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Balkan Erotic Epic

Bewertung und Kritik zu

BALKAN EROTIC EPIC – Ruhrtriennale / Haus der Berliner Festspiele

von: Marina Abramović
Premiere: 9. Oktober 2025, Aviva Studios, Factory International, Manchester
Deutschland-Premiere: 3. September 2026, Kraftzentrale, Landschaftspark Duisburg-Nord, Ruhrtriennale
Berlin-Premiere: 16. Oktober 2026, Haus der Berliner Festspiele, Performing Arts Season

Künstlerisches Team

Künstlerin, Regie, Konzept, Design: Marina Abramović
Co-Regie: Georgine Maria-Magdalena Balk
Choreografie: Blenard Azizaj
Regie Durational Performance: Billy Zhao
Filmregie: Nabil Elderkin
Komposition: Marko Nikodijević
Komposition & Sounddesign: Luka Kozlovački
Licht Design: Urs Schönebaum
Bühnenbild: Anna Schöttl
Kostümdesign: Roksanda Ilinčić
Animation: Sonia Alcón, Fredrik Nordbeck, Gideon Prins
Fotografie: Marco Anelli

Besetzung

Performance: Elke Luyten, Maria Stamenković Herranz, Herma Auguste Wittstock, Anna Berndtson, Evgenia Tsanana

Tanz: Louis Baxter, Elena Cattardico, Molly Crabtree, Chiara Duccini, Ayesha Fazal, Lucy Harries, JP Hon, Spike King, Mak Korda, Gabriella Lemma, Ting Lee, Margherita Mattia, Sara Maurizi, Nicole Nevitt, Vilim Poljanec, Emma Poyer, Dominic Rocca, Clara Selberg, Sophie Thomas, Jack Trotter, Yue Ying Ho

Performer*in: George Adams, Lily Antonia, Gloria Carobini, Rowena Gander, Owen Gaynor, Vanda Hagan, Tom Halls, Smila Vita Hoppe, Neil Jacob, Jakob Jentgens, Moonjoo Kim, Goa-Louisa Kollewijn, Florian Kreßer, Maisha Kungu, Julian Mattlinger, Francesco Marzano, Ali Matthews, Lizzy Owen, Gaia Pellegrini, Konstantin Pütz, Janina Schweitzer, Yuma Sylla, Stylianos Tsatsos

Über die Inszenierung

„Balkan Erotic Epic“ ist eine großformatige, rituell aufgeladene Performance, in der Marina Abramović mythologische, körperliche und kulturelle Praktiken des Balkans untersucht. Die Arbeit verbindet dokumentarische Elemente, symbolische Gesten und choreografische Sequenzen zu einem intensiven, visuell überwältigenden Abend.

Abramovićs Regie und Konzept schaffen eine hybride Form zwischen Ritual, Installation, Film und Live-Performance. Die Choreografie von Blenard Azizaj und die Durational-Regie von Billy Zhao erweitern die körperliche Dimension des Abends, während Nabil Elderkin mit seiner Filmregie eine zusätzliche visuelle Ebene einführt.

Marko Nikodijevićs Komposition und Luka Kozlovačkis Sounddesign erzeugen eine kraftvolle akustische Landschaft, die zwischen archaischen Motiven und zeitgenössischer Elektronik wechselt. Urs Schönebaums Lichtgestaltung und Anna Schöttls Bühnenbild formen einen rituellen Raum, der sich ständig verändert und die körperlichen Aktionen intensiviert.

Die Kostüme von Roksanda Ilinčić und die Animationen von Alcón, Nordbeck und Prins schaffen zusätzliche symbolische Ebenen, die die Themen Körper, Mythos und kulturelle Erinnerung visuell verdichten.

Besondere Aspekte dieser Produktion

– rituelle, körperlich intensive Performance
– hybride Form aus Film, Installation und Live-Performance
– kraftvolle Klang- und Lichtdramaturgie
– großes, vielstimmiges Ensemble
– charakteristische Abramović-Handschrift zwischen Mythos und Körper

„Balkan Erotic Epic“ ist ein überwältigender, symbolisch dichter Abend, der Abramovićs künstlerische Forschung über Körper, Ritual und kulturelle Erinnerung eindrucksvoll fortführt.

1 Kritik

4.0 von 5 Sterne
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Sex rebels in der Kraftzentrale
5 Tage her.
Kritik

''Offen äußert sich die Ikone der Performance-Kunst über die strenge Erziehung ihrer regimetreuen Mutter, die in dem Gezeigten eine Rolle spielt. Über Tito behauptet sie provokativ, er sei ein Diktator gewesen, „den wir alle liebten“: „We needed someone like him.“ Die Choreografin des rituellen Exzesses erläutert: „Communism is easy and simple.“ So erhielt man früher ihr zufolge für kleinere Vergehen vier Jahre Haft, wenn man Tito nicht beleidigt hatte, und für das gleiche Delikt sechs Jahre, wenn man ihn beleidigt habe. Auf Fragen aus dem Publikum über frühere prominente Arbeiten, bei denen die Serbin selbst eine aktivere Rolle einnahm, antwortete sie: „This is old work. I liberated myself from fear of pain.“ Der Applaus des kunstinteressierten Publikums ist ihr sicher.

Auf eine Zuschauerfrage nach dem Gespräch, ob denn die historisch und im Ablauf sehr im Detail beschriebenen Brauchtümer tatsächlich volkskundlich belegt sind oder der Phantasie der Künstlerin entstammen, behauptet sie entschieden, dass es im Balkan schon vor langer Zeit derartige rituelle Handlungen gab und dass Sexualität eine sehr positive Kraft sei. Ob das Dargestellte wirklich ethnologisch-volkskundlichen Ansprüchen gerecht, wird kann allerdings bezweifelt werden. Wie hier entzieht sich auch das gesamte Werk der Künstlerin einer exakten Deutung und bezieht auch gerade daraus seine Kraft. Somit geht es eben nicht darum, ob hier eine weitere „alternative Wahrheit“ geschaffen wurde – viel interessanter ist es zum Beispiel, ob sich serbische Nationalisten oder andere erzkonservative Kräfte herausgefordert fühlen könnten.'' schreibt Ansgar Skoda am 12. September 2026 auf KULTURA-EXTRA

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