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Bewertung und Kritik zu

GOTT 
von Ferdinand von Schirach
Regie: Oliver Reese 
Premiere: 10. September 2020 
Berliner Ensemble 

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Zum Inhalt: Von April 2019 bis Februar 2020 diskutierte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine seit Jahren schwelende, unerlöste Debatte – den ärztlich assistierten Suizid. War dieser jahrzehntelang straffrei, führte eine Gesetzesänderung 2015 zu einer Rechtslage, die mehr Unklarheit als Klarheit produzierte und Ärztinnen und Ärzte, die mehr als einmal Suizidassistenz leisten, kriminalisierte. Nun aber steht fest: Der dafür verantwortliche Paragraph 217 des Strafgesetzbuches ist verfassungswidrig, denn: "Das allgemeine Persönlichkeitsrecht umfasst ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben. Dieses Recht schließt die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen und hierbei auf die freiwillige Hilfe Dritter zurückzugreifen. Die in Wahrnehmung dieses Rechts getroffene Entscheidung des Einzelnen, seinem Leben entsprechend seinem Verständnis von Lebensqualität und Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz ein Ende zu setzen, ist im Ausgangspunkt als Akt autonomer Selbstbestimmung von Staat und Gesellschaft zu respektieren." (Pressemitteilung Bundesverfassungsgericht).

Der Weg für die Legalisierung der Suizidassistenz ist frei, die ethische Debatte aber lang nicht beendet. Denn wie beweist man die Autonomie und Selbstbestimmtheit eines Suizidwunsches? Kann dieser nicht an die Grenzen der Glaubwürdigkeit und Beweisbarkeit stoßen, wenn ihn beispielsweise ein psychisch kranker Mensch äußert? Und lässt sich die Moral einer Gesellschaft so schnell umcodieren, so dass sie den Suizidwunsch eines gesunden Menschen akzeptieren kann? Ferdinand von Schirachs neues Stück "Gott" lässt im Setting einer fiktiven Sitzung des Deutschen Ethikrates die juristischen, ethischen und religiösen Argumente dieser höchst emotionalisierten Gesellschaftsdebatte in einen Dialog treten.  

Regie: Oliver Reese
Kostüme: Elina Schnizler
Bühne: Hansjörg Hartung
Dramaturgie: Tobias Kluge
Musik: Jörg Gollasch
Licht: Ulrich Eh, Arnaud Poumarat
Bratsche: Simone Jandl


DurchschnittsnoteSchreibe eine Kritik
1 von 1 Personen fanden die Kritik hilfreich
Verlangsamtes Spiel
  · 11.09.20
''Ein aufrüttelndes Thema, das Oliver Reese aber nicht annähernd so spannungsvoll auf die Bühne bringt. Ästhetisch betrachtet ein spröder Abend. Der Sitzungsraum besteht aus ein paar hohen Holzstufen, auf denen die Schauspieler den Abend über mit ihren Aktentaschen sitzen oder ein wenig hin und her tigern. Schirach gibt 90 Minuten als Spiellänge an, bei Reese sind es zwei Stunden – Grund ist das verlangsamte Spiel.

Zu hören sind keine hitzigen Wortgefechte oder emotional aufgeladene Bekenntnisse, sondern ein getragenes Sprechen mit vielen Pausen, durch das die Figuren wenig Kontur gewinnen. Es sind die klassischen Thesenträger. Selbst Josefin Platt als Elisabeth Gärtner bleibt einem überwiegend fremd. Das Stück hätte ohnehin ein paar Zuspitzungen und Kürzungen vertragen – Reese fügt hingegen ein paar redundante Sätze hinzu.

Trotzdem: Nach dem Schlussapplaus hörte man noch viele Zuschauer über diese ethischen Fragen diskutieren. Und das ist in diesem Fall die Hauptsache. Schirach schafft es eben doch, uns in die Verantwortung zu ziehen, uns eine Haltung abzuzwingen. Dass er das Theater als Verhandlungsort ethischer Fragen sieht, ist (dieser Tage) so ungewöhnlich wie großartig. Inszenieren müsste man es allerdings mit deutlich mehr Temperament und Lebendigkeit.'' schreibt Barbara Behrendt auf rbbKultur
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Hölzernes Thesenstück
  · 15.09.20
''Zuerst werden Ethikrat und Publikum lang und breit mit den verfassungsrechtlichen Grundlagen bekanntgemacht. Wobei es nicht nur um die Bedeutung des Gottesbezugs in der Präambel des Grundgesetzes geht, sondern auch um die Schutzbedürftigkeit des Lebens gegenüber der Autonomie und den Freiheitsrechten des Menschen. Ein Konfliktpotential, das auch in Coronazeiten oft bemüht wird. Ein Einblick in die Rechtspraxis liberalerer Nachbarländer rundet den wissenschaftlichen Vortrag ab. Spätestens bei den verschiedenen Arten des Suizids und der Suizidbeihilfe dürften aber einige aussteigen. Die Diskursarena wird zum Vorlesungssaal. Wer nicht steht und redet, sitzt rum und hört zu. Juristensprech eignet sich auch nur bedingt zur Entwicklung und Darreichung einer dramatischen Handlung, von der hier eh kaum die Rede sein kann.

Noch schlechter haben es der Mediziner und Geistliche getroffen. Nicht nur dass Ingo Hülsmann und Veit Schubert schlecht sitzende Perücken tragen müssen, während sie vom glänzenden Glatzkopf Martin Rentzsch juristisch und moralisch abrasiert werden, auch der Autor zeigt wenig Sympathie für die beiden Bedenkenträger in Sachen Sterbehilfe. Relativ süffisant und manieriert müssen sie ihre Phrasen vom Berufsethos und salbungsvollen Bibelsprüche zum Besten geben. Dem knöchernen Bischof wird hier in Sachen Moral wegen der bekannten Missbrauchsvorwürfe eh jegliche Glaubhaftigkeit abgesprochen. Viel ist von Dammbruch und ethischer Bankrotterklärung die Rede, auch die Euthanasie der Nazis und der Begriff „unwertes Leben“ werden bemüht. Dabei gerät der eigentlich betroffene Mensch, der in einem Schlusswort die Verweigerung des nötigen Medikaments für inhuman erklärt, fast in den Hintergrund. Was allerdings auch beabsichtigt sein könnte. Bevor sich das anwesende Publikum jedenfalls zu Tode langweilt, darf es am Ende über den Wunsch, ärztlich assistiert zu sterben, per Handzeichen abstimmen. Erwartet wird hier sicher ein mehrheitlich emotionales Pro, was in der Premiere auch der Fall war. Dass nicht nur mangels entsprechend spannender Dramaturgie auch mal gegensätzlich entschieden wird, was bei der besuchten Vorstellung für etwas Verwirrung beim Ethikrat sorgte, sollte nicht verwundern. Ebenso wenig wie die Ankündigung, dass von Schirachs Thesenstück bereits mit Starbesetzung verfilmt wird.'' schreibt Stefan Bock am 15. September 2020 auf KULTURA-EXTRA
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