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Bewertung und Kritik zu

DAS WUNDER DER HELIANE
von Erich Wolfgang Korngold
Regie: Christof Loy
Premiere: 18. März 2018
Deutsche Oper Berlin
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Zum Inhalt: Erich Wolfgang Korngold sprach von seinem „Meisterwerk“: DAS WUNDER DER HELIANE fasst alles zusammen, was das Musiktheater Korngolds ausmacht – und geht in den Dimensionen noch einen Schritt darüber hinaus: eine riesige Partitur und Orchesterbesetzung, rauschhaftes Pathos und hochexpressive Harmonien, die mit den schillernden Farben der Polytonalität spielen – eine Musik von packender Dramatik und großer Sinnlichkeit. Die Hamburger Uraufführung 1927 war erfolgreich und über ein Dutzend weiterer Häuser setzten das neueste Werk des damals neben Richard Strauss meistgespielten Opernkomponisten auf ihre Spielpläne. So auch 1928 die Städtische Oper Berlin unter Bruno Walter, doch hier, wie auch an anderen Orten, blieb die Anerkennung aus: Intrigen spielten eine Rolle, aber auch der Vorwurf, mit dieser spätromantischen Partitur aus der Zeit gefallen zu sein. Mit dem von den Nazis verhängten Aufführungsverbot des jüdischen Korngold verschwand DAS WUNDER DER HELIANE gänzlich aus dem Repertoire – bis zum heutigen Tag. Die Geschichte vom eiskalten Herrscher ohne Liebesfähigkeit, dessen Frau Heliane, die sich einem dionysischen Fremden hingibt, und einem Volk, das auf ein erlösendes Wunder wartet, ist märchenhaft und zeitlos. 

Musikalische Leitung: Marc Albrecht
Inszenierung: Christof Loy

Bühne: Johannes Leiacker
Kostüme: Barbara Drosihn
Licht: Olaf Winter
Chöre: Jeremy Bines
Dramaturgie: Dorothea Hartmann, Thomas Jonigk


 
Meinung der Presse zu „Die Zauberflöte“ - Deutsche Oper Berlin


Die Welt

★★★★☆

Der Tagesspiegel
★★★★☆


Zitty
★★★☆☆

tip
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4.3/5 Insgesamt 7 Bewertungen (3 mit Rezension)
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Ein sehr spezielles Gottesurteil
  · 31.03.18
Erich Wolfgang Korngolds Opus 20 „Das Wunder der Heliane“ hatte seit der Hamburger Uraufführung 1927 weitaus geringeren Erfolg als seine 1920 vorgestellte Oper „Die tote Stadt“. Immerhin gab es 1928 eine „Heliane“-Aufführung unter Bruno Walter in der Städtischen Oper Berlin, der heutigen Deutschen Oper Berlin. Nimmt man hinzu, dass dort 1983 eine Inszenierung der „toten Stadt“ vom damaligen Intendanten Götz Friedrich zu sehen war, kann man davon sprechen, dass Korngolds Werke in diesem Hause stets eine besondere Aufmerksamkeit gefunden haben. Gleichwohl ist diese Aufführung der „Heliane“ eine reizvolle Rarität, die beim internationalen Opernpublikum entsprechende Resonanz findet.

Der Kern der Handlung im Libretto von Hans Müller-Einigen ist ein  im Grunde pubertärer Eifersuchtskonflikt, an dessen Kulminationspunkt das titelgebende „Wunder“ steht. Der Text mit seiner gestelzten, bisweilen gewollt überhöhten Kunstsprache atmet diesen rührenden, emphatischen Weltverbesserungsgeist mancher Autoren der Zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, der in den Dreissigern von der Geschichte dann so markant konterkariert und in der Weltkriegs-Katastrophe der Vierziger unwiderruflich zuschanden geritten wurde. Die Gratwanderung zwischen äusserster Stilisierung und purem Kitsch führt dabei auch zu gelegentlichen Grenzüberschreitungen. 

Regisseur Christof Loy erreicht an diesem Abend zwei widerstreitende Ziele: Er erzählt ohne Stilbruch einen durchaus spannenden Krimi und erreicht gleichzeitig eine bewegende Verklärung der Liebe. Seine Szene (von Johannes Leiacker) ist drei Akte lang ein repräsentativer, holzgetäfelter Gerichtssaal, in dessen Vordergrund lediglich ein schmaler Tisch und ein Stuhl stehen. 

Ein wesentlicher Vorzug von Christoph Loys Inszenierung besteht in der Fähigkeit des Regisseurs, die  Spannungen zwischen den handelnden Personen ebenso zwingend und unausweichlich dazustellen, wie er später im dritten Akt die Interaktionen zwischen Einzelpersonen und Gruppen des hereindrängenden Volkes fesselnd und bruchlos wiedergibt. Gleichrangig steht daneben die sorgfältige Einstudierung der Chöre durch Jeremy Bines. 

Der Herrscher eines totalitären Staates (Josef Wagner), dessen grausame und gemütskalte Haltung sich längst auf sein Volk übertragen hat, will einen Fremden (Brian Jagde) am nächsten Morgen hinrichten lassen, dessen aufgeschlossenes Wesen den Geist von Widerspruch und Rebellion verbreitet. Königin Heliane (Sara Jakubiak) hat sich ihrem Ehegatten bislang verweigert und kommt nun zu dem Fremden ins Gefängnis, um ihn zu trösten. Beide kommen sich rasch näher, und aus Wesensverwandtschaft entsteht Liebe. Diese geheimnisvolle Verbindung ist enger, als es die Beziehung zwischen König und Königin je gewesen ist. Gleichwohl sieht sich Heliane, vor Gericht gestellt, weder als Dirne noch als Ehebrecherin. Der Fremde begeht Selbstmord mit einem Dolch, den Heliane zuvor von ihrem rasend wütenden Gatten bekommen hat. Der verlangt nun von seiner Frau, sie solle als Unschuldsbeweis den Selbstmörder wieder zum Leben erwecken. Als Heliane tief zerknirscht ihre wahre Schuld bekennt, den Fremden wirklich geliebt zu haben, geschieht das Wunder: Der Fremde erhebt sich von seiner Bahre, rühmt in beredten Worten Freiheit und Liebe, um dann gemeinsam mit Heliane, von Licht umflossen, der Zukunft entgegenzugehen. 

Der zweite Vorzug dieser Inszenierung liegt in der darstellerisch wie stimmlich treffenden Besetzung der Solistenrollen. Neben Heliane, dem Herrscher und dem Fremden ist hier der Pförtner von Derek Welton zu erwähnen, dessen Schilderung der Wunderheilung seines Kindes durch Heliane an den Bericht Jochanaans von den Wundertaten Jesu in Richard Strauss’  „Salome“ erinnert. Okka von der Damerau ist die stramme Botin, einst kurzzeitig die Geliebte des Königs und noch heute seine Parteigängerin. Burkhard Ulrich gibt sehr überzeugend den blinden Schwertrichter, der den Prozeß der Urteilsfindung leitet. Gideon Poppe ist ein bebrillter skeptischer junger Mann, der alle Vorgänge aufmerksam verfolgt.

Dirigent Marc Albrecht läßt diese Handlung aus dem Glutfluss der Korngold-Partitur aufsteigen. Sein eminenter Klangsinn, der auch gelegentlich überlaute Fortissimi nicht scheut, verbindet musikalische Charakterzüge von Wagner, Richard Strauss, Ravel und Eduard Künneke mit - ja eben, mit Korngold zu einer durchgehend faszinierenden Klangschmelze. Selten hat man das Orchester der Deutschen Oper Berlin so homogen, in sämtlichen Instrumentengruppen so organisch und ohne Fehl agieren hören. 

Einhelliger, begeisterter Beifall für ein selten zu hörendes Werk, das wie eine Botschaft aus einer anderen Zeit wirkt. 

http://roedigeronline.de
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Auf höchster Flamme
  · 19.03.18
''Marc Albrecht als Dirigent ist hochbesetzt. Ich verstehe wieder nicht, weshalb sich GMD Donald Runnicles aus der Pflicht stiehlt. Korngolds Hauptwerk repräsentiert eine in Butter geschwenkte Spätromantik. Welche auf höchster Flamme heizt, heizt und wieder heizt.

So gut das Orchester unter Albrecht klingt – und so sehr dieser den Klang von außen zu kühlen sucht –, so sehr versäumt er es, den Kessel auch mal vom Feuer zu nehmen. Das wälzt sich auf höchster Flamme dreistündig vor sich hin. Es quillt und quillt wie das unerschöpfliche Töpfchen in Grimms Märchen. Man freut sich, wenn man rauskommt, dass es so kalt ist.

Die Aufführung ist eine echte Ausgrabung, zumal seit 1928, als das Werk schon mal hier war (unter Leitung von Bruno Walter), sich nie wieder ein so großes Haus dafür interessierte.

Man sollte nie erwarten, dass vergessene Werke pure Meisterwerke sind. Auch diese Ausbrabung kommt dreckig und verklumpt ans Licht – als hypertropher Brocken. Trotzdem allseitige Begeisterung! Weil eben doch irgendwie eine Kraft drinsteckt. Schon jetzt: die Ausgrabung der Saison.'' schreibt Kai Luehrs-Kaiser auf kulturradio.de
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Auferstehung, ohne Ende
  · 19.03.18
''Christof Loy reanimierte dieses obsessive Stück jetzt für die DOB. Der karge Großraum von Johannes Leiacker zeigt einen einheitsbühnenbildnerischen Saal im Rundum-Holzgetäfeltsein und, außer einem breiten Tisch und einem Stuhl, "mit ohne" Möbel. Schwarz (90 Prozent) und Weiß (10 Prozent) sind außerdem die Lieblingsfarben für die etlichen Klamotten, die sich Barbara Drosihn für diesen Mega-Opernschinken ausgedacht hat. 

Das Entdeckungswürdige verdankt das Werk ganz selbstverständlich seiner Korngold'schen Musik, die Dirigent Marc Albrecht hochgenussvoll-üppig und zugleich doch kammermusikalisch-ausgewogen von der Bühne resp. aus dem rauschigen Orchestergraben zu uns Hörende herübertransportiert. Fast pausenlos wird vom gesamten Personal laut-kräftig ausgesungen, ja und insbesondere der ab dem zweiten Akt hinzugevölkte Chor und Extrachor der Deutschen Oper Berlin (Choreinstudierung: Jeremy Bines) steigert sich mehr und mehr in Exzessivitäten; er wird gar zu einem Bollwerk, das sich selbst in regelrechte Rage singt! Der helle Wahnsinn alles das!! 

Sensationell die drei GesangsprotagonistInnen: 

Sara Jakubiak und Josef Wagner (= Heliane und Der Herrscher; also Königin & König) attackieren Brian Jagde (= Der Fremde; also unser Wanderer) - alle drei zum Abknien!!! 

Das Orchester der Deutschen Oper Berlin "zeigt" hochauthentisch, wie so Korngold klingt, so zwischen Frau ohne Schatten und Turandot und doch ganz eindeutig nach Erich Wolfgang Korngold! 

Nicht enden wollender Beifall. 

Irrer Abend.'' schreibt Andre Sokolowski am 19. März 2018 auf KULTURA-EXTRA
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