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Bewertung und Kritik zu

I AM EUROPE
von Falk Richter
Regie: Falk Richter 
Choreografie: Nir de Volff 
Deutschland-Premiere: 1. Februar 2019 (Koproduktion) 
Thalia Theater Hamburg 

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Zum Inhalt: Staatspleiten drohen, Arm und Reich driften auseinander, Konzerne setzen sich über das Gemeinwohl hinweg und überall erstarkt die Angst: reaktionäre Parteien und religiöser Fanatismus kehren zurück und mit ihnen die alten Feindbilder. Demokratische Institutionen verlieren an Glaubwürdigkeit, die kulturelle, ethnische, religiöse oder sexuelle Vielfalt wird angegriffen.
Zur gleichen Zeit aber haben leisere, nicht weniger starke Veränderungen stattgefunden. In den letzten Jahrzehnten haben immer mehr Menschen die normativen Modelle von Zugehörigkeit, Familie, Religion, Sprache, Kultur oder sexueller Identität aufgegeben und sie mit neuem Sinn gefüllt. Ein Europa, welches die Grenzen von Sprache und Kultur friedlich überwunden hat, will von vielen nicht einfach abgeschafft werden.

Falk Richter beschäftigt sich mit den Fragen gespaltener Gesellschaften zusammen mit einem jungen Ensemble: Europäer seit vielen Generationen oder in der ersten, die mehr als acht unterschiedliche Sprachen sprechen, verschiedene Religionen und sexuelle Identitäten haben. Wie hat sich Europa in ihre Biografen eingeschrieben? Wie leben sie die Konzepte von Heimat, Familie, Religion und Gemeinschaft? Wie sehen sie sich selbst in einem Europa, in dem der demokratische Diskurs mehr und mehr von Demagogie und Hass verdrängt wird? Welche Utopien kann man diesen Entwicklungen entgegensetzen? Und wie wollen wir in Zukunft zusammen leben?

Eine Produktion des Théâtre National de Strasbourg in Kooperation mit: Odéon Théâtre de l'Europe Paris, Thalia Theater Hamburg, Théâtre de Liège, HNK Croatian National Theatre Zagreb, Comédie de Genève, NNT Theatre Company Groningen, Emilia Romagna Teatro Fondazione Modena


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3.0/5 Insgesamt 2 Bewertungen (2 mit Rezension)
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Wie geht es dir, Europa?
  · 08.03.19
Wie geht es dir, Europa?

Wie geht es dem Patienten Europa? Acht junge Leute werden dazu auf der Bühne als Vertreter Europas befragt. Ihre klare Antwort: nicht gut.
Sie sagen Sätze wie diese: "Ich bin Europa, ich fühle einen Riss." "Ich fühle Angst und Hass."
Acht Darsteller aus Frankreich, Portugal, Holland, Frankreich, Kroatien und Belgien fühlen Europa zu den Themen Heimat, Beziehungen, Religion, Familie, Nation und Grenzen den Puls. Das Stück unter der Regie von Falk Richter und Nir de Wolf ist eine internationale Co-Produktion; die Uraufführung war vor gut zwei Wochen am Das Théâtre National de Strasbourg. Anklagend lassen sie ihre Wut über alles raus, was schief läuft: Sie beklagen die mangelnde Klimapolitik, den Rechtsruck, den neoliberalen Finanzkapitalismus, das Aufklaffen der Schere zwischen Arm und Reich.
Auf der Bühne ist wackeliges Herumbalancieren auf Schaumstoffquadern zu sehen. Die Performer stoßen sich an Glaswänden, auf die die Hate-Botschaften aus ihrem Facebook-Account projiziert werden. Bildschirme sind auf der Bühne verteilt, über die die mediale Dauerflut von alarmierenden Bildern laufen. Eingezwängt zwischen Aufbruchswillen und bedrohlichen Entwicklungen präsentieren sich die acht Performer. Sie wollten mit ihren Lebensentwürfen eigentlich aufbrechen zu neuen internationalen und interkulturellen Formaten und wo finden sie sich wieder? Sie, die sich die Aufhebung von Grenzen, die Legalisierung der Homoehe und eine Familie zu dritt wünschen, finden sich zwischen Pegida-Demos und Gelbwesten- Protesten wieder.
Sie werden zu der personifizierten Anklage wahrer Europäer gegen die Politiker, die die Spaltung vorantreiben, die Ghettos zulassen, die Arm und Reich immer weiter auseinander driften lassen, die die Gelbwesten auf die Straße treiben, die die Banlieues brennen lassen, die die Engländer nicht in der EU halten können, die Identitäten zerbrechen lassen, die die Menschen in die Arme vom Front National und der AfD treiben.
Dieser Aufruf zum Aufstehen für Europa wird zur alarmierenden Anklage gegen die anderen und die da oben. Doch sind diese jungen Leute auf der Bühne nicht ein Teil von Europa? Stellen sie nicht eigentlich die Zukunft dar? Wie können sie sie mitgestalten und Mitstreiter finden? Diese Aspekte drohen bei "I am Europe" unter dem Dauerbeschuss der Reproduktion des medialen Aufruhrs fast zu verschwinden. Eine Produktion, die so eher bange macht als zum Mitkämpfen für die europäische Idee einlädt.
Birgit Schmalmack vom 4.2.19
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Skizze und Stoffsammlung mit zu vielen Themen
  · 03.02.19
Acht Performer*innen halten einem zerrissenen Kontinent den Spiegel vor. In einem Mix aus autobiographischen Schnipseln und den von Nir de Volff gewohnt präzise choreographierten Zuckungen der Tänzer*innen schreibt Falk Richter in einer paneuropäischen Koproduktion seine Schaubühnen-Arbeiten fort.

Dem Abend, der nach der Uraufführung am Théâtre National de Strasbourg seine Deutschland-Premiere zum Abschluss der Lessingtage auf der Thalia-Studiobühne in der Altonaer Gaußstraße feierte, ist noch deutlich anzumerken, dass er in Workshops entwickelt wurde. „I am Europe“ ist eine anregende Skizze mit einer Fülle an biographischem Material, kleinen Geschichten und zu vielen Themen, die aber eher noch Sto eine Stoffsammlung ist als ein bereits fertiger Tanz-Theater-Abend. Symptomatisch steht dafür, dass „I am Europe“ am Ende sehr unvermittelt auch noch die Themen Glyphosat und ökologische Wende in der Landwirtschaft aufgreift, damit noch weiter ausfranst und sehr abrupt endet.

Neben dem Oberthema des zerrissenen Kontinents trieben Falk Richter und sein Team im Stückentwicklungsprozess vor allem folgende Fragen um:

Wie sollen wir mit dem Phänomen der „Gelbwesten“ umgehen?

Wie können Theater-Inszenierungen die Diversität der Gesellschaft besser abbilden? In einer zur Karikatur überspitzten Szene, die mehrfach in den Spielfluss hineingeschnitten wird, bekniet Douglas Grauwels seine Kollegin Khadija El Kharraz Alami, dass sie ihren Namen pro forma für den Förderantrag hergeben soll. Als lesbische, marokkanisch-stämmige, islamische Künstlerin erfülle sie gleich drei Quoten und lasse damit das Herz jeder Kulturbürokratie-Auswahlkommission höher schlagen, hofft der heterosexuelle, weiße Mann Douglas Grauwels, der seinen Antrag für eine Performance zu alternativen Währungssystemen zum Euro aufpimpen möchte.

Ein weiterer Strang dieses thematisch überbordenden Abends ist die Suche nach Modellen jenseits der traditionellen Familie. Tatjana Pessoa und Gabriel Da Costa erzählen von ihrer Beziehung zu dritt. Wie sie schon in Falk Richters „Città del Vaticano“ berichteten, das 2016 am Wiener Schauspielhaus Premiere hatte, leben sie mit einem Mann in einer Patchwork-Konstellation zusammen und erziehen gemeinsam ein Kind. Für Falk Richters Lieblings-Gegnerin Beatrix von Storch, die diesmal im Gegensatz zu „Fear“ nicht namentlich genannt wird, ist die „Ehe zu dritt“, die Pessoa und Da Costa in einem Appell an den belgischen König propagieren, sicher eine Horrorvorstellung.

Selbstverständlich ist auch die Migrationspolitik immer wieder präsent. Diese Flut an spannenden und wichtigen Themen wird in den kurzen zwei Stunden so atemlos angerisssen, dass zu hoffen bleibt, dass auf den zahlreichen weiteren Koproduktions-Stationen noch die Zeit zum Feinschliff an „I am Europe“ bleibt und die Inszenierung noch mehr inhaltliche Schärfe bekommt.

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