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SPIELPLAN & KARTEN

Wer hat meinen Vater umgebracht

Bewertung und Kritik zu

WER HAT MEINEN VATER UMGEBRACHT
nach Édouard Louis
Regie: Lisa Nielebock 
Premiere: 15. November 2024 
Schauspiel Frankfurt 

Zum Inhalt: Die autofiktionalen Romane und Erzählungen von Édouard Louis schildern mit großer Intensität, wie Armut, Enge, Ausgrenzung, Homophobie und patriarchale Geschlechterrollen in bestimmten sozialen Schichten zu immer neuen Spiralen der Ausweglosigkeit und Gewalt führen. Dabei gelingt Louis das Kunststück, die Verstricktheit der Opfer und Täter und ihr Ausgeliefertsein an gesellschaftliche Machtstrukturen zu beleuchten, ohne dabei jemals in eine Unschärfe der Unterscheidung verschiedener Formen des Erleidens zu geraten. Auch der Täter ist Opfer – Handelt er aus Hilflosigkeit, Wut oder gesellschaftlich produzierter Autoaggression? – nichtsdestoweniger bleibt er Täter. Und das Opfer bleibt Opfer – selbst dann, wenn es die Täter versteht, wenn es gar in erzwungener Komplizenschaft mit ihnen kooperiert.

In seinem Roman »Wer hat meinen Vater umgebracht« schildert Louis das hochgradig ambivalente Verhältnis zu seinem Vater, der den homosexuellen Sohn ablehnt, sich für ihn schämt, ihn ausliefert und misshandelt und der sein Kind dennoch liebt. Er schildert sein eigenes Erwachsenwerden als Geschichte eines Sohnes, der den Vater abstreifen muss, um leben zu können, und sich doch nichts mehr wünscht, als von ihm gesehen zu werden. Eine Geschichte der Zärtlichkeit und Gewalt, des Selbsthasses und der Anklage, die Lisa Nielebock als intensives und sensibles Kammerspiel zeigt.

Mit Torsten Flassig, Manja Kuhl, Uwe Zerwer

Regie: Lisa Nielebock
Bühne: Oliver Helf
Kostüme: Sofia Dorazio Brockhausen
Musik: Thomas Osterhoff
Dramaturgie: Alexander Leiffheidt
Licht: Frank Kraus
Choreografie: Esther Murdock

1 Kritik

4.0 von 5 Sterne
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Wie der Vater, so der Sohn?
3 Tage her.
Kritik

''2018 kann der Vater mit Anfang fünfzig fast nicht mehr gehen. Er benötigt nach einem nicht näher beschriebenen Arbeitsunfall, bei dem seine Wirbelsäule schwer verletzt oder zerschmettert wurde, nachts Geräte, um Luft zu bekommen. Er keucht, leidet unter Diabetes und erhöhtem Cholesterin, hat chronische Schmerzen und Angst vor einem Herzstillstand. Erinnerungen an die eigene Verletzlichkeit und Schwäche kommen hoch.

Die sehr persönliche Zeitgeschichte ist stets auch mit Emotionen wie etwa Scham verbunden, die die Akteure in Worte fassen. Von der Mutter erfährt der Sohn, dass sein Vater als junger Mann Parfüm auftrug und leidenschaftlich tanzte. Wir sehen auf der Bühne mehrfach den Sohn in bewegenden Szenen schwelgerisch und innig tanzen (Choreografie: Esther Murdock), einmal mit einem voluminösen Reifrock und einmal zärtlich mit einer Gitarre als Partner. Später trägt die Mutter diesen Reifrock (Kostüme: Sofia Dorazio Brockhausen). Sie emanzipiert sich von ihrem Mann.

Letztlich kreist die Aufführung, welche die Textvorlage stark kondensiert, recht hellsichtig um die Komplexe Beschämung, Familie und soziale Brutalität in einer homophoben Gesellschaft. Der Autor Édouard Louis positioniert sich politisch, wenn er unter anderem auch eine Kluft zwischen Besitzenden und Mittellosen problematisiert. Denn obwohl der Titel der Kurztextes und der Aufführung, im Original: Qui a tué mon père, einen Tod suggeriert, ist dies im übertragenen Sinne als Anklage gegen das politische System und die soziale Gewalt zu verstehen, die einen Vater körperlich und seelisch zerstört haben. Der Vater von Édouard Louis, Jacky Bellegueule, lebt zum aktuellen Zeitpunkt wohl noch. Am Ende stehen neben einem Gestus der Trauer aufgrund unterdrückender patriarchaler und heteronormativer Gesellschaftsstrukturen auch versöhnliche Töne. Die Figuren begreifen, dass Gefühle zu zeigen nichts Unmännliches sein muss. Der Sohn gesteht, dass er an seinen Vater zuletzt stets vor allem mit Liebe gedacht habe.'' schreibt Ansgar Skoda am 6. Januar 2026 auf KULTURA-EXTRA

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