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Bewertung und Kritik zu

GRUNDGESETZ
von Marta Górnicka
Regie: Marta Górnicka 
Premiere: 3. Oktober 2018 
Maxim Gorki Theater, Berlin 
Am Brandenburger Tor im Rahmen des Tages der Deutschen Einheit 2018

Zum Inhalt: Wenige hundert Meter Luftlinie vom Maxim Gorki Theater und dem Brandenburger Tor entfernt wurden 1918 zwei deutsche Republiken ausgerufen. Am 3. Oktober 1990 wurde die Vereinigung der zwei deutschen Staaten offiziell beschlossen und die Gültigkeit des Grundgesetzes auf die ehemalige DDR ausgeweitet. Seitdem wird dieser Tag als Tag der Deutschen gefeiert. Nun ist es an der Zeit einzusehen, dass die Verfassung kein Projekt einer ethnisch homogenen Gruppe ist, sondern das einer vielfältigen Gemeinschaft von Einzelnen. Die polnische Regisseurin und Wiederentdeckerin des chorischen Prinzips Marta Górnicka war bereits mit der Koproduktion HYMNE AN DIE LIEBE und der Videoinstallation Konstytucia beim 3 . Berliner Herbstsalon im November 2017 am Gorki zu sehen. Górnicka zeigt den Chor als eines der kraftvollsten Elemente des Theaters. Mit höchster Präzision choreografiert und dirigiert sie eine Gruppe, die aus sehr verschiedenen Individuen zusammengesetzt ist. Gemeinsam erheben sie eine Stimme unterschiedlicher Stimmen. Am 3. Oktober 2018 bringt Marta Górnicka das Grundgesetz in einem von ihr bearbeiteten Libretto vor dem Brandenburger Tor mit einem Chor von 50 professionellen und nichtprofessionellen Schauspieler*innen aus den unterschiedlichen Spektren der Zivilgesellschaft zur Aufführung. Die Berliner Bürger*innen werden das deutsche Grundgesetz einem Stresstest unterziehen, um die Belastbarkeit seiner Aussagen in Krisensituationen zu überprüfen.

Mit: Maryam Abu Khaled, Emre Aksızoğlu, Abd-Almalek Arabo, Tamer Arslan, Elmira Bahrami, Christian Behrend, Mareike Beykirch, Wera Bunge, Karim Daoud, Saro Emirze, Aylin Esener, Hala Faisal, Tahera Hashemi, Björn Hauke, Katrin Heller, Lénárd Kókai, Mai-Phuong Kollath, Léonie Kurtz, Thibaud Kurtz, Lindy Larsson, Mariette Morgenstern-Minnemann, Nika Mišković, Jasmina Musić, Magda Roma Przybylska, Soraya Reichl, Mathis Reinhardt, Tucké Royale, Filip Rutkowski, Abak Safaei-Rad, Elena Schmidt, Marie-Carlotta Schmidt, Nathalie Seiß, Sandra Selimović, Simonida Selimović, Zora Schemm, Helena Simon, Johanna Skirecki, Peter Sondermann, Fatima Taih, Hasan Taşgin, Füsun Türeli, Volkan Türeli, Linda Vaher, Annika Weitzendorf, Rika Weninger, Dusty Whistles, Paul Wollin, Mehmet Yılmaz sowie Berliner Fanfarenzug e.V. und SG Fanfarenzug Potsdam e.V.

Grundgesetz wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Berlin, der Bundeszentrale für politische Bildung und der Kulturstiftung des Bundes. In Zusammenarbeit mit der Kulturprojekte Berlin GmbH und dem RambaZamba Theater

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Chorprojekt mit Verfremdungstechniken
  · 03.10.18
Natürlich wird der Text, den die Väter und wenigen Mütter des Grundgesetzes 1948/49 erarbeitet haben, nicht einfach frontal vorgetragen, sondern durch Verfremdungstechniken kritisch befragt und abgeklopft: Wenn die sehr divers zusammengesetzte Gruppe der Performer*innen die beiden Wörter „Alle Deutschen“ in den Artikeln 8,9,11 und 12 derart überbetonen, steht zwangsläufig die Frage als Elefant im Raum, wie es mit den Migrant*innen aussieht. Die Asylrechts-Garantie in Artikel 16a wird sooft entschlossen und lautstark wiederholt, bis auch der letzte Besucher ins Grübeln kommt, wie es um die Flüchtlingspolitik bestellt ist und welche Auswirkungen der Asylkompromiss von 1993 hatte, der den so klaren Satz „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“ mit zahlreichen Einschränkungen und Fußnoten ergänzte.

Ironisch aufgebrochen wird das Chorprojekt durch eine kurze David Hasselhoff-Parodie, der 1989 an dieser Stelle „Looking for freedom“ sang, oder durch taumelnde, untergehakte Gestalten, die „BRD.de“ skandieren und an „Reichsbürger“ erinnern.

Wenn man die Schönheit und Klarheit der Sprache des Grundgesetzes so eindrucksvoll wie hier vor Augen und Ohren geführt bekommt, ist eine Botschaft beruhigend: Unser Grundgesetz ist eine Verfassung, auf die wir stolz sein können. Mit dem Parteienverbot, dem Widerstandsrecht, dem Grundrechtskatalog und der Ewigkeitsgarantie ist unsere Demokratie auch sehr bewusst als „wehrhaft“ konzipiert. Einen echten „Stresstest“ hatte das Grundgesetz in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht zu bestehen. Aber mit dem Einzug einer Fraktion in den Bundestag, die gezielt mit Ressentiments gegen Europa, Minderheiten und „Lügenpresse“ spielt, die aufhetzt und spaltet, könnte sich dies ändern.

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