Bewertungen, Kritiken und Rezensionen zu sehenswerten Theaterstücken, Opern und Musicals, die in Hamburg spielen:

 

Bewertung und Kritik zu

DER KAUFMANN VON VENEDIG
von William Shakespeare
Regie: Karin Beier 
Premiere: 27. Januar 2017 
Deutsches Schauspielhaus Hamburg
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Zum Inhalt: Es herrschen goldene Zeiten in der Republik Venedig. Die Kapital- und Warenströme fließen, die Welt rückt zusammen, die Schuldenberge wachsen, und bis es zu dem fatalen Handel zwischen dem christlichen Kaufmann Antonio und dem verachteten jüdischen Geldverleiher Shylock kommt, scheinen alle darauf zu vertrauen, dass dies ewig so weitergehen wird.
Ein Pfund Fleisch von Antonios Körper fordert Shylock, falls der Kredit, den er ihm gewährte, nicht rechtzeitig zurückgezahlt werden kann. Der Zahltag bricht an, Antonios Untergang scheint unvermeidlich, denn Shylock dringt nun unbarmherzig auf die Begleichung der Schuld. Von Gnade will der verspottete und diskriminierte Jude nichts wissen. Sein Insistieren auf die Rechtsgültigkeit seines Anspruchs wird vor dem christlichen Gericht allerdings mit einem juristischen Kniff aus der Trickkiste des Kasperletheaters beantwortet; der entrechtete Shylock steht einmal mehr als armer Teufel und Verlierer da.

Weiterlesen: Der Kaufmann von Venedig (Deutsches Schauspielhaus)

Bewertung und Kritik zu

MICHAEL KOHLHAAS
nach Heinrich von Kleist
Regie: Antú Romero Nunes 
Premiere: 21. Januar 2018 
Thalia Theater Hamburg
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Zum Inhalt: Man kennt die Geschichte: der Pferdehändler Michael Kohlhaas befindet sich mit seinen Pferden auf der Durchreise, kommt an eine Grenze und soll – was bislang nie der Fall war – einen Passierschein lösen.
Ist das pure Schikane? Man einigt sich jedenfalls darauf, dass er zwei Pferde als Pfand zurücklässt und den Passierschein in der Stadt, die das Ziel der Reise ist, nachlöst. Als er auf der Rückreise die Pferde abholen will, findet er sie halb verhungert. Damit beginnt eine höchst verwickelte Geschichte, in der aus einem Grenzvorfall ein Rechtsstreit wird, der zu einer unglaublichen Eskalation von Gewalt führt, weil Michael Kohlhaas einen Rachefeldzug beginnt.
Mit der kühlen Distanz des Chronisten – scheinbar fern jeder Emotion – beschreibt Kleist detailgenau, wie Michael Kohlhaas die Nerven durchgehen und welche Sogwirkung einmal entfesselte Gewalt hat. In was hat sich Kohlhaas da hineingeritten, und wie konnte er sich so vergaloppieren? Ist er ein passionierter Querulant, der ein korruptes System bekämpft, wo Willkür und Vetternwirtschaft statt Recht und Ordnung das Prinzip sind? Ist Kohlhaas ein Rebell?

Weiterlesen: Michael Kohlhaas (Thalia Theater)

Bewertung und Kritik zu

AM KÖNIGSWEG
von Elfriede Jelinek
Regie: Falk Richter 
Premiere: 28. Oktober 2017 (Uraufführung)
Deutsches Schauspielhaus Hamburg
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Zum Inhalt: „Achtung, hier kommt der neue König…!“ Der Sieger, der Vorkämpfer, der Anführer, der Gewinner, der Vater, der Erlöser, der Gott: Viele Namen trägt der gerade erwählte König, doch wie er wirklich heißt, wird nie direkt ausgesprochen: Donald J. Trump ist Anlass, aber nicht Essenz des neuen Stückes von Elfriede Jelinek. Sie stellt sich grundsätzlichere Fragen wie: Wieso treten Rechtspopulismus und Superkapitalismus stets gemeinsam auf? Bedeutet der Sieg dieses Königs nicht die gespenstische Rückkehr des „Alten“, „historisch Überlieferten, auch wenn damals Millionen daran krepiert sind“? Und wieso steht der Verblendung der neuen Rechten keine Hellsicht der Gegner gegenüber? Wieso sind in diesem Schauspiel alle blind? 

Weiterlesen: Am Königsweg (Deutsches Schauspielhaus)

Bewertung und Kritik zu

DIE ORESTIE
von Aischylos
Regie: Ersan Mondtag 
Premiere: 21. Oktober 2017
Thalia Theater Hamburg

Zum Inhalt: Der Trojanische Krieg ist nach zehn Jahren zu Ende. Aber das Schlachten geht weiter. Im ersten Teil der „Orestie“ wird der heimgekehrte Agamemnon, der einst für gute Winde seine Tochter Iphigenie opferte, von seiner treulosen Gattin Klytaimnestra ermordet. Im zweiten Teil wird die triumphierende Klytaimnestra von ihrem Sohn Orest aus Rache getötet. Kräftig angefeuert zur Tat wird Orest von seiner Schwester Elektra und aus dem griechischen Götterhimmel von Apollon. Im dritten Teil dann befindet sich Orest, von Wahnbildern heimgesucht, auf der Flucht. Furchterregende Furien, die streitsüchtigen Erinnyen, hetzen ihn. Es kommt zum Showdown, als sich die Göttin Pallas Athene einmischt. Aber anders als erwartet, geht es um eine ganz grundsätzliche Entscheidung im Fall Orest: Wie soll nach Gattenmord, Muttermord und einem von Leichen gepflasterten Weg die Zukunft aussehen? Geht das Töten immer weiter? Wie soll der Fall entschieden werden? 

Weiterlesen: Die Orestie (Thalia Theater)


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3.6
Durchschnittsnote aller Stücke
5 1
4 5
3 3
2 1
1 0
Kritiken: 8

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