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Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Brackenburg
Stück: Egmont 
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1789 
Originalsprache: Deutsch 
 


1. Aufzug - Bürgerhaus 

Brackenburg allein  

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BRACKENBURG: Ich hatte mir vorgenommen, gerade wieder fortzugehn; und da sie es dafür aufnimmt und mich gehen läßt, möcht' ich rasend werden. – Unglücklicher! und dich rührt deines Vaterlandes Geschick nicht? der wachsende Tumult nicht? – und gleich ist dir Landsmann oder Spanier, und wer regiert und wer recht hat? – War ich doch ein andrer Junge als Schulknabe! – Wenn da ein Exerzitium aufgegeben war: »Brutus' Rede für die Freiheit, zur Übung der Redekunst«, da war doch immer Fritz der Erste, und der Rektor sagte: »Wenn's nur ordentlicher wäre, nur nicht alles so übereinander gestolpert.« – Damals kocht' es und trieb! – Jetzt schlepp ich mich an den Augen des Mädchens so hin. Kann ich sie doch nicht lassen! Kann sie mich doch nicht lieben! – Ach – Nein – Sie – Sie kann mich nicht ganz verworfen haben – Nicht ganz – und halb und nichts! – ich duld es nicht länger! – - Sollte es wahr sein, was mir ein Freund neulich ins Ohr sagte? daß sie nachts einen Mann heimlich zu sich einläßt, da sie mich züchtig immer vor Abend aus dem Hause treibt. Nein, es ist nicht wahr, es ist eine Lüge, eine schändliche verleumderische Lüge! Klärchen ist so unschuldig, als ich unglücklich bin. – Sie hat mich verworfen, hat mich von ihrem Herzen gestoßen – - Und ich soll so fortleben? Ich duld, ich duld es nicht. – - Schon wird mein Vaterland von innerm Zwiste heftiger bewegt, und ich sterbe unter dem Getümmel nur ab! Ich duld es nicht! – Wenn die Trompete klingt, ein Schuß fällt, mir fährt's durch Mark und Bein! Ach, es reizt mich nicht! es fordert mich nicht, auch mit einzugreifen, mit zu retten, zu wagen. – Elender, schimpflicher Zustand! Es ist besser, ich end auf einmal. Neulich stürzt' ich mich ins Wasser, ich sank – aber die geängstete Natur war stärker; ich fühlte, daß ich schwimmen konnte, und rettete mich wider Wille. – - Könnt' ich der Zeiten vergessen, da sie mich liebte, mich zu lieben schien! – Warum hat mir 's Mark und Bein durchdrungen, das Glück? Warum haben mir diese Hoffnungen allen Genuß des Lebens aufgezehrt, indem sie mir ein Paradies von weitem zeigten? – Und jener erste Kuß! Jener einzige! – Hier (die Hand auf den Tisch legend), hier waren wir allein – sie war immer gut und freundlich gegen mich gewesen – da schien sie sich zu erweichen – sie sah mich an – alle Sinnen gingen mir um, und ich fühlte ihre Lippen auf den meinigen. – Und – und nun? – Stirb, Armer! Was zauderst du? (Er zieht ein Fläschchen aus der Tasche.) Ich will dich nicht umsonst aus meines Bruders Doktorkästchen gestohlen haben, heilsames Gift! Du sollst mir dieses Bangen, diese Schwindel, diese Todesschweiße auf einmal verschlingen und lösen.


 


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Eugenie 
Stück: Die natürliche Tochter 
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1803 
Originalsprache: Deutsch


5. Aufzug, 6. Auftritt 

Eugenie allein, hernach Hofmeisterin im Grunde.  

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EUGENIE:
So ist mir denn das schönste Königreich,
Der Hafenplatz, von Tausenden belebt,
Zur Wüste worden und ich bin allein.
Hier sprechen edle Männer, nach Gesetzen,
Und Krieger lauschen auf gemess'nes Wort.
Hier flehen heilig Einsame zum Himmel;
Beschäftigt strebt die Menge nach Gewinn.
Und mich verstößt man, ohne Recht und Urteil,
Nicht Eine Hand bewaffnet sich für mich,
Man schließt mir die Asyle, niemand mag
Zu meinen Gunsten wenig Schritte wagen.
Verbannung! Ja, des Schreckenworts Gewicht
Erdrückt mich schon, mit allen seinen Lasten,
Schon fühl' ich mich ein abgestorbnes Glied,
Der Körper, der gesunde, stößt mich los.
Dem selbstbewußten Toten gleich' ich, der,
Ein Zeuge seiner eigenen Bestattung,
Gelähmt, in halbem Traume, grausend liegt.
Entsetzliche Notwendigkeit! Doch wie?
Ist mir nicht eine Wahl verstattet? Kann
Ich nicht des Mannes Hand ergreifen, der
Mir einzig edel, seine Hülfe beut? –
Und könnt' ich das? Ich könnte die Geburt,
Die mich so hoch hinaufgerückt, verleugnen!
Von allem Glanze jener Hoffnung mich
Auf ewig trennen! Das vermag ich nicht!
O fasse mich, Gewalt, mit ehrnen Fäusten;
Geschick, du blindes, reiße mich hinweg!
Die Wahl ist schwerer als das Übeln selbst,
Die zwischen zweien Übeln schwankend bebt.
(Hofmeisterin, mit Leuten, welche Gepäcke tragen, geht schweigend hinten vorbei.)
Sie kommen! tragen meine Habe fort,
Das letzte was von köstlichem Besitz
Mir übrig blieb. Wird es mir auch geraubt?
Man bringt's hinüber, und ich soll ihm nach.
Ein günst'ger Wind bewegt die Wimpel seewärts,
Bald werd' ich alle Segel schwellen sehn.
Die Flotte löset sich vom Hafen ab!
Und nun das Schiff, das mich Unsel'ge trägt.
Man kommt! Man fordert mich an Bord. O Gott!
Ist denn der Himmel ehern über mir?
Dringt meine Jammerstimme nicht hindurch?
So sei's! Ich gehe! Doch mich soll das Schiff,
In seines Kerkers Räume, nicht verschlingen.
Das letzte Brett, das mich hinüber führt,
Soll meiner Freiheit erste Stufe werden.
Empfangt mich dann, ihr Wellen, faßt mich auf,
Und, festumschlingend, senket mich hinab,
In eures tiefen Friedens Grabesschoß.
Und wenn ich dann vom Unbill dieser Welt
Nichts mehr zu fürchten habe, spült zuletzt
Mein bleichendes Gebein dem Ufer zu,
Daß eine fromme Seele mir das Grab,
Auf heim'schem Boden wohlgesinnt bereite.
(Mit einigen Schritten.) Wohlan denn!
(Hält inne.) Will mein Fuß nicht mehr gehorchen?
Was fesselt meinen Schritt, was hält mich hier?
Unsel'ge Liebe zum unwürd'gen Leben!
Du führest mich zum harten Kampf zurück.
Verbannung, Tod, Entwürdigung umschließen
Mich fest und ängsten mich einander zu.
Und wie ich mich von einem schaudernd wende,
So grinst das andre mir, mit Höllenblick.
Ist denn kein menschlich, ist kein göttlich Mittel,
Von tausendfacher Qual mich zu befreien?
O! daß ein einzig ahnungsvolles Wort,
Zufällig, aus der Menge, mir ertönte!
O, daß ein Friedensvogel mir vorbei
Mit leisem Fittig leitend sich bewegte!
Gern will ich hin, wohin das Schicksal ruft,
Es deute nur! und ich will gläubig folgen.
Es winke nur, ich will dem heil'gen Winke,
Vertrauend, hoffend, ungesäumt mich fügen.


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Söller 
Stück: Die Mitschuldigen 
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1787 
Originalsprache: Deutsch


2. Aufzug, 1. Auftritt 

Söller allein  

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Das Theater ist geteilt, der Hauptteil stellt das Zimmer Alcests, der kleinere einen Alkoven vor. Söller, im Domino, den Hut auf, die Maske vorm Gesicht, ohne Schuhe, kommt ganz leise zur Nebentüre herein, leuchtet vorsichtig mit einer Blendlaterne umher; da er alles still findet, kommt er mit leisen Schritten hervor an den Rand des Theaters, nimmt die Maske und den Hut ab und wischt sich das Gesicht.

SÖLLER:
Zum Leben braucht's nicht just, daß man so tapfer ist.
Man kommt auch durch die Welt mit Schleichen und mit List.
Der eine geht euch hin, bewaffnet mit Pistolen,
Sich einen Sack mit Geld, vielleicht den Tod zu holen,
Und ruft: Den Beutel her! Her! Ohn euch viel zu sperrn!
Mit so gelaßnem Blut, als spräch er: Prost, ihr Herrn!
Ein andrer zieht herum, mit zauberischen Händen
Und Volten wie der Blitz die Uhren zu entwenden.
Und wenn ihr's haben wollt, er sagt euch ins Gesicht:
Ich stehle, gebt wohl acht! Er stiehlt, ihr seht es nicht.
Mich machte die Natur nun freilich viel geringer;
Mein Herz ist allzuleicht, zu plump sind meine Finger;
Und doch kein Schelm zu sein, wird heutzutage schwer,
Das Geld nimmt täglich ab, und täglich braucht man mehr.
Doch ist's ein schlechtes Ding um halbe Bösewichter.
Ich seh's, man wird zum Dieb geboren wie zum Dichter;
Und pfuscht nur einer drein, so fühlt er wie der Blitz
Die Peitsche der Kritik, die Rute der Justiz.
Du bist nun einmal drin; nun hilf dich aus der Falle!
Ach! alles meint zu Haus, ich sei schon lang beim Balle.
Mein Herr Alcest, der schwärmt, mein Weibchen schläft allein;
Die Konstellation wie kann sie schöner sein?

Er nimmt die Schatulle vom Tisch.

O komm, du Heiligtum! Du Gott in der Schatulle!
Ein König ohne dich wär eine große Nulle.

Er zieht die Diebesschlüssel aus der Tasche und sagt unter dem Aufbrechen.

Habt Dank, ihr Dietriche! ihr seid der Trost der Welt!
Durch euch erlang ich ihn, den großen Dietrich, Geld!
Ich war einst Sekretär bei einem Bürgermeister.
Ein Sekretär! Das ist kein Werk für kleine Geister,
Es ist ein künstlich Amt und will getrieben sein.
Ja, wie ich das noch war, da bild't ich mir was ein,
Da ging ich wie ein Prinz. Ein Dieb wurd eingefangen,
Die Schlüssel fanden sich, und er, er ward gehangen.
Nun weiß man, die Justiz behält stets was für sich;
Ich war nur Subaltern, das Eisen kam an mich;
Ich hob es auf. Ein Ding mag noch so wenig taugen,
Es kommt ein Augenblick, und man kann alles brauchen.
Und jetzt –

Das Schloß geht auf.

O schön gemünzt! Ja, das ist wahre Lust!
Die Tasche schwillt von Geld, von Freuden meine Brust –
Wenn es nicht Angst ist.

Er horcht.

Horch! Verflucht! ihr feigen Glieder!
Was zittert ihr?

Er fährt zusammen.

Horch! – Nichts!

Er macht die Schatulle zu.

Genug! Nun gut!

Er will gehen, erschrickt, und steht still.

Schon wieder!
Es geht was auf dem Gang! Es geht doch sonst nicht um.
Der Teufel hat vielleicht sein Spiel. Das Spiel wär dumm!
Ist's eine Katze? Nein! Das geht nicht wie ein Kater.
Geschwind! Es dreht am Schloß.

Er springt in den Alkoven und sieht durch die Vorhänge.

Behüt! mein Schwiegervater.


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Sophie 
Stück: Die Mitschuldigen 
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1787 
Originalsprache: Deutsch


1. Aufzug, 4. Auftritt 

Sophie allein  

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SOPHIE:
Der mahnt ihn ganz gewiß! Er macht beim Spiele Schulden.
Er bringt noch alles durch, und ich, ich muß es dulden.
Dies ist nun alle Lust und mein geträumtes Glück!
So eines Menschen Frau! Wie weit kamst du zurück!
Wo ist sie hin, die Zeit, da sie zu ganzen Scharen,
Die süßten jungen Herrn, zu deinen Füßen waren?
Da jeder sein Geschick in deinen Blicken sah?
Ich stand im Überfluß wie eine Göttin da,
Aufmerksam um mich her die Diener meiner Grillen!
Es war nur allzuviel, dies Herz mit Stolz zu füllen.
Und ach! ein Mädchen ist wahrhaftig übel dran!
Ist man ein bißchen hübsch, so steht man jedem an;
Da summt uns unser Kopf den ganzen Tag von Lobe!
Und welches Mädchen hält wohl diese Feuerprobe?
Ihr könnt so ehrlich tun, man glaubt euch wohl aufs Wort,
Ihr Männer! Auf einmal führt euch der Henker fort.
Wenn's was zu naschen gibt, so sind wir all beim Schmause,
Doch macht ein Mädchen Ernst, da ist kein Mensch zu Hause.
So ist's mit unsern Herrn in dieser schlimmen Zeit;
Es gehen zwanzig drauf, bis daß ein halber freit.
Ich sah mich manchesmal betrogen und verlassen:
Wer vierundzwanzig zählt, hat nichts mehr zu verpassen.
Der Söller kam mir vor, und ich, ich nahm ihn an;
Es ist ein schlechter Mensch, allein er ist ein Mann.
Da sitz ich nun und bin nicht besser als begraben.
Anbeter könnt' ich zwar noch in der Menge haben;
Allein wenn eine Frau ein bißchen Tugend hat,
So ist's der junge Herr in wenig Stunden satt.
Bei Mädchen ist er gern mit Tändelei zufrieden,
Er redet Sentiments, und ist nicht zu ermüden;
Doch wenn nur eine Frau ein wenig spröde tut,
So wundert er sich sehr und greift nach seinem Hut.
Alcest ist wieder hier. Er ist's zu meiner Plage.
Ach ehmals war er da, da waren's andre Tage.
Wie liebt ich ihn! – Und noch! – Ich weiß nicht, was ich will!
Ich flieh ihn, wo ich kann. Er ist nachdenkend, still,
Ich fürchte mich vor ihm; die Furcht ist wohl gegründet.
Ach wüßt er, was mein Herz noch jetzt für ihn empfindet!
Er kommt! Ich zittre schon, mein Herz ist gar zu voll,
Ich weiß nicht, was ich will, noch wen'ger, was ich soll.


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Alcest 
Stück: Die Mitschuldigen 
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1787 
Originalsprache: Deutsch


2. Aufzug, 6. Auftritt 

Alcest allein  

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ALCEST:
Ihr großen Geister sagt, daß keine Tugend sei
Und Liebe Sinnlichkeit und Freundschaft Heuchelei,
Daß man kein einzig Herz mit festen Mauern finde,
Daß nur Gelegenheit die Stärksten überwinde,
Daß es, wenn man in uns das Laster je vermißt,
Beim Jüngling Blödigkeit und Furcht beim Mädchen ist.
Es zittert, spottet ihr, die unerfahrne Jugend.
Doch ist dies Zittern nicht selbst ein Gefühl von Tugend?
Ist diese Sympathie, dies schwimmende Gefühl,
Dem man sich schwer entreißt, nichts als ein Fibernspiel?
Wie süß verträumt ich nicht die jugendlichen Stunden
Einst in Sophiens Arm. Ich hatte nichts empfunden,
Bis mir der Druck der Hand, ihr Blick, ihr Kuß entdeckt,
Wie's einem Neuling ist, wenn er die Wollust schmeckt.
Uns führte keine Wahl mit klugem Rat zusammen,
Wir sahn einander an, und standen schon in Flammen.
Bist du der Liebe wert, ward da nicht lang gefragt;
Es war erst halb gefühlt, und war schon ganz gesagt.
Wir lebten lange so die süßen Augenblicke;
Zuletzt verschlug es sich. Ich fluchte dem Geschicke,
Und schwur, daß Freundschaft, Lieb und Zärtlichkeit und Treu
Der Maskeradenputz verkappter Laster sei.
Und sucht in dem Gewühl der körperlichen Triebe
Den Tod des Vorurteils, von Tugend und von Liebe.
Zuletzt verhärteten mich Wollust, Stolz und Zeit;
Ich glaubte mich vor aller Zärtlichkeit.
Stolz kehrt ich zu Sophien. Wie schön war sie geworden!
Ich stutzte. »Ha, ihr Mann ist doch vom großen Orden
Schon lange Ritter! Doch sie hat der Freunde mehr.
Es sei drum! Wenn du kommst, so macht sie dir's nicht schwer.
Ihr Sperren rührt mich nur, daß ich die Nase rümpfe:
Gnung! Das gewohnte Spiel vom Faun und von der Nymphe.«
So dacht ich, sah sie oft, allein da fühlt ich was,
Ihr liederlichen Herrn, erklärt mir, was ist das?
Das hier mich immer schilt, hier immer für sie redet,
Mir alle Kühnheit raubt, und jeden Anschlag tötet.
Sie nennt mich ihren Freund, eröffnet mir ihr Herz;
Ich schwur die Freundschaft ab, doch teil ich ihren Schmerz.
Sie sagt, sie habe mich als alle Menschen lieber;
Ha! denk ich, Lieb ist Tand, und freu mich doch darüber.
Sie liebt mich und verläßt doch ihre Tugend nie;
Die Tugend glaub ich nicht, und doch verehr ich sie.
Heut hofft ich ziemlich viel und wagte nichts zu nehmen.
So bös und doch so feig! Ich muß mich wahrlich schämen.
Entweder nennet mich Weib! Tückisch ohne Kraft!
Wo nicht, so bin ich noch nicht völlig lasterhaft.
Was ist's? was treibt dich an, ihr Leben zu versüßen?
Ist's Lieb? Ist's Eigennutz? Gedenkst du zu genießen,
Und willst es kaufen? Nein! Ich weiß, es fehlt ihr Geld,
Und sie vertraut mir's nicht, das ist's, was mir gefällt.
Ich sinne jetzo nur auf ein versteckt Geschenke;
Ich habe just noch Geld. Gut, daß ich gleich dran denke.
Ich muß es zählen.

Er öffnet die Schatulle.

Was! Was seh ich! Teufel! Leer!
Von hundert Spezies kaum fünfundzwanzig mehr!
Seit heute nachmittag! Wer konnte sie entwenden?
Die Schlüssel kamen nicht die Zeit aus meinen Händen.
Wer war im Zimmer? Ha! Sophie! Gedanke fort!
Mein Diener? O, der liegt an einem sichern Ort.
Er schläft, gleich will ich hin, mit Lärm ihn aufzuwecken;
Wenn er der Täter ist, verrät er sich im Schrecken.


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Clavigo 
Stück: Clavigo
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1774 
Originalsprache: Deutsch


5. Akt 

Strasse vor dem Hause Guilberts. Nacht. Clavigo. In der Ferne die Leichenmänner. 

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CLAVIGO: Tot! Marie tot! Die Fackeln dort! ihre traurigen Begleiter! – Es ist ein Zauberspiel, ein Nachtgesicht, das mich erschreckt, das mir einen Spiegel vorhält, darin ich das Ende meiner Verrätereien ahndungsweise erkennen soll. – Noch ist es Zeit! Noch! – Ich bebe, mein Herz zerfließt in Schauer! Nein! Nein! du sollst nicht sterben. Ich komme! Ich komme! – Verschwindet, Geister der Nacht, die ihr so euch mit ängstlichen Schrecknissen mir in Weg stellt – (Er geht auf sie los.) Verschwindet! – Sie stehen! Ha! sie sehen sich nach mir um! Weh! Weh mir! es sind Menschen wie ich. – Es ist wahr – Wahr? – Kannst du's fassen? – Sie ist tot – Es ergreift mich mit allem Schauer der Nacht das Gefühl: sie ist tot! Da liegt sie, die Blume, zu deinen Füßen – und du – Erbarm dich meiner, Gott im Himmel, ich habe sie nicht getötet! – Verbergt euch, Sterne, schaut nicht hernieder, ihr, die ihr so oft den Missetäter saht in dem Gefühl des innigsten Glücks diese Schwelle verlassen, durch eben diese Straße mit Saitenspiel und Gesang in goldnen Phantasieen hinschweben, und sein am heimlichen Gegitter lauschendes Mädchen mit wonnevollen Erwartungen entzünden! – und du füllst nun das Haus mit Wehklagen und Jammer! und diesen Schauplatz deines Glückes mit Grabgesang! – Marie! Marie! nimm mich mit dir! nimm mich mit dir! (Eine traurige Musik tönt einige Laute von innen.) Sie beginnen den Weg zum Grabe! – Haltet, haltet! schließt den Sarg nicht! Laßt mich sie noch einmal sehen! (Er geht auf's Haus los.) Ha! wem, wem wag ich's unters Gesicht zu treten? wem in seinem entsetzlichen Schmerzen zu begegnen? – Ihren Freunden? Ihrem Bruder? dem wütender Jammer den Busen füllt! (Die Musik geht wieder an.) Sie ruft mir! sie ruft mir! Ich komme! – Welche Angst umgibt mich! Welches Beben hält mich zurück! (Die Musik fängt zum dritten Male an und fährt fort. Die Fackeln bewegen sich vor der Türe, es treten noch drei andere zu ihnen, die sich in Ordnung reihen, um den Leichenzug einzufassen, der aus dem Hause kommt. Sechs tragen die Bahre, darauf der bedeckte Sarg steht. Guilbert, Buenco, in tiefer Trauer.)


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Clavigo 
Stück: Clavigo
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1774 
Originalsprache: Deutsch


3. Akt 

Guilberts Wohnung. Clavigo, Marie, Guilbert und Buenco. 

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Clavigo kommt herein. Marie tut einen Schrei und fällt Sophien in die Arme. Guilbert und Buenco treten zu ihr.

CLAVIGO:
Ja, sie ist's! Sie ist's! Und ich bin Clavigo. – Hören Sie mich, Beste, wenn Sie mich nicht ansehen wollen! Zu der Zeit, da mich Guilbert mit Freundlichkeit in sein Haus aufnahm, da ich ein armer unbedeutender Junge war, da ich in meinem Herzen eine unüberwindliche Leidenschaft für Sie fühlte, war's da Verdienst an mir? Oder war's nicht vielmehr innere Übereinstimmung der Charaktere, geheime Zuneigung des Herzens, daß auch Sie für mich nicht unempfindlich blieben, daß ich nach einer Zeit mir schmeicheln konnte, dies Herz ganz zu besitzen? Und nun – bin ich nicht ebenderselbe? Warum soll ich nicht hoffen dürfen? warum nicht bitten? Wollten Sie einen Freund, einen Geliebten, den Sie nach einer gefährlichen, unglücklichen Seereise lange für verloren geachtet, nicht wieder an Ihren Busen nehmen, wenn er unvermutet wiederkäme und sein gerettetes Leben zu Ihren Füßen legte? Und habe ich weniger auf einem stürmischen Meere diese Zeit geschwebet? Sind unsere Leidenschaften, mit denen wir im ewigen Streit leben, nicht schrecklicher, unbezwinglicher als jene Wellen, die den Unglücklichen fern von seinem Vaterlande verschlagen! Marie! Marie! Wie können Sie mich hassen, da ich nie aufgehört habe, Sie zu lieben? Mitten in allem Taumel, durch all den verführerischen Gesang der Eitelkeit und des Stolzes hab ich mich immer jener seligen unbefangenen Tage erinnert, die ich in glücklicher Einschränkung zu Ihren Füßen zubrachte, da wir eine Reihe von blühenden Aussichten vor uns liegen sahen. – Und nun, warum wollten Sie nicht mit mir alles erfüllen, was wir hofften? Wollen Sie das Glück des Lebens nun nicht ausgenießen, weil ein düsterer Zwischenraum sich unsern Hoffnungen eingeschoben hatte? Nein, meine Liebe, glauben Sie, die besten Freuden der Welt sind nicht ganz rein; die höchste Wonne wird auch durch unsere Leidenschaften, durch das Schicksal unterbrochen. Wollen wir uns beklagen, daß es uns gegangen ist wie allen andern, und wollen wir uns strafbar machen, indem wir diese Gelegenheit von uns stoßen, das Vergangene herzustellen, eine zerrüttete Familie wieder aufzurichten, die heldenmütige Tat eines edlen Bruders zu belohnen und unser eigen Glück auf ewig zu befestigen? – Meine Freunde, um die ich's nicht verdient habe, meine Freunde, die es sein müssen, weil Sie Freunde der Tugend sind, zu der ich rückkehre, verbinden Sie Ihr Flehen mit dem meinigen! Marie! (Er wirft sich nieder.) Marie! Kennst du meine Stimme nicht mehr? Vernimmst du nicht mehr den Ton meines Herzens? Marie! Marie! [...] (Clavigo springt auf und faßt ihre Hand mit entzückten Küssen.) Sie vergibt mir, sie liebt mich! Er umarmt den Guilbert, den Buenco. Sie liebt mich noch! O Marie, mein Herz sagte mir's! Ich hätte mich zu deinen Füßen werfen, stumm meinen Schmerz, meine Reue ausweinen wollen; du hättest mich ohne Worte verstanden, wie ich ohne Worte meine Vergebung erhalte. Nein, diese innige Verwandtschaft unserer Seelen ist nicht aufgehoben; nein, sie vernehmen einander noch wie ehemals, wo kein Laut, kein Wink nötig war, um die innersten Bewegungen sich mitzuteilen. Marie – Marie – Marie! –


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Carlos 
Stück: Clavigo
Autor: Johann Wolfgang Goethe 

Erscheinungsjahr: 1774 
Originalsprache: Deutsch


4. Akt 

Clavigos Wohnung. Carlos und Clavigo. 

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CARLOS: Auf! auf, mein Freund! und entschließe dich. Sieh, ich will alles beiseitesetzen, ich will sagen: Hier liegen zwei Vorschläge auf gleichen Schalen. Entweder du heiratest Marien und findest dein Glück in einem stillen bürgerlichen Leben, in den ruhigen häuslichen Freuden; oder du führest auf der ehrenvollen Bahn deinen Lauf weiter nach dem nahen Ziele. – Ich will alles beiseitesetzen und will sagen: Die Zunge steht inne, es kommt auf deinen Entschluß an, welche von beiden Schalen den Ausschlag haben soll! Gut! Aber entschließe dich! – Es ist nichts erbärmlicher in der Welt als ein unentschlossener Mensch, der zwischen zweien Empfindungen schwebt, gern beide vereinigen möchte und nicht begreift, daß nichts sie vereinigen kann als eben der Zweifel, die Unruhe, die ihn peinigen. Auf, und gib Marien deine Hand, handle als ein ehrlicher Kerl, der das Glück seines Lebens seinen Worten aufopfert, der es für seine Pflicht achtet, was er verdorben hat, wieder gutzumachen, der auch den Kreis seiner Leidenschaften und Wirksamkeit nie weiter ausgebreitet hat, als daß er imstande ist, alles wieder gutzumachen, was er verdorben hat: und so genieße das Glück einer ruhigen Beschränkung, den Beifall eines bedächtigen Gewissens und alle Seligkeit, die denen Menschen gewährt ist, die imstande sind, sich ihr eigen Glück zu schaffen und die Freude der Ihrigen – Entschließe dich; so will ich sagen, du bist ein ganzer Kerl – [...] Er schläft in dir, und ich will blasen, bis er in Flammen schlägt. Sieh auf der andern Seite das Glück und die Größe, die dich erwarten. Ich will dir diese Aussichten nicht mit dichterischen bunten Farben vormalen; stelle sie dir selbst in der Lebhaftigkeit dar, wie sie in voller Klarheit vor deiner Seele standen, ehe der französische Strudelkopf dir die Sinne verwirrte. Aber auch da, Clavigo, sei ein ganzer Kerl, und mache deinen Weg stracks, ohne rechts und links zu sehen! Möge deine Seele sich erweitern und die Gewißheit des großen Gefühls über dich kommen, daß außerordentliche Menschen eben auch darin außerordentliche Menschen sind, weil ihre Pflichten von den Pflichten des gemeinen Menschen abgehen; daß der, dessen Werk es ist, ein großes Ganze zu übersehen, zu regieren, zu erhalten, sich keinen Vorwurf zu machen braucht, geringe Verhältnisse vernachlässiget, Kleinigkeiten dem Wohl des Ganzen aufgeopfert zu haben. Tut das der Schöpfer in seiner Natur, der König in seinem Staate – warum sollten wir's nicht tun, um ihnen ähnlich zu werden? [...] Wir sind nicht klein, wenn Umstände uns zu schaffen machen, nur, wenn sie uns überwältigen. Noch einen Atemzug, und du bist wieder bei dir selber. Wirf die Reste einer erbärmlichen Leidenschaft von dir, die dich in jetzigen Tagen ebensowenig kleiden als das graue Jäckchen und die bescheidene Miene, mit denen du nach Madrid kamst. Was das Mädchen für dich getan hat, hast du ihr lange gelohnt; und daß du ihr die erste freundliche Aufnahme schuldig bist – Oh! eine andere hätte um das Vergnügen deines Umgangs ebensoviel und mehr getan, ohne solche Prätensionen zu machen – und wird dir einfallen, deinem Schulmeister die Hälfte deines Vermögens zu geben, weil er dich vor dreißig Jahren das Abc gelehrt hat?


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Sophonisbe 
Stück: Sophonisbe 
Autor: Emanuel Geibel  

Erscheinungsjahr: 1868
Originalsprache: Deutsch


5. Aufzug, 4. Auftritt 

Sophonisbe und Scipio. 

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SOPHONISBE: Sieh,
Die Götter haben seltsam mich geführt.
Zu fürstlicher Geburt verliehn sie mir
Ein fürstlich Herz, das mein Verhängnis ward.
Denn hoch und einsam schlug's und zehrte, krank
An seines Reichtums unverwandter Fülle,
In Sehnsucht sich nach seinesgleichen auf.
So stürmt' ich ruhlos durch das Leben hin,
Stets suchend, stets getäuscht, bis ich zuletzt
An allem, was mir Ahnung einst geweissagt,
Trostlos verzweifelte. Da fand ich dich,
Und Wonn' und Schrecken kam auf meine Seele,
Denn meinen kühnsten Traum sah ich erfüllt.
[...] Mißversteh mich nicht! Ich bin
Nicht schamlos, Scipio. Nur weil ich Verzicht
Getan auf alles, darf ich alles sagen,
Und wie aus Wolken red' ich schon zu dir.
O wärst du in des Atlas rauhster Schlucht
Geboren statt am Tiberstrand, ich hätte,
Wenn du, wie heut, mir deine Freundschaft botst,
Mit keiner der Unsterblichen getauscht!
Nun ist's nicht so und ich vermag die Hand,
Die mir der Todfeind meines Volkes reicht,
Nicht zu ergreifen. Jener Wundervogel,
Von dem du sagtest, hat kein irdisch Haus;
Er lebt und stirbt im leichten Element.
Uns Staubgeborne aber zwingt der Bann
Der Heimat ewig, und der Pflicht des Blutes
Entäußert sich, ich fühl's, kein edler Geist.
Wie nur ein Weib je liebte, lieb' ich dich,
Doch wenn Karthagos goldne Zinnen du
Geschleift einst in das Meer wirfst, soll ich dann
Dir jauchzen? Soll ich ins Triumphgewand,
Das meiner Brüder Blut zum Purpur färbt,
Mit dir mich hüllen, und den Staub der Väter,
Von deines Wagens Zeltern aufgewühlt,
Der wahnsinntrunkenen Mänade gleich
Im Becher schlürfen? O ich müßte ja
Dir selbst zum Greuel werden. Drum fahr wohl!
Zieh deine stolze Bahn, wohin du mußt,
Und kränze dir die Stirn mit neuen Siegen!
Ich kann nicht los von meinem Vaterland,
Und meine Schuld zahl' ich ihm so –
(Sie ersticht sich.)


Klassische Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Medea 
Stück: Medea 
Autor: Euripides 

Erscheinungsjahr: 431 v. Chr. 
Originalsprache: Altgriechisch 
Übersetzung (Deutsch): J.A. Hartung
Übersetzung (Englisch): Edward Philip Coleridge
Übersetzung (Französisch): Leconte de Lisle 
Übersetzung (Spanisch): Germán Gómez de la Mata 
Übersetzung (Italienisch): Ettore Romagnoli 


4. Akt

Medea, ihre zwei Söhne und der Chor. 

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(zu den Kindern)

MEDEA:
 
O Kinder, liebe Kinder, ihr bekommt ein Haus
Und eine Heimat, wo ihr wohnen sollt, verwaist
Mich Arme lassend, eurer Mutter stets beraubt.
Ich aber ziehe flüchtig fort in andres Land,
Bevor ich froh ward euer und euch glücklich sah,
Bevor ich Bräute, Trauung und hochzeitlich Bett
Euch stolz gerüstet und geleuchtet eurem Fest.
Weh über meinen unglückselgen Eigensinn!
So war's umsonst denn, Kinder, daß ich euch erzog
Und herbe Schmerzen, als ich euch gebar, ertrug?
Ja, einstens baut ich Arme große Hoffnungen
Auf euch, ihr würdet meines Alters Stütze sein
Und meine Leiche schmücken schön und liebevoll,
Was Menschen wünschenswert erscheint. Vorbei ist nun
Die süße Sorgfalt! Denn, von euch geschieden, wird
Mein Leben freudlos, kummervoll sein immerdar.
In eure lieben Augen wird die Mutter nicht
Mehr blicken, wenn ihr scheidet in ein andres Sein.
Weh, weh! was sollen, Kinder, diese Blicke mir?
Was dieses Lächeln, ach, zum allerletztenmal?
O Gott, was tu ich? Aller Mut verschwindet, Fraun,
Sobald ich meiner Kinder heitres Aug erblick.
O nein, ich kann's nicht! Fahret wohl, ihr vorigen
Entschlüsse, ich führe meine Kinder aus dem Land.
Dort mit mir lebend, sind sie meinem Herzen Trost.
Was brauch ich, daß ihr Vater durch das Leid um sie
Sich härme, doppelt großes Leid mir anzutun?
Nein, nimmermehr! So fahret wohl, Entschließungen!
Allein, wo bin ich? soll ich Hohn verdienen, wenn
Ich meine Widersacher ungestraft entlaß?
Es muß gewagt sein! Pfui, du schwaches, feiges Herz!
Was gibst du Raum so weichlichen Betrachtungen?
Geht, Kinder, geht ins Haus hinein! Wer aber nicht
Befugt ist, meinen Opfern zuzusehn, der mag's
Bedenken: nicht zur Memme macht sich meine Hand!
O weh!
O nicht doch, Herz, verübe du nicht diese Tat!
O laß sie, schone deines Bluts, Unselige! –
Nein, bei des Höllengrundes bösen Geistern, nein!
Nie wird's geschehen, daß ich meine Kinder selbst
Preisgeben sollte meinen Feinden zum Gespött!
Es bleibt beschlossen, fest, es wankt und weicht nicht mehr!
Schon sitzt der Kranz ihr auf dem Haupte, schon vergeht
Die Fürstin-Braut im Zauberkleid, ich bin's gewiß.
Wohlan, ich wandle nun den leidensvollsten Weg,
Und diese send ich einen noch leidvolleren.
Noch einen Gruß den Kindern! Reicht, o Kinder, mir,
Reicht her der Mutter eure rechte Hand zum Kuß.
O liebes Händchen! O du lieber süßer Mund,
Und schöngebildet Angesicht, und edler Wuchs!
Oh, seid gesegnet – nur nicht hier! Das hiesige Glück
Zerstört' der Vater. O du hold Umfangen, ach!
Du weiche Wange, o meiner Kinder süßer Hauch!
Geht, geht, ihr Kinder! Länger halt ich's nimmer aus,
Euch anzusehen. Ach, der Schmerz bewältigt mich!
Wohl fühl ich's, welch ein Leid ich anzurichten geh,
Doch mächtger als die Einsicht ist die Leidenschaft:
Sie ist die Ursach jedes größten Fluchs der Welt!


Act IV

Medea, her two Sons and the Chorus. 

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MEDEA: O my babes, my babes, ye have still a city and a home, where far from me and my sad lot you will live your lives, reft of your mother for ever; while I must to another land in banishment, or ever I have had my joy of you, or lived to see you happy, or ever I have graced your marriage couch, your bride, your bridal bower, or lifted high the wedding torch. Ah me! a victim of my own self-will. So it was all in vain I reared you, O my sons; in vain did suffer, racked with anguish, enduring the cruel pangs of childbirth. 'Fore Heaven I once had hope, poor me! high hope of ye that you would nurse me in my age and deck my corpse with loving hands, a boon we mortals covet; but now is my sweet fancy dead and gone; for I must lose you both and in bitterness and sorrow drag through life. And ye shall never with fond eyes see your mother more, for o'er your life there comes a change. Ah me! ah me! why do ye look at me so, my children? why smile that last sweet smile? Ah me! what am I to do? My heart gives way when I behold my children's laughing eyes. O, I cannot; farewell to all my former schemes; I will take the children from the land, the babes I bore. Why should I wound their sire by wounding them, and get me a twofold measure of sorrow? No, no, I will not do it. Farewell my scheming! And yet what am I coming to? Can I consent to let those foes of mine escape from punishment, and incur their mockery? I must face this deed. Out upon my craven heart! to think that I should even have let the soft words escape my soul. Into the house, children! and whoso feels he must not be present at my sacrifice, must see to it himself; I will not spoil my handiwork. Ah! ah! do not, my heart, O do not do this deed! Let the children go, unhappy one, spare the babes! For if they live, they will cheer thee in our exile there. Nay, by the fiends of hell's abyss, never, never will I hand my children over to their foes to mock and flout. Die they must in any case, and since 'tis so, why I, the mother who bore them, will give the fatal blow. In any case their doom is fixed and there is no escape. Already the crown is on her head, the robe is round her, and she is dying, the royal bride; that do I know full well. But now since I have a piteous path to tread, and yet more piteous still the path I send my children on, fain would I say farewell to them. O my babes, my babes, let your mother kiss your hands. Ah! hands I love so well, O lips most dear to me! O noble form and features of my children, I wish ye joy, but in that other land, for here your father robs you of your home. O the sweet embrace, the soft young cheek, the fragrant breath! my children! Go, leave me; I cannot bear to longer look upon ye; my sorrow wins the day. At last I understand the awful deed I am to do; but passion, that cause of direst woes to mortal man, hath triumphed o'er my sober thoughts.


Acte IV

Médée, ses fils et le chœur. 

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MÉDÉE: Ô fils ! fils ! vous avez désormais une cité, une demeure dans laquelle, sans moi, malheureuse, vous habiterez toujours, privés de votre mère ! Et moi, j’irai, exilée, sur une autre terre, avant d’avoir joui de vous, de vous avoir vus heureux, de vous avoir mariés, d’avoir orné vos lits nuptiaux et vos fiancées, et d’avoir, pour vous, allumé les flambeaux. Oh ! malheureuse que je suis à cause de ma présomption ! Ô fils, je vous ai donc élevés en vain ! C’est en vain que je me suis tant fatiguée et consumée de soucis, et souffert les cruelles douleurs de l’enfantement ! Certes, autrefois, malheureuse, j’avais mis de grandes espérances en vous, afin d’être nourrie par vous dans ma vieillesse, et, morte, d’être ensevelie de vos mains, chose désirée par les hommes. Et maintenant cette chère espérance n’est plus ! Car privée de vous, je traînerai une vie triste et cruelle. Et vous, de vos chers yeux, vous ne verrez plus votre mère, et vous connaîtrez une autre existence. Hélas ! hélas ! Pourquoi me regardez-vous, enfants ! Pourquoi me souriez-vous de ce suprême sourire ? Hélas ! Que ferai-je ? Le cœur me défaille, femmes, en voyant le regard joyeux de mes enfants. Je ne pourrai pas ! Que mes premiers desseins soient oubliés ! J’emmènerai mes fils hors de cette terre. Qu’est-il besoin de punir leur père par leur propre malheur, et de me faire à moi-même tant de mal ? Non ! je ne ferai jamais cela ! Je renonce à mes desseins. Mais quoi ! Puis-je souffrir d’être un objet de risée en laissant mes ennemis impunis ? Il faut agir. Oh ! que je suis lâche de livrer mon cœur à ces faiblesses ! Enfants, entrez dans les demeures. Pour celui à qui il serait impie d’assister à mes sacrifices, cela le regarde. Je n’amollirai pas ma main. Ah ! ne fais pas cela, mon cœur ! Laisse tes enfants, misérable ! Épargne-les ! Ils te réjouiront vivants, là-bas. Non ! par les Vengeurs souterrains du Hadès ! jamais je ne laisserai mes enfants à mes ennemis, pour en être outragés. Il est absolument nécessaire qu’ils meurent. Et, puisqu’il le faut, je les tuerai, moi qui les ai enfantés. Cela est résolu et sera fait. Déjà, la couronne en tête et vêtue du péplos, la royale fiancée meurt, je le sais bien. Mais puisque je prends cette voie très funeste, et que je vais leur faire prendre un chemin plus funeste de beaucoup, je veux mes enfants encore une fois ! Donnez, ô fils, donnez à votre mère votre main à baiser. Ô très chère main ! ô très chère bouche ! Présence, noble visage de mes fils ! soyez heureux, mais là-bas ! Ici, votre père vous a ravi le bonheur. Ô doux embrassement ! ô peau délicate ! ô très douce haleine de mes enfants ! Allez ! sortez ! je ne puis vous voir plus longtemps, je suis vaincue par mes maux. Je sais quel crime je vais commettre, mais ma colère est plus puissante que ma volonté, et c’est la plus grande cause des maux des hommes.


Acto IV

Medea, sus hijos y el coro. 

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MEDEA: ¡Oh hijos, hijos! ¡en adelante tendréis una ciudad, una morada en la que habitaréis para siempre sin mí, privados de vuestra madre! Y yo iré desterrada á otra tie­rra, antes de haber disfrutado de vosotros, de haberos visto felices, de haberos casado, de haber adornado vuestros lechos nupciales y á vuestras prometidas, y de haber encendido las antorchas para vosotros. ¡Oh! ¡qué desdichada soy por culpa de mi orgullo! ¡Oh hijos, os he criado en vano! ¡En vano me fatigué y consumí de preocupaciones, y sufrí los crueles dolo­res del parto! En verdad ¡infeliz de mí! que en otro tiempo ci­fré en vosotros grandes esperanzas de que me alimentarais en mi vejez, y después de muerta, me enterrarais con vuestras manos, deseo común á los hombres. ¡Y ahora ya no tiene razón, de ser tan grata esperanza! Porque arrastraré una vida triste y cruel, privada de vosotros. Y ya no veréis más con vuestros caros ojos a vuestra madre, y conoceréis otra existencia. ¡Ay, ay! ¿Por qué me miráis, hijos? ¿Por qué me sonreís con esa sonrisa suprema? ¡Ay! ¿Qué haré? Me desfallece el corazón, mujeres, al ver la mirada alegre de mis hijos. ¡No podré! ¡Ol­vídense mis anteriores propósitos! Sacaré de esta tierra á mis hijos. ¿Qué necesidad tengo de castigar con la desdicha de ellos a su padre, y de hacerme á mí misma tanto mal? ¡No, jamás lo haré! Renuncio á mis proyectos. Pero ¿voy á sufrir el verme convertida en motivo de escarnio dejando impunes á mis ene­migos? Hay que obrar. ¡Oh! ¡cuán cobarde soy por dejar que se apoderen de mi corazón estas flaquezas! Hijos, entrad en las moradas para que sufra quien no debe asistir á mis sacrifi­cios. No temblará mi mano. ¡Ah! ¡no hagas eso, corazón mío! ¡Deja á tus hijos, miserable! ¡Perdónalos! Allá te servirán de alegría, si viven. No, ¡por los vengadores subterráneos del Hades! jamás dejaré mis hijos á mis enemigos para que los ul­trajen. Es absolutamente necesario que mueran. Y puesto que es preciso, los mataré yo, que los he parido. Así está decidido y así se hará. Bien sé que ya se muere la prometida real, con la corona en la cabeza y vestida con el peplo. ¡Pero, puesto que emprendo esta senda funesta y voy á hacerles emprender un camino mucho más funesto, quiero ver á mis hijos una vez aún! Dad, ¡oh hijos! dad á vuestra madre vuestra mano á be­sar. ¡Oh mano queridísima, oh boca queridísima! ¡Presencia, noble rostro de mis hijos! ¡sed dichosos, pero allá! Aquí os arrebató la dicha vuestro padre. ¡Oh dulce abrazo, oh piel de­licada, oh dulcísimo aliento de mis hijos! ¡Idos, salid! no puedo veros por más tiempo, me rinden mis males. Sé el crimen que voy á cometer; pero mi cólera es más poderosa que mi volun­tad, y ella es la primer causante de males entre los hombres.


Atto IV

Medea, i suoi figli e il coro. 

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MEDEA: O figli,
o figli, a voi non manca né città
né casa, dove, della madre orbati,
abiterete eternamente; ed io
andrò fuggiasca ad altra terra, prima
ch’abbia di voi gioito, abbia la vostra
felicità veduta, ad una sposa
v’abbia congiunti, e il talamo di nozze
adornato, e levate alte le fiaccole.
Ahi, tristo frutto dell’orgoglio mio!
Invano, o figli, v’ho nutriti, invano
in fatiche mi strussi, e m’affannai,
doglie crudeli soffrendo nei parti.
Misera! E un dí tanto sperai che voi
curata avreste la vecchiezza mia,
che con le vostre man’ curato avreste
il mio corpo defunto, ch'è tra gli uomini
invidiato ufficio. Adesso, è spenta
la soave speranza; e, di voi priva,
trista sarà per me, sarà dogliosa
tutta la vita. E gli occhi vostri piú
la madre, o figli, non vedranno: ad altra
forma di vita passerete. Ahi, ahi!
Le pupille su me perché levate?
Perché ridete il vostro ultimo riso?
Ahi, che farò? Mi manca il cuore, o donne,
se fisso gli occhi dei miei figli fulgidi.
No, ch’io mai non potrò! Vadano spersi
tutti i disegni di poc’anzi: i figli
miei, condurrò lontan da questa terra.
Per dare cruccio al padre lor, dovrei
procacciare a me stessa un danno duplice?
No, certo: spersi i miei disegni vadano.
Eppure, no: che faccio? I miei nemici
impuniti lasciar devo, ed oggetto
essere a lor di riso? Ardire occorre.
Oh mia viltà, che profferisce detti
degni d’un cuore imbelle. Entrate in casa,
o figli miei. Se assistere al mio scempio
sembra iniquo a talun, quei non v’assista:
non perciò fiacca la mia man sarà.
Ahimè!
No, no, cuor mio, non compiere lo scempio!
Lasciali, o trista, i figli non uccidere.
Forse laggiú, con me vivendo, gioia
darmi potranno? Oh, per le Furie inferne
d’Averno, non sarà che i figli lasci
dei nemici all’oltraggio. Inevitabile
destino è questo, e sfuggirgli non posso.
Già cinta al capo ha la ghirlanda, già
chiusa nel peplo, ben lo so, la sposa
regai perisce. E, poi ch’io per miserrimo
tramite i pie’ volgere devo, i figli
salutar bramo. O figli miei, porgete
la vostra mano, alla madre porgetela,
in tenero commiato. O dilettissima
mano, o sembiante, o capo dilettissimo
dei figli, o nobil volto, a voi sorrida
fortuna; ma laggiú: ché tutto il padre
quassú v’ha tolto. O abbracci soavissimi,
morbida cute, ed alito soave
dei figli! Andate, andate! Io non ho forza
di piú guardarvi, e son vinta dai mali.
Intendo ben che scempio son per compiere;
ma piú che il senno può la passione,
che di gran mali pei mortali è causa.




  1. MEDEA in «Medea» II.
  2. MEDEA in «Medea» I.
  3. JASON in «Medea»
  4. DIE AMME in «Medea»
  5. IPHIGENIE in «Iphigenie in Aulis»
  6. KLYTÄMNESTRA in «Iphigenie in Aulis»
  7. PHAIDRA in «Hippolytos»
  8. HIPPOLYTOS in «Hippolytos»
  9. DIE AMME in «Hippolytos»
  10. HELENA in «Helena» II.
  11. HELENA in «Helena» I.
  12. TEIRESIAS in «Die Bakchen»
  13. AGAUE in «Die Bakchen»
  14. DER BOTE in «Die Bakchen»
  15. ODYSSEUS in «Der Kyklop»
  16. DIE DIENERIN in «Alkestis»
  17. ALKESTIS in «Alkestis»
  18. ADMETOS in «Alkestis»
  19. MARIA STUART in «Maria Stuart in Schottland»
  20. RASUMICHIN in «Schuld und Sühne»
  21. MARMELADOW in «Schuld und Sühne»
  22. WARWARA PETROWNA in «Die Dämonen»
  23. PIOTR STEPANOWITSCH in «Die Dämonen»
  24. DER MANN in «Der Traum eines lächerlichen Menschen»
  25. DON RODRIGO in «Der Cid»
  26. DON DIEGO in «Der Cid»
  27. DIE INFANTIN in «Der Cid» II.
  28. DIE INFANTIN in «Der Cid» I.
  29. CHIMENE in «Der Cid»
  30. SANCHO PANZA in «Don Quijote»
  31. DOROTEA in «Don Quijote»
  32. DON QUIJOTE in «Don Quijote»
  33. ANDRES in «Don Quijote»
  34. ALICE in «Alice im Wunderland»
  35. ISABEL in «Der Richter von Zalamea» II.
  36. ISABEL in «Der Richter von Zalamea» I.
  37. CRESPO in «Der Richter von Zalamea»
  38. ROSAURA in «Das Leben ein Traum» II.
  39. ROSAURA in «Das Leben ein Traum» I.
  40. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» IV.
  41. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» III.
  42. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» II.
  43. SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» I.
  44. CLARIN in «Das Leben ein Traum»
  45. BASILIUS in «Das Leben ein Traum»
  46. DON LUIS in «Dame Kobold»
  47. ANGELA in «Dame Kobold»
  48. MYRRHA in «Sardanapal»
  49. RAPHAEL in «Himmel und Erde»
  50. JAPHET in «Himmel und Erde»
  51. AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» II.
  52. AHOLIBAMAH in «Himmel und Erde» I.
  53. LUCIFER in «Cain»
  54. EVA in «Cain»
  55. CAIN in «Cain»
  56. ADAH in «Cain»
  57. WOYZECK in «Woyzeck»
  58. MARIE in «Woyzeck»
  59. LEONCE in «Leonce und Lena» II.
  60. LEONCE in «Leonce und Lena» I.
  61. LENA in «Leonce und Lena»
  62. ST. JUST in «Dantons Tod»
  63. ROBESPIERRE in «Dantons Tod»
  64. MARION in «Dantons Tod»
  65. LUCILE in «Dantons Tod» II.
  66. LUCILE in «Dantons Tod» I.
  67. DANTON in «Dantons Tod»
  68. BECKMANN in «Draußen vor der Tür» II.
  69. BECKMANN in «Draußen vor der Tür» I.
  70. ROSEL in «Doktor Faust's Mantel» II.
  71. ROSEL in «Doktor Faust's Mantel» I.
  72. MEISTER STABERL in «Die Bürger in Wien» II.
  73. MEISTER STABERL in «Die Bürger in Wien» I.
  74. CHOR DER FRAUEN in «Lysistrate»
  75. DER WURSTHÄNDLER in «Die Ritter»
  76. STREPSIADES in «Die Wolken»
  77. ETEOKLES in «Die Sieben gegen Theben»
  78. DANAOS in «Die Schutzflehenden»
  79. DER BOTE in «Die Perser»
  80. ATOSSA in «Die Perser»
  81. ORESTES in «Die Orestie: Die Eumeniden» I.
  82. ORESTES in «Die Orestie: Die Eumeniden» II.
  83. ATHENE in «Die Orestie: Die Eumeniden»
  84. ORESTES in «Die Orestie: Die Choephoren»
  85. ELEKTRA in «Die Orestie: Die Choephoren» II.
  86. ELEKTRA in «Die Orestie: Die Choephoren» I.
  87. DIE AMME in «Die Orestie: Die Choephoren»
  88. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» III.
  89. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» II.
  90. KLYTAIMESTRA in «Die Orestie: Agamemnon» I.
  91. KASSANDRA in «Die Orestie: Agamemnon» II.
  92. KASSANDRA in «Die Orestie: Agamemnon» I.
  93. DER WÄCHTER in «Die Orestie: Agamemnon»
  94. AIGISTHOS in «Die Orestie: Agamemnon»
  95. AGAMEMNON in «Die Orestie: Agamemnon»
  96. IO in «Der gefesselte Prometheus» II.
  97. PROMETHEUS in «Der gefesselte Prometheus»
  98. IO in «Der gefesselte Prometheus» I.

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