AGAUE in «Die Bakchen»

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5. Akt 

Agaue mit dem Chor, dann Kadmos. 

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AGAUE: 
O ihr, im schönen Festungsbau der Theberstadt
Einwohner, kommt, auf daß ihr diesen Fang beschaut
Des Wildes, das wir Kadmostöchter wältigten –
Nicht mit Thessaliens hakigtem Geschosse, nicht
Mit Gruben oder Netzen, bloß mit festem Griff
Weißarmiger Hände! Lohnt sich's dann zu prahlen noch,
Gewehr auch anzuschaffen noch vom Lanzenschmied,
Wenn wir mit diesen Händen den da fingen und
In Stücken ganz des Wildes Glieder rissen? Wo,
Wo ist mein alter Vater nur? Er komme her!
Pentheus, mein Sohn, wo weilt er? Eine Leiter soll
Er bringen, ihre Sprossen lehnen hier ans Haus,
Um an den Dreischlitz festzunageln diesen Kopf
Des Löwen, den ich von der Jagd mitbringe hier.
(Kadmos tritt auf mit Dienern, die die Leiche Pentheus' bringen)
[...] Mein Vater, hoch, am höchsten kannst du rühmen dich:
Denn Heldentöchter sind dir, wie die Erde nie
Sie sah, entsprossen! Alle mein' ich, doch voran
Mich selber, die ich Spindel und Webstuhl verließ
Und stieg so hoch, Waldtiere mit der Hand zu fahn!
Auf meinen Armen bring ich, wie du siehest, hier
Den frischerrungnen Siegeslohn, auf daß man ihn
Am Sims befestige. Nimm ihn hin in deine Hand
Und lade, stolz dich brüstend wegen meines Fangs,
Zu einem Mahl die Freunde. Denn glückselig, ja!
Glückselig bist du, weil wir solche Taten tun!
[...] Oh, welch ein mürrisch Wesen ist das Alter doch!
So kalt und finster blickend! Wäre nur mein Sohn
Ein rüstiger Jäger, schlüge seiner Mutter nach,
Indem er samt den Theberjünglingen im Wald
Nach Tieren schösse! Der versteht es leider nur,
Sich gegen Heiliges aufzulehnen. Laß uns ihn
Gemeinsam abziehn von der Lust an klugem Leid!
Wo weilt er? will ihn keiner vor mein Angesicht
Herrufen, daß er meinen Sieg, mein Glück erblickt?