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Bewertung und Kritik zu

LIEBER SCHÖN 
von Neil LaBute
Regie: Folke Braband 
Premiere: 10. Januar 2016 
Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater, Berlin

Es sind die inneren Werte, die zählen – sollte man meinen – doch natürlich auch die eine oder andere Äußerlichkeit. Denn jeder will gut aussehen und keinesfalls „normal“. So beschreibt aber Greg seine Freundin Steph dem Machofreund Kent gegenüber und löst damit einen riesigen Streit aus. Denn für Steph ist das kleine harmlose Adjektiv eine Katastrophe, weil in ihren Augen „normal“ gleich „hässlich“ ist. Tief verletzt packt sie ihre Sachen und zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus. Greg versteht die Welt nicht mehr.

mit Oliver Mommsen, Tanja Wedhorn, Roman Knižka und Nicola Ransom

Regie: Folke Braband
Bühne: Tom Presting
Kostüm: Anna Meerwein


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erst einmal wird geschrien. minutenlang. greg (oliver mommsen mit dem hundeblick) wird von steph (tanja wedhorn mit den eisblauen augen) attackiert. "du, arschloch"! 
das "verbrechen": greg hat gedankenlos stephs gesicht als nur "normal" bezeichnet, während kollege kent (roman knizka) ihm von der neuen scharfen kollegin vorgeifert, die, mit dem wahnsinns-gesicht (und dem wahnsinns-hintern).
steph dreht nun auf und kriegt sich gar nicht mehr ein. ihre wut ist leider nur schwer nachzuvollziehen. die maßlosen beschimpfungen in richtung personal softie sind unverhältnismäßig, zumal sie selbst respekt einfordert, natürlich lautstark. mommsens hundeblick überträgt sich sofort auf seine rolle greg. der nun hinnehmen muss, dass die radikale steph ihn verlassen wird. wedhorn als radikale steph bleibt die kontrollierte zicke mit den prinzipien. auch wenn sie zwischendurch sehnsüchelt nach ihrem smartie, anhänglich wird. aber steph bleibt emotional konsequent, räumt die gemeinsame bude leer, stolziert in einem knallroten röckchen zu einem neuen date, protzt in richtung greg mit dem verlobungsring. der nimmt den lauf der dinge letzlich hin, zum kämpfer nicht wirklich geboren. und genau das zerreißt seine steph am ende. und das ist dann wirklich berührend. und wahr.
doch es geht nicht nur um steph und greg, sondern auch um kent und carly (die vornamen aus der englischen vorlage von neil labute wirken seltsam. oder kennt jemand aus dem alltag einen kent, eine carly?).
knizka muss jedenfalls den machokotzbrocken kent geben und kniet sich angespannt-unwohl in die rolle. natürlich muss er mal im pausenraum einen playboy aufklappen, über ärsche und schwänze dozieren. unterirdisch wird es, als er unbedingt aufs klo will und greg (und uns) darüber informieren muss mit dem bah-witz "ich muss mal einen neger abseilen". auch, dass er greg immer wieder anfährt als "schwuchtel", ist unangenehm und fördert eine geschmacklose sprachkultur.
ich bin nicht zimperlich, aber die derb-dichte in "lieber schön" war mir zu heftig und der story auch nicht dienlich. wenn ich an die bitterbösen dialoge in "dämonen" an der schaubühne denke oder an die gefährlichen in "verrücktes blut" im gorki, diese waren in ihren grenzen authentisch, nachvollziehbar und damit wichtig.
"lieber schön" in der komödie will irgendwie jung sein und frisch und modern und temporeich. und atmet dann doch konstruiertes drama. publikumsliebling mommsen trägt die geballten pärchenschmerzen tapfer und charmant durch die 100 minuten (eine pause), grenzt sich halbherzig von irgendwiedoch-ekel kent ab (kumpel oder nicht?), versucht carly und steph nicht (weiter) zu verletzen und ist somit der, dem man/frau folgen will in diesem doch aufgebauschten konflikt.
neil labutes vorgänger "fettes schwein" hatte mich wirklich berührt, "lieber schön" schafft das nur ab und zu. auch in "eine familie" im theater nebenan ging es schon derb zur sache, so, dass man lieber flüchten möchte, weil es peinlich wird beim zuschauen statt intensiv. 
die neue offenheit am gemütlichen kudamm? um jeden preis?
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Liebesbeziehungen und Freundschaften haben eins gemeinsam: Im Laufe der Zeit verändern sie sich, weil wir uns selbst auch weiterentwickeln. Und da ich mich sowohl in einer langen Beziehung befinde als auch Freundinnen habe, mit denen ich länger als zehn Jahre befreundet bin, interessierte mich die Wiederaufnahme der Beziehungskomödie „Lieber schön“ in der Komödie am Kurfürstendamm sehr.
Am Freitag, den 10. November 2017, besuchte ich „Lieber schön“ von Neil LaBute, der zu den meistgespielten Autoren der Gegenwart gehört und dessen Beziehungskomödie das erste Stück ist, das den Sprung vom Off-Broadway an den Broadway schaffte und 2009 sogar für drei Tony Awards nominiert war. Regie führt Folke Braband. Es versprach also ein großartiger Abend zu werden und das wurde es auch.
In „Lieber schön“ sehen wir vier verschiedene Beziehungen auf der Bühne. Greg, der manchmal durcheinander wirkende Bücherwurm, und Kent, der egomanische Macho, arbeiten nicht nur gemeinsam als Produktionshelfer in einer Chipfabrik, sondern sind auch beide miteinander privat befreundet. Trotz der Gegensätze funktionierte ihre Freundschaft offenbar früher ganz gut, doch bekommt ihre Freundschaft Risse, als Greg Kents Affäre mit der neuen Kollegin verheimlichen soll.
Greg hat schließlich genug eigene Probleme: Seine langjährige Beziehung zu Steph liegt in Scherben, weil er in einem Männergespräch mit dem Chauvi Kent gesagt hat, dass Steph ein normales Gesicht habe, das die verletzte Steph mit hässlich gleichsetzt.
Von Gregs Meinung über ihr Aussehen erfährt Steph von Carly, ihrer besten Freundin, die sich in einer auf den ersten Blick glücklichen Beziehung mit Kent befindet. Ein Chaos jagt also das nächste.
Ich habe an diesem Abend oft Tränen gelacht und bei Szenen, die meinem Leben ähnelten, lautstark applaudiert. Den Cast hätte man für diese Beziehungskomödie nicht besser aussuchen können.
Oliver Mommsen spielt perfekt den überforderten Greg, dessen geordnetes Leben vollständig aus den Fugen gerät. Was mir besonders an diesem Darsteller gefallen hat, dass er öfters auf die Reaktion im Publikum reagiert hat. Wenn Ihr das Theaterstück seht, wisst Ihr, was ich meine. Viele Lacher waren hier garantiert.
Tanja Wedhorn brilliert in ihrer Rolle als verletzte Friseurin Steph, die trotz ihrer Enttäuschung über ihren Partner, nicht über ihn hinwegkommen kann. Besonders den an diesem Abend anwesenden Schulklassen dürfte ihre Rolle, die sehr viel auf der Bühne flucht, gefallen haben.
Roman Knižka geht in seiner Rolle des arroganten und des selbstverliebten Kent auf, deswegen kann man nicht anders, als die Figur zu hassen – oder zu bewundern, es kommt darauf an, wie man selbst gestrickt ist.
Und auch Nicola Ransom als die dominante Carly, die ihr Leben doch nicht im Griff hat, überzeugt auf ganzer Linie.
Mein Fazit: „Lieber schön“ ist eine wundervolle Beziehungskomödie, die die Phasen einer Liebesbeziehung und Freundschaft beleuchtet und den Zuschauer – egal welchen Alters - zum Lachen bringt. Das überzogene Schönheitsideal und das Streben nach Perfektion sind zwei weitere Themen des Theaterstücks, die in unserer Mediengesellschaft so aktuell wie nie zuvor sind. Ich habe an dem Abend herzlich gelacht, aber auch geweint und kann das Stück, das noch bis zum 26. November 2017 in der Komödie am Kurfürstendamm läuft, wärmstens empfehlen.
© E. Günther (''Mein Event-Tip'')
Wer weitere Kritiken von mir lesen möchte, der kann dies auf meiner Facebookseite oder auf meiner Webseite tun:)
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