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Bewertung und Kritik zu

AMIR
von Mario Salazar
Regie: Nicole Oder
Premiere: 27. April 2019 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: Amir ist das Kind arabischer Einwanderer. Abschieben kann man sie als staatenlose Palästinenser nicht, aufnehmen will man sie auch nicht. Doch ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Arbeitserlaubnis, ohne Arbeit kein Ankommen. Eine Spirale aus Zurückweisung, Frustration, Wut und Kriminalität prägt das Leben von Amir und seiner Familie. Amir ist angetrieben von der Sehnsucht nach  einem „besseren“ Leben. Zunächst ist das aus seiner Perspektive schlicht ein Leben in Reichtum. Als er aber Hannah kennenlernt und sich in sie verliebt, verändert das seinen Blick auf die Welt, auf seine eigenen Lebensumstände. Er versucht seinem Schicksal zu entfliehen.
Die Geschichte von Amir erzählt von einer migrantischen Jugend im heutigen Deutschland: zwischen totaler Verweigerung und verzweifeltem Anpassungswunsch, zwischen Bindestrich-Identität und Clan-Zugehörigkeit.

Regie: Nicole Oder
Text: Mario Salazar

Bühne: Franziska Bornkamm
Künstlerische Beratung: Clara Topic-Matutin
Live-Zeichnungen: Bente Theuvsen
Kostüme: Vera Schindler


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3.7/5 Insgesamt 3 Bewertungen (3 mit Rezension)
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Zaghafte Collage mit düsterem Ende
  · 27.04.19
„Nach Motiven des Dramas von Mario Salazar“ lautet der Untertitel der Premiere im Kleinen Haus des Berliner Ensembles. Damit ist das Problem dieser Inszenierung von Nicole Oder schon auf den Punkt gebracht. „Amir“ bleibt eine skizzenhafte Collage. Statt eines echten Dramas gibt es nur ein paar Pinselstriche und keinen echten Spannungsbogen.

Das Anliegen des Abends ist sehr berechtigt: „Amir“ möchte auf den prekären Status von Assylbewerbern hinweisen, die sich von einer Duldung zu nächsten hangeln. Amir (gespielt vom aus zahlreichen Kino- und TV-Filmen bekannten Burak Yigit) muss regelmäßig bei der zuständigen Behörde antanzen und wird vom klischeehaft-schmierigen Beamten (Owen Peter Read als einziges Mitglied des Berliner Ensembles unter lauter Gästen) abgewimmelt. Den deutschen Pass mit dem entsprechenden „Willkommen im Club“-Status gibt es nur für den jüngeren Bruder, der das Glück hatte, hier geboren worden zu sein, oder für die boxende Schwester, die im Eilverfahren eingebürgert wird, weil man sich von ihr prestigeträchtige sportliche Erfolge und Medaillen erhofft.

Nicole Oder hat als Hausregisseurin am Heimathafen Neukölln z.B. mit „Peng Peng Boateng“ unter Beweis gestellt, dass sie starke Abende zu gesellschaftlich relevanten Themen, vor allem zur Migrationspolitik, gestalten kann. Deshalb lag es nahe, dass Oliver Reese und das Berliner Ensemble ihr angeboten haben, den Text „Amir“, der im Rahmen des Autorenprogramms am BE entstanden ist, uraufzuführen. Während der Proben wurden die unterschiedlichen Auffassungen aber offensichtlich so gravierend, dass sie sich sukzessive vom Text entfernte. Anstatt das Projekt ganz zu beenden und etwa Neues in Angriff zu nahmen, kam ein lauer Kompromiss heraus: nichts Halbes und nichts Ganzes, so dass mit dem Ergebnis niemandem gedient ist. Weder der Regisseurin noch dem Autor noch dem Theater.

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Amir nach Mario Salazar
  · 05.05.19
''Das von Salazar beschriebene Milieu aus Drogen, Prostitution und Clanverbrechen sowie weitere Nebenfiguren lässt die Regisseurin aber weitestgehend beiseite. Nur Mohammed kommt immer wieder als düsterer Einflüsterer vorbei. So überfällt Amir in seinem Auftrag einen Ladenbesitzer, den er niederschlagen muss, wobei dieser sich lebensgefährliche Verletzungen zuzieht. Das erfahren wir nur in Erzählungen Amirs vor einer sich recht dynamisch immer wieder drehenden Mittelwand, auf die Live-Videos und -Zeichnungen der Künstlerin Bente Theuvsen projiziert werden. Zusammen mit den wütenden Rap-Einlagen von Elwin Chalabianlou erzeugt das eine besondere Intensität, die sich mit dem bloßen Abspulen des Stücktextes wohl nicht erzeugen ließ. 

Auch die Chance, sich durch die Liebe zur Deutschen Hannah (Nora Quest) aus dem Sumpf des Verbrechens zu ziehen, erfüllt sich für Amir nicht. Im Nachtclub tanzen alle wild zum Technosound. Gemeinsame Pläne werden geschmiedet. Aber zu fremd ist Amir das Leben der eigentlich recht aufgeschlossenen, vorurteilsfreien jungen Frau, die ihn auch zu einem Ballettabend in die Deutsche Oper mitnimmt. Die festen Clan-Fesseln und die Aussicht nur mit illegaler Arbeit in Gemüseläden etwas Geld zu verdienen, lassen Amir doch wieder in die Kriminalität abrutschen. Nach einem Sparkassenüberfall kommt er schließlich ins Gefängnis, was auch das Ende der Beziehung bedeutet. 

Als wütende Anklage gegen Ausländergesetze, die den staatenlosen MigrantInnen kaum Entwicklungsmöglichkeiten und die Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben bieten, ist dieser 90minütige Abend sicher ein starkes Stück Theater. Aber es muss im Nachhinein schon die Frage erlaubt sein, warum sich das Berliner Ensemble ein Autoren-Programm leistet, am Ende aber die Texte nicht spielt. Was als Zusammenarbeit von AutorInnen und RegisseurInnen gedacht war, entpuppt sich zur Fundgrube für eine Regie, die wiedermal nur ihr ganz eigenes Ding im Kopf hat.'' schreibt Stefan Bock am 5. Mai 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Flüchtig
  · 30.04.19
Amir bedeutet Prinz. Doch Amirs Leben ist alles andere als herrschaftlich. Er ist als Kind arabischer Einwanderer aus Palästina nach Deutschland gekommen. In seinen Akten steht deshalb „staatenlos“. Die Staatenlosigkeit schützt ihn, seine Geschwister und seine Mutter vor der Abschiebung, doch in Deutschland aufgenommen wird Amir auch nicht, lediglich seine Duldung verlängert: „Ein Aufschieben der Abschiebung“, nennt es der für ihn zustände Beamte. Eine Arbeitserlaubnis erhält Amir nicht; kein Aus- und so kein Ankommen in Sicht.
In Amir erzählen Nicole Oder und Ensemble nach den Motiven von Mario Salazar eine Geschichte von Zurückweisung, Frustration, Hilflosigkeit und Schuldgefühlen angesichts deutscher Einwanderungspolitik. Die Inszenierung hatte am 27. April 2019 auf der Bühne des Berliner Ensembles Premiere.
Amir lebt mit seiner Mutter und seinen drei jüngeren Geschwistern in Berlin-Neukölln. Der Familienvater ...
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