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    Vincent will Meer

    Bewertung und Kritik zu

    VINCENT WILL MEER
    von Florian David Fitz
    Regie: Ralph Bridle 
    Premiere: 14. Januar 2018 
    Hamburger Kammerspiele
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    Zum Inhalt: Berührend, witzig und respektvoll erzählt “Vincent will Meer” vom Leben dreier Menschen mit Handicap. Der gleichnamige Kinofilm gewann den Deutschen Filmpreis und war im Erscheinungsjahr die erfolgreichste deutsche Kinoproduktion, für die Schauspieler und Drehbuchautor Florian David Fitz mit dem Bayerischen Filmpreis für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde.
    Es war der letzte Wunsch von Vincents Mutter: Noch einmal ans Meer. Deshalb ist Vincent jetzt fest entschlossen, zumindest ihre Asche an die italienische Küste zu bringen. Doch zuerst muss er aus der psychiatrischen Klinik ausbrechen, in die ihn sein Vater eingewiesen hat. Dieser steckt als aufstrebender Lokalpolitiker mitten im Wahlkampf und ein erwachsener Sohn mit Tourette-Syndrom passt nicht zum Bild des erfolgreichen Machers. Zusammen mit der magersüchtigen Marie und dem zwangsneurotischen Alex klaut er das Auto der Ärztin und macht sich auf die Reise nach Italien.

    Mit Christopher Ammann, Till Demtroeder, Angelina Häntsch, Moritz Leu, Marina Weis

    Regie: Ralph Bridle
    Ausstattung: Mascha Deneke

    4.0 von 5 Sterne
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    Wer ist schon ganz normal?
    6 Jahre her.
    Kritik
    "Ficken, Nutte, Schwanzlutscher!" Immer wenn Vincent (Moritz Leu) sich aufregt, brechen die Obszönitäten aus ihm heraus. Auch bei der Beerdigung seiner Mutter, mit der er bis zum Schluss zusammen gelebt hat, ergießt sich ein Schwall Schimpfwörter über die anderen Teilnehmer. Ein weiterer Grund dafür, dass sein Vater (Till Demtroeder), seine peinlichen Sohn so schnell in ein Klinik abschieben will. Obwohl der Politiker-Vater in seinem Wahlkampf auf großen Plakaten für "Mehr Toleranz!" wirbt, kann er keinerlei Verständnis für seinen Sohn jenseits der Norm aufbringen. Weit über ihr berufliches Interesse hinaus beschäftigt sich jedoch die Ärztin (Marina Weis) in der Klink mit ihren jugendlichen Patienten. Sie bemüht sich jeden von ihnen zu verstehen, z.B. Marie (Angelina Häntsch), die liebebedürftige Magersüchtige, die jede Nahrung verweigert bzw. wieder erbricht. Oder Alexander (Christopher Ammann), der sich in einer Reihe von Zwangsvorstellungen eingerichtet hat. In dessen Zweierzimmer quartiert sie Vincent ein. Was den Zwangsneurotiker Alexander, der nichts mehr als Veränderung und Kontakt mit anderen Menschen hasst, überhaupt nicht freut.  Wie diese drei jungen Erwachsenen im Laufe des Abends lernen, sich selbst etwas zuzutrauen und eine zaghafte Beziehung zu ihrem Gegenüber zu knüpfen, wird in kurzen Szenen auf dem schrägen Bühnenuntergrund gezeigt. Sie brechen zu einem gemeinsamen Trip ans Meer auf, weil Vincent die Asche seiner Mutter an der italienischen Küste verstreuen will. Doch auch die Erwachsenen müssen dazulernen. Der Vater macht einen erstaunliche Wandlung durch, während er sich mit der Ärztin auf die Suche nach den drei Ausgebüchsten macht.  Schon der gleichnamige Film sorgte für hintergründige Wohlfühl-Unterhaltung mit pädagogischem Mehrwert. Die Inszenierung an den Kammerspielen lebt von dem grandiosen Spiel der Schauspieler. Regisseur Ralph Bridle verlässt sich ganz auf sie und verzichtet fast völlig auf weitere Zutaten. Bei ihm stehen die Geschichte und die völlig unterschiedlichen Persönlichkeit mit all ihren Macken im Mittelpunkt. Manchmal hätte ein wenig mehr Schmierstoff zwischen den Szenen dem Drive des Abends gut getan, aber dennoch wird die Botschaft sympathisch klar: Wer ist schon ganz normal? Birgit Schmalmack vom 22.1.18 www.hamburgtheater.de
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