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Nathan der Weise

Bewertung und Kritik zu

NATHAN DER WEISE – Gefängnistheater der JVA Tegel

von: Gotthold Ephraim Lessing
Premiere: 2. September 2026, Gustav-Böß-Freilichtbühne in der Jungfernheide

Künstlerisches Team

Regie:Peter Atanassow
Bühne: Holger Syrbe
Kostüme: Elena Chant
Dramaturgie: Franziska Kuhn
Musikalische Einstudierung: Vsevolod Silkin, Jens-Karsten Stoll
Choreographie: Suzann Bolick
Produktionsleitung: Sibylle Arndt
Regieassistenz: Kirill Semenkin, Moritz Waldthaler
Kostümassistenz: Jooeun Lee
Grafik: Dirk Trageser

Besetzung

Ensemble: Abdul, Adrian U., Ali, Juliette Roussennac, Matthias Blocher, Max Sonnenberg, Mohamad Koulaghassi, Özcan, Para Kiala, Pierre, Steffen, Sven-Eric

Über die Inszenierung

Diese Inszenierung von „Nathan der Weise“ entsteht im besonderen Kontext des Gefängnistheaters der JVA Tegel und verbindet Lessings Aufklärungstext mit den biografischen Erfahrungen eines gemischten Ensembles aus Freigängern, Ex-Inhaftierten und Schauspielern. Peter Atanassow legt den Fokus auf Empathie, Dialog und die Frage nach Menschlichkeit in extremen Lebenslagen.

Holger Syrbes Bühne schafft einen reduzierten, zugleich symbolisch aufgeladenen Raum, der die Themen Gerechtigkeit, Vorurteil und Versöhnung sichtbar macht. Elena Chants Kostüme betonen die Mischung aus zeitloser Erzählung und gegenwärtiger Realität.

Die musikalische Einstudierung von Vsevolod Silkin und Jens-Karsten Stoll setzt atmosphärische Akzente, die die emotionalen Übergänge verstärken. Suzann Bolicks Choreographie bringt körperliche Präzision und rituelle Momente ein, die die Ensemblearbeit strukturieren.

Die dramaturgische Arbeit von Franziska Kuhn hält die Balance zwischen klassischem Text und biografischen Einschreibungen der Mitwirkenden. Die Produktion wird durch die Arbeit von Sibylle Arndt, Kirill Semenkin, Moritz Waldthaler und Jooeun Lee organisatorisch und künstlerisch getragen.

Das Ensemble spielt mit großer Ernsthaftigkeit und persönlicher Verbindlichkeit. Die unterschiedlichen Lebenswege der Beteiligten verleihen Lessings Plädoyer für Toleranz und Humanität eine besondere, unmittelbare Kraft.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– klassischer Text im Kontext des Gefängnistheaters
– starke biografische Einschreibungen
– reduzierte, symbolische Bühnenästhetik
– intensive Ensemblearbeit
– Fokus auf Humanität, Dialog und Versöhnung

Nathan der Weise“ wird hier zu einem eindringlichen, berührenden Abend, der Lessings Botschaft mit großer Authentizität und gesellschaftlicher Relevanz in die Gegenwart überträgt.

1 Kritik

4.0 von 5 Sterne
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Das Ensemble des aufBruch Gefängnistheater spielt Lessings Dramatisches Gedicht über den Gedanken der Toleranz in finsteren Zeiten
3 Stunden her.
Kritik

''Zwischen den Szenen trägt das Ensemble einige schmissige Songs wie Am Amazonas, Frauen sind keine Engel oder Bei mir bistu scheyn, einstudiert von Vsevolod Silkin und Jens-Karsten Stoll, chorisch vor. Die Frauenrollen im Stück werden bis auf Nathans christliche Haushälterin Daja (Juliette Roussennac) von Männern gespielt. Da gibt es auch mal eine witzige Revue-Einlage zum 20er-Jahre-Hit Salome, schönste Blume des Morgenlands von Arthur Rebner und Robert Stolz. In den historisierenden Kostümen von Elena Chant machen Abdul als Nathans Tochter Recha und Adrian U. als Saladins Schwester Sittha auf der von Holger Syrbe mit Gaze bespannten Metallgerüstbühne eine ganz gute Figur.
 
Die beiden wichtigsten Rollen des Stücks gibt es hier in einer Doppelbesetzung. So wechseln Para Kiala und Sven-Eric in der Rolle des Nathan. Den Wandel vom forsch polternden Tempelherrn hin zur Einsicht und Toleranz gestalten eindrücklich Ali und Max Sonenberg. Zentraler Bestandteil des Stücks ist bekanntlich die Parabel von den drei gleichen Ringen, die stellvertretend für die klassischen drei Buchreligionen stehen. Hier wird sie teils chorisch vom Ensemble vorgetragen. Dazu gesellt sich ein Ausschnitt aus Heiner Müllers pessimistischer Notiz 409 zur Erzählung Nathans über die Ermordung seiner Frau und Kinder. Auch der versöhnende Schluss des Stücks wird hier als kitschig abgetan. Doch das letzte Wort der Hoffnung hat Nietzsche: „Die Rechtfertigung des Lebens ist immer noch die Kunst.“ schreibt Stefan Bock am 8. September 2026 auf KULTURA-EXTRA

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