Bewertung und Kritik zu

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ZUR SCHÖNEN AUSSICHT 
von Ödön von Horváth
Regie: Sebastian Kreyer 
Premiere: 20. April 2018 
Theater Bonn - Kammerspiele
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Zum Inhalt: Schön ist die Aussicht im heruntergekommenen Hotel längst nicht mehr. Direktor Strasser hat mehr Personal als Gäste und steht kurz vor dem Bankrott. Gemeinsam mit Kellner Max und Chauffeur Karl, allesamt gescheiterte Existenzen mit zweifelhafter Vergangenheit, bildet er eine Zweckgemeinschaft um Baronin Ada Freifrau von Stetten, Dauergast und mit ihrem Vermögen nur ein Tropfen auf den heißen Stein des endgültigen Niedergangs. Jeder auf seinen Vorteil bedacht, ohne Scheu vor Betrug und Selbsttäuschung warten sie der Trostlosigkeit entgegen. Die Gleichförmigkeit des Alltags wird durchbrochen von Christine, ein Jahr zuvor Geliebte des Hoteldirektors, nun Mutter und auf der Suche nach dem Vater des Kindes – und nach Liebe. Doch die versammelten Männer verhöhnen und beschimpfen sie als Hure und erfinden ein perfides Lügengebäude, um drohenden Unterhaltsforderungen zu entgehen. Christine ist jedoch nicht mittellos, sie hat eine bedeutende Erbschaft gemacht. Als dies ans Licht kommt, wendet sich das Blatt. In einer kurzen unbestimmten Hoffnung auf ein Entkommen aus der Aussichtslosigkeit durch ihr Vermögen umwerben sie alle als Freier. Christine aber verlässt das Hotel allein.

Ödön von Horváth schildert eine Welt, „wie sie halt leider ist“, und beschreibt den Machtkampf in einer ungerechten Gesellschaft, der nur Verlierer hervorbringt. Die 1926 entstandene Komödie wurde 1969 in Graz uraufgeführt. Horváths Gesellschaftssatire ist ein Stück par excellence für den Regisseur Sebastian Kreyer, dessen vordergründig knallbunte Inszenierungen immer auch die Tragik aus der Welt gefallener Menschen ausloten, „extrem schrill und extrem wehmütig, extrem desolat und extrem komisch“, schrieb einst „nachtkritik“. Kreyer hat in Bonn bereits DIE MÖWE, DER ENTERTAINER sowie NULLZEIT von Juli Zeh inszeniert und gehört seit fünf Jahren zum festen Team des Schauspiels. 

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Nō Nō Nō
von Gavin Quinn und Ensemble
Regie: Gavin Quinn 
Premiere: 12. April2018 
Theater Bonn - Oper

Zum Inhalt: Kurz vor der Eröffnung des neuen „Nō Nō Nō“-Supermarkts hat sich Filialleiterin Olivia hohe Ziele gesetzt: Hier soll das ultimative Konsumparadies für den Kunden entstehen, das vor allem durch die systematisch konditionierte Freundlichkeit seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen besticht. Doch diese müssen erst noch angelernt werden - eine Aufgabe, die nicht zu unterschätzen ist, vor allem dann nicht, wenn am großen Tag der Eröffnung der ersehnte Kundensegen ausbleibt und die tüchtigen Ausgestellten nicht mehr wissen wohin, mit ihrer antrainierten Freundlichkeit.

Nach SCHÖNE NEUE WELT und DER STURM inszeniert der irische Regisseur und künstlerische Leiter der international hoch renommierten Theater-Company  PAN PAN THEATRE Gavin Quinn zum ersten Mal auf der Werkstattbühne des THEATER BONN. Gemeinsam mit dem Ensemble entwickelt er ein neues Projekt, das sich in einer performativen Auseinandersetzung den skurrilen Reizen und bitterbösen Abgründen unserer globalisierten Konsumgesellschaft annimmt.

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JEDER STIRBT FÜR SICH ALLEIN
nach dem Roman von Hans Fallada
Regie: Sandra Strunz 
Premiere: 22. März 2018 
Theater Bonn - Kammerspiele
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Zum Inhalt: In seinem letzten Roman schildert Hans Fallada das Leben in Berlin im Jahr 1940 und damit das Leben einer Gesellschaft in moralischer Auszehrung, in der Argwohn, Spitzeltum und Angst jegliche soziale Beziehung bestimmen. In den Berliner Hinterhöfen machen Kleinkriminelle nach wie vor ihre illustren Geschäfte, lassen sich von arbeitsscheuen Weiberhelden oder übereifrigen Hausmeistern nicht irritieren, bis deren Faulheit sich als Dummheit erweist und in rückgratloses Denunziantentum umschlägt, das allen tödlich werden kann. In diesem sich zuspitzenden Klima erblüht die leise berührende Geschichte eines Ehepaares, das Hitler entschieden, aber fast lautlos den Krieg erklärt. Zwei, die zusammenhalten und einfach ihrem Gewissen folgen. Zwei gegen siebzig Millionen, zwei gegen Denunziation und Gleichgültigkeit. In aller Ruhe und mit faszinierender Schlichtheit schreibt das Arbeiterehepaar Otto und Anna Quangel nach Feierabend Postkarten gegen Hitler und verteilt diese heimlich in Berlin. Der ganze Gestapo-Apparat wird mobilisiert, Nachbarn und Kleinkriminelle angestiftet, alles Verdächtige zu melden, und dennoch gelingt es lange nicht, die Herkunft der provozierenden Karten herauszufinden. Doch auch die politische Strategie der Quangels geht nicht auf. Die meisten Postkarten werden sofort bei der Gestapo abgegeben und finden keine wirkliche Verbreitung in der Bevölkerung. Der Widerstand des Paares ist ein Akt der Verweigerung. Sie machen nicht mehr mit, tun, was sie tun müssen, ohne heroische Attitüde. Weniger ein politischer Akt als die Entscheidung, um keinen Preis alles mit sich geschehen zu lassen. Zwei Menschen, die beharrlich gegen den Strom der Mehrheit, gegen den Strom des Populismus schwimmen und das böse Ende visionär vorhersehen, dennoch aber in einer immer unmenschlicher werdenden Zeit näher und näher zusammenrücken, zufrieden und mit sich selbst im Reinen ganz einfach lieben können.

Weiterlesen: Jeder stirbt für sich allein

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ECHNATON
von Philip Glass
Regie: Laura Scozzi 
Premiere: 11. März 2018 
Theater Bonn - Oper
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Figaros HochzeitZum Inhalt: Zu den größten Erfolgen der Oper Bonn zwischen 2003 und 2013 gehörte zweifelsohne die Produktion von Philip Glass’ Oper SATYAGRAHA, des zweiten Werks der sogenannten Trilogy, einer Reihe von drei Portraitopern des US - amerikanischen Komponisten über Albert Einstein, Mahatma Gandhi und den schillernden ägyptischen Pharao: Nach dem großen, weithin strahlenden Erfolg von Achim Freyers SATYAGRAHA-Inszenierung schrieb Glass AKHNATEN (oder eben, in deutscher Schreibung, ECHNATON) für die Oper Stuttgart unter ihrem Generalmusikdirektor Dennis Russel Davies (der anschließend nach Bonn wechselte). Das Werk erlebte am 24. März 1984 ebenfalls in Stuttgart, wiederum von Freyer produziert, seine Uraufführung. Wie schon in den beiden vorangegangenen Werken EINSTEIN ON THE BEACH und SATYAGRAHA stellt der Komponist auch mit ECHNATON eine für die Entwicklung ihrer jeweiligen Epochen maßgebliche Gestalt ins Zentrum: Der titelgebende Pharao schaffte im 14. vorchristlichen Jahrhundert die bis dahin geltende Vielgötterei ab und ersetzte sie durch einen monotheistischen Kult, der als einzige Gottheit die Sonnenscheibe Aton anerkannte. Seinen ursprünglichen Namen legte er ab und nannte sich „der Aton dient“ – Echnaton. Die Anhänger der neuen Religion wurden zu Bilderstürmern gegen das Alte, was zur Folge hatte, dass schon der zweite Nachfolger des Pharaos, Tutanchamun, nicht nur den Polytheismus wieder einführte, sondern das Andenken an Echnaton verdammte. Der Bringer von Licht und Vernunft stürzte ins Nichts.

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Theater Bonn

Volksbühne
Theater Bonn
http://www.theater-bonn.de
Am Boeselagerhof 1 - 53111 Bonn
Telefon: 0228 778008
SPIELPLAN & KARTEN
3.4
Durchschnittsnote aller Stücke
5 2
4 11
3 9
2 3
1 1
Kritiken: 22
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