Kritik
''Wir haben es also in der Gerzenberg'schen Verunstaltung des Hauff'schen Originals mit mindestens drei begehrlichen Protagonistinnen zu tun, die jeweils scharf auf Peters Herz sind: a) der Gehelfsmännin Azaël, b) der Göttin Anubis und c) Peters leibhaftiger Mutter; alle drei agieren mit demgleichen Ziel, und das Ganze lässt sich - nach meinem laienhaften Stückverständnis - nur mit einem pathologischen Sekten-Verhalten in Verbindung bringen; je 2 mal 7 Statistinnen und Statisten verkörpern selbige dann auch in Gestalt von a) den bisher mit demselben "Problem" betroffenen Müttern und b) ihren diesbezüglich geopferten Söhnen... Alles klar soweit?
Die per Übertitel ausgewiesenen Textpassagen waren/ sind dann eigentlich des Lesens nicht weiter wert, die meisten Sprachbilder stimmen nicht, es gibt unendliche Wiederholungen von immer wieder dengleichen Plattitüden, die das pseudolyrische Konstrukt "intellektuell" und sprachlich so an- wie aufzubieten hat; und einigermaßen vernünftig nacherzählbar ist der grauenhafte Unsinn letzten Endes auch nicht.
Ganz anders verhält es sich mit Pintschers Musik: Die hat was total Raumgreifendes, obgleich ihr fast durchgängiges Lamento im allerschönsten Waldfruchttee-Sound, je länger sie sich hinzieht, auf die Dauer nervt - allein die alleskönnerische Staatskapelle Berlin kam mit der gewaltigen Partitur (für großes Orchester mit größtmöglichem Schlagwerk) perfekt zurecht; als ob der Pintscher es exklusiv für sie komponiert hätte.
Die drei Frauen-Hauptfiguren (Sophia Burgos als Clara, Rosie Aldridge als Anubis und Katarina Bradić als Mutter) werden stimmlich gefordert, stellenweise sogar überfordert, sind also permanent in exaltistischster Aktion. Dasselbe muss und kann von Samuel Hasselhorn (!) behauptet werden; der stand in der Tat seine kraftzehrende Peter-Partie mit Anstand und Würde durch.
Pintscher dirigierte sein Opus höchstselbst.
Die Inszenierung von James Darrah Black trug wenig zur Enträtselung des an sich total verrätselten Librettos bei.
Zu beobachtende Fluktuationen während der Aufführung.
Auffällige Beifallsbekundungen am Schluss; ich vermutete Claqueure, war mir allerdings nicht sicher.
Im Ganzen empfand ich die teure Chose als hohles Pathos.'' schreibt Andre Sokolowski am 12. Januar 2026 auf KULTURA-EXTRA