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Glücklich die Glücklichen

Bewertung und Kritik zu

GLÜCKLICH DIE GLÜCKLICHEN – Berliner Ensemble

von: Yasmina Reza
Deutschsprachige Erstaufführung: 11. September 2026, Berliner Ensemble, Neues Haus

Künstlerisches Team

Regie:Oliver Reese
Bühne: Hansjörg Hartung
Kostüme: Elina Schnizler
Musik: Jörg Gollasch
Mitarbeit Musik: Laura Fischer, Hans Fründt
Licht: Johannes Nölting
Dramaturgie:
Künstlerische Produktionsleitung:

Besetzung

Cordelia Wege: Odile Toscano, Chantal Audouin, Hélène Barnèche
Gerrit Jansen: Robert Toscano, Philip Chemla
Martin Rentzsch: Ernest Blot, Rémi Grobe
Oliver Kraushaar: Raoul Barnèche, Darius Ardashir
Amelie Willberg: Loula Moreno, Virginie Déruelle, Paola Suares

Über die Inszenierung

Oliver Reese bringt Yasmina Rezas Roman „Glücklich die Glücklichen“ als vielstimmiges, präzise komponiertes Schauspiel auf die Bühne. Die Inszenierung verbindet intime Szenen, schnelle Perspektivwechsel und feine psychologische Beobachtungen zu einem Mosaik moderner Beziehungen.

Hansjörg Hartungs Bühne schafft einen offenen, wandelbaren Raum, der die verschiedenen Episoden miteinander verbindet und zugleich die emotionale Isolation der Figuren sichtbar macht. Elina Schnizlers Kostüme betonen die Charaktere und ihre sozialen Rollen.

Jörg Gollaschs Musik – unterstützt durch Laura Fischer und Hans Fründt – setzt atmosphärische Akzente und unterstreicht die emotionalen Brüche der Erzählung. Johannes Nöltings Licht moduliert die Übergänge zwischen Intimität, Komik und Melancholie.

Die Besetzung trägt die episodische Struktur mit großer Präzision: Jede Figur tritt in mehreren Rollen auf und zeigt unterschiedliche Facetten von Nähe, Verletzlichkeit und Selbsttäuschung.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– episodische, vielstimmige Erzählstruktur
– präzise psychologische Figurenzeichnung
– atmosphärische Musik- und Lichtgestaltung
– wandelbare, offene Bühnenarchitektur
– starkes Ensemble mit klaren Charakterprofilen

„Glücklich die Glücklichen“ wird hier zu einem fein beobachteten, emotional vielschichtigen Abend über Liebe, Selbstbild und die Sehnsucht nach Glück.

2 Bewertungen

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Im Wartesaal des Glücks
15 Stunden her.
Kritik

''Frauen scheinen hier immer wieder in sexuelle Abhängigkeiten und Verzweiflungs-Affären zu rutschen, während die Männer wie Raoul Barnèche ob eines Bridgespielfehlers seiner Frau erst einen Wutanfall bekommt und dann einen Nervenzusammenbruch erleidet. Als Macho-Machertyp Darius Ardashir darf sich Oliver Kraushaar als eitler Pfau spreizen, der seiner Frau ein eigenes Leben abspricht, während er eine Affaire nach der anderen hat. Sehr besonders auch die Darstellung des schwulen Arztes Philip Chemla durch Gerrit Jansen. Da verweben sich sexueller Missbrauch in der Familie, Sehnsucht nach Nähe und masochistische Gewalt-Obsessionen zu einer schwer erträglichen Mischung.

Immer wieder lässt Reese auch Figuren kurz stumm aufeinandertreffen, sich aber nie wirklich begegnen. Ein paar französische Chansons lockern den 2stündigen Abend etwas auf. Das ist hervorragend gespielt aber auch relativ erwartbar in seiner einfachen Dramaturgie. Am Ende sieht man wieder nur die Unmöglichkeit der bürgerlichen Zweierbeziehung und die unerfüllte Sehnsucht nach Liebe und Glück. Nicht viel Neues im Reza-Universum und am Berliner Ensemble. Da bleibt weiterhin alles beim Alten.'' schreibt Stefan Bock am 12. September 2026 auf KULTURA-EXTRA

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Redundante Prosa-Miniaturen über Tristesse des Pariser Bürgertums
1 Tag her.
Kritik

Aus dem Jahr 2014, als Reza ihren Zenith schon etwas überschritten hatte, stammt das Bändchen „Glücklich die Glücklichen“. Formal als Roman betitelt, handelt es sich um einen Reigen von Miniaturen. In kurzen Monologen reflektieren die Vertreter des Pariser Bürgertums, die Lieblings-Beschreibungsobjekte der Autorin, ihren Beziehungsstatus und ihre Alltagssorgen.

In den besten Fällen entstehen kleine Kabinettstückchen, in denen wieder die unverkennbare Reza-Atmosphäre glitzert und schillert. So z.B. in der Episode an der Käsetheke, an der ein so harmlos-alltäglicher Akt wie der Supermarkt-Einkauf von Robert Toscano zum Psychodrama mit seiner Gattin Odile bis an die Schwelle der Gewalt eskaliert. Reza begann ihren Reigen damit, Oliver Reese montierte diese Geschichte in die Mitte seiner Regie-Arbeit im Neuen Haus des Berliner Ensembles.

Ein zweites Kapitel hob die FAZ-Kritikerin Sandra Kegel in ihrer Besprechung damals besonders hervor: die seelischen Abgründe und Missbrauchs-Traumata des Onkologen Philip Chemla sezierte Reza in seinem Monolog über die Lust, sich von den Strichern im Bois de Boulogne benutzen zu lassen. Gerrit Jansen durfte beide genannten Figuren spielen und somit die prägnantesten Szenen des Theaterabends setzen.

Aus dem Rondo von 21 Prosa-Miniaturen hat der regieführende Intendant Reese 12 Geschichten ausgewählt, die im Wartehallen-Tristesse ausstrahlenden Bühnenbild (Hansjörg Hartung) aneinandergereiht werden. So unbehaust fühlen sich die Figuren auch in ihrem Leben. Die Short Cuts werden zum Teil mit Chansons verbunden, meist kommt jedoch einfach der neue Spieler durch eine Tür herein, während die vorherige Spielerin abgeht. Erst zum melancholischen Schlussbild sind alle fünf, die sich die 12 Monologe teilten, auf der Bühne versammelt.

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