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Bewertung und Kritik zu

DIE KRÄNKUNGEN DER MENSCHHEIT
Performance
Regie: Anta Helena Recke 
Premiere: 26. September 2019 
Münchner Kammerspiele 

Berlin-Premiere: 6. Februar 2020 
Hebbel am Ufer (HAU), Berlin 

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Eingeladen zum 57. Berliner Theatertreffen (2020) 

Zum Inhalt: Das Musikvideo „Apeshit“ von Beyoncé Knowles und Jay-Z wurde allein auf YouTube 150 Millionen Mal geklickt. Es zeigt „The Carters“, wie sich das Paar nennt, mit einer Performance im Pariser Louvre. Das Museum ist Sinnbild europäischer Kunst, es steht für die eine Kunstgeschichte. Beyoncé steht im Vergleich zu all dem Vergangenen als lebendiges Kunstwerk und zeigt uns ganz deutlich: Im Hintergrund liegt die Vergangenheit, im Vordergrund die Gegenwart. In der neuen Arbeit von Anta Helena Recke steht die eurozentrische Behauptung einer universellen Menschheits- und Kunstgeschichte ebenfalls auf dem Prüfstand. Ausgehend von Sigmund Freuds Text „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“ werden die von ihm diagnostizierten drei Kränkungen der Menschheit – die Erkenntnis, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist, dass der Mensch vom Affen abstammt und dass er ein Unterbewusstsein hat, das er nicht steuern kann – um eine vierte Kränkung erweitert. Die Tatsache, dass die größte Illusion darin besteht, von einer Menschheit auszugehen, wird hartnäckig übersehen. Vielleicht, weil das eine der tiefgreifendsten Kränkungen des „menschlichen Egos“ darstellen würde.
Gerade das gegenwärtig zu beobachtende globale Wiedererstarken faschistischer Kräfte, Phänomene wie „Men’s Right Activism“ und das selbstbewusste Auftreten von White Supremacy Gruppierungen zeigen, wie tiefgreifend die Illusion einer weißen männlichen Menschheit im weißen Körper verankert ist. Alle wehren sich mit Haut und Haaren – und sind sich für nichts zu schade.

Mit Ariane Andereggen, Jean Chaize, Noah Donker, Sir Henry, Kinan Hmeidan, Mario Lopes, Samuel Lopes, Lara-Sophie Milagro, Benjamin Radjaipour, Vincent Redetzki, Joana Tischkau, Else Tunemyr, Hayato Yamaguchi und weitere Mitwirkende aus München

Inszenierung: Anta Helena Recke
Bühne: Carlo Siegfried
Licht: Joscha Eckert
Musik: Luca Mortellaro
Kostüme: Pola Kardum
Dramaturgie: Valerie Göhring

TRAILER


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Labor ohne Theaterqualitäten
  · 10.02.20
''Zu sehen ist bestenfalls Konzeptkunst. Und das meint, genau wie in der Bildenden Kunst: Das Werk kann sich nicht selbst erklären, es ist nicht anforderungsfrei, man braucht eine Gebrauchsanweisung, einen Beipackzettel. Für die Publikumskunst Theater, die von der situativen Konfrontation mit den Zuschauern lebt, ist das verheerend. Einen Abend, der sich nicht aus sich selbst heraus vorantreibt, der keine Szenen zugänglich macht, muss man als gescheitert betrachten.

Dass die Theatertreffen-Jury sich für diese Art von Labor-Theater begeistert, spricht wiederum Bände. Man möchte ganz offensichtlich vor sich und der Welt die politische Aktualität des Theaters unter Beweis stellen, sich Relevanz attestieren. Der Bedeutungsverlust des Theaters wird jedoch immer größer, seit es denkt, Seminar- und Debattenraum sein zu sollen. Kein Festival, kein Haus, das sich nicht auf die Fahnen schreibt, "Labor" für gesellschaftspolitische Fragen zu sein. Doch genau dadurch gibt das Theater sein Alleinstellungsmerkmal auf, Dinge im menschlichen Erleben spielerisch begreiflich zu machen. Für Seminare gibt es Universitäten, für Leitartikel Zeitungen, für Labore die Wissenschaft. Theater hat andere Qualitäten – von denen hier allerdings fast nichts zu sehen ist.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Sperrige Konzeptkunst
  · 06.02.20
Der Abend endet mit dem programmatisch sehr diversen Auftritt einer Frauen-Gruppe unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft, die zunächst wild durcheinanderschnatternd die Touristinnen geben, die in den Museen dieser Welt vom Louvre bis zu den Uffizien oberflächlich von Event zu Event hasten. Die Frauen formieren sich im nächsten Akt zu einer sakralen Prozession, die mit stillem Ernst die Museums-Vitrine umkreisen, bevor sie sich ins Foyer zurückziehen.

Für Anta Helene Recke ist „Die Kränkungen der Menschheit“, eine Koproduktion der Münchner Kammerspiele mit drei Produktionshäusern der freien Szene (HAU Berlin, Kampnagel Hamburg und Mousonturm Frankfurt) nach ihrer „Schwarzkopie“ von Anna Sophie Mahlers musiktheatralischer Adaption von Josef Bierbichlers bayerischem „Mittelreich“-Heimatroman bereits die zweite Einladung zum Berliner Theatertreffen nach 2018.

Mit dieser bemerkenswert sperrigen Arbeit lotet die Jury die Grenzen des theatralen Spektrums: ein Abend, der auf ein Minimum an spielerischen Momenten reduziert ist, und in verkopfter Manier zum Umdenken und zum Blickwechsel anregen will: weg von der jahrhundertelang als selbstverständlich gesetzten Zentralperspektive des weißen cis-Mannes, hin zum facettenreichen „Minoritätenlärm“, wie es Festspiel-Intendant Thomas Oberender in einem Programmheft-Zitat der Regisseurin nennt.

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Affenartige Perspektivenwechsel
  · 02.10.19
''Wie setzt sie das um? Auf der Bühne ein beleuchteter Glaskubus, außen gefliest, innen mit Holzpodesten versehen. Von draußen Urlaute. Die Türen zur Bühne öffnen sich. Meschenaffen! Auf allen Vieren hopsen Männer, Frauen und ein Kind in fleischfarbener Wäsche herein in dieses Zoogehege, raumgreifend, hüpfend, sich lausend. Man könnte ihnen noch lange zuschauen, so wunderbar ahmen sie die Bewegungsabläufe unserer Vorfahren nach. Ein Typ im Medizinerkittel tritt auf, ein Wissenschaftler, ein Wärter? Sind wir in einem Labor? Dann kommen Menschen dazu, die sich offensichtlich in einem Museum befinden. Sie konzentrieren sich auf die Führung, die Affen scheinen sie nicht wahrzunehmen. Statt dessen widmen sie sich einem unsichtbaren Kunstwerk und reden gescheit daher: „Die Prämisse ist dünn“, meint einer. Ein Satz, der besonders wenig passt zu der bäuerlichen Szene, die angeblich Dorfbewohnern in Afrika gezeigt wird. Was nehmen sie wahr? Was wir? Wer schaut eigentlich was an und wem zu? Plötzlich kippt die Szene. Die Musuemsbesucher erklettern das Zoogehege – sie scheinen sich bedroht zu fühlen. Aber dann kommen auf einmal ganze Scharen bunt gekleideter, fröhlich schwatzender Coloured people aus dem Off, die Stimmung löst sich. Kurz tragen sie ein goldgerahmtes Bild vorbei, das Gemälde Die Affen als Kunstrichter von Gabriel Cornelius von Max. Zuletzt tauchen die Affen im Zuschauerraum auf und erobern die offene Bühne zurück.

Recke – Theater heute kürte sie zur Nachwuchskünstlerin 2018 - legt im Verlauf des Bühnengeschehens ein Bild übers andere, alles mischt sich. Doch die Gruppen bleiben unter sich. Kein Kontakt. Sie wissen nichts voneinander. Die vielen buntgekleideten Coloured girls aus aller Herren und Frauen Länder aber spazieren durch die Affen und die Museumsbesucher hindurch, als wären sie gar nicht da. Die Mädels sind ja auch „die Mehreren“. Eine schöne, zum Nachdenken anregende Performance.'' schreibt Petra Herrmann am 1. Oktober 2019 auf KULTURA-EXTRA
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