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Bewertung und Kritik zu

CALIGULA
von Albert Camus
Regie: Antú Romero Nunes
Premiere: 21. September 2017 
Berliner Ensemble
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Zum Inhalt: "Regieren heißt stehlen, das weiß jedes Kind", so erklärt Caligula, Staatsoberhaupt, sich und anderen die Politik, und deshalb sei es "nicht unmoralischer, die Bürger direkt zu bestehlen, als indirekte Steuern in den Preis von Lebensmitteln zu schmuggeln." Als logische Schlussfolgerung verlangt er von den Vermögenden, ihre Kinder zu enterben und den Staat als Alleinerben einzusetzen. Je nach Bedarf werden diese Personen willkürlich getötet. Schließlich habe er mittlerweile gelernt, dass jeder Wert, auch das Leben selbst, relativierbar und demnach nichts wirklich von Bedeutung sei – außer die Staatsfinanzen. Dieser Erlass ist nur der Anfang einer verheerenden Strategie eines freigesetzten Machtmenschen, der beschlossen hat, der Welt ihre absurde Verfasstheit vor Augen zu führen, indem er sie durch konsequentes Denken und Handeln auf ihre mörderische Spitze treibt.

Mit Constanze Becker, Oliver Kraushaar, Aljoscha Stadelmann, Patrick Güldenberg, Felix Rech, Annika Meier

Regie: Antú Romero Nunes
Bühne: Matthias Koch
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Johannes Hofmann
Dramaturgie: Sibylle Baschung

TRAILER


 
Meinung der Presse zu „Caligula“ - Berliner Ensemble


FAZ
★★★★☆

rbb
★★★☆☆

nachtkritik
★★★☆☆

Berliner Zeitung
★☆☆☆☆

Der Tagesspiegel
★☆☆☆☆

Die Welt
★★★☆☆

Zitty
★★★☆☆

tip
★★☆☆☆

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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
"Wenn die Liebe genügte, wäre alles anders."
  · 23.10.17
„Liebe ist Nichts“, klagt der römische Kaiser Caligula nach dem Tod seiner Geliebten Drusilla. Auch seine Liebe vermochte sie nicht am Leben zu erhalten. Zugleich wird ihm bewusst: „Die Menschen sterben und sind nicht glücklich.“ Diese Erkenntnis und der unüberwindbare Schmerz über seinen Verlust führen ihn zu einer Verneinung des Lebens schlechthin. Ein Menschenleben ist ihm nichts mehr wert und so beginnt er, seine Untertanen willkürlich zu ermorden, einfach, weil er die Macht dazu hat. In Caligulas absoluter Herrschaft bleibt natürlich auch kein Raum für Götter. So ersetzt er diese kurzerhand durch seine eigene Person. Doch als wäre dies nicht absurd genug, äußert er auch den bescheidenen Wunsch, den Mond zu besitzen, und sein verängstigter Diener setzt alles daran, ihm diesen zu beschaffen, denn wenn „das Unmögliche endlich auf Erden“, so Caligula, und „der Mond in meiner Hand –, dann werde vielleicht ich selbst verwandelt sein und die Welt mit mir. Dann endlich werden die Menschen nicht mehr sterben und glücklich sein.“ Doch so weit kommt es nicht, wenngleich Caligulas Diener den Mond herbeischafft.
Albert Camus‘ kompromisslos grausamer Herrscher Caligula verwandelt sich nicht. Und er lässt sich auch nicht durch seine Ermordung vernichten. Vielmehr lebt er als Prinzip fort: „Nein, Caligula ist nicht tot. Er ist da, und da. Er ist in einem jeden von euch.“ Camus selbst wird von der Wahrhaftigkeit seiner Schöpfung eingeholt. – Er schrieb die erste Fassung von Caligula 1938, fasziniert von dem Gedankenexperiment eines aktiven Nihilismus. Angesichts der realen Bedrohung und Vernichtung des Menschen im Nationalsozialismus veränderte Camus Caligula jedoch dahingehend, dass die Revolte gegen den Totalitarismus mehr Gewicht gewann. Die Revolte besteht in dem schlichten, aber ganz menschlichen Wunsch, zu leben und glücklich zu sein, einfach, weil das der einzige Sinn des menschlichen Lebens zu sein scheint.
Nichtsdestotrotz ist die Zerstörungskraft Caligulas, die sich in seiner absoluten Macht entfaltet, das prägende Erlebnis, mit dem der Zuschauer dieses Dramas konfrontiert ist. Die Inszenierung von Antú Romero Nunes am Berliner Ensemble (Premiere 21. September 2017) schöpft die Faszination, die in dieser Dreistigkeit der willkürlichen Mordens liegt, voll aus. Nunes‘ Caligula ist ein kompromissloses Splatterstück. Weiterlesen →
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Einzelne Bilder sind eindringlich
  · 22.09.17
''Nunes, eigentlich ein spielvernarrter, erfreulich uncooler Regisseur, setzt hier viel zu selten auf seine sonst so kindlich leichten, anrührenden Ideen und Interpretationen, die einen ins Herz treffen können. Einzelne Bilder sind trotzdem eindringlich: Etwa, wenn ein riesiges Kreuz von der Decke herabfährt, an dem ein Mädchen in gelbem Tutu Bachs ''Komm, oh Tod, du Schlafes Bruder'' singt. Oder wenn Caligula seine Mätresse umbringt, indem er sie einen Herzluftballon aufpusten lässt, bis der in tausend Teile zerplatzt.
Am Ende liegt Caligula niedergestochen auf dem Cembalo, der Vorhang senkt sich, nur Constanze Beckers blutbeschmierter Kopf schaut die Zuschauer noch an und sagt: Caligula ist nicht tot. Von solchen prägnanten, unheimlichen Szenen hätte man sich noch viel mehr gewünscht.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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Harlekine statt Ideendram
  · 21.09.17
Constanze Becker, die große Tragödin archaischer Thalheimer-Abende, war als Titelheldin angekündigt. Und dann das: die Schauspielerinnen und Schauspieler wirken in den Kostümen von Victoria Behr, die sich durch die enge Zusammenarbeit mit Herbert Fritsch einen Namen gemacht hat, wie arme Tröpfe. Wie ein Gummiball springt Annika Meier in einem gepunkteten Ganzkörper-Overall über die Bühne: auch sie eine feste Größe der Fritsch-Familie, die mit seinen Oberhausener und Volksbühnen-Inszenierungen bekannt wurde.
Leider passt das dadaistisch angehauchte Körpertheater im Fritsch-Stil überhaupt nicht zum kristallklaren Drama von Camus, das im Schatten des Zweiten Weltkriegs 1945 uraufgeführt wurde. Die Patrizier sind von vornherein der Lächerlichkeit preisgegeben und weinerliche Jammerlappen.
Wer die herausragenden Auftritte von Mirco Kreibich in Jette Steckels „Caligula“ vor einem guten Jahrzehnt in der Box des Deutschen Theaters oder von Max Wagner in Lilja Rupprechts Arbeit am Münchner Volkstheater gesehen hat, kann sich hier nur enttäuscht abwenden.
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Caligulanerin mit Blockflöte
  · 22.09.17
''Erst hoffte ich als Noch-nicht-Kenner dieses nicht sehr oft gespielten Stücks des jungen Albert - und Camus ist halt, schon vom Talent her, besser noch Erzähler als Dramatiker - , dass ich womöglich etwas mehr und tiefschürfender in den Titelhelden dringen könnte als nach meiner zufälligen Konsumtion jenes verheerend-grauenhaften Blut-und-Sperma-Films von Tinto Brass, der in den 1990ern zur Wiederaufführung in einige Programmkinos gelangte. Aber außer dass der Titelheld sein totes Schwesterlein betrauerte, den Mond einfangen lassen wollte und eine Verschwörung gegen sich erwitterte und letztendlich nicht überlebte, kam nix weiter Sinnstiftendes bei mir an. 
Womöglich kann man es dann, so gesehen, auch dem jungen Regisseur Antú Romero Nunes nicht verübeln, dass ihm außer seiner mittels leichter Hand erzwungenen Distanz & Coolness nicht viel mehr gelang, um meine gähnkrampfigen Anwandlungen aufmunternder Weise zu ersticken - - wieso hattet ihr dann überhaupt zu diesem nullwertigen Text gegriffen, wo es doch dann immerhin die allererste von den drei Premieren der Eröffnungswoche war? Habe die Logik dieser Stückwahl nicht begriffen. 
Läppisch inszeniert.'' schreibt Andre Sokolowski am 22. September 2017 auf KULTURA-EXTRA
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