gleichgiltig. Und wenn eine mit'n Herrn Siebenhaar tanzt, die bombardier' ich mit Pflaumenkernen. [...] Der ist auch der allerfeinste von allen. (Musik.) Nu geht's wieder los. Nu spielen sie Polka. Wieder tanzend. Mit Herrn Siebenhaar möcht' ich gleich mal tanzen. Da würde ich ihm, eh er sich versieht, ganz einfach 'nen Kuß geben, mir nichts – dir nichts. [...] Ich heirate gar nicht! Ich warte mal ab, bis 'n feiner Herr kommt, am liebsten 'n Russe – im Sommer – 'n Kurgast –, von dem lass' ich mich mitnehmen, raus in die Welt. Weit fort in die Welt; die Welt will ich sehn, nach Paris will ich reisen. Dann schreibe ich Ihnen auch mal, Frau Henschel. [...] Herr Siebenhaar war ja auch in Paris, bei der Revolution, der kann fein erzählen. So 'ne Revolution möcht' ich auch mal mitmachen; da muß man mit Barrikaden baun ... (man hört Wermelkirchs Stimme) Pst. Stille. Ich soll wieder vorne bedienen. Das ist mir scheußlich, das mag ich nicht. (nochmal Wermelkirchs Stimme) Das ist doch Papas Sache oder Mamas, oder sollen sie sich einen Kellner halten. Ich lasse mich nicht zur Biermamsell machen. (nochmal Wermelkirchs Stimme) Ja, wenn das vornehme Herren wären, aber nichts wie Brunnschöpfer, Kutscher und Bergleute. Da dank' ich dafür. Das paßt mir denn doch nicht.


 


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Piperkarcka
Stück: Die Ratten 
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1911 
Originalsprache: Deutsch 


1. AKT

Piperkarcka und Frau John

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Frau John, über Mitte der Dreißig hinaus, und das blutjunge Dienstmädchen Piperkarcka sitzen am Mitteltisch. Die John, den Oberkörper weit über den Tisch gelehnt, redet lebhaft auf das Dienstmädchen ein. Die Piperkarcka, dienstmädchenhaft aufgedonnert, mit Jackett, Hut und Schirm, sitzt aufrecht. Ihr hübsches rundes Lärvchen ist verweint. Ihre Gestalt zeigt Spuren noch nicht vollendeter Mutterschaft. Sie malt mit der Schirmspitze auf der Diele.

PIPERKARCKA: Nu ja. Ick will nu also Schlachtensee oder Halensee. Muß jehn un muß nachsehn, ob ick ihm treffe! Sie trocknet ihre Tränen und will sich erheben. [...] Denn soll meine Wirtin heute soll warten umsonst verjeblich auf mir. Ick spring' im Landwehrkanal und versaufe. [...] Zu Hause darf ick mir nu janz natürlich nich blicken lassen, wie ick verändert bin. Mutter schreit doch auf'n ersten Blick! Vater haut mir Kopf an die Wand und schmeißt mir Straße. Jeld hab' ick nu ebenfalls ooch weiter nu weiter keens nich! als wie Stücker zwei Joldstücke, was ick mich Jackettfutter einjenäht. Hätte mich schlechter Mensch nich Mark nich Pfennig übriggelassen. [...] I jrade! Ick stürze mir Landwehrkanal! Sie steht auf. Ick schreibe Zettel, ick lasse Zettel in mein Jackett zurück: du hast mit deine verfluchte Schlechtigkeit deine Pauline im Wasser jetrieben! dann setze vollen Namen Alois Theophil Brunner, Instrumentenmacher, zu. Denn soll er sehn, wie er mit sein Mord auf Jewissen man meinswegen fertig wird.

Frau John stellt sich, als wolle sie die Piperkarcka hinausbegleiten. 


 


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Heinrich von Aue
Stück: Der arme Heinrich
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1902 
Originalsprache: Deutsch 


4. Akt 

Heinrich allein. 

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HEINRICH: (schleppt sich bis an die Stufen des Altars und stürzt darauf wie ein Schutz flehender nieder. Aus seinem Innern ringen sich keuchend abgerissene, verzweifelte Worte)
Beten! ich kann nicht! Gott,
gib mir doch Worte! warum gibst du mir
nicht deine Worte, daß ich beten kann?
Tränen! gib mir doch Tränen! gib mir Wasser,
daß ich die giftig stechenden Flammenzungen
im Schutt der ausgebrannten Trümmerstätte
auslöschen kann! – Töte mich! töte mich!
Du hast mich hinterlistig fortgelockt –
ein boshaft schlauer Jäger – von dem Rande
des stillen, weiten, tiefen, kühlen Sees,
da ich mich eben, einem Biber gleich,
anschickte, in den kalten Grund zu tauchen,
wo nichts mehr brennt. Lösche mich! lösche mich aus!
Lösch alle Qual des Lichts im schwarzen Schoß
der Finsternis. Wecke mich nie mehr! Denn
die Sonne martert mich mit giftigen Pfeilen.
Schlaf! gib mir Schlaf! mein Bett ist nicht ein Bett,
die Schlangen der Sonne rasen mir im Haupt
nachts: rette mich vor dem furchtbaren Lichte! –
Was säest du Haß? Was hast du Blindgeborene
wie Hagel auf das Erdreich ausgeschüttet,
die sich zerfleischen müssen? Warum nährst
du mit der Milch des Grams uns? Warum leiden wir
in diesen Sonnenflammen kläglich Pein,
ohn' einen Tropfen Kühlung? Gott, vergiß . . .
vergiß mich wahrhaft! Denk, ich sei nichts wert:
kein Baustein deines blutgetünchten Baus!
Auf blutigem Grunde und mit blutigem Mörtel
gebunden, dehnt er qualvoll sich empor
voll grausigen Lebens, das mich schaudern macht.
Vergiß mich, ungeheurer Bauherr! Was verschlägt's,
wenn dir ein Staubkorn mangelt? wenn du mich
von Qual und von Erlösung freigibst, mich
entläßt, verstößt vom Werk: aus Fron und Lohn?!


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Heinrich von Aue
Stück: Der arme Heinrich
Autor: Gerhart Hauptmann

Erscheinungsjahr: 1902 
Originalsprache: Deutsch 


3. Akt 

Heinrich allein.  

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HEINRICH:(bricht in ein wildes Gelächter aus; sein Lachen will einen mehr schmerzlichen, fast schluchzenden Charakter annehmen, da rafft er sich zusammen, schweigt und sagt dann)
So. – Stille. – Gut. – Mein Reich. – Ich bin bewehrt
mit einem wackren Panzer. – Meine Welt
geht wieder auf um mich: – um mich allein. –
Ich bin nicht einsam. Nein! Die Einsamkeit
erschlägt mein Herz nicht! Kein Ersticken – nein! –
begraben im harten Eiskristall des Raums!
Ich bin nicht einsam. – Schweigen: rein. Kein Laut!
Kein Scherbenrasseln! Keine klappernde Schelle! –
Weltmeer: – frei! – Alle Höhn und Tiefen rein,
weit, stumm im Glanz! – Was fehlt mir? Nun ans Werk!
(Fährt fort, sein Grab zu graben.)
Aus Moder wardst du, mußt zu Moder werden.
Oh, Schlaf des Lebens! tiefrer Schlaf des Tods:
Bettler und König! – Tiefster Schweiger: Tod!
in deinem braunen Kleid wimmelnder Schollen,
was weißt du? – Werden wir ins Leben nicht
blindlings mit furchtbarem Henkersgriff gestoßen,
nachdem uns Wollustraserei gezeugt
erbarmungslos?! Und lockt ins Netz der Lust
zu ahnungsloser Buhlschaft Nacht für Nacht
der Sünde Girren nicht unzählige Toren? –
Ist Leben Kerkerhaft? Sind wir in Fron?
Und bist du, Tod, der drohende Kerkermeister
und Schließer, der den Ausgang nur verstellt? –
Lallen! – Stumm sind wir alle: stumm geboren,
stumm auf dem Kriegspfad. Stumm vor Mensch und . . . oder
die Steine reden: –? Ja, die Steine schrein!! –
Brüder! – Ich bin nicht! – nichts in meinem Leid
allein! – Ein Schmerzenswallen und – ein Glück.



Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Der Sohn
Stück: Der Sohn
Autor: Walter Hasenclever

Erscheinungsjahr: 1914 
Originalsprache: Deutsch 


1. Akt, 2. Szene 

Der Sohn allein.  

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DER SOHN:(geht zum Fenster und öffnet es. Die Abendsonne scheint)
Dort unten, tief und herrlich ohnegleichen,
Sind Wundernächte, die mich nie erreichen
Im dumpfen Raum, der meine Kindheit sah.
Ihr Büchersehränke und ihr Schülerhefte,
Erhebt euch, süße, zauberische Kräfte
Und du, mein erster Weg nach Golgatha.
Die Sonne sinkt. Riviera meiner Träume,
Im Tenniskleide, wo ich dunkel stand — :
Ich ruf euch her, ihr Wege und ihr Bäume,
Du Sonntagsball in meiner Kinderhand!
O komm, im Schweben eines Nachbarhauses,
Liebliches Mädchen, das ein Gruß entzückt;
Steig auf, Geruch des festlichen Geschmauses,
Hast oft den Einsamen zur Nacht beglückt.
In meinem alten Zimmer will ich knieen —
Mein ganzes Leben stürzt in diesen Saal:
Mein Tisch, mein Stuhl, ihr Wände sollt nicht fliehen —‐
O Erde, nimm mit mir das Abendmahl!
(Er kniet nieder mit ausgebreiteten Armen.)
Vergebens klopf ich an dem bronzenen Tore
Das mein Gefängnis von den Gärten trennt,
Musikkapellen und den Tanz im Ohre,
Ein armer Körper, der am Staub noch brennt
Und doch, ich lebte, lebte unermessen,
Auf diesem Boden, den ich nie besessen
Das Leben grenzenloser Sehnsucht hin.
Und hab ich nicht die Kraft, es zu erringen
Will ich mich rückwärts in die Leere schlingen,
Aus der ich mutlos nur gelandet bin.
Hinauf denn, seidne Schnur, mich zu vernichten!
Ich habe nie geliebt und bin allein.
Du letzter Kreis von sterblichen Gesichten —
Beflügle mich zu einem neuen Sein!
(Er hat eine grüne Schnur aus der Tasche gezogen und am Fenster befestigt.)
Grünes Geschöpf aus fremder Menschen Hände:
Was überwältigt mich dein Anblick so?
Bin ich nicht auch ein Mensch — ist das das Ende —
O Abendsonne! Herz, ich bin so froh.
Mußt du mich hier an dieser Stelle finden!
Hand läßt nicht los, und Erde will nicht schwinden.
Ein unbekanntes Feuer macht mich beben —
In dieser Stunde kehrt mein Herz sich um:
Ich bin bei euch —: so will ich mit euch leben!
Wo ist dein Stachel, Tod — — — — Elysium — —
(Er taumelt, von großer Erregung übermannt, rückwärts ins Zimmer.)
Geheimnis, du bist auch in mir entsprungen!
Ich ohne Frauen, die niemand kennt;
Ich fühle Arme, die einst mich umschlungen,
Ein süßes Gesicht meinen Namen nennt.
Ich höre im drohenden Abendwind
Viele, die arm und unglücklich sind;
Ich seh im Sorge ein Kind, das schwebt:
Ich weiß, daß viel Leid und viel Freude lebt.
Vielleicht ist auf dieser Erde weit
Noch ein Trost, eine Brücke zur Seligkeit —
Ich will nicht sterben mit zwanzig Jahren.
Ich muß noch leben. Ich muß das erfahren.
(Er kommt zum Fenster zurück. Die Sonne geht unter.
Unendliches Gefühl! Du gabst ein Zeichen.
Das Wunder soll mein erster Glaube sein.
Konzert und Stadt — ich werde euch erreichen!
Mein Auto naht im Dämmerschein.
Ich bin in Logen, ich werde soupieren
Mit Schauspielerin und Champagnerwein;
Bei einer Fürstin in London sein,
Und die Brillantnadel wird mich zieren.
Ich werde ein neues System entdecken,
Mit dem Fallschirm stürzen aus einem Haus.
Mein Schauspiel wird Parterre erschrecken:
Ich werde leben! O Gold! O Applaus!
Zerreiße denn, Schnur, und vergehe statt meiner ‐—
Ihr aber, Gestalten des Abendscheins,
Gebt mich noch einmal, beglückter und reiner,
Zurück an die Freude des ewigen Seins!
(Er zerreißt die Schnur und wirft die Stücken aus dem Fenster.)


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Leon, der Küchenjunge 
Stück: Weh dem, der lügt! 
Autor: Franz Grillparzer 

Erscheinungsjahr: 1838 
Originalsprache: Deutsch 


1. Aufzug - Am Gartentor

Leon und der Hausverwalter. 

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Garten im Schlosse zu Dijon, im Hintergrunde durch eine Mauer geschlossen, mit einem großen Gittertore in der Mitte. Leon, der Küchenjunge, und der Hausverwalter am Gartentor.

LEON: 

So? In der Küche, meint Ihr? Zeigt mir die!
Wenn eine Küch' der Ort ist, wo man kocht,
So sucht Ihr sie im ganzen Schloß vergebens.
Wo man nicht kocht ist keine Küche, Herr,
Wo keine Küche ist kein Koch. Das, seht Ihr?
Wollt' ich dem Bischof sagen; und ich tu's,
Ich tu's fürwahr, und säht Ihr noch so scheel.
Pfui Schande über alle Knauserei!
Erst schickten sie den Koch fort, nun, da meint' ich,
Sie trauten mir so viel, und war schon stolz,
Doch als ich anfing meine Kunst zu zeigen,
Ist alles viel zu teuer, viel zu viel.
Mit Nichts soll ich da kochen, wenn auch nichts.
Nur gestern noch erhascht' ich ein Stück Wildbret,
So köstlich als kein andres, um 'nen Spottpreis,
Und freute mich im voraus, wie der Herr sich,
Der Alte, Schwache, laben würde dran.
Ja, prost die Mahlzeit! Mußt' ich's nicht verkaufen,
An einen Sudelkoch verhandeln mit Verlust;
Weil's viel zu teuer schien, gar viel zu kostbar.
Nennt Ihr das Knauserei? wie, oder sonst?

HAUSVERWALTER: 
Man wird dich jagen, allzu lauter Bursch!


LEON: 
Mich jagen? Ei, erspart Euch nur die Müh'!

Ich geh von selbst. Hier, meine Schürze, seht!
Und hier mein Messer, das Euch erst erschreckt,
(er wirft beides auf den Boden)
So werf ich's hin und heb es nimmer auf.
Sucht einen andern Koch für eure Fasten!

Glaubt Ihr, für Geld hätt' ich dem Herrn gedient?
Es gibt wohl andre Wege noch und beßre,
Sich durchzuhelfen, für 'nen Kerl wie ich.
Der König braucht Soldaten, und, mein Treu!
Ein Schwert wär' nicht zu schwer für diese Hand.
Doch sah ich Euern Bischof durch die Straßen
Mit seinem weißen Bart und Lockenhaar,
Das Haupt gebeugt von Alterslast,
Und doch gehoben von – ich weiß nicht was,
Doch von was Edlem, Hohem muß es sein;
Die Augen aufgespannt, als säh' er Bilder
Aus einem andern, unbekannten Land,
Die allzugroß für also kleine Rahmen:
Sah ich ihn so durch unsre Straßen ziehn,
Da rief's in mir: dem mußt du dienen, dem,
Und wär's als Stallbub. Also kam ich her.
In diesem Haus, dacht' ich, wär' Gottesfrieden,
Sonst alle Welt im Krieg. Nun da ich hier,
Nun muß ich sehn, wie er das Brot sich abknappt,
Als hätt' er sich zum Hungertod verdammt,
Wie er die Bissen sich zum Munde zählt.
Mag das mit ansehn, wer da will, ich nicht.

HAUSVERWALTER:

Was sorgst du mehr um ihn, als selbst er tut?
Ist er nicht kräftig noch für seine Jahre?

LEON: 
Mag sein! Doch ist's was andres noch, was Tiefers.

Ich weiß es manchmal deutlich anzugeben,
Und wieder manchmal spukt's nur still und heimlich.
Daß er ein Bild mir alles Großen war
Und daß ich jetzt so einen schmutz'gen Flecken,
Als Geiz ist, so 'nen hämisch garst'gen Klecks,
Auf seiner Reinheit weißem Kleide seh,
Und sehen muß, ich tu auch, was ich will;
Das setzt mir alle Menschen fast herab,
Mich selber, Euch; kurz alle, alle Welt,
Für deren Besten ich so lang ihn hielt,
Und quält mich, daß ich wahrlich nicht mehr kann.
Kurz, ich geh fort, ich halt's nicht länger aus. 

 


1. Aufzug - Am Gartentor

Leon und der Hausverwalter 

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LEON: 
So? In der Küche, meint Ihr? Zeigt mir die!
Wenn eine Küch' der Ort ist, wo man kocht,
So sucht Ihr sie im ganzen Schloß vergebens.
Wo man nicht kocht ist keine Küche, Herr,
Wo keine Küche ist kein Koch. Das, seht Ihr?
Wollt' ich dem Bischof sagen; und ich tu's,
Ich tu's fürwahr, und säht Ihr noch so scheel.
Pfui Schande über alle Knauserei!
Erst schickten sie den Koch fort, nun, da meint' ich,
Sie trauten mir so viel, und war schon stolz,
Doch als ich anfing meine Kunst zu zeigen,
Ist alles viel zu teuer, viel zu viel.
Mit Nichts soll ich da kochen, wenn auch nichts.
Nur gestern noch erhascht' ich ein Stück Wildbret,
So köstlich als kein andres, um 'nen Spottpreis,
Und freute mich im voraus, wie der Herr sich,
Der Alte, Schwache, laben würde dran.
Ja, prost die Mahlzeit! Mußt' ich's nicht verkaufen,
An einen Sudelkoch verhandeln mit Verlust;
Weil's viel zu teuer schien, gar viel zu kostbar.
Nennt Ihr das Knauserei? wie, oder sonst?

Ich werde geh'n. Hier, meine Schürze, seht!
Und hier mein Messer, das Euch erst erschreckt,
(er wirft beides auf den Boden)
So werf ich's hin und heb es nimmer auf.
Sucht einen andern Koch für eure Fasten!

Glaubt Ihr, für Geld hätt' ich dem Herrn gedient?
Es gibt wohl andre Wege noch und beßre,
Sich durchzuhelfen, für 'nen Kerl wie ich.
Der König braucht Soldaten, und, mein Treu!
Ein Schwert wär' nicht zu schwer für diese Hand.
Doch sah ich Euern Bischof durch die Straßen
Mit seinem weißen Bart und Lockenhaar,
Das Haupt gebeugt von Alterslast,
Und doch gehoben von – ich weiß nicht was,
Doch von was Edlem, Hohem muß es sein;
Die Augen aufgespannt, als säh' er Bilder
Aus einem andern, unbekannten Land,
Die allzugroß für also kleine Rahmen:
Sah ich ihn so durch unsre Straßen ziehn,
Da rief's in mir: dem mußt du dienen, dem,
Und wär's als Stallbub. Also kam ich her.
In diesem Haus, dacht' ich, wär' Gottesfrieden,
Sonst alle Welt im Krieg. Nun da ich hier,
Nun muß ich sehn, wie er das Brot sich abknappt,
Als hätt' er sich zum Hungertod verdammt,
Wie er die Bissen sich zum Munde zählt.
Mag das mit ansehn, wer da will, ich nicht.

Ich weiß es manchmal deutlich anzugeben,
Und wieder manchmal spukt's nur still und heimlich.
Daß er ein Bild mir alles Großen war
Und daß ich jetzt so einen schmutz'gen Flecken,
Als Geiz ist, so 'nen hämisch garst'gen Klecks,
Auf seiner Reinheit weißem Kleide seh,
Und sehen muß, ich tu auch, was ich will;
Das setzt mir alle Menschen fast herab,
Mich selber, Euch; kurz alle, alle Welt,
Für deren Besten ich so lang ihn hielt,
Und quält mich, daß ich wahrlich nicht mehr kann.
Kurz, ich geh fort, ich halt's nicht länger aus. 

   


  1. GREGOR in «Weh dem, der lügt!»
  2. SAPPHO in «Sappho» III.
  3. SAPPHO in «Sappho» II.
  4. SAPPHO in «Sappho» I.
  5. MELITTA in «Sappho»
  6. RAHEL in «Die Jüdin von Toledo»
  7. HERO in «Des Meeres und der Liebe Wellen»
  8. CORNELIA in «Verliebtes Gespenste / Die geliebte Dornrose»
  9. CHLORIS in «Verliebtes Gespenste / Die geliebte Dornrose»
  10. RATTENGIFT in «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung»
  11. GOTHLAND in «Herzog Theodor von Gothland»
  12. PEPEL in «Nachtasyl»
  13. NASTJA in «Nachtasyl»
  14. LUKA in «Nachtasyl» I.
  15. LUKA in «Nachtasyl» II.
  16. TATJANA in «Die Kleinbürger»
  17. HELENA in «Die Kleinbürger»
  18. MIRANDOLINA in «Mirandolina»
  19. TRUFFALDINO in «Der Diener zweier Herren» II.
  20. TRUFFALDINO in «Der Diener zweier Herren» I.
  21. AGAFIA TICHONOWNA in «Die Heirat»
  22. OSSIP in «Der Revisor»
  23. TORQUATO TASSO in «Torquato Tasso»
  24. LEONORE in «Torquato Tasso»
  25. STELLA in «Stella»
  26. FERNANDO in «Stella»
  27. PHORKYAS in «Faust - Teil 2»
  28. HELENA in «Faust - Teil 2» II.
  29. HELENA in «Faust - Teil 2» I.
  30. VALENTIN in «Faust - Teil 1»
  31. MEPHISTOPHELES in «Faust - Teil 1» II.
  32. MEPHISTOPHELES in «Faust - Teil 1» I.
  33. MARGARETE (GRETCHEN) in «Faust - Teil 1»
  34. LIESCHEN in «Faust - Teil 1»
  35. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» IV.
  36. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» I.
  37. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» II.
  38. GRETCHEN (MARGARETE) in «Faust - Teil 1» III.
  39. FAUST in «Faust - Teil 1» IV.
  40. FAUST in «Faust - Teil 1» III.
  41. FAUST in «Faust - Teil 1» II.
  42. FAUST in «Faust - Teil 1» I.
  43. DER SCHÜLER in «Faust - Teil 1»
  44. OREST in «Iphigenie auf Tauris»
  45. IPHIGENIE in «Iphigenie auf Tauris» III.
  46. IPHIGENIE in «Iphigenie auf Tauris» I.
  47. IPHIGENIE in «Iphigenie auf Tauris» II.
  48. KLÄRCHEN in «Egmont» II.
  49. KLÄRCHEN in «Egmont» I.
  50. EGMONT in «Egmont»
  51. BRACKENBURG in «Egmont»
  52. EUGENIE in «Die natürliche Tochter»
  53. SÖLLER in «Die Mitschuldigen»
  54. SOPHIE in «Die Mitschuldigen»
  55. ALCEST in «Die Mitschuldigen»
  56. CLAVIGO in «Clavigo» II.
  57. CLAVIGO in «Clavigo» I.
  58. CARLOS in «Clavigo»
  59. SOPHONISBE in «Sophonisbe»
  60. MEDEA in «Medea» III.
  61. MEDEA in «Medea» II.
  62. MEDEA in «Medea» I.
  63. JASON in «Medea»
  64. DIE AMME in «Medea»
  65. IPHIGENIE in «Iphigenie in Aulis»
  66. KLYTÄMNESTRA in «Iphigenie in Aulis»
  67. PHAIDRA in «Hippolytos»
  68. HIPPOLYTOS in «Hippolytos»
  69. DIE AMME in «Hippolytos»
  70. HELENA in «Helena» II.
  71. HELENA in «Helena» I.
  72. TEIRESIAS in «Die Bakchen»
  73. AGAUE in «Die Bakchen»
  74. DER BOTE in «Die Bakchen»
  75. ODYSSEUS in «Der Kyklop»
  76. DIE DIENERIN in «Alkestis»
  77. ALKESTIS in «Alkestis»
  78. ADMETOS in «Alkestis»
  79. MARIA STUART in «Maria Stuart in Schottland»
  80. RASUMICHIN in «Schuld und Sühne»
  81. MARMELADOW in «Schuld und Sühne»
  82. WARWARA PETROWNA in «Die Dämonen»
  83. PIOTR STEPANOWITSCH in «Die Dämonen»
  84. DER MANN in «Der Traum eines lächerlichen Menschen»
  85. DON RODRIGO in «Der Cid»
  86. DON DIEGO in «Der Cid»
  87. DIE INFANTIN in «Der Cid» II.
  88. DIE INFANTIN in «Der Cid» I.
  89. CHIMENE in «Der Cid»
  90. SANCHO PANZA in «Don Quijote»
  91. DOROTEA in «Don Quijote»
  92. DON QUIJOTE in «Don Quijote»
  93. ANDRES in «Don Quijote»
  94. ALICE in «Alice im Wunderland»
  95. ISABEL in «Der Richter von Zalamea» II.
  96. ISABEL in «Der Richter von Zalamea» I.
  97. CRESPO in «Der Richter von Zalamea»
  98. ROSAURA in «Das Leben ein Traum» II.
  99. ROSAURA in «Das Leben ein Traum» I.
  100. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» IV.
  101. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» III.
  102. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» II.
  103. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» I.
  104. CLARIN in «Das Leben ein Traum»
  105. BASILIUS in «Das Leben ein Traum»
  106. DON LUIS in «Dame Kobold»
  107. ANGELA in «Dame Kobold»
  108. MYRRHA in «Sardanapal»
  109. RAPHAEL in «Himmel und Erde»
  110. JAPHET in «Himmel und Erde»
  111. AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» II.
  112. AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» I.
  113. LUCIFER in «Cain»
  114. EVA in «Cain»
  115. CAIN in «Cain»
  116. ADAH in «Cain»
  117. WOYZECK in «Woyzeck»
  118. MARIE in «Woyzeck»
  119. LEONCE in «Leonce und Lena» II.
  120. LEONCE in «Leonce und Lena» I.
  121. LENA in «Leonce und Lena»
  122. ST. JUST in «Dantons Tod»
  123. ROBESPIERRE in «Dantons Tod»
  124. MARION in «Dantons Tod»
  125. LUCILE in «Dantons Tod» II.
  126. LUCILE in «Dantons Tod» I.
  127. DANTON in «Dantons Tod»
  128. BECKMANN in «Draußen vor der Tür» II.
  129. BECKMANN in «Draußen vor der Tür» I.
  130. ROSEL in «Doktor Faust's Mantel» II.
  131. ROSEL in «Doktor Faust's Mantel» I.
  132. MEISTER STABERL in «Die Bürger in Wien» II.
  133. MEISTER STABERL in «Die Bürger in Wien» I.
  134. CHOR DER FRAUEN in «Lysistrate»
  135. DER WURSTHÄNDLER in «Die Ritter»
  136. STREPSIADES in «Die Wolken»
  137. ETEOKLES in «Die Sieben gegen Theben»
  138. DANAOS in «Die Schutzflehenden»
  139. DER BOTE in «Die Perser»
  140. ATOSSA in «Die Perser»
  141. ORESTES in «Die Orestie: Die Eumeniden» I.
  142. ORESTES in «Die Orestie: Die Eumeniden» II.
  143. ATHENE in «Die Orestie: Die Eumeniden»
  144. ORESTES in «Die Orestie: Die Choephoren»
  145. ELEKTRA in «Die Orestie: Die Choephoren» II.
  146. ELEKTRA in «Die Orestie: Die Choephoren» I.
  147. DIE AMME in «Die Orestie: Die Choephoren»
  148. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» III.
  149. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» II.
  150. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» I.
  151. KASSANDRA in «Die Orestie: Agamemnon» II.
  152. KASSANDRA in «Die Orestie: Agamemnon» I.
  153. DER WÄCHTER in «Die Orestie: Agamemnon»
  154. AIGISTHOS in «Die Orestie: Agamemnon»
  155. AGAMEMNON in «Die Orestie: Agamemnon»
  156. IO in «Der gefesselte Prometheus» II.
  157. PROMETHEUS in «Der gefesselte Prometheus»
  158. IO in «Der gefesselte Prometheus» I.

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