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Bewertung und Kritik zu

THIRD GENERATION – NEXT GENERATION
von Yael Ronen & Ensemble
Regie: Yael Ronen  
Premiere: 8. März 2019
Maxim Gorki Theater, Berlin 

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© Esra RotthoffZum Inhalt: Vor zehn Jahren zeigten Yael Ronen und ihr Ensemble aus israelischen, deutschen und palästinensischen Schauspieler*innen die Premiere ihres Stückes Dritte Generation in der Schaubühne Berlin und kurz darauf in Tel Aviv. Die Aufführungen lösten zum Teil heftigen Debatten aus: für deutsche Verhältnisse wurden Konfliktlinien unter den Beteiligten schonungslos ausgetestet und das auch noch mit Humor!

Heute ist die politische Lage in Berlin Grund genug sich erneut mit dem Gordischen Knoten zwischen Israelis, Deutschen und Palästinenser*innen zu befassen. Denn in den vergangenen zehn Jahren ist viel passiert. Tausende Menschen aus dem Nahen Osten leben mittlerweile neu in Berlin: Zugezogene Israelis (unter anderen Yael Ronen und einige der Schauspieler*innen) genauso wie Menschen aus arabischen Ländern. Seit mindestens fünf Jahren versucht zudem ein wachsender deutscher Nationalismus beide Gruppen gegeneinander auszuspielen. Doch wie ist das Verhältnis zwischen den Neu-Berliner*innen untereinander? Welche Konflikte bringen sie mit, welche entstehen erst hier? Und was hat das alles noch mit der Staatsräson des »Nie wieder« zu tun? Die Next Generation trifft mit ihren Perspektiven auf die Third Generation. Gemeinsam fragen sie nach Ideen für die Zukunft vor dem Hintergrund einer neuen Situation, in der Deutsche glauben, ihre Schuldgefühle ablegen zu können wie eine zu enggewordene Jeansjacke, während Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus »von Tabus befreit« wuchern.

Regie: Yael Ronen 
Dramaturgie: Irina Szodruch


 
Meinung der Presse zu „Third Generation – Next Generation“

Maxim Gorki Theater


taz
★★★★☆

Berliner Zeitung
★★★★☆

Tagesspiegel
★★★★☆


Die Welt
★★★★★

Zitty
★★★★☆

tip
★★★★☆

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3.8/5 Insgesamt 9 Bewertungen (3 mit Rezension)
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Will nicht so recht zünden
  · 13.03.19
''Der Abend bewegt sich auf meist kabarettistischem Niveau, ganz besonders wenn Oscar Olivo mit Schlips und Aktenkoffer auf die Bühne stürmt und den amerikanischen Konfliktmediator gibt, der ganz in Trumpmanier alternative Fakten schaffen will und eine vertikale rotierende Zweistaatenlösung propagiert, bei der Israelis und Palästinenser stetig das Oben und Unten tauschen. Wirklich ein Klos im Hals bildet sich höchstens mal beim vehementen Protest von Lamis Ammar gegen die Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung des Gazastreifens durch Israel, dem Bericht von Karim Daoud über seinen Bruder, der von israelischen Soldaten angeschossen wurde, oder beim Absingen von Terror verherrlichenden Liedern. Die israelische Delegation hält mit patriotischen Songs für den Wehrdienst und den obligatorischen Auschwitzbesuch dagegen. 

Bis hierhin eröffnet sich allerdings kaum mal eine neue Sichtweise auf den Konflikt. Erst als der neu im Team auf der Bühne sitzende Dimitrij Schaad aus seiner gespielten Lethargie am Rande des bunten Treibens erwacht, bekommt der Abend nochmal einen unerwarteten Drive. Schaad steigt nun demonstrativ aus der Postmigranten-Rolle aus und verkündet unter seinem angeblich echten Namen „Dieter Schmidt“ sein „Coming in in die deutsche Gesellschaft“. Eine klare Absage an den „Multikulti-Wahn“ des Gorki-Theaters, die er noch mit ein paar deutschnationalen Parolen und provokanten Schlussstrichargumenten garniert, wofür er sogar vereinzelten Beifall erhält. Das lässt kurz aufhorchen, doch schlägt Schaad mit seiner „Deutschland über alles“-Suada auch ein paar rechte Haken zu viel, was ihn im finalen Getümmel der PerformerInnen schnell wieder untergehen lässt.'' schreibt Stefan Bock am 12. März 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Remake eines wüsten Schlagabtauschs
  · 11.03.19
Vor zehn Jahren wirkte dieses „Stimmengewirr im Minenfeld“ des Nahost-Konflikts wie ein Kulturschock in der Berliner Theaterszene. Die junge israelische Theater-Regisseurin Yael Ronen lud Spieler*innen aus Deutschland, Israel und Palästina zu einem Stuhlkreis auf ansonsten leerer Bühne ein. Dort schleuderten sie sich gegenseitig sarkastische Bemerkungen, böse Pointen und wüste Beschimpfungen an den Kopf. Täter- und Opferperspektive wechselten in „Dritte Generation“ so schnell, dass dem Publikum ganz schwindlig werden konnte, klare Feindbilder von Gut und Böse wurden überzeichnet, der Lächerlichkeit preisgegeben und schließlich geschreddert. Der Mix aus Polit-Kabarett und Workshop-Atmosphäre wurde nach anfänglichen Protesten zum Erfolg und blieb mehr als fünf Jahre im Repertoire der Schaubühne.

Nach und nach kommen auch die anderen Spieler*innen auf die Bühne: sechs Veteran*innen aus dem Original (neben Bormann noch Knut Berger,  Orit Nahmias, Ayelet Robinson, Michael Ronen und Yousef Sweid) und vier Neulinge (Lamis Ammar, Karim Daoud, Abak Safei-Rad, Dimitrij Schaad) nehmen den Handlungsfaden wieder auf. Etwas enttäuschend ist, dass der Abend vor allem in der ersten Hälfte kaum darüber hinauskommt, die Szenen von damals nachzuspielen.

In Fahrt kommt „Third Generation – Next Generation“ in der letzten halben Stunde, die immer aberwitziger wird. Einen zynischen Auschwitz-Song zu Lagerfeuer-Klampfen- Romantik der Israelis kontern die Palästinenser*innen mit einem radikalen Protest-Lied gegen die Besatzungspolitik. Das Berliner Publikum wird zum Mitklatschen aufgefordert, während das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wird. Michael Ronen fragt entgeistert ins Auditorium, ob man denn verstehe, wozu man hier gerade im Takt mitklopfe. Dann biegt auch schon Oscar Olivo als angeblicher Abgesandter von Donald Trump um die Ecke. Er hat einen völlig verrückten Vorschlag für eine Zwei-Staaten-Lösung im Gepäck: die beiden Staaten sollen vertikal übereinander liegen und in Rotation regelmäßig ihre Position wechseln. Selbst für Yael Ronens Verhältnisse werden hier die Grenzen des Geschmacks stark strapaziert.

Ein Gorki-Abend wäre aber noch nicht rund, wenn nicht am Ende noch Dimitrij Schaad, die hauseigene Allzweckwaffe mit der Wucht einer Neutronenbombe, das Ruder herumreißen würde. Fast stumm und sichtlich genervt folgte er dem Treiben seiner Kolleg*innen, bis es aus ihm herausbricht. Im Stil eines deutschnationalen Wutbürgers empört er sich, dass hier endlich Schluss sein müsse mit der Multi-Kulti-Nabelschau. Der in Kasachstan aufgewachsene Schaad kokettiert damit, dass seine Biographie nur eine Legende sei. In Wirklichkeit heiße er Dieter Schmidt und sei im Allgäu aufgewachsen, erst jetzt habe er den Mut, sich zu seinem wahren Ich zu bekennen, fabuliert Schaad und rezitiert den Text der ersten Strophe des Deutschlandlieds.

Wie könnte dieser Abend anders enden als in einem Getümmel aller Spieler*innen, die alle Gewissheiten verloren haben und sich in einem Kampf jeder gegen jeden prügeln?

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Schwarz-Weiß-Kabarett
  · 11.03.19
''Eine Neuinszenierung mag man "Third Generation – Next Generation" trotzdem kaum nennen, zu identisch sind die Texte, ist die Ästhetik zu "Dritte Generation". Allein der Auftritt von Dimitrij Schaad am Ende lässt ahnen, wie brisant der Abend hätte werden können. Schaad gibt vor, in Wirklichkeit Dieter Schmidt zu heißen – und seine Migrationsbiografie erfunden zu haben, um am Multikulti-Gorki-Theater zu reüssieren. Er habe sich damals dem Zeitgeist der Internationalität unterwerfen müssen. Doch jetzt, da die Willkommenskultur ins Gegenteil kippe, könne er endlich sagen, wie sehr er die Schnauze voll habe von diesen importierten Konflikten.

Mit diesem Monolog des bedenklich nach rechts rückenden Deutschen hätte man eine breite Schneise ins Heute schlagen und fragen können, was in diesem Land inzwischen wirklich schief läuft. Doch weil Schaad seinen Gorki-Kritiker gleich zum sandalentragenden Bausparer-Deppen macht, der die Kehrwoche, die Schwarzwaldklinik, Tupperdosen und die Deutschlandhymne liebt, bleibt der Abend dann doch beim schlichten Schwarz-Weiß-Kabarett stehen.

Wer "Dritte Generation" nicht gesehen hat, das Stück, das noch bis 2016 an der Schaubühne lief und mit Sprengkraft einen ganz neuen Stil des autobiografischen Inszenierens erfand, mag sich hier gut amüsieren. Für alle anderen bleibt es ein eher ratloser Aufguss des damaligen Erfolgsstücks.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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