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Bewertung und Kritik zu 

DIE WEISE VON LIEBE UND TOD
nach Viktor Ullmanns Cornet Rilke
Regie: Fabian Gerhardt
Premiere: 14. September 2018 
Neuköllner Oper, Berlin
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Engelbert Humperdincks Hänsel und GretelZum Inhalt: Warum geht man mit Begeisterung in den Tod ? Im Westen ist man entsetzt und paralysiert von denen, die sich und andere in den Tod reißen. Hat es doch »bei uns« hier auch gegeben, und nicht zu knapp. Etwa vor 1914 und folgend. So wird ein »Leuchtturm « der Literatur und Musik des 20. Jahrhunderts merkwürdig aktuell – das Melodram Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke von Viktor Ullmann nach Rilke.
Rainer Maria Rilke hatte 1899 die Geschichte eines jungen Adeligen geschrieben, der 1664 in den Krieg gegen die Türken zieht, das raue Leben der Soldaten erfährt, mit einer geheimnisvollen Gräfin seine erste Liebesnacht erlebt und waffenlos, aber mit fliegender Fahne (der »Cornet« ist der Fahnenträger) in die Schlacht zieht und unter 16 Säbelhieben stirbt. Mit dem Cornet landete Rilke einen Mega-Erfolg. Das spätromantische todesselige Poem trugen die deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg im Tornister. Rilkes Auftritt als introvertierter und hypersensibler Künstler verdeckt bis heute den politischen Partei-gänger: Mussolini-Bewunderer, überzeugter Faschist und Hitler-Anhänger.

Mit: Hrund Ósk Árnadóttir und Dennis Herrmann sowie Malte Giesen (Live-Sounds) und Markus Syperek (Klavier)Musikalisches Arrangement: Tobias Schwencke, Markus Syperek 

Komposition: Viktor Ullmann/ Malte Giesen
Regie / Fassung: Fabian Gerhardt
Musikalische Leitung / Einstudierung: Markus Syperek
Kostüm- und Bühnenbild: Rebekka Dornhege Reyes
Video: Cavo Kernich
Dramaturgie: Bernhard Glocksin

TRAILER


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Die Weise von Liebe und Tod in der Neuköllner Oper
  · 20.11.18
Der Komponist Viktor Ullmann, von den Nazis aufgrund seiner Wurzeln blutmäßig zum Juden und für vogelfrei erklärt, nach Theresienstadt verschleppt, in Auschwitz feige ermordet, komponierte mit ungebrochener Kreativität gegen das Böse an. Sein in Theresienstadt, kurz vor seiner Deportation nach und Ermordung in Auschwitz geschriebenes und dort sogar aufgeführtes Musikstück: Cornet Rilke, ist vordergründig ein Rilke´sches Heldenepos über einen tapferen Fahnenträger, der in den Krieg zieht, wird durch die Musik (neu gefasst von Malte Giesen und Fabian Gerhardt) gegensteuernd, auf überaus geschickte Weise aber zu einem Antikriegsstück. 
Dieses hatte nun seine Uraufführung am 14. September 2018 in der Neuköllner Oper in Berlin
Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke mit dem Titel „Der Cornet“, entstand als kurze leidenschaftliche Erzählung von Rainer Maria Rilke (1875–1926) innerhalb einer Nacht im Jahr 1899 in der „Villa Waldfrieden“ in Berlin Schmargendorf.  Später wurde sie in der Inselbücherei veröffentlicht und in der Vorkriegsstimmung der Kriegshetze zum Bestseller.
Liebesnacht im Turmzimmer
Der 18-jährige Adelige Christoph Rilke, ein Onkel des Autors, reitet mit anderen Soldaten um 1664 nach Ungarn, um gegen die dort eingefallenen Türken zu kämpfen. Ein französischer Marquis wird ihm dabei zum Freund. Von einer Rose, die der Marquis von seiner Geliebten erhalten hat, schenkt er von Langenau beim Abschied ein Rosenblatt, das ihn beschützen soll. Später wird er zum Fahnenträger ernannt. Daher der Name: Cornet.  Seiner Mutter schreibt er daraufhin stolz einen Brief, den er neben dem Rosenblatt verwahrt. Eine Übernachtung des Soldaten in einem Schloss wird zu einer Liebesnacht mit einer Gräfin, in einem abseits gelegenen Turmzimmer.
Zwischen Heldentod und Verlust
Das Schloss wird in dieser Nacht von den Türken angegriffen und in Brand gesteckt. Um die Fahne zu retten und zu seiner bereits aufgebrochenen Truppe zu gelangen, verlässt er seine Geliebte, läuft durch die brennenden Gemäuer, reitet aus dem Schloss und stirbt waffenlos unter 16 Säbelhieben der Feinde. Schon die Erzählung schwankt zwischen Glorifizierung des Heldentodes und der Trauer um den Verlust des Lebens, der Sinnlosigkeit jugendlichen Sterbens. Viktor Ullmanns Musik verstärkt diese Wirkung noch. Im Vordergrund stehen Trauer und Verlust.
Fahne des Lebens gegen den Tod
Die Fahnenepisode wirkt in Ullmanns Musik methaphorisch: Welche Fahne wird da hochgehalten, waffenlos und durchs Feuer gehend, weg aus dem noch warmen Liebesbett? Es ist die Fahne des Lebens, die gegen das Böse steht? Die Zuhörer aus Theresienstadt, die es bei der ersten Aufführung dort hörten, begriffen das. Die Nazis hörten nur das Heldenepos. Den Cornet von Rilke (200 000 Auflage) trugen die Soldaten 1914-18 in ihrem Tornister,  er galt als beliebtestes Buch unter Soldaten. Die letzte Komposition kurz vor Ullmanns eigenem Tod ist im tieferen Sinne seine eigene Geschichte: Liebe und den Triumph der Waffenlosigkeit durch die Flammen des Todes tragen. In Theresienstadt, der Stadt des tausendfachen Todes wurde das verstanden.  Mit einer Musik, die nicht nach Angst, sondern nach Triumph des Geistes und des unbeschirmten Lebens klingt.  Die erschreckt, aufwühlt und trotzdem tröstet. Hier sagt einer NEIN, wir werden uns nicht der Gewalt beugen. Es ist Ullmanns letzte Komposition, bevor die Nazis ihn nach Auschwitz deportieren und ermorden.
Vervollständigt und fortgeschrieben
Ullmann vertonte damals nur Auszüge, die Neuköllner Oper bringt nun erstmals den vollständigen Text. Die neuen, unvertonten Passagen werden von Malte Giesen sehr passend und kontakarrierend, in eine wie abstrakt wirkende elektronisch schwingende Sphärenmusik der Ullmann-Musik sozusagen an die Seite und gleichzeitig gegenüber gestellt. Sie klingen passend und modern. Der mehrfach preisgekrönte Komponist (u. a. 1. Preis Deutscher Musikwettbewerb Komposition, 2012 Preisträger des Meisterkurses Orchesterkomposition des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart) hat sich einen Namen durch seine Arbeiten im Bereich elektroakustischer Musik gemacht. Die Neuköllner Oper hat nach eigenen Worten das Werk Ullmanns „zugleich »vollständig« gezeigt und durch zeitgenössische Mittel »fortgeschrieben«“.  In einem auf engster weißer Bühne, ins Turmzimmer verlagerter Bauhaus-Bühne, spielen zwei Musiker, Klavier und Elektronik, eine Sängerin, ein Sänger, neben- und übereinander, vielleicht die Enge des Getthos symbolisierend?
Knüpft an zeitige Ullmann-Rezeption an
In der Neuköllner Oper knüpft an eine schon sehr zeitige Ullmann-Rezeption an: Sie hat sich schon seit 1989 künstlerisch mit dem Komponisten Viktor Ullmann beschäftigt: Sowohl 1989 als auch 2000 wurde: Der Kaiser von Atlantis durch den NKO-Gründer Winfried Radeke mit großem Erfolg gespielt. Der Komponist Fabian Gerhardt (erweiterte Fassung und Regie), vorher Staatsschauspiel Dresden, DT Berlin, Schauspiel Frankfurt und Schauspielhaus Bochum, hat an der Neuköllner Oper schon mit Iris von Pietro Mascagni und Affe, einem Stück mit den Songs von Peter Fox’ Album Stadtaffe Großartiges abgeliefert. Seine Musik ist engagiert, nicht beliebig. Weitere: Hrund Ósk Árnadóttir, Dennis Herrmann, Malte Giesen (Live-Sounds) und Markus Syperek (Klavier)

Anja Röhl
www.anjaroehl.de
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Cornet Rilke
  · 15.09.18
''Der Pianist Markus Syperek sitzt an einem Flügel mit aufgesteckter Synthesizer-Klaviatur im Erdgeschoss des Bühnen-Quaders. Er spielt das, was Ullmann (in seiner Fassung für Klavier) hinterließ und führt es (elektronisch, mit der Giesen'schen Musik) ergänzend weiter, um es gleichsam zu vervollständigen... 

Die Sängerin Hrund Ósk Árnadóttir sowie der Schauspieler Dennis Herrmann geben den Gesamttext der Erzählung preis; sie singt bzw. vokaliert zudem paar Textpassagen, er pusht den Erzählfluss durch sein ungestümes Deklamieren. Beide stecken sie zunächst in einer Art von Pfleger-Weiß, später sind sie als Gräfin und Soldat (Cornet) verkleidet. 

Alles wird durch drei Kurzfilm-Videos Cavo Kernichs eingerahmt und unterbrochen: Landschaft mit Befestigungsruinen, französischer (?) Soldatenfriedhof und KZ-Museum. "Schönes" Antikriegsstück.'' schreibt Andre Sokolowski am 15. September 2018 auf KULTURA-EXTRA
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SPIELPLAN & KARTEN
3.9
Durchschnittsnote aller Stücke
5 12
4 19
3 10
2 1
1 2
Kritiken: 29
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