ROGER in «Der scharlachrote Buchstabe»

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4. Kapitel - Die Zusammenkunft. 

Roger Chillingworth und Esther Prynne. 

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ROGER: Esther, ich frage nicht, weshalb oder wie du in den Pfuhl gefallen, oder sagen wir lieber zum Pranger aufgestiegen bist, wo ich dich fand. Der Grund braucht nicht weit gesucht zu werden. Es war meine Torheit und deine Schwäche. Ich, ein Mann des Gedankens, der Bücherwurm großer Bibliotheken, ein schon dem Verwelken naher Mann, der seine besten Jahre dahingegeben hatte, um den hungrigen Traum der Erkenntnis zu nähren – was hatte ich mit Jugend und Schönheit wie der deinen zu schaffen! Wie konnte ich von meiner Geburtsstunde an Verunstalteter mich mit der Idee verblenden, daß intellektuelle Gaben in der Phantasie eines jungen Mädchens die physische Mißgestalt verschleiern konnten! Die Menschen nennen mich weise. Wären die Weisen je für sich selbst klug gewesen, so hätte ich alles dies vorhersehen können. Ich hätte wissen können, daß, als ich aus den weiten, düstern Wäldern kam und in diese christliche Ansiedlung trat, der erste Gegenstand, welcher sich meinen Augen bot, du selbst sein würdest, Esther Prynne, als Statue der Schande vor dem Volke, – ja, von dem Augenblicke an, wo wir zusammen die alten Kirchenstufen als Ehepaar herabkamen, hätte ich das Signalfeuer dieses Scharlachbuchstabens am Ende unseres Pfades lodern sehen können. [...] Es war meine Torheit! Ich sagte es schon. Aber bis zu jenem Einschnitt meines Lebens hatte ich vergeblich gelebt. Die Welt war so freudlos gewesen. Mein Herz war eine zur Aufnahme vieler Gäste hinreichend große Wohnung, aber einsam und eisig und von keinem häuslichen Feuer erwärmt. Ich sehnte mich, ein solches anzuzünden. Es schien mir kein so phantastischer Traum zu sein, so alt und mürrisch und mißgestaltet ich auch war, daß das einfache Glück mir noch zuteil werden könnte, welches nah und fern verstreut ist, so daß es alle Menschen aufgreifen können. Und so, Esther, zog ich dich in mein Herz, in sein innerstes Gemach, und suchte dich zu wärmen an der Wärme, welche deine Gegenwart dort gab! [...] Wir haben einander Unrecht zugefügt. Ich tat dir zuerst Unrecht, als ich deine knospende Jugend zu einer falschen und unnatürlichen Verbindung mit meinem welkenden Alter verlockte. Als Mann, der nicht umsonst gedacht und philosophiert hat, suche ich daher keine Rache, sinne auf nichts Böses gegen dich. Zwischen dir und mir hängt die Waagschale im Gleichgewicht, aber, Esther, es gibt einen Mann, der gegen uns beide gesündigt hat! Wer ist er? [...] Glaub mir, Esther, es gibt wenige Dinge, sei es nun in der äußeren Welt oder bis zu einer gewissen Tiefe in der unsichtbaren Sphäre des Gedankens, – wenige Dinge, die dem Manne verborgen bleiben, welcher sich ernstlich und rückhaltlos der Lösung eines Geheimnisses widmet. Du magst dein Geheimnis vor der spähenden Menge verhehlen, du kannst es auch vor den Geistlichen und den Gesetzeshütern verbergen, wie du es heute getan hast, wo sie den Namen aus deinem Herzen hervorreißen und dir einen Partner auf dem Pranger geben wollten. Was aber mich betrifft, so komme ich mit anderen Sinnen, als jene besitzen, zu der Untersuchung. Ich werde diesen Mann suchen, wie ich in den Büchern die Wahrheit, wie ich in der Alchemie das Gold gesucht habe. Es gibt eine Sympathie, die mich ihn ahnen lassen wird. Ich werde ihn zittern sehen, ich werde plötzlich und unerwartet einen Schauder fühlen. Früher oder später muß er mein werden. [...] Er trägt auf seinem Gewande keinen Schandbuchstaben eingewirkt wie du, aber ich werde ihn auf seinem Herzen lesen. Hab aber keine Furcht um ihn! Denke nicht, daß ich mich in die Vergeltung des Himmels mischen oder ihn zu meinem eigenen Verluste in die Klauen des menschlichen Gesetzes liefern werde. Ebensowenig meine, daß ich etwas gegen sein Leben oder auch nur gegen seinen Ruf unternehmen werde, wenn er, wie ich glaube, ein Mann von guter Reputation ist. Er mag leben! Er mag sich unter äußeren Ehren verbergen, wenn er kann! Nichtsdestoweniger soll er mein sein!

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