All for one and one for the money

Bewertung und Kritik zu

ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY
Richard Siegal / Ballet of Difference
Premiere: 20. November 2020 
Schauspiel Köln 

Zum Inhalt: ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY ist die erste rein für den virtuellen Raum konzipierte Performance des US-Choreografen Richard Siegal. Es geht es um Gemeinschaft und Identitäten, ideelle und monetäre Werte im virtuellen Raum, um den Social Media Kapitalismus und nicht zuletzt um die digitale Einsamkeit unserer Zeit.

Bei Siegels neuester Arbeit ALL FOR ONE AND ONE FOR THE MONEY handelt es sich nicht um die Dokumentation eines Bühnenstückes, sondern um eine interaktive Arbeit, die für das digitale Medium selbst produziert wird.

Regie & Bühne: Richard Siegal
Choreografie: Richard Siegal und Das Ensemble Des Ballet Of Difference
Kostüme: Flora Miranda
Licht & Video: Matthias Singer
Musik: Lorenzo Bianchi Hoesch
Programmierung Website: Jean-philippe Lambert
Mitarbeit Regie / Dramaturgie: Tobias Staab
Produktionsleitung: Lukas Becker / Littlebit
Video-Stream / Digitale Umsetzung: David Peltzer, Jan Renschin, Lukas Müller / Audiluma


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Qualitätsprodukt durch Ironie-Metaebenen überlagert und entwertet
  · 04.12.20
Das Problem des knapp einstündigen Abends: er hat ein hervorragendes Qualitätsprodukt, das er wie Ramschware verscherbelt. Die Choreographie, die Siegal für den Stream 1 erarbeitete, ist ein ästhetischer Genuss: Dieser fängt bei den Kostümen von Flora Miranda an, die mit Symbolen der Konsumwelt wie Scan-Codes, Glasfaserkabeln und Geldscheinen spielen. Dazu tragen vor allem auch die spannenden Licht- und Video-Effekten von Matthias Singer weiter, der mit Siegal schon für „Oval“ des Staatsballetts Berlin zusammengearbeitet hat. Und erst recht gilt dies für die elektronischen Beats von Lorenzo Bianchi Hoesch, von denen sich die Tänzer*innen treiben lassen.

Die Aufmerksamkeit des Publikums wird jedoch bewusst durch ständiges Flackern in den beiden anderen Streams abgezogen. Die Lecture- und Game Theater-Performances setzen sich ironisch mit der Welt des Konsums auseinander, werden minutenlang von einem Youtube-Video einer jungen Asiatin abgelöst, die Essen in sich hineinschlingt, und werden erst kurz vor Schluss ganz abgeschaltet, so dass auf allen Streams das Finale der Choreographie zu sehen ist.

Nebenher plätschert schließlich auch noch der Chat, der kaum über Grußbotschaften, Witze und in den Raum geworfene, aber nie beantwortete Fragen hinauskam. All der Aufwand der parallelen Streams mag ein Meta-Vergnügen für Gametheater-Nerds und Theaterwissenschaftler sein, die Seminararbeiten über die ironischen Ebenen der Performance schreiben können. Die Gimmicks und Ironie-Schleifen entwerten jedoch den Tanzabend, der es verdient hätte, ganz pur und ungestört zu wirken.

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