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Bewertung und Kritik zu

EXTRAWURST
von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob
Regie: Guntbert Warns 
Premiere: 14. Dezember 2019 
Renaissance Theater, Berlin 

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Zum Inhalt: Eigentlich ist es nur eine Formsache: Die Mitgliederversammlung eines Tennisclubs in der deutschen Provinz soll über die Anschaffung eines neuen Grills für die Vereinsfeiern abstimmen. Normalerweise kein Problem - gäbe es nicht den Vorschlag, auch einen eigenen Grill für das einzige türkische Mitglied des Clubs zu finanzieren. Denn gläubige Muslime dürfen ihre Grillwürste bekanntlich nicht auf einen Rost mit Schweinefleisch legen.
Eine gut gemeinte Idee, die ebenso respektlos wie komisch Atheisten und Gläubige, Deutsche und Türken, "Gutmenschen" und Hardliner frontal aufeinander stoßen läßt. Und allen wird schnell klar: Es geht um viel mehr als einen Grill...

mit Simone Thomalla, Atheer Adel, Hansa Czypionka, Christoph M. Ohrt, Felix von Manteuffel

Regie: Guntbert Warns
Bühne: Manfred Gruber
Kostüme: Felina Warns, Polly Warns


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
3 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Vom Recht auf den eigenen Grill
  · 15.12.19
Das Stück ist eine intelligente Paraphrase über gesellschaftliche Antagonismen. Oder verständlicher ausgedrückt: hier werden Alltagsgegensätze mit Schwung auf die Schippe genommen. Die Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob,  2019 in Hamburg uraufgeführt und jetzt unter der Regie von Guntbert Warns im Berliner Renaissance-Theater zu sehen, spielt im Versammlungsraum des Tennisvereins TC Lengenheide, dessen Mitgliederversammlung gerade ein paar weittragende Beschlüsse fassen soll. Manfred Gruber baut der Auseinandersetzung eine Bühne, auf der sowohl der Vereinsmuff wie ein begrenzter Gesichtskreis trefflich abgebildet sind, von der Holztäfelung der Wände bis zu den hochgesetzten Borden, auf denen die Vereinstrophäen in Gestalt zahlloser Pokale Platz finden. 
Der verbale Schlagabtausch innerhalb dieser diskussionstechnischen Sahneschnitte entzündet sich an der Frage, welcher Gasgrill als Nachfolger eines ausrangierten Vorläufers angeschafft werden soll. Denn unter den ambitionierten Mitgliedern des Tennisvereins ist auch Erol Oturan (Atheer Adel), ein Muslim mit türkischen Wurzeln. Vereinsmitglied Melanie Pfaff (Simone Thomalla) gibt zu bedenken, dass man Erol angesichts der muslimischen Speisevorschriften wohl nicht zumuten könne, Würste von einem Grill zu essen, der zuvor, horribile dictu, durch Schweinefleisch belastet worden ist. Nun geraten der Vereinsvorsitzende Dr. Heribert Bräsemann (Felix von Manteuffel), sein Vize Matthias Scholz (Hans Czypionka), und Melanies Gatte Torsten Pfaff (Christoph M. Ohrt) an immer neuen Dissenspunkten gehörig aneinander, wobei die Pointen zum Vergnügen des Publikums gut gesetzt sind und ordentlich knallen. Ein ganzer Strauß von Vorurteilen wird zum Nutzen der Handlung aufgeblättert, und verschiedene Religionen bekommen ebenso ihr Fett weg wie die Essgewohnheiten von Vegetariern, die Eigenschaften von Schwulen oder die Einstellungen notorischer Nazis. 
Nachdem die Fetzen geflogen sind und die einzige Tür  ordentlich geknallt hat, setzen sich die Akteure nacheinander ab, weil offensichtlich die Bindung an den Verein trotz aller Entschuldigungen erheblich gelitten hat. 
Das Publikum geniesst das Feuerwerk der wiederholten Beleidigungen und bisweilen blitzgescheiten Repliken mit hörbarem Vergnügen und spendet am Ende sämtlichen Darstellern und dem Regieteam fröhlich anerkennenden Applaus. 

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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2 von 6 Personen fanden die Kritik hilfreich
Boulevard mit politischem Anspruch
  · 15.12.19
''Zirka zwei Stunden wird da viel (zu viel!!) geplappert, alles dreht sich immer nur um dieses eine , und das Alles hört sich an wie'n Mega-Sketch, wobei das "mega" nicht etwa für "groß" will sagen "großartig", sondern für "breit" will sagen "breitgetreten" steht. Witzige Pointen sind total in Ordnung - wenn sie allerdings in Endlosschleife abgespult werden, verlieren sie an Sprengkraft und verkümmern ganz zuletzt zu einem Giga-Gähn.

Interessanter als interessant wäre - nach meinem unmaßgeblichen Privatgeschmack - gewesen zu erfahren, ob denn nun Atheer Adel (als Erol Oturan) mit Simone Thomalla (als Melanie Pfaff) außer im Tennisdoppel zu trainieren insgeheim auch noch gevögelt hätte; dieser schönste aller Generalverdachtsmomente schwang die ganze Zeit ja in dem Stücktext mit; ja und die beiden Sketchautoren hätten ihn ruhig kräftiger als kräftig mitverhandeln können. Schade eigentlich. Sonst war der Abend - außer mit den zwei bereits Genannten - nett, gefällig und gediegen durchgespielt.'' schreibt Andre Sokolowski am 15. Dezember 2019 auf KULTURA-EXTRA
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Spieglein, Spieglein an der Wand...
  · 17.02.20
…ich habe mein Gesicht erkannt. So oder ähnlich könnte man resümieren, wenn man sich das großartige Theaterstück „Extrawurst“ angesehen hat. Ein Tennisverein beschließt auf seiner Mitgliederversammlung die Anschaffung eines neuen Vereinsgrills. Ein harmloses Unterfangen könnte man meinen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Frage aufkommt, ob man nicht für Muslime einen zweiten Grill bräuchte. Was eigentlich keine große Sache ist, dynamisiert sich durch ein exzellentes Wortmatch und fünf wunderbare Darsteller. Der Zuschauer folgt gespannt den Dialogen und tief im Inneren ergreift er selbstverständlich Partei für denjenigen, der „seine“ Meinung vertritt, denn jeder der fünf Vereinsmitglieder hat natürlich seine eigene Auffassung von Integration, Toleranz, und Akzeptanz. „Extrawurst“ ist eine intelligente, politische Komödie, während der jedem Besucher subtil der Spiegel vor das Gesicht gehalten wird. Am Ende muss man sich fragen, ob die eigene Auffassung wirklich die wahre und richtige ist, oder ob man sich nicht vom Strom der Gesellschaft mit all ihrer Spießigkeit hat mitreißen lassen. Diesen sensiblen Stoff aus der Feder von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob in eine unterhaltsame Komödie zu packen ist eine Meisterleistung des Regisseurs Guntbert Warns. Mit perfekten Übertreibungen machen die großartigen Protagonisten Simone Thomalla, Christoph M. Ohrt, Felix von Manteuffel, Hans Czypionka und Atheer Adel sehr lehrreich klar, in jedem steckt etwas von jedem. Welcher Typus Mensch man sein will muss jeder für sich selbst entscheiden, doch am Ende bleibt die Chance, es besser zu machen, „andere“ Menschen zu akzeptieren, tolerant zu sein, ohne sich als das Maß aller Dinge zu sehen. Am Ende sind wir alle individuelle Wesen und jeder hat das Recht so zu leben, zu glauben und zu lieben, wie er selbst es für richtig hält und jeder hat die Pflicht, jedem dieses – sein – Recht einzuräumen. „Extrawurst“ hat mich begeistert, die hervorragenden Schauspieler, die tolle Bühne und ein Drehbuch, das einerseits sehr lustig umgesetzt wurde und doch zum Nachdenken zwingt. Es ist ein Stück, das man gesehen haben sollte und sehr zu empfehlen ist.
Tom Mikow
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