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Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Aholibamah 
Stück: Himmel und Erde 
Autor: Lord Byron 

Erscheinungsjahr: 1821 
Originalsprache: Englisch 
Übersetzung: Adolf Seubert


1. Akt, 2. Auftritt

Aholibamah, Raphael, Azaziel, Samiasa, Anah, Japhet und Noah

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AHOLIBAMAH: Sie mögen fliehn!
Die Stimme hör' ich, daß bald Alle hin
Und früher als die Väter einst gethan,
Daß Oben schon ein Ocean
Bereitet wird,
Und nach des Höchsten Rath
Die Tiefe steigt und bis zum Himmel irrt,
Daß Wen'ge finden Gnad'
Und Cains Geschlecht umsonst erhebt den Blick
Zu Adams Gott, zu wenden sein Geschick,
Da's, Schwester, so einmal
Und uns nur würde Spott,
Wenn wir gefleht zu Gott,
Zu schenken eine Stunde uns der Qual,
So laß uns missen, was wir so verehrt,
Den Wellen trotzen, wie wir's sonst dem Schwert,
Nicht unbewegt, doch auch nicht schwach hiebei,
Nicht uns beklagend, nein! nur die Partei,
Die übrig bleibt zu ew'ger Sklaverei
Und, wenn die Wasser ruhig ziehn daher,
Die heiß beweint, die dann nicht weinen mehr.
Flieht, Seraphs, fort nach eurem ew'gen Strand,
Wo Wind nicht heult, noch Wasser stürmt das Land.
Der Tod ist unser Loos,
Euch ewig's Leben floß.
Was besser sei: Die todte Ewigkeit,
Die lebende? – weiß nur, wer machte beid'.
Gehorchet Ihm wie wir,
Nicht eine Stunde möcht' ich länger hier
Verweilen, als der Herr beschließt,
Noch schaun, daß seine Huld für euch sich schwächt,
Um all die Gnade, welche Seth's Geschlecht
Vor uns genießt.
Entflieht!
Wie deine Schwinge dich zum Himmel weht,
Denk', daß mit dir hinauf die Liebe geht,
Samiasa!
Und schau' ich auf mit thränenlosem Lid,
Geschieht's, weil eines Engels Braut nicht flennt.
Leb' wohl! – Nun komm, du grausam Element!



1. Act, 2. Scene

Aholibamah, Raphael, Azaziel, Samiasa, Anah, Japhet and Noah

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AHOLIBAMAH: Let them fly!
I hear the voice which says that all must die,
Sooner than our white-bearded patriarchs died;
And that on high
An ocean is prepared,
While from below
The deep shall rise to meet heaven's overflow.
Few shall be spared,
It seems; and, of that few, the race of Cain
Must lift their eyes to Adam's God in vain.
Sister! since it is so,
And the eternal Lord
In vain would be implored
For the remission of one hour of woe,
Let us resign even what we have adored,
And meet the wave, as we would meet the sword,
If not unmoved, yet undismay'd,
And wailing less for us than those who shall
Survive in mortal or immortal thrall,
And, when the fatal waters are allay'd,
Weep for the myriads who can weep no more.
Fly, seraphs! to your own eternal shore,
Where winds nor howl nor waters roar.
Our portion is to die,
And yours to live for ever:
But which is best, a dead eternity,
Or living, is but known to the great Giver.
Obey him, as we shall obey;
I would not keep this life of mine in clay
An hour beyond his will;
Nor see ye lose a portion of his grace,
For all the mercy which Seth's race
Find still.
Fly!
And as your pinions bear ye back to heaven,
Think that my love still mounts with thee on high,
Samiasa!
And if I look up with a tearless eye,
'Tis that an angel's bride disdains to weep,—
Farewell! Now rise, inexorable deep!


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Aholibamah 
Stück: Himmel und Erde 
Autor: Lord Byron 

Erscheinungsjahr: 1821 
Originalsprache: Englisch 
Übersetzung: Adolf Seubert


1. Akt, 1. Auftritt

Aholibamah und Anah

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AHOLIBAMAH: 
Samiasa!
Wo immer nur
Du thronst im himmlischen Azur
Und kämpfst mit Geistern auf des Himmels Flur,
Die Streit erregen Ihm,
Der aller Reiche Reich gemacht,
Ob einen Stern du holst, der irrend schoß,
Deß Kinder sinken in des Todes Nacht
Das Schicksal theilend, das dem Staub erfloß,
Ob du dich neigest zu den Cherubim,
Und ihre Hymnen theilst an Elohim,
Samiasa!
Ich rufe dich, harr' dein, und liebe dich.
Dich beten Viele an, das thu' ich nicht,
Wenn sich dein Geist gefesselt fühlt durch mich,
So komm und theil' mein Leben, mein Gericht.
Staub ist mein Angesicht,
Strahl bist du, jed' Atom,
Und Heller als das Licht
In Edens Strom.
Mit wärm'rer Liebe, als ich heg' zu dir,
Kann dein unsterblich Herz erwiedern nicht
Mein heiß Gefühl. Es lebt ein Strahl in mir,
Der, wenn sein Schein auch nicht
Den Leib durchbricht,
Entzündet ward an Gott, und deinem Licht.
Lang mag der Funken im Verborg'nen wehn;
Tod und Verfall hat Eva uns vermacht,
Doch ihnen trotzt mein Herz. Muß ich vergehn,
So wird damit nicht Trennung uns gebracht.
Du bist unsterblich; mich auch tilgt kein Tod;
Ich fühl's, wie mein unsterblich Theil die Plag'
Besiegt, die Thräne, Zeit und Noth,
Und wie der Tiefe ew'ger Donnerschlag
Schallt's: »Du lebst ewig!« an mein Ohr mit Macht.
Doch ob in Lust dies Leben flieh',
Das weiß ich nicht, und möcht' es wissen kaum.
Das ruht bei dem Allmächt'gen noch in Nacht,
Der Glück und Weh verbirgt im Wolkenraum.
Doch dich und mich kann Er zerstören nie;
Er kann uns ändern, doch vernichten? – Nein!
Wir sind aus ew'gem Stoff; und muß es sein,
So kämpfen wir mit Ihm. Mit dir
Theil' Alles, ew'ge Qual selbst, ich.
Du hast das Leben ja getheilt mit mir,
Mich schrecket nicht dein himmlisches Revier.
Nein! und durchbohrte mich
Der Schlange Stich
Und schlängst du wie die Schlange noch
Dich fest um mich, ich lächle doch,
Ich fluche niemals dein!
So heiß sollst du umschlungen sein
Wie – aber komm und prüfe nur
Die Sterbliche, die Liebe schwur
Unsterblichem. Doch beut des Himmels Port
Dir mehr als hier du findest, so – bleib dort!



1. Act, 1. Scene

Aholibamah and Anah

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AHOLIBAMAH: Samiasa!
Wheresoe'er
Thou rulest in the upper air—
Or warring with the spirits who may dare
Dispute with him
Who made all empires, empire; or recalling
Some wandering star, which shoots through the abyss,
Whose tenants dying, while their world is falling,
Share the dim destiny of clay in this;
Or joining with the inferior cherubim,
Thou deignest to partake their hymn—
Samiasa!
I call thee, I await thee, and I love thee.
Many may worship thee, that will I not:
If that thy spirit down to mine may move thee,
Descend and share my lot!
Though I be form'd of clay
And thou of beams
More bright than those of day
On Eden's streams,
Thine immortality can not repay
With love more warm than mine
My love. There is a ray
In me, which, though forbidden yet to shine,
I feel was lighted at thy God's and thine.
It may be hidden long: death and decay
Our mother Eve bequeath'd us—but my heart
Defies it: though this life must pass away,
Is that a cause for thee and me to part?
Thou art immortal—so am I: I feel—
I feel my immortality o'ersweep
All pains, all tears, all fears, and peal,
Like the eternal thunders of the deep,
Into my ears this truth—"Thou liv'st for ever!"
But if it be in joy
I know not, nor would know;
That secret rests with the Almighty giver,
Who folds in clouds the fonts of bliss and woe.
But thee and me he never can destroy;
Change us he may, but not o'erwhelm; we are
Of as eternal essence, and must war
With him if he will war with us; with thee
I can share all things, even immortal sorrow;
For thou hast ventured to share life with me,
And shall I shrink from thine eternity?
No! though the serpent's sting should pierce me through,
And thou thyself wert like the serpent, coil
Around me still! and I will smile,
And curse thee not; but hold
Thee in as warm a fold
As—but descend, and prove
A mortal's love
For an immortal. If the skies contain
More joy than thou canst give and take, remain!


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Lucifer 
Stück: Cain
Autor: Lord Byron 

Erscheinungsjahr: 1821 
Originalsprache: Englisch 
Übersetzung: Adolf Seubert


2. Akt, 2. Auftritt

Luzifer und Cain

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LUCIFER: 
Nein! nein! beim Himmel, den 
Er hält! beim Abgrund! der Unendlichkeit 
Der Welten und des Lebens, die mit Ihm 
Ich halte – Nein! Er ist mein Sieger wol, 
Jedoch mein Ob'rer nicht. Ich kämpfe gegen Ihn, 
Wie ich im höchsten Himmel einst gekämpft. 
Durch alle Ewigkeit und durch des Hades 
Unmeßbar tiefe Schlünde hin, und durch 
Des Raumes unbegrenzte Reiche fort, 
Durch die Unendlichkeit endloser Zeit – 
Will Alles ich Ihm streitig machen, Alles! 
Welt soll um Welt, und Stern um Stern, und All 
Um All erzittern in der Wage, bis 
Der große Kampf zu End', wenn je er endet; 
Was nicht geschieht, bis Er, bis ich dahin! 
Was aber kann Unsterblichkeit vernichten? 
Was unsern ew'gen, gegenseit'gen Groll? 
Als Sieger nennt Er den Besiegten bös, 
Was aber ist das Gute, das Er gibt? 
Wär' ich der Sieger, gälten seine Werke 
Allein für bös. Was war es denn, ihr neu 
Und kaum gebornen Sterblichen, was Er 
Euch schon und eurer kleinen Welt geschenkt?

CAIN: 
Nicht viel, und manches Bittre nur.

LUCIFER: 
                                                 So komm 
Mit mir zu deiner Erd' zurück und schmecke 
Die übrigen von seinen Himmelsgaben. 
Gut, bös ist, was es ist, im Wesen schon 
Und wird nicht erst durch seinen Geber so. 
Wenn Er euch Gutes thut, so preist Ihn drum, 
Wenn aber Böses von Ihm kommt, so heißt 
Es mein Werk nicht, bis ihr den wahren Quell 
Entdeckt. Urtheilt nach Worten nicht, selbst nicht 
Nach Geisterwort! Nein! nach den Früchten nur, 
Die euer Dasein, wie es sein muß, trägt. 
Ein Gut hat jener schlimme Apfel euch 
Gebracht: Vernunft! Laßt durch tyrannisch Drohn 
Sie nie beherrschen, und euch selber nie 
In einen Glauben zwingen, gegen den 
Der äußre Sinn, das innre Fühlen sich 
Empört. Denkt und ertragt, und bildet euch 
In eurem Innern eine Welt, wenn euch 
Die äußre nicht genügt. So werdet ihr 
Der geistigen Natur euch nähern und 
Die eigene bekämpfen mit Erfolg.

(Sie verschwinden.)


2. Act, 2. Scene

Luzifer and Cain

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LUCIFER:
A superior?! Superior?!
No! By heaven, which he
Holds, and the abyss, and the immensity
Of worlds and life, which I hold with him—No!
I have a Victor—true; but no superior.
Homage he has from all—but none from me:
I battle it against him, as I battled
In highest Heaven—through all Eternity,
And the unfathomable gulfs of Hades,
And the interminable realms of space,
And the infinity of endless ages,
All, all, will I dispute! And world by world,
And star by star, and universe by universe,
Shall tremble in the balance, till the great
Conflict shall cease, if ever it shall cease,
Which it ne'er shall, till he or I be quenched!
And what can quench our immortality,
Or mutual and irrevocable hate?
He as a conqueror will call the conquered
Evil, but what will be the Good he gives?
Were I the victor, his works would be deemed
The only evil ones. And you, ye new
And scare-born mortals, what have been his gifts
To you already, in your little world?
But few; and some of those but bitter.
Back with me, then, to thine earth, and try the rest
Of his celestial boons to you and yours.
Evil and Good are things in their own essence,
And not made good or evil by the Giver;
But if he gives you good—so call him; if
Evil springs from him, do not name it mine,
Till ye know better its true fount; and judge
Not by words, though of Spirits, but the fruits
Of your existence, such as it must be.
One good gift has the fatal apple given—
Your reason: — let it not be overswayed
By tyrannous threats to force you into faith
'Gainst all external sense and inward feeling:
Think and endure, — and form an inner world
In your own bosom — where the outward fails;
So shall you nearer be the spiritual
Nature, and war triumphant with your own.  


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Eva 
Stück: Cain
Autor: Lord Byron 

Erscheinungsjahr: 1821 
Originalsprache: Englisch 
Übersetzung: Adolf Seubert


3. Akt, 1. Auftritt

Eva und Adam 

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EVA: Hör mich, 
Mein Gott! Mög' treffen ihn der Schlange Fluch! 
Mehr als zu uns taugt er zu ihrer Brut. 
Mög' trostlos all sein Leben sein! Mög' –
[...] Und nahm den Bruder dir, 
Zillah den Gatten, mir den Sohn! Dafür 
Verstoß ich ihn aus meinem Aug' für immer! 
Ich reiße alle Bande zwischen uns, 
Wie er dort riß die Bande der Natur. 
O Tod, warum nahmst du nicht mich, die dir 
Zuerst verfiel? Was nimmst du mich nicht jetzt?

[...] (Deutet aus Cain.)

Der fleischgewordene Geist 
Des Todes war's, den ich zur Welt gebracht, 
Mit Todten sie zu streun. Mög' jeder Fluch 
Des Lebens auf ihm ruhn! mög' ihn die Qual 
Fort durch die Wildniß treiben, wie er uns 
Aus Eden trieb, bis seine Kinder ihm 
Einst thun, wie er dem Bruder that! – Mög' ihn 
Das Schwert der Cherubim bedräun bei Tag 
Und Nacht! die Schlange kreuzen seinen Pfad! 
Zu Asche ihm der Erde Frucht gedeihn! 
Von Scorpionen wimmle ihm das Laub, 
Wo er das Haupt hinlegt zum Schlaf! Er träum' 
Von seiner That, und sein Erwachen sei 
Stets Todesangst! Der klare Bach, den er 
Beflecken will mit dursteswüth'ger Lippe, 
Verwandle sich in Blut! Jed' Element 
Verändre sich vor ihm und fliehe ihn! 
Er schleppe lebend sich durch all die Qual, 
In der ein Andrer stirbt! Ihm sei der Tod 
Was Schlimmeres als der, den er uns brachte! 
Fort, Brudermörder! Künftig heiß es »Cain« 
Durch alle späteren Myriaden fort, 
Die dich verabscheun, bist du gleich ihr Vater. 
Es welke unter deinem Fuß das Gras! 
Der Wald verweigre dir den Schutz, die Erd' 
Ein Heim, der Staub ein Grab, die Sonn' ihr Licht, 
Der Himmel seinen Gott!

(Eva ab.)


3. Act, 1. Scene

Eve and Adam 

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EVE:
Hear, Jehovah!
May the eternal Serpent's curse be on him!
For he was fitter for his seed than ours.
May all his days be desolate!
He hath left thee no brother, Adah—
Zillah no husband—me no son! for thus
I curse him from my sight for evermore!
All bonds I break between us, as he broke
That of his nature, in yon—Oh Death! Death!
Why didst thou not take me, who first incurred thee?
Why dost thou not so now?

[Pointing to CAIN.]

Why dost thou not take yon Incarnate Spirit
Of Death, whom I have brought upon the earth
To strew it with the dead. May all the curses
Of life be on him! and his agonies
Drive him forth o'er the wilderness, like us
From Eden, till his children do by him
As he did by his brother! May the swords
And wings of fiery Cherubim pursue him
By day and night—snakes spring up in his path—
Earth's fruits be ashes in his mouth—the leaves
On which he lays his head to sleep be strewed
With scorpions! May his dreams be of his victim!
His waking a continual dread of Death!
May the clear rivers turn to blood as he
Stoops down to stain them with his raging lip!
May every element shun or change to him!
May he live in the pangs which others die with!
And Death itself wax something worse than Death
To him who first acquainted him with man!
Hence, fratricide! henceforth that word is Cain,
Through all the coming myriads of mankind,
Who shall abhor thee, though thou wert their sire!
May the grass wither from thy feet! the woods
Deny thee shelter! earth a home! the dust—
A grave! the sun his light! and heaven her God! 

[Exit.]


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Cain 
Stück: Cain
Autor: Lord Byron 

Erscheinungsjahr: 1821 
Originalsprache: Englisch 
Übersetzung: Adolf Seubert


1. Akt, 1. Auftritt

Cain allein 

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CAIN: 
Ist das Leben? 
Arbeit und Arbeit! Und warum? Nur weil 
Mein Vater seinen Platz in Eden nicht 
Bewahrt. Was geht das mich denn an? Ich war 
Noch nicht geboren, sucht' es nicht; noch freut 
Der Zustand mich, den mir Geburt gebracht. 
Warum gab er dem Weib, der Schlange nach? 
Und wenn er's that, warum denn leiden drob? 
Was war's denn viel? Der Baum stand da: warum 
Nicht auch für ihn? Wenn aber nicht, warum 
So nah' ihn pflanzen und so schön? Sie, haben 
Stets Eine Antwort nur: »Sein Wille war's 
Und Er ist gut.« Woraus ergibt sich das? 
Weil Er allmächtig, sei allgütig Er? 
Ich schließ' nur nach der Frucht (und die ist herb), 
Die ich für Andrer Sünden kosten muß. – 
– Was ist denn das? Es sieht den Engeln gleich, 
Nur ist's viel düstrer, trauriger zu schaun, 
Doch scheint's von Geisterart. Was schauert mich? 
Warum es mehr als jene Geister scheun, 
Die mit dem Flammenschwert ich täglich schau 
An jenem Thor, nach dem's mich immer zieht, 
Um von den Gärten, die mein rechtlich Erb', 
Im Dämmerlicht zu haschen einen Blick, 
Eh' Nacht auf die verbotnen Wälle fällt, 
Und auf der ew'gen Bäume hehre Wipfel, 
Die die beschützten Zinnen überragen? 
Wenn jene Feuerengel mich nicht schrecken, 
Warum sollt' ich vor dem, der naht, erbeben? – 
Doch scheint er mächt'ger als die Andern alle, 
Nicht wen'ger schön und doch nicht ganz so schön, 
Wie er wol war und noch könnt' sein. Der Gram 
Theilt sich in ihm mit der Unsterblichkeit. 
Kann etwas schmerzen außer: Mensch zu sein? 
Er naht mir.

(Lucifer tritt auf.)


1. Act, 1. Scene

Cain alone 

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CAIN:
And this is Life? — Toil!
And wherefore should I toil? — because
My father could not keep his place in Eden?
What had I done in this? — I was unborn:
I sought not to be born; nor love the state
To which that birth has brought me. Why did he
Yield to the Serpent and the woman? or
Yielding—why suffer? What was there in this?
The tree planted, and why not for him?
If not, why place him near it, where it grew
The fairest in the center? They have but
One answer to all questions, "'Twas his will,
And he is good." How know I that? Because
He is all-powerful, must all-good, too, follow?
I judge but by the fruits—and they are bitter—
Which I must feed on for a fault not mine.
Why do I exist? Why art all things wretched?
Ev'n he who made us must be, as the maker
Of things unhappy! To produce destruction
Can surely never be the task of joy,
And yet my sire says he's omnipotent:
Then why is Evil—he being Good? I asked
This question of my father; and he said,
Because this Evil only was the path
To Good. Strange good, that must arise from out
Its deadly opposite. I lately saw
A lamb stung by a reptile: the poor suckling
Lay foaming on the earth, beneath the vain
And piteous bleating of its restless dam;
My father plucked some herbs, and laid them to
The wound; and by degrees the helpless wretch
Resumed its careless life, and rose to drain
The mother's milk, who o'er it tremulous
Stood licking its reviving limbs with joy.
Behold, my son! said Adam, how from Evil springs Good!
But I thought, that 'twere a better portion for the animal
Never to have been stung at all than to
Purchase renewal of its little life
With agonies unutterable, though
Dispelled by antidotes.  


Moderne Monologe zum Vorsprechen: 
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Adah 
Stück: Cain
Autor: Lord Byron 

Erscheinungsjahr: 1821 
Originalsprache: Englisch 
Übersetzung: Adolf Seubert


3. Akt, 1. Auftritt

Adah und Cain 

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ADAH: 
O sprich nicht so! Wo wär' dann unsre Lust? 
Die Lust der Mutter, die ihn hütet, nährt 
Und liebt? O leise! er erwacht! – Mein Enoch!
(Sie geht zu dem Kinde.)
O Cain, sieh her! Sieh, wie voll Leben er! 
Voll Kraft und Blut', voll Schönheit und voll Lust! 
Wie ähnlich mir! wie ähnlich dir, wenn fromm; 
Denn dann sehn wir uns Alle gleich; nicht, Cain? 
Der Mutter Züg', des Vaters und des Sohns, 
Sie spiegeln dann sich gegenseitig wieder, 
Wie, in dem klaren Wasser, wenn es fromm, 
Wenn du auch fromm. So lieb' uns denn, mein Cain! 
Und liebe uns zu Lieb' auch dich; wir lieben 
Ja dich! Sieh, wie er lacht und seine Aermchen 
Ausstreckt und weit nach dir das blaue Aug', 
Den Vater zu begrüßen, öffnet! wie 
Von Lust bewegt, sein kleiner Körper bebt! 
Sprich nicht von Schmerzen! Sieh, die Cherubim, 
Die kinderlos, sie könnten neiden dich 
Um deine Vaterlust! – O segne ihn! 
Er hat noch Worte nicht, zu danken dir, 
Jedoch sein Herz wird's thun und deines auch.


3. Act, 1. Scene

Adah and Cain 

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ADAH:
'Twere better that he never had been born?
Oh, do not say so! Where were then the joys,
The mother's joys of watching, nourishing,
And loving him? Soft! he awakes. Sweet Enoch!
Oh, Cain! look on him; see how full of life,
Of strength, of bloom, of beauty, and of joy—
How like to me—how like to thee, when gentle—
For then we are all alike; is't not so, Cain?
Mother, and sire, and son, our features are
Reflected in each other; as they are
In the clear water, when they are gentle, and
When thou art gentle. Love us, then, my Cain!
And love thyself for our sakes, for we love thee.
Look! how he laughs and stretches out his arms,
And opens wide his blue eyes upon thine,
To hail his father; while his little form
Flutters as winged with joy. Talk not of pain!
The childless cherubs well might envy thee
The pleasures of a parent! Bless him, Cain!
As yet he hath no words to thank thee, but
His heart will, and thine own too.  


Moderne Monologe zum Vorsprechen:
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Woyzeck 
Stück: Woyzeck 
Autor: Georg Büchner 

Erscheinungsjahr: 1837 
Originalsprache: Deutsch 


Am Teich

Woyzeck allein. 

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WOYZECK: Das Messer? Wo ist das Messer? Ich hab' es da gelassen. Es verrät mich! Näher, noch näher! Was is das für ein Platz? Was hör' ich? Es rührt sich was. Still. – Da in der Nähe. Marie? Ha, Marie! Still. Alles still! Was bist du so bleich, Marie? Was hast du eine rote Schnur um den Hals? Bei wem hast du das Halsband verdient mit deinen Sünden? Du warst schwarz davon, schwarz! Hab' ich dich gebleicht? Was hängen deine Haare so wild? Hast du deine Zöpfe heute nicht geflochten? ... – Das Messer, das Messer! Hab' ich's? So! – (Er läuft zum Wasser.) So, da hinunter! – (Er wirft das Messer hinein.) – Es taucht in das dunkle Wasser wie ein Stein. – Nein, es liegt zu weit vorn, wenn sie sich baden. – (Er geht in den Teich und wirft weit.) – So, jetzt – aber im Sommer, wenn sie tauchen nach Muscheln? – Bah, es wird rostig, wer kann's erkennen. – Hätt' ich es zerbrochen! – – Bin ich noch blutig? Ich muß mich waschen. Da ein Fleck, und da noch einer ... (Es kommen Leute.)



Moderne Monologe zum Vorsprechen:
Monologe für Frauen / Schauspielerinnen 

Rolle: Marie 
Stück: Woyzeck 
Autor: Georg Büchner 

Erscheinungsjahr: 1837 
Originalsprache: Deutsch 


Mariens Kammer. 

Marie und Woyzeck

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MARIE: (sitzt, ihr Kind auf dem Schoß, ein Stückchen Spiegel in der Hand) Der andre hat ihm befohlen, und er hat gehen müssen! – Bespiegelt sich: Was die Steine glänzen! Was sind's für? Was hat er gesagt? – – Schlaf, Bub! Drück die Augen zu, fest! – Das Kind versteckt die Augen hinter den Händen. – Noch fester! Bleib so – still, oder er holt dich! – (Singt:)

Mädel, mach's Ladel zu
's kommt e Zigeunerbu,
führt dich an deiner Hand
fort ins Zigeunerland.

(Spiegelt sich wieder) – 's ist gewiß Gold! Wie wird mir's beim Tanzen stehen? Unsereins hat nur ein Eckchen in der Welt und ein Stück Spiegel, und doch hab ich ein' so roten Mund als die großen Madamen mit ihrem Spiegeln von oben bis unten und ihren schönen Herrn, die ihnen die Händ küssen. Ich bin nur ein arm Weibsbild! – Das Kind richtet sich auf. – Still, Bub, die Augen zu! Das Schlafengelchen! Wie's an der Wand läuft. – Sie blinkt ihm mit dem Glas: Die Auge zu, oder es sieht dir hinein, daß du blind wirst! (Woyzeck tritt herein, hinter sie. Sie fährt auf, mit den Händen nach den Ohren.) [...] Ein Ohrringlein; hab's gefunden.[...] Bin ich ein Mensch? [Woyzeck ab.] (Marie allein, nach einer Pause:) Ich bin doch ein schlechter Mensch! Ich könnt' mich erstechen. – Ach, was Welt! Geht doch alle zum Teufel, Mann und Weib!




Moderne Monologe zum Vorsprechen:
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Leonce 
Stück: Leonce und Lena 
Autor: Georg Büchner 

Erscheinungsjahr: 1836 
Originalsprache: Deutsch 


1. Akt, 3. Szene 

Leonce allein. 

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LEONCE: Ein sonderbares Ding um die Liebe. Man liegt ein Jahr lang schlafwachend zu Bette, und an einem schönen Morgen wacht man auf, trinkt ein Glas Wasser, zieht seine Kleider an und fährt sich mit der Hand über die Stirn und besinnt sich und besinnt sich. – Mein Gott, wieviel Weiber hat man nöthig, um die Scala der Liebe auf und ab zu singen? Kaum daß Eine einen Ton ausfüllt. Warum ist der Dunst über unsrer Erde ein Prisma, das den weißen Gluthstrahl der Liebe in einen Regenbogen bricht? (Er trinkt.) In welcher Bouteille steckt denn der Wein, an dem ich mich heute betrinken soll? Bringe ich es nicht einmal mehr so weit? Ich sitze wie unter einer Luftpumpe. Die Luft so scharf und dünn, daß mich friert, als sollte ich in Nankinghosen Schlittschuh laufen. – Meine Herren, meine Herren, wißt ihr auch, was Caligula und Nero waren? Ich weiß es. Komm Leonce, halte mir einen Monolog, ich will zuhören. Mein Leben gähnt mich an, wie ein großer weißer Bogen Papier, den ich vollschreiben soll, aber ich bringe keinen Buchstaben heraus. Mein Kopf ist ein leerer Tanzsaal, einige verwelkte Rosen und zerknitterte Bänder auf dem Boden, geborstene Violinen in der Ecke, die letzten Tänzer haben die Masken abgenommen und sehen mit todmüden Augen einander an. Ich stülpe mich jeden Tag vier und zwanzigmal herum, wie einen Handschuh. O ich kenne mich, ich weiß was ich in einer Viertelstunde, was ich in acht Tagen, was ich in einem Jahre denken und träumen werde. Gott, was habe ich denn verbrochen, daß du mich, wie einen Schulbuben, meine Lection so oft hersagen läßt? – Bravo Leonce! Bravo! (Er klatscht.) Es thut mir ganz wohl, wenn ich mir so rufe. He! Leonce! Leonce!



Moderne Monologe zum Vorsprechen:
Monologe für Männer / Schauspieler 

Rolle: Leonce 
Stück: Leonce und Lena 
Autor: Georg Büchner 

Erscheinungsjahr: 1836 
Originalsprache: Deutsch 


1. Akt, 1. Szene 

Ein Garten. Leonce und der Hofmeister. 

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LEONCE:(halb ruhend auf einer Bank.) Mein Herr, was wollen Sie von mir? Mich auf meinen Beruf vorbereiten? Ich habe alle Hände voll zu thun, ich weiß mir vor Arbeit nicht zu helfen. Sehen Sie, erst habe ich auf den Stein hier dreihundert fünf und sechzig Mal hintereinander zu spucken. Haben Sie das noch nicht probirt? Thun Sie es, es gewährt eine ganz eigne Unterhaltung. Dann – sehen Sie diese Hand voll Sand? (Er nimmt Sand auf, wirft ihn in die Höhe und fängt ihn mit dem Rücken der Hand wieder auf.) jetzt werf' ich sie in die Höhe. Wollen wir wetten? Wieviel Körnchen hab' ich jetzt auf dem Handrücken? Grad oder ungrad? Wie? Sie wollen nicht wetten? Sind Sie ein Heide? Glauben Sie an Gott? Ich wette gewöhnlich mit mir selbst und kann es tagelang so treiben. Wenn Sie einen Menschen aufzutreiben wissen, der Lust hätte als mit mir zu wetten, so werden Sie mich sehr verbinden. Dann habe ich nachzudenken, wie es wohl angehn mag, daß ich mir einmal auf den Kopf sehe. O wer sich einmal auf den Kopf sehen könnte! Das ist eins von meinen Idealen. Mir wäre geholfen. Und dann – und dann noch unendlich Viel der Art. – Bin ich ein Müßiggänger? Habe ich keine Beschäftigung? – Ja es ist traurig ... [...] Daß die Wolken schon seit drei Wochen von Westen nach Osten ziehen. Es macht mich ganz melancholisch. [...] Mensch, warum widersprechen Sie mir nicht? Sie sind pressirt, nicht wahr? Es ist mir leid, daß ich Sie so lange aufgehalten habe. (Der Hofmeister entfernt sich mit einer tiefen Verbeugung.) Mein Herr, ich gratulire Ihnen zu der schönen Parenthese, die Ihre Beine machen, wenn Sie sich verbeugen. (allein, streckt sich auf der Bank aus) Die Bienen sitzen so träg an den Blumen, und der Sonnenschein liegt so faul auf dem Boden. Es krassirt ein entsetzlicher Müßiggang. – Müßiggang ist aller Laster Anfang. – Was die Leute nicht Alles aus Langeweile treiben! Sie studiren aus Langeweile, sie beten aus Langeweile, sie verlieben, verheirathen und vermehren sich aus Langeweile und sterben endlich an der Langeweile und – und das ist der Humor davon – Alles mit den wichtigsten Gesichtern, ohne zu merken warum, und meinen Gott weiß was dabei. Alle diese Helden, diese Genies, diese Dummköpfe, diese Heiligen, diese Sünder, diese Familienväter sind im Grunde nichts als raffinirte Müßiggänger. – Warum muß ich es grade wissen? Warum kann ich mir nicht wichtig werden und der armen Puppe einen Frack anziehen und einen Regenschirm in die Hand geben, daß sie sehr rechtlich und sehr nützlich und sehr moralisch würde? – Der Mann, der eben von mir ging, ich beneidete ihn, ich hätte ihn aus Neid prügeln mögen. O wer einmal jemand Anders sein könnte! Nur 'ne Minute lang. –




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