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Bewertung und Kritik zu

THE SEQUEL
von Nora Abdel-Maksoud
Premiere: 23. November 2018 
Maxim Gorki Theater, Berlin 

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© Esra RotthoffZum Inhalt: Mit Fortsetzungen von Filmen ist es wie mit Regierungskoalitionen: Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab. Ist das Pferd aber noch nicht ganz hinüber, gibt es genug Gründe, weiterzumachen: Ein gut geöltes Team, jubelnde Massen, volle Kassen. In einem solchen Fall lässt es sich locker verkraften, dass ein Sequel selten besser wird als das Original. Beseelt vom bahnbrechenden Erfolg ihres Superhelden-Remakes Fledermausmann Rises nimmt sich die Filmregisseurin Gordon das heißeste Eisen unserer Tage vor – die allgegenwärtige Political Correctness, die wie ein Fallbeil jede freie Lebensäußerung bedroht. In Zeiten, in denen männlich, weiß, hetero als Dreifach-Malus jedem normalen Mann, der einfach mal seine Meinung sagen will, auf die Stirn gestempelt wird, braucht es schließlich Geschichten, in denen die zum Schweigen gebrachte Mehrheit sich wiederfinden kann. Die passende Grundlage für eine Schreckensvision konsequenten Tugendterrors liefert praktischerweise George Orwells 1984: Ein verunsicherter Held, der gegen Denk- und Sprechverbote kämpft, gegen Überwachung, Neusprech und Gedankenpolizei. Ein Weltbestseller mit mehrheitsfähigem Twist, die perfekten Zutaten zu einem Horrorszenario mit Mainstream- Potential. Wenn da nur der verdammte Zeitgeist nicht wäre, all die marginalisierten Partypupser*innen, deren Ideen mittlerweile auch Gordons Filmset erreicht haben und unerbittlich die Stirnen selbst der stärksten Helden malträtieren.

Mit The Sequel wagt Nora Abdel-Maksoud, die komischste unter den politisch korrekten Autoren-Regisseurinnen, sich an die unvermeidliche Fortsetzung, allen guten Ratschlägen zum Trotz.

Text und Regie: Nora Abdel-Maksoud
Bühne + Kostüme: Katharina Faltner
Dramaturgie: Tobias Herzberg
Musik: Enik


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3.0/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Lauer Aufguss einer Kunstbetriebs-Satire
  · 02.12.18
„Sequels“ haben zurecht einen schlechten Ruf. „Der Pate II“ ist einer der raren Fälle, in denen ein zweiter Teil eines erfolgreichen Films überzeugen konnte. In den vergangenen Jahren verstopfen zu oft Ableger und Franchise-Produkte früherer Kassenhits die Kinopaläste. Das Schielen auf das schnell verdiente Geld bei überschaubarer kreativer Leistung prägt diese Flut von Fortsetzungen.

Es ist eine hübsche Idee von Nora Abdel-Maksoud, dieses Phänomen in ihrer Filmbusiness-Satire „The Sequel“ aufs Korn zu nehmen. Leider liegt aber hier auch schon das zentrale Problem des Abends: er ist selbst nur eine Fortschreibung eines erfolgreichen Originals, nämlich von „The Making-Of“, das seit fast zwei Jahren im Repertoire der Studiobühne des Gorki-Theaters läuft.

„The Sequel“ hat damit zu kämpfen, dass es ein lauer Aufguss ist. Die Spieler*innen werfen sich hochtourig in die Karikaturen. Aber der Satire fehlt der Biss, stattdessen ironisch gemeinte Zoten und ein paar Insider-Gags über den Kulturbetrieb.

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Political Correctness
  · 26.11.18
''Der eine beharrt unbelehrbar auf seinen Privilegien, die andere verlangt nicht nur, dass man sich ans Skript halten soll, sondern auch noch für jeden als unkorrekte Anspielung erkannten Satz eine Entschuldigung. Da verheddert sich der Macho im immer schwieriger werdenden Wortdickicht und die Gag-Maschine läuft auf Hochtouren. Nora Abdel-Maksoud reichert das noch mit einigen herrlichen Psychomacken der ProtagonistInnen an. Nicht nur MeToo und gendergerechte Sprache auch Starallüren und ein Vater-Sohn-Konflikt stehen im Fokus der frei drehenden Satire. Gordon hat auch mit diesem, den Sieg über die Political Correctness feiernden Film einen Kassenhit gelandet und den Trend getroffen. Das ließe sich sicher wiederholen, bis auch das Haus auf Ibiza abgezahlt ist. Hier verschwimmen künstlerischer Anspruch und Anbiederung an den Mainstream wie auch Realität und Rolle. Die Inszenierung spielt geschickt mit sogenannten Sprachtabus und politischen Euphemismen. 

Sah man neuerdings in Orwells 1984 eher Parallelen zum NSA-Skandal und brachte „Neusprech“ und „Doppeldenk“ mit dem von der Trump-Administration kreierten Begriff der alternativen Fakten in Verbindung, so sieht man sich hier plötzlich auch eigenen Denkmustern gegenüber. Dass aus dem rechts- und auch linkpopulistischen Sprachgebrauch vieles immer mehr anschlussfähig wird, ist ein Zeichen der Zeit, in der nicht nur von rechts zunehmend politisch scharf polarisiert wird, sondern sich auch die Linken in Verfechter von Sozial- und Identitätspolitik spalten. Das kann man hier natürlich herrlich weglachen und sich im Schoße des als politisch korrekt bekannten Maxim Gorki Theaters gemütlich machen. Die 80 Minuten im Gorki-Studio sind recht kurzweilig, wenn auch die rasante Story zuweilen etwas überdreht. Wer schon The Making-of mochte, wird auch The Sequel lieben.'' schreibt Stefan Bock am 26. November 2018 auf KULTURA-EXTRA
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