SABINE in «Die deutschen Kleinstädter»

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1. Akt, 1.-3. Szene 

Sabine und die Magd.  

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SABINE: (Sie steht am Fenster, schlägt es hastig zu, läuft an die Tür und ruft hinaus.) Margarete! Margarete! [...] Die Post ist gekommen. Geschwind hinüber! sieh, ob ein Brief an mich da ist. – (Sie tritt hervor.) Schon seit fünf Wochen bin ich aus der Residenz zurück, und noch keine Zeile. Wenn ich heute wieder vergebens hoffe, so – so – ja was denn? – so werd ich böse und heirate Sperling. – Gemach! gemach! ich kann ja auch wohl böse werden, ohne Sperling zu heiraten. Wer wäre sonst am meisten gestraft? [...] (reißt ihr den Brief hastig aus der Hand). Endlich! endlich! (Sie besieht die Aufschrift.) Von meiner Cousine. [...] (Sie liest flüchtig.) »Neues Schauspiel –« – was kümmert's mich? – »Die Schleppen werden jetzt sehr lang getragen« – wer will das wissen? – »englische Strohhüte« – wer hat darnach gefragt? – Wie? – schon zu Ende? Keine Silbe von ihm? – Freilich hab ich ihm verboten, mir selbst zu schreiben, das schickt sich nicht. Aber er versprach doch, durch die Cousine – und auch die Cousine versprach – warum hat denn keines Wort gehalten? bin ich schon vergessen? – er wollte ja selber kommen, mit Empfehlungsschreiben vom Minister? und nun kömmt er nicht und schreibt auch nicht. Er weiß doch, daß ich den Sperling heiraten soll. Der Vater quält mich, die Großmutter quält mich, und nun werd ich auch noch von ihm gequält! – (Sie zerreißt den Brief zwischen den Händen.) Es geschieht dir schon recht. Man hat dich genug vor den jungen Herren aus der Residenz gewarnt. Sie verlieben sich in einem Tage dreimal, und wenn sie abends in die Komödie gehn, wissen sie schon nichts mehr davon. – Aber Karl! Karl! auch du ein Alltagsmensch? auch du nur ein Schönschwätzer? (Sie zieht ein Porträt aus der Tasche.) Können diese edlen Züge täuschen? – mit diesem Blicke schwur er mir, in wenig Wochen selbst zu kommen und meinen Vater zu gewinnen. Sind fünf Wochen wenig? muß ich ihm vorrechnen, daß sie aus fünfunddreißig ewig langen Tagen bestehn? – O Karl! eile! sonst bin ich für dich verloren! (Sie betrachtet wehmütig das Bild.)