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Bewertung und Kritik zu

WER HAT MEINEN VATER UMGEBRACHT
nach Édouard Louis
Regie: Michael Letmathe
Premiere: 19. Dezember 2019 
Theater Münster

Zum Inhalt: Mit seinem dritten Roman WER HAT MEINEN VATER UMGEBRACHT setzt Édouard Louis das autobiographische Schreiben fort und schließt eine Klammer um die Familienerzählung seines Erstlingswerks Das Ende von Eddy. Aufgewachsen in der nordfranzösischen Provinz, berichtet er von einem Leben gefangen in brutalen Verhältnissen, der Entdeckung seiner Homosexualität und dem Wunsch, das enge, ihn umgebende Milieu zu verlassen – was schließlich zum Bruch mit der eigenen Familie führt. In WER HAT MEINEN VATER UMGEBRACHT kehrt der mittlerweile in Paris lebende Autor zu seinen Wurzeln zurück und versucht das eigene Verhältnis zum Vater aufzuarbeiten. Dessen Gesundheitszustand ist erschreckend desolat ebenso wie das politische System Frankreichs, was Louis zum Anlass nimmt, beides miteinander in Bezug zu setzen und zu dem Schluss zu kommen, dass die regierenden Eliten der letzten Jahrzehnte seinem Vater mit ihren neoliberalen Politiken und dem damit einhergehenden Sozialabbau buchstäblich das Rückgrat gebrochen hätten. Louis’ Abrechnung mit den französischen Präsidenten und die gleichzeitige Aussöhnung mit seiner Familie ist eine provozierende Attacke gegen das politische System und ein aufwühlendes Vater-Sohn Drama.

Mit Joachim Foerster

Inszenierung: Michael Letmathe
Video: Daniel Ortega Macke
Musik: Fabian Kuss
Dramaturgie: Sabrina Toyen

TRAILER


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Eindringlicher Monolog mit Barbie Girl-Weltschmerz-Ballade
  · 30.12.20
Es ist ein schöner Zufall, dass das Theater Münster seine Adaption des essayistischen Romans von Édouard Louis einige Tage nach dem Start der 2. Staffel der Serie <Das Boot> im Netz präsentierte. Unterschiedlicher könnten die Rollen von Joachim Foerster kaum sein.


Im TV spielte er den Unteroffizier Ralf Grothe, einen besonders unsympathischer Vertreter toxischer Männlichkeit, den man sich sehr gut dabei vorstellen kann, wie er gemeinsam mit dem Vater von Édouard Louis und seinen Kumpels Zoten reißt und homophobe Sprüche klopft. In seinem Theater-Monolog verkörpert Foerster einen sensiblen jungen Mann, der sich an die Demütigungen seiner Kindheit erinnert.

<Wer hat meinen Vater umgebracht?> wurde in den vergangenen Monaten mehrfach für die Bühne adaptiert. Die Inszenierungen des Münchner Volkstheaters und des Volkstheaters Wien hatten gemeinsam, dass die Wut und der Schmerz über eine kaputte Vater-Sohn-Beziehung immer wieder durch komische Einlagen gebrochen wurde.

Regisseur Michael Letmathe und Solo-Darsteller Foerster entschieden sich für einen anderen Weg, für ein minimalistisches Solo, das sich ganz auf den Schmerz fokussiert, den Édouard Louis in seinem autobiographisch geprägten Roman schildert. Der Text wird zum langen Monolog, der nur durch wenige spielerische Momente aufgelockert, aber eindringlich vorgetragen wird. Statt eines Spielpartners übernimmt hier die Lichtregie die zweite Hauptrolle: In den Großaufnahmen des Inszenierungs-Mitschnitts versinkt oft eine Gesichtshälfte des Solo-Spielers im Halbdunkel, das diesen Abend in der kleinen Spielstätte U2 atmosphärisch prägt.

Zum Schmerz und der Sehnsucht nach Versöhnung mit dem Vater passt die tieftraurige Version von <Barbie Girl>, die Foerster zur Mitte des Abends am Klavier vorträgt. Einer der klebrigsten Bubblegum Pop-Songs der Eurodance-Welle, die die dänische Band Aqua in den 1990er Jahren in die Charts spülte, wird in dieser Münsteraner Version als Weltschmerz-Ballade ganz neu hörbar.

Für die finale Abrechnung mit den Sozialstaats-Reformen der französischen Präsidenten von Chirac bis Macron hat Foerster noch einen weiteren theatralischen Auftritt: wie eine Chanson-Diva im schwarzen Abendkleid spricht er diese letzten Worte des Romans.

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