SIGISMUND in «Das Leben ein Traum» II.

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    1. Aufzug 

    Sigismund, Rosaura und Clarin. 

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    SIGISMUND: 
    Mir belegt dein Ton die Brust,
    Gibt dein Anblick süße Lust,
    Schafft Verwirrung dein Bezeigen.
    (Er hebt sie auf.)

    Sprich, wer bist du? Kenn' ich zwar
    Nur so wenig von der Welt,
    Daß der Turm, wo man mich hält,
    Wieg' und Grab zugleich mir war;
    Ward ich hier auch nichts gewahr,
    Seit ich lebend mich betrachte
    – Wenn ich dies für Leben achte –
    Als der Wildnis grause Not,
    Wo ich als lebendig tot
    Oder tot lebendig schmachte;
    Sah und sprach bis diese Stunde
    Ich auch nur den einen hier,
    Der von Erd' und Himmel mir
    Gab, aus Mitleid, ein'ge Kunde;
    Muß ich gleich mit wahrem Grunde
    (Mag dein Abscheu auch entbrennen
    Und mich menschlich Untier nennen)
    Zwischen Graun und Schreckgebild,
    Unter Menschen mich als Wild,
    Unterm Wild als Mensch erkennen;
    Lernt' ich gleich, so elend schmachtend,
    Den Begriff der Politik,
    Auf der Vögel Republik
    Und das Reich des Wildes achtend,
    Maß der Sterne Bahn, betrachtend
    Ihrer Chöre stille Reihn:
    Dennoch konntest du allein,
    Meine Qual zu lindern, taugen
    Und das Staunen meiner Augen,
    Meines Ohrs Bewundrung sein.
    Ja, mit jedem Blick zu dir
    Wird dies Staunen mir erneuert,
    Und ein jeder Blick befeuert,
    Dich zu sehn, den Wunsch in mir.
    Meinen Augen scheinet hier
    Ew'ger Durst bevorzustehen;
    Trunk ist tödlich: dennoch stehen
    Sie nicht ab; und seh' ich klar,
    Sehen bringe Todsgefahr,
    Sterb' ich hin, um nur zu sehen.
    Wohl, ich sehe dich, und sterbe!
    Weiß ich, der schon jetzt verdirbt,
    Wenn das Sehn mir Tod erwirbt,
    Was das Nichtsehn mir erwerbe?
    Mehr wär's, als der Tod, mir herbe,
    Mehr als Grimm und Wut und Not;
    Tod wär's. So, was mich bedroht,
    Muß ich zu ergründen streben;
    Denn des Unbeglückten Leben
    Ist, wie des Beglückten, Tod.

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