Bewertung und Kritik zu

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ISSON - ein solo für zwei Männer
cie. Toula Limnaios 
Wiederaufnahme: 12. September 2019 (Premiere 2003)
Halle Tanzbühne Berlin

Zum Inhalt: Das motiv des doppelgängers irritiert und fasziniert zugleich: sein auftauchen verwischt die grenzen zwischen dem ich und den anderen. Der doppelgänger hinterfragt vorstellungen von ähnlichkeit und differenz, problematisiert das subjekt und seine identität. Das stück wurde ursprünglich als solo für zwei frauen von lena meierkord und toula limnaios in zwei parallelen welten synchron getanzt und wird nun von zwei männlichen tänzern ihres ensembles umgesetzt.Isson ist den kontrasten gewidmet, der wirklichkeit und der illusion, dem licht und dem schatten, der unruhe und der ruhe. Zwei wirklichkeiten, die man nicht trennen kann. Der traum ist nicht die andere wirklichkeit, er gleitet über beide, erhellt oder verdunkelt sie. Schatten, eine düstere zone, die von undurchsichtigen körpern geschaffen wurde und die die strahlen einer lichtquelle bricht. Das undurchsichtige stellt sich gegen das vorüberziehende licht.
Jeder traurige und dunkle gedanke ist ein flüchtiger und vorübergehender gedanke, ein vergänglicher gedanke der angst. Jede unruhe der seele, jede schwarze melancholie ist illusion.

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VOLTO UMANO
cie. Toula Limnaios 
Premiere: 5. Juni 2019 
Halle Tanzbühne Berlin

Zum Inhalt: Aus dem kokon seiner gedanken über die innersten dinge, wendet sich ein mann in die gesellschaft, reflektiert brennende themen: das barbarische in der realität – ein wüten. die welt überschlägt sich in zeit, grausamkeit, zerstörung. fallen die menschen buchstäblich übereinander her?
In »volto umano« infiltriert gewalt die mikrogesellschaft der interpreten, sickert in und aus ihren körpern. das stück verkörpert, wie dünn die decke der zivilisation ist, wenn ethik und moral barbarei zum opfer fallen. »volto umano« offenbart die menschlichen schwächen und zielt dabei mitten ins herz der gegenwart, die sich zunehmend von der menschlichkeit entfernt. In einer überfordernden dynamik der modernen welt kann sich alles von einem zum anderen moment verändern und ins verhängnisvolle stürzen.

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SHIFTED REALITIES
cie. Toula Limnaios 
Premiere: 28. April 2019 
Halle Tanzbühne Berlin

Zum Inhalt: Zwei tänzer in ihrem jeweils eigenen raum, parallel nebeneinander, gleichzeitig und so nicht isoliert, nicht synchron, sondern in gegenseitiger beeinflussung. – eine überschreitung von raum und zeit, die eigenständigkeit ebenso wie transformation zulässt. der raum, in dem wir leben, ist kein vakuum, sondern verknüpft/ überschneidet sich immer mit den wurzeln, geschichten und dem leben eines anderen.

Mit dem doppel-solo schöpft sie mehr das potenzial des individuellen aus, voller gegenläufiger verweise und andeutungen. nach lukrez »erzeugen die dinge ihre eigene sichtbarkeit, indem sie ständig feine schichten ihrer äußeren hülle in den raum aussenden, die dann entsprechende abdrücke auf unserer netzhaut hinterlassen.

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DIE EINEN, DIE ANDEREN
Toula Limnaios 
Berliner-Premiere: 17. Oktober 2018
Halle Tanzbühne Berlin

Zum Inhalt: »die einen, die anderen« ist eine internationale kooperation der cie. toula limnaios mit der cia. gira dança. das stück, das in brasilien und berlin erarbeitet wird, ist eine reflexion über das körper-bild und inspiriert von foucaults radiovorträgen »der utopische körper«/»die heterotopien«. jeder mensch hat und wird einen körper haben, aber gleichzeitig ändert sich seine vorstellung mit der zeit, in der wir leben. er ist ausgangspunkt zur welt und verbindet uns mit ihr. zugleich ist er ort der sehnsucht, des begehrens und der phantasie, aber auch quelle des utopischen, das den blick auf seine gnadenlose realität und vergänglichkeit spiegelt.
In »die einen, die anderen« erleben vierzehn menschen, wie man den körper erfahren kann, nicht nur als gesellschaftliches und ökonomisches produkt von idealen und normen, wo der umgang mit dem körper als ware betrachtet wird oder idealbildern nacheifert und somit einer effizienz-maximierung unterwirft, sondern in seiner einzigartigkeit und individualität schätzt und der selbstentfremdung menschlichkeit, leidenschaft, leichtigkeit, poesie und liebe gegenüberstellt.

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