VALENTIN in «Faust - Teil 1»

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    22. Szene - Nacht. Straße vor Gretchens Türe. 

    Valentin, Soldat, Gretchens Bruder, allein. 

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    VALENTIN:
    Wenn ich so saß bei einem Gelag,

    Wo mancher sich berühmen mag,
    Und die Gesellen mir den Flor
    Der Mägdlein laut gepriesen vor,
    Mit vollem Glas das Lob verschwemmt,
    Den Ellenbogen aufgestemmt,
    Saß ich in meiner sichern Ruh,
    Hört all dem Schwadronieren zu
    Und streiche lächelnd meinen Bart
    Und kriege das volle Glas zur Hand
    Und sage: »Alles nach seiner Art!
    Aber ist eine im ganzen Land,
    Die meiner trauten Gretel gleicht,
    Die meiner Schwester das Wasser reicht?«
    Topp! Topp! Kling! Klang! das ging herum;
    Die einen schrieen: »Er hat recht,
    Sie ist die Zier vom ganzen Geschlecht.«
    Da saßen alle die Lober stumm.
    Und nun! – um's Haar sich auszuraufen
    Und an den Wänden hinaufzulaufen! –
    Mit Stichelreden, Naserümpfen
    Soll jeder Schurke mich beschimpfen!
    Soll wie ein böser Schuldner sitzen
    Bei jedem Zufallswörtchen schwitzen!
    Und möcht ich sie zusammenschmeißen
    Könnt ich sie doch nicht Lügner heißen.

    Was kommt heran? Was schleicht herbei?
    Irr ich nicht, es sind ihrer zwei.
    Ist er's, gleich pack ich ihn beim Felle
    Soll nicht lebendig von der Stelle!

    (Auftritt Faust und Mephistopheles.)

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