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Bewertung und Kritik zu

SIEBEN SEKUNDEN EWIGKEIT
von Peter Turrini
Regie: Stephanie Mohr
Premiere: 22. September 2017 
Renaissance Theater, Berlin

Zum Inhalt: In den 30er und 40er Jahren galt Hedy Lamarr als „die schönste Frau der Welt“. Allerdings kam die junge Wienerin mit dem Ruhm eines Skandals nach Hollywood: Man schrieb das Jahr 1933, da hatte in dem tschechischen Film „Extase“ eine junge Frau im See gebadet, ist hüllenlos auf die Wiese gelaufen und hatte sich plötzlich im Wald einem Mann gegenübergesehen. Mit dieser Szene als „erste Nackte der Filmgeschichte“, die exakt sieben Sekunden dauert, ist sie berühmt geworden. 

mit Sandra Cervik

Regie: Stephanie Mohr
Bühne: Miriam Busch
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Musik: Wolfgang Schlögl
Licht: Manfred Grohs

Spieldauer ca. 1 Stunde und 30 Minuten, keine Pause

Ein Gastspiel des Theaters in der Josefstadt, Wien. Premiere im Theater in der Josefstadt, Wien, am 12. Januar 2017. 


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
2 von 2 Personen fanden die Kritik hilfreich
Paraphrase über ein Leben
  · 24.09.17
Das Berliner Renaissance-Theater hat bei der Spielplangestaltung eine glückliche Hand. So wird die Reihe der erfolgreichen Eigenproduktionen durch gelegentliche Importe aus anderen Theatermetropolen ergänzt, die interessante Einblicke in die dortige Szene ermöglichen. Jetzt wurde vom Wiener „Theater in der Josefstadt“ die Uraufführungsinszenierung  von Peter Turrinis Stück über den Hollywoodstar Hedy Lamarr mit dem Titel „Sieben Sekunden Ewigkeit“ übernommen, die dort im Januar dieses Jahres erstmals zu sehen war. 

Turrini gestaltet diese ausführliche Lebensbeichte der einstmals „schönsten Frau der Welt“ nicht als akribische Dokumentation, sondern eher als intelligente, poetische Paraphrase über ein Leben, das an reizvollen Momenten ebenso reich war wie an der  von Whiskydunst geschwängerten resignativen Einsamkeit des Alters. Das Einpersonenstück lebt im wesentlichen von der bemerkenswerten Gestaltungskraft der Schauspielerin Sandra Cervik. Sie kann der Figur Hedy Lamarr nicht nur suggestive Präsenz geben, sondern den Text ihrer Rolle auch anderthalb Stunden lang mit brillanter sprachlicher Artikulation bis in die letzte Reihe verständlich machen.

Die Bühne wird anfangs durch einen Szenenvorhang verdeckt, auf den technische Zeichnungen zur Erläuterung des Frequenzsprungverfahrens projiziert werden, das Hedy Lamarr zusammen mit dem Musiker George Antheil im Jahre 1940 zum USA-Patent für die störungsfreie Steuerung von Torpedos entwickelt hatte und dessen Prinzip noch in den heutigen Smartphones Anwendung findet. Später öffnet sich die Bühne und gibt den Blick frei auf eine Rampe, zu deren Seiten verschiedene Schaufensterpuppen mit Perücken und Kostümen aus Hedy Lamarrs Rollenrepertoire zu sehen sind. Die Rückwand der Bühne wird als Projektionsfläche für Filmausschnitte genutzt. Das Bühnenbild stammt von Miriam Busch, die Regie führt Stephanie Mohr. 

Hedy Lamarr hiess eigentlich Hedwig Eva Maria Kiesler und heiratete den reichen Wiener Waffenhändler Fritz Mandl, der das jüdische Mädchen zum katholischen Glauben übertreten liess. 1933 trat sie in dem Film „Ekstase“ mit einer Nacktszene, jenen „sieben Sekunden Ewigkeit“, in Erscheinung und löste einen Skandal aus.  Vor der Herrschsucht ihres Gatten floh sie zunächst nach London, wo sie den Filmregisseur Louis B. Mayer kennenlernte. Der nahm sie für MGM unter Vertrag und gab ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr. Viele Filme folgten, in denen sie als „schönste Frau der Welt“ vermarktet wurde, der letzte 1958. Sie war insgesamt sechsmal verheiratet, lebte sexuell freizügig und hatte zahlreiche Affären. Die späten Jahrzehnte bis zu ihrem Tode im Jahre 2000 verbrachte sie zurückgezogen in Altamonte Springs, Florida. 

Peter Turrini geht in seinem Stück mit den Details von Lamarrs Leben recht freizügig um. Er lässt sie quasi eine Lebensbeichte gegenüber einem fiktiven Polizisten ablegen, den sie bittet, nach ihrem Tode ihre Asche in der Wiener Höhenstrasse zu verstreuen, wohin sie behauptet mit zwölf Jahren geflohen zu sein, um antijüdischen Pogromen im slawischen Raum zu entgehen. In ihrer Schlußvision empfängt Gott sie an der Pforte des Paradieses und bietet ihr ein Glas Whisky an. 

Das Publikum folgt der lebendig vorgetragenen Erzählung gespannt und aufmerksam. Am Ende gibts langanhaltenden Applaus für die geschlossene, überzeugende schauspielerische Leistung von Sandra Cervik. 

http://roedigeronline.de
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