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Bewertung und Kritik zu

CAVALLERIA RUSTICANA / LUCI MIE TRADITRICI
Mascagni / Sciarrino
Regie: Barbara Frey 
Premiere: 11. Oktober 2020 
Staatsoper Stuttgart

Zum Inhalt: Darf man den eigenen Sinnen trauen? Oft genügen Andeutungen und Gerüchte, um dem Herzen Zweifel einzupflanzen, die zur mörderischen Gewissheit werden können. Santuzza ahnt, dass Turridu sie wegen der Frau des arglosen Alfio sitzenlässt. An einem einzigen Vormittag führt diese Ahnung zur Gewalttat. Nicht mit Vergebung sondern einem Opfer endet dieser sizilianische Ostersonntag, denn Männer wie Frauen, Mütter wie Söhne folgen hier einem gesellschaftlichen Codex, der seit Generationen festschreibt, was Treue und Ehre bedeuten. Sind vielleicht sogar die von Mascagni überwältigend in Szene gesetzten Gefühle der Protagonist*innen nur Produkte sozialer Codierungen?

Nach der Souveränität des fühlenden Subjekts fragt einhundert Jahre später auch Salvatore Sciarrino in seiner Oper Luci mie traditrici – Meine trügerischen Augen. Mit einem ganz auf Reduktion setzenden musikalischen Idiom erzählt auch er von obsessiver Eifersucht. Dass einen der Augenschein trügen kann, ahnen hier ein Graf, seine Gräfin, ihr voyeuristischer Diener und ein Besucher, der eine andere Art zu lieben verspricht. Die Angst, sich in den eigenen Sinnen und im geliebten Gegenüber zu täuschen, führt zum Doppelmord. Ob tatsächlich ein Treuebruch stattfindet, bleibt verborgen. Die Gewissheit der Gefühle zersetzt sich; ebenso das musikalische Gewebe: Das Sprechen über die Liebe zerfällt in erstickte Worte, Geflüster, Herzklopfen und Atemzüge, und weicht schließlich der tosenden Stille der Einsamkeit.

Musikalische Leitung: Cornelius Meister
Regie: Barbara Frey
Bühne: Martin Zehetgruber
Kostüme: Bettina Walter
Chor: Manuel Pujol
Dramaturgie: Miron Hakenbeck und Barbara Eckle
Licht: Alexander Koppelmann


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Liebe, Ehre und Eifersucht
  · 12.10.20
''Das Stuttgarter Bühnenbild für beide Opern von Martin Zehetgruber zeigt eine breite schräge Treppe, die ins Nirgendwo führt. Drumherum ein schäbiger Betonbunker mit Graffiti, eine Seelenlandschaft des Ausgestoßenseins und der Einsamkeit. Männer schreiten in der Cavalleria langsam über die Bühne. Langsamkeit prägt die Aktionen, wenn man sie denn so nennen will, des Abends. Bei Sciarrino sitzen die Blechbläser hinten vor der Betonwand, bei Mascagni singt der Chor vom dritten Zuschauerbalkon herab. Wenn die Drehbühne die Hinterseite der Treppe frei gibt, erstmals beim Intermezzo sinfonico der Cavalleria, sieht man einen Wald von verwelkten Zimmerpflanzen.

Was die beiden Opern über ein Jahrhundert hinweg verbindet sind die thematischen Stichwörter Liebe, Ehre und Eifersucht. Das Libretto von Luci mie traditrici, das auf einem barocken Drama beruht, scheint sprachlich gar nicht so weit von der Formelhaftigkeit des 19. Jahrhunderts entfernt zu sein. Regisseurin Barbara Frey verzichtet auf äußerliche Effekte. Die Spannung geht, namentlich bei Sciarrino, nicht vom Bühnengeschehen, sondern von der durchgängig leisen Musik aus, von den minimalen Crescendi und Wiederholungen, die Cornelius Meister fabelhaft herausarbeitet. In der Fassung für Kammerorchester, die der 27jährige Komponist Sebastian Schwab für diese Aufführung der Cavalleria rusticana erarbeitet hat, befremdet weniger die räumliche Anordnung der Instrumentalisten als die Transkription ganzer Strecken für Klavier, das vom Dirigenten, einem erfahrenen Pianisten, selbst gespielt wird. Das kleine Ensemble der Sängerinnen und Sänger ist durchweg erstklassig. Mit ihm verteidigt die Stuttgarter Oper ihren Ruf. Jede Hervorhebung einzelner Namen wäre ungerecht.'' schreibt Thomas Rothschild am 12. Oktober 2020 auf KULTURA-EXTRA
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