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Bewertung und Kritik zu

MARIAS TESTAMENT 
von Colm Tóibín
Regie: Elmar Goerden 
Premiere: 22. Oktober 2019 
Renaissance Theater, Berlin 

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Zum Inhalt: Eine Mutter erzählt die Tragödie ihres Lebens. Sie erzählt von der Entfremdung, vom Tod ihres einzigen Sohnes und sie erzählt dies alles auf ganz und gar persönliche Weise, aus der Perspektive ihrer eigenen, individuellen Erfahrung.
Maria ist, in der Erzählzeit des Stückes, mittlerweile eine alte Frau, hadert mit düsteren Erinnerungen und merkt, dass sie belauert wird. Zwei sehr zudringliche Jünger Jesu suchen sie in ihrem Haus auf, fragen sie nach den Ereignissen im Leben Jesu aus, die sie doch aus nächster Nähe erlebt haben muss: Die Wunder, die er vollbrachte, den Märtyrertod am Kreuz, den er erlitt, die Wiederauferstehung. All jene Ereignisse also, aus denen in der Überlieferung der Evangelisten der zentrale Teil des Neuen Testaments besteht. Maria bestätigt den biblischen Sinn dieser Ereignisse keineswegs.
MARIAS TESTAMENT ist ein mutiger Gegenentwurf des Neuen Testaments. Der irische Schriftsteller Colm Tóibín nimmt sich die literarische Freiheit, eine Wahrheit zu erzählen, die sich auf der Rückseite der Bibel ereignet.

mit Nicole Heesters

Regie Elmar Goerden
Bühne Elmar Goerden
Kostüme Lydia Kirchleitner


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Ganz von dieser Erde
  · 23.10.19
Ein in vieler Hinsicht ungewöhnlicher Theaterabend. Der irische Schriftsteller und Literaturkritiker Colm Tóibín veröffentlicht 2012 seinen Roman "The Testament of Mary", der Regisseur Elmar Goerden macht daraus eine Bühnenfassung, die 2018 in den Hamburger Kammerspielen Premiere  hatte und nun ein paar Abende lang auch im Berliner Renaissance-Theater zu sehen ist. Alleinige Darstellerin des anderthalbstündigen Monologs ist die inzwischen über 80jährige Nicole Heesters. Aber damit nicht genug der Besonderheiten: das Sujet rührt ans Allerheiligste und ist gewissermaßen ein Gegenentwurf zu den Überlieferungen des Neuen Testaments. Maria, die Mutter Jesu, gibt einen Bericht von Höhepunkten ihres Lebens, und sie tut dies ohne weihevolles Wortgeklingel, als einfache Frau und Mutter, die ganz von dieser Erde ist und allen Überhöhungen gründlich abhold.

Maria erscheint hier als eindimensionale Persönlichkeit und erlebt die Karriere ihres Sohnes inmitten der "Horde" seiner Jünger aus der Distanz eines schlichten Geistes, dem die Dimension des Göttlichen einigermaßen fremd bleibt. Desto ursprünglicher und lebendiger haften ihr die Details aus dem Leben Jesu im Gedächtnis, die wir aus der Überlieferung des Neuen Testaments kennen. Und es geschieht etwas ganz Merkwürdiges: in der Darstellung aus dem Munde dieser Frau bekommen ihre Schilderungen, frei von aller Blasphemie, eine gesteigerte Glaubwürdigkeit und Unmittelbarkeit.

Wir werden Augen- und Ohrenzeugen höchst seltsamer Ereignisse: der Erweckung des Lazarus, nachdem dieser vier Tage im Grabe gelegen hat, der Hochzeit zu Kanaa, wo Jesus sechs Krüge Wasser in Wein verwandelt, und schliesslich die Kreuzigung, wo Maria die Schmerzensschreie ihres Sohnes in grausamer Nähe miterlebt und sich davonstiehlt, als die brutalen Eindrücke übermächtig werden.

Das Ergebnis ist keineswegs ein Zerrbild der Überlieferung, sondern eher ein Gewinn an Wahrhaftigkeit.

Der Abend gehört natürlich Nicole Heesters und ihrer darstellerischen Kunst, die mit äußerster Ökonomie der Gesten und Gänge die Spannung hält und den Zuschauern ihre überaus prägnanten persönlichen Erfahrungen vermittelt. Im ausführlichen, dankbaren Schlußapplaus kulminiert die Bewunderung des Publikums für eine Leistung, die allein  für sich genommen schon hervorhebenswert ist und alles Befremdliche, Würdelose vergessen lässt. Auch wenn man vielleicht zögert, Marias finale These anzunehmen, dass die Welt es nicht wert sei, erlöst zu werden.

Horst Rödiger
https://roedigeronline.de
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1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Grandioses Schauspiel
  · 23.10.19
''Wie Nicole Heesters das macht, ist nicht wirklich erklärbar. Hier kommen Persönlichkeit und Können aufs Beste zusammen. Im Gesicht kann sie scheinbar in ein und demselben Augenblick die unterschiedlichsten Regungen spiegeln: Trauer, Angst, Zorn, Wut, Zweifel, Liebe, Ekel, Abscheu, Verstörung. Dabei – wie wohltuend! – arbeitet sie kaum mit lauten Momenten. Das Leise dominiert. Und dann die Körpersprache! Hände, Füße, Brustkorb, Arme, Beine – alles setzt sie ein und zeigt dabei vor allem die Verstörung einer Frau, die vieles, zu vieles, nicht versteht, die sich fragt, deren Suche nach Wahrheit im Dunkel von Vermutungen, Versäumnissen und Verwerfungen ins Straucheln gerät.

Die größten Momente dieses Abends höchster Schauspielkunst sind die der Stille. Einmal etwa streichelt die Mutter gedankenverloren einen Hocker, auf dem der Sohn wohl einmal als Kind gesessen hat – "unser Sohn", wie sie sagt – "von dem ich den Namen nicht aussprechen kann." Man hätte die gesamte Aufführung hindurch die berühmte sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Mehrfach spürte man, wie sich kollektiv eine Gänsehaut ausgebreitet hat. Am Ende: Jubel, schier endloser Beifall, Standing Ovations des gesamten Publikums. Zu Recht. Der Abend ist schlichtweg grandios. Derart hochklassiges Schauspiel gibt es derzeit in Berlin und Brandenburg kein zweites Mal!'' schreibt Peter Claus auf rbbKultur
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Anton Nisslich war in der Premiere und kann jedes Wort des Kritikers bestätigen. Grandios und einmalig im derzeitigen Berlin. Große Verbeugung vor Nicole Heuesters.
vor 9 Monat(e).AntwortenLink
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Nicole Heesters
  · 10.11.19
''Der Heesters macht es sichtlich Spaß, in ihre Rolle einer sich vom Jungfraumuttergottes-Zerrbild weg emanzipiert habenden "nachchristlichen" Frau unserer Tage einzufühlen. Dieser forsch zu uns daher gesproch'ne Monolog, der einen Großteil biblischen Behauptens zu (wie man es heute sagen würde:) Fake News abqualifiziert, hat sicher etwas Grenzwertiges hinsichtlich einer respektvoll abzuhandelnden/ abhandelbaren Religiösität; und der in ihm gewiss nicht idealisch schlummernde Versuch einer Katharsis insbesondere für Männer, die in diesem Stück zudem beinahe überreichlich jede Menge Fett abkriegen, wirkt schon etwas überspannt. Doch nichts für ungut:

Heesters macht - kraft ihrer schauspielernden Autonomität - aus Allem und aus Allen was; die deutsche Bühnenfassung stammt im Übrigen von Elmar Goerden. Tosende Begeisterung eines doch überproportional mit Altersweisheit (so wie Heesters) ausgestatteten Berliner Publikums.'' schreibt Andre Sokolowski am 10. November 2019 auf KULTURA-EXTRA
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