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Bewertung und Kritik zu

IMMER NOCH STURM
von Peter Handke
Regie: Dimiter Gotscheff
Premiere: 17. September 2011 
Thalia Theater Hamburg 

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Zum Inhalt: Ein großer Gesang auf das Leben: Immer noch Sturm von Peter Handke ist ein Trip zwischen Zeiten, Träumen und Welten. Handke führt uns vom Europa des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Er erinnert sich an die Geschichte seiner slowenischen Vorfahren. Angeregt durch nachgelassene Briefe, mündliche Überlieferungen und eigene Erinnerungsbilder folgt er seiner Gedächtnisspur: „Nicht ich lasse euch nicht in Ruhe. Es lässt mich nicht in Ruhe, nicht ruhen. Ihr lasst mich nicht in Ruhe.“ 

Es geht um eine slowenische Kleinhäuslerfamilie in Kärnten, die in der NS-Zeit, vom Sprachverbot und von der Aussiedlungspolitik bedroht, zum Widerstand findet und die nach Ende des Krieges, nach kurzen Wochen der erkämpften und erlebten Freiheit, sich wieder verdrängt und ausgeschlossen fühlt. Erinnernd ruft der Erzähler seine Vorfahren herbei und beschreibt dieses Szenario wie ein altes schwarz-weiß Foto, in das er sich selbst hinein retuschiert und das nach und nach zum Leben erwacht. Das Ich, der Autor als alter Mann, die träumende und erzählende Hauptfigur, sieht sich als Kind heran wachsen. Er sieht sich im Wurzelnest eines Apfelbaumes schlafend und als junger Mann hinter der Mutter hervortretend, der sein Leben in die Hand nehmen will. Er erfindet spielerischkomödiantische Figuren, die miteinander streiten, sich freuen oder trauern, trifft auf seine Großeltern, Tanten und Onkel. Der Erzähler selbst wird Gast dieser erinnerten Gemeinschaft, die ihn heim holt an den Ort seiner Kindheit. Nun ist er kein Fremder mehr.

Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Katrin Brack
Kostüme: Ellen Hofmann
Dramaturgie: Beate Heine

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Bleierne Virtuosität
  · 24.03.19
Der Sturm hebt erst ganz am Ende nach mehr als vier Stunden an. Jens Harzer, der Ich-Erzähler, tigerte in einem großen Monolog über die Bühne und erzählt vom Österreich der Gegenwart, das nichts mehr mit dem Jauntal von Handkes Kindheit zu tun hat. Nach einem letzten Stoßseufzer, in dem er melancholisch von den Atabaquen erzählt, die sich in ihrem Reservat über die Köpfe der Touristen zuwinken, versinkt die Bühne kurz in Schwarz, bevor der Beifall für den frischgebackenen Iffland-Ring-Preisträger losbrandet.

Pünktlich zur allerletzten Vorstellung von „Immer noch Sturm“, einer Koprduktion der Salzburger Festspiele und des Hamburger Thalia Theaters, die als Gastspiel an der Berliner Volksbühne stattfand, wurde der letzte Wille von Bruno Ganz bekannt: Jens Harzer soll sein Nachfolger als Iffland-Ring-Preisträger werden. Ein Schauspieler der leisen Töne, wie aus einer anderen, untergegangenen Ära. Entdeckt von Dieter Dorn, der ihn noch als Schauspielstudent an die Münchner Kammerspiele engagierte und ans Residenztheater mitnahm. Nach dem Ende dieser Ära ging er ans Thalia Theater, wo er seit 2009 im Ensemble ist.

Der Stil der Inszenierung polarisiert: „Es wird viel geredet und geraunt in dieser Inszenierung, die unendlich lang und langsam ist“, schrieb Hartmut Krug treffend in seiner Salzburger Premieren-Nachtkritik. Hier ist ein Star-Ensemble (neben Harzer weitere große Namen wie Gabriele Maria Schmeide oder Hans Löw) zu erleben, das tief in die Vergangenheit eintaucht, dabei aber oft manieriert wirkt.

Dirk Pilz hat dies damals in der NZZ als „bleierne Virtuosität“ bezeichnet. Treffender kann man die ambivalenten Eindrücke, die „Immer noch Sturm“ hinterlässt, nicht beschreiben.
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Anders als 2011
  · 22.03.19
''Heute wirkt der Abend allerdings durchaus anders als 2011. Auch das mag am Vergehen der Zeit liegen. Schon das Wort "Heimat" ist inzwischen politisch derart instrumentalisiert worden, das man es momentan kaum unvoreingenommen aufnehmen kann. Die Geschichte der Kärntner Slowenen, die Suche nach den eigenen Wurzeln ist zwar nach wie vor unglaublich hörenswert – der Erzähler hingegen, der im hohen, verklärten Handke-Ton den großen Klagegesang anstimmt auf die Schlechtigkeit der Welt, der sich die gute alte Zeit zurückwünscht, nur in der Vergangenheit lebt, nur seine Ahnen verehrt, wirkt inzwischen aber auch befremdlich.

Man darf zwiegespalten sein: Einerseits ist es großartig, wenn sich das Theater seine Themen nicht von politischen Diskursen wegnehmen lässt, auch auf die Gefahr hin, anachronistisch zu wirken. Andererseits kann einen diese schwermütige Großvaterklage sehr auf Abstand halten. Inzwischen kann man die Inszenierung durchaus als historisch ansehen, wichtiges Relikt aus einer verlorenen Zeit. Theater ist nun einmal stets Spiegel der Gegenwart – und diese Gegenwart verändert sich, auch innerhalb von nur acht Jahren. So gelungen diese Inszenierung ist – so berechtigt ist es womöglich auch, dass sie nun ihre Dernière feiert.'' schreibt Barbara Behrendt auf kulturradio.de
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