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Nathan der Weise

Bewertung und Kritik zu

NATHAN DER WEISE – Altes Schauspielhaus Stuttgart

von: Gotthold Ephraim Lessing
Premiere: 30. Oktober 2026, Altes Schauspielhaus Stuttgart

Künstlerisches Team

Regie: Catja Baumann
Bühne und Kostüme: Gwendolyn Bahr
Musik: Adrian Sieber
Dramaturgie: Susanne Schmitt

Besetzung

Nathan: Gottfried Breitfuß
Recha: Hannah Sophie Schad
Daja: Stefanie Klimkait
Tempelherr: Tillmann Depping
Saladin: Marc-Philipp Kochendörfer
Sittah: Selda Falke
Al-Hafi, ein Derwisch / Der Patriarch / Ein Klosterbruder: Marius Hubel

Über die Inszenierung

Mit „Nathan der Weise“ bringt das Alte Schauspielhaus einen der bedeutendsten Klassiker der deutschen Aufklärung auf die Bühne. Gotthold Ephraim Lessings berühmtes Drama verhandelt Fragen von Humanität, religiöser Toleranz und friedlichem Zusammenleben und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.

Im Zentrum steht der jüdische Kaufmann Nathan, der mit Klugheit, Menschenfreundlichkeit und Offenheit Konflikte überwindet und Brücken zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen schlägt. Die berühmte Ringparabel bildet dabei das gedankliche Herzstück des Stückes.

Catja Baumann richtet den Blick auf die zeitlose Relevanz von Lessings Plädoyer für Toleranz und gegenseitigen Respekt. Die Inszenierung fragt, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt in einer von Gegensätzen geprägten Welt gelingen kann und welche Verantwortung jede Generation dabei trägt.

Gwendolyn Bahrs Bühne und Kostüme schaffen einen klaren, konzentrierten Raum für die Begegnungen der Figuren. Adrian Siebers Musik ergänzt die Inszenierung um atmosphärische Akzente und unterstützt die emotionale Kraft der Handlung.

Susanne Schmitts dramaturgische Arbeit arbeitet die philosophischen, religiösen und politischen Dimensionen des Dramas heraus und macht Lessings Botschaft für ein heutiges Publikum erfahrbar.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– Lessings berühmtes Drama der Aufklärung
– zentrale Ringparabel als Plädoyer für Toleranz
– zeitgenössische Perspektive auf Religion und Zusammenleben
– klare Konzentration auf die Figuren und ihre Konflikte
– hochaktueller Stoff über Humanität und Verständigung

„Nathan der Weise“ bleibt ein eindringlicher Appell für Menschlichkeit, Respekt und gegenseitiges Verständnis und zählt zu den wichtigsten Werken der deutschsprachigen Theaterliteratur.

1 Kritik

4.0 von 5 Sterne
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Vor Gott und Menschen angenehm
23 Stunden her.
Kritik

''Dass sich von den deutschen Dramen der Aufklärung, des Sturm und Drang und der Klassik Nathan der Weise einen Ehrenplatz auf den Spielplänen bewahren konnte, hat nicht unbedingt erfreuliche Gründe. Offenbar teilen viele Intendanten und Dramaturgen die Überzeugung, dass Lessings Plädoyer für Toleranz zweieinhalb Jahrhunderte nach seiner Veröffentlichung an Bedeutung eher gewonnen als verloren hat. Die Schönheit der Sprache, das Raffinement des Aufbaus dieses Dramatischen Gedichts allein können seinen anhaltenden Erfolg nicht begründen. Sie würden nicht erklären, warum Nathan der Weise mehr als doppelt so oft inszeniert wird wie Kleists Prinz Friedrich von Homburg. Die Analogien freilich sind nicht sehr tragfähig. Mit den politischen Wortführern Israels und Palästinas haben Nathan und Saladin herzlich wenig gemeinsam, und ohnedies spielt der Gegensatz der Religionen heute eher eine Nebenrolle.

Die Schullektüre hat daran festgehalten, dass Lessings Pointe allen Figuren und ihren Religionen Gerechtigkeit widerfahren lässt. Seit den bahnbrechenden Inszenierungen von Friedo Solter und Claus Peymann müssen sich die Regisseure mit der Tatsache herumschlagen, dass das Happy End nur um den Preis möglich ist, dass Recha (wie die weniger unbeschwerte Rachel in Halévys Oper La Juive) Christin und nicht Jüdin ist und dass Nathan aus dem Kreis der glücklich Vereinten ausgeschlossen wird.''Thomas Rothschild am 31. Oktober 2026 auf KULTURA-EXTRA

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