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Bewertung und Kritik zu

AM KÖNIGSWEG
von Elfriede Jelinek
Regie: Christian von Treskow 
Premiere: 18. Januar 2019 
Theater Aachen

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Zum Inhalt: Wieder einmal schlägt die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek komplex dichtend und verzweifelt kalauernd zu: Fassungslosigkeit bricht sich Bahn anlässlich der Wahl eines windigen Geschäftsmannes und vulgär-ausfälligen Chauvinisten zum amerikanischen Präsidenten. Doch schnell ist die Ebene des reinen Shitstorms gegen den »König« – dessen Name TRUMP im Übrigen an keiner Stel le fällt – überwunden. Der Blick, gespickt mit zahlreichen Verweisen zum antiken Ödipus-Mythos, richtet sich vielmehr auf die »Untertanen« des Königs, also auf die, die auf beiden Augen blind waren und leichte Beute für einen Blender wie ihn: die Mittelstands-Bewahrer, die entfesselten Börsen-Neoliberalen, die Linken und die Rechten, das einfache »Wahlvolk«, das dem König wie eine Lämmerherde zur Schlachtbank folgt. Und auch die Intellektuellen und Kunstschaffenden bekommen ihr Fett weg, auch sie selbst, Elfriede Jelinek, deren seherische Kraft im Angesicht der globalen Kapitalismus-Entfesselung, des Erstarkens der Rechten und des (auch europäischen) Despotismus endgültig erloschen zu sein scheint. 

Mit: Petya Alabozova, Luana Bellinghausen, Marion Bordat, Tim Knapper, Julian Koechlin, Melina Pyschny, Philipp Manuel Rothkopf, Benedikt Voellmy und Alexander Wanat

Inszenierung: Christian von Treskow
Bühne und Kostüme: Sandra Linde und Dorien Thomsen
Musik: Malcolm Kemp
Video: Luca Fois
Dramaturgie: Inge Zeppenfeld


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4.0/5 Insgesamt 1 Bewertungen (1 mit Rezension)
1 von 3 Personen fanden die Kritik hilfreich
Wüten in Wild-West- Manier
  · 22.01.19
''Drei männliche Darsteller betreten stürmisch in Fetischkostümen die Bühne, die von Domina-ähnlichen Akteurinnen an einer Hundeleine gehalten werden. Wie im Wilden Westen wird das Recht des Stärkeren postuliert. Denn der Glaube an den starken, weißen Mann scheint ungebrochen. Gejodel unterstreicht die unzähligen Falschaussagen des Königs. Denn die Wähler hassen bekanntlich Korrektheit und sind gegen das Establishment. Im Geschichtsbuch oder Gesichtsbuch gilt die Wahrheit, die man selbst von sich preisgibt. Nur der Aufmerksamkeits-, Unterhaltungs- und Emotionswert muss stimmen. 

Als Pendant zu Trump dient in dem Drama der antike König Ödipus. Antike Vorstellungen der Opferung basierend auf der antiken Tragödie werden etwa durch mehrfach auftretende synchrone Stimmen im Chor szenisch angedeutet. Die klagenden Figuren tragen barocke Perücken. Hier wird auch bildlich ausgedrückt, dass alte Gewissheiten in Frage stehen, wenn es heißt, „unsere Zeit ist um“. Die Perspektiven verschwimmen ohnehin, wenn das Alter Ego der Autorin, die Seherin, geblendet wird und so erblindet. In einem Wechselspiel wird nun die Frage gestellt, wer denn nun eigentlich die Misere verschuldet hat. Was ist hier noch echt? Am Schluss sind alle die Geopferten. 

Die unterhaltsam-vergnügliche Parodie eines Präsidenten problematisiert, dass demokratische Verhältnisse gefährdet scheinen, wenn der König die eigene Macht durch Gewalt und Ausbeutung schamlos ausnutzt. Seine ökonomischen Interessen gehen auf fatale Weise mit seiner politischen Macht einher. Von Troskows Inszenierung zeichnet sich (ganz im Gegensatz beispielsweise zu Stephan Kimmigs Inszenierung am Deutschen Theater Berlin) durch großen Ideenreichtum und eine dynamisch sehr präzise und gekonnte Spielwut des Ensembles aus. Das choreographisch ausdrucksstarke Auf und Ab der Szenerien ist stimmig, die Dialoge und Monologe erscheinen witzig und pointiert. Schlussendlich sind auch die eindrucksvollen Kostüme von Sandra Linde und Dorien Thomsen sehenswert.'' schreibt Ansgar Skoda am 22. Januar 2019 auf KULTURA-EXTRA
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