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Bewertung und Kritik zu

HATE RADIO
von Milo Rau
 
Premiere: 1. Dezember 2011 
Hebbel am Ufer (HAU), Berlin 

Zum Inhalt: Ein Blick zurück auf den Völkermord. „Hate Radio“ ist ein Reenactment einer guten Stunde aus dem Sendestudio des kigalesischen Radiosenders RTLM während des Genozids an den Tutsi im April 1994. Nette Moderatoren, cooles Musikradio, dazwischen muntere Ansagen inklusive rassistischer Mordaufrufe. Alles ganz entspannt und hochauthentisch nachgespielt nach Originalquellen, Interviews und Gerichtsprotokollen von fünf ruandisch/belgischen Schauspielern.
Davor und danach kurze Statements von Opfern und Tätern, aber garantiert unpädagogisch und ohne VHS-Informationsanspruch. Wie überbrückt man den Abstand vom Heute in die noch junge Vergangenheit? Am besten gar nicht. Das International Institute of Political Murder macht ihn stattdessen produktiv. Milo Raus radikaler historischer Illusionismus verführt die Zuschauer gerade nicht, sich in die Köpfe der damaligen Täter und Opfer einzufühlen oder hineinzuverstehen wie in einen alten russischen Roman. Die Distanz bleibt bewahrt. Die historische Theaterinstallation sucht im Gegenteil die Konfrontation: Die Gegenüberstellung einer hinter Glas wie im Terrarium aufbereiteten Rekonstruktion mit heutigen Zuschauern. Dabei kann sich jeder im Publikum die entscheidende Frage selbst beantworten: Wie hätte man wohl damals reagiert auf den geballten Charme des Genozids?

Performance: Afazali Dewaele, Sébastien Foucault, Estelle Marion, Nancy Nkusi, Diogène Ntarindwa, Dorcy Rugamba und den Stimmen von Thomas Bading und Sven Tjaben

Buch und Regie: Milo Rau
Dramaturgie und Conceptual Management: Jens Dietrich
Ausstattung und Kostüme: Anton Lukas
Video: Marcel Bächtiger
Ton: Jens Baudisch


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Re-Enactment eines Propagandasenders
  · 22.05.20
In diesem Re-Enactment analysiert Milo Rau die Arbeitsweise und Mechanismen eines Propagandasenders. Eingebettet in ein harmlos anmutendes Programm aus Chart-Hits und Gute Laune-Moderationen hetzte RTLM gegen die Tutsi als "Kakerlaken" und bereitete dem Genozid in Ruanda 1994 den Boden.

In der ergänzenden SRF/3sat-TV-Dokumentation verfolgte Rau die Biographien von zwei der drei Studio-Redakteur*innen, die sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof verantworten mussten.
"Hate Radio" wurde zurecht zum Theatertreffen 2012 eingeladen, da dieser Abend ein gelungenes Beispiel aufklärerischen Dokumentartheaters ist.

Nachtkritik schrieb zur Premiere: Ein gut recherchiertes, höchst interessantes Anschauungsobjekt. Das unbedingt ins Theater gehört. Denn in dieser Laborsituation können sich Struktur und Prinzip des Bösen selbst entblößen, ohne Schock, ohne Hollywood-Geschichte, ohne Betroffenheit – nur durch Sprechen ins Mikrofon.
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