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    Messa da Requiem

    Bewertung und Kritik zu

    MESSA DA REQUIEM
    von Giuseppe Verdi
    Regie: Calixto Bieito 
    Premiere:  11. März 2018 
    Staatsoper Hamburg 

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    Zum Inhalt: Libera me. Errette mich. Befreie mich, Herr, vom ewigen Tode. Das Individuum schreit. Vor ihm erstreckt sich die Bilanz seines Lebens. Abgründe des Nichts. Verdis „größte Oper“ konfrontiert den Menschen mit sich und seinem Schicksal – eine Grenzerfahrung, denn das Individuum steht dem Absoluten in Gestalt des Todes gegenüber. Als Realist des Musiktheaters erfindet Verdi die Wirklichkeit mit allen Mitteln der Kunst; von den Schrecken des Jüngsten Gerichts im Dies irae bis zum hoffnungsvollen Bitten im Libera me, mit dem er seine Totenmesse in Abweichung von der liturgischen Konvention vollendet. Katharsis. Erlösung. Auferstehung. Der Einzelne geht in der Gemeinschaft auf. Das Kollektiv verkündet: Requiem æternam. Ewige Ruhe gib ihnen, Herr Gott, und ewiges Licht leuchte ihnen.

    Inszenierung: Calixto Bieito
    Bühne: Susanne Gschwender
    Kostüme: Anja Rabes
    Licht: Franck Evin
    Dramaturgie: Janina Zell

    In lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertexten

    TRAILER

    5 von 5 Sterne
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    Gefühlsintensive Messe
    6 Jahre her.
    Kritik

    Zwei Religionsskeptiker treffen aufeinander. Der aheistisch eingestellte Verdi vertont die Liturgie einer Totenmesse und der Skandalregisseur Calixto Bieito inszeniert dieses Werk an der Hamburger Staatsoper. Doch statt Aufrührerisches und Provozierendes wurde in der "Messa requiem" Aufwühlendes und Anrührendes geboten. Bieito horcht genau auf die Musik und erfindet Geschichten, die er die vier Solisten verkörpern lässt. Bühnenbildnerin Susanne Geschwender hat dazu einen Bühnen hohen Setzkasten, ein überdimensioniertes Schachtelregal erfunden, das zu immer neuen Formen zusammen gesetzt werden kann. 

    Am Anfang ist die Familienwelt noch in Ordnung. Der Sohn spielt mit Mutter (Maria Bengtsson) und Vater (Dmytro Popov) ausgelassen Ball auf der Vorderbühne. Doch dann rollt der Ball ins Leere. Und das Orchester und der Chor donnern mit "Tag des Zorns" in die Idylle. Tod und Leben sind hier ganz nah beieinander. Die Regalwände bieten Transparenz und Grenzziehung. Sie werden zu Kirchenfenstern, wenn sie bunt beleuchtet werden. Sie werden zu Totenfächern, in die die Menschen einsortiert werden. Ganz zum Schluss werden sie zu Grabkammern, aus denen die Menschen ihre Arme um Erlösung flehend recken. 

    Der Tod des Sohnes wird zum Wendepunkt. Im Angesicht des Todes wird auch die Beziehung zwischen den Eltern auf eine harte Probe gestellt. Der Vater gibt der Mutter die Schuld an dem Tod des Kindes und vergrößert so ihren unendlichen Schmerz. Doch auch das andere Paar auf der Bühne führt ihr Schicksal in die Konfrontation mit dem Verlust. Dann hängt die Frau (Nadezhda Karyazina) an Riemen hoch oben von der Regalwand und der Mann (Gábor Bretz) windet sich unten voller Gram und Verlustängsten. 

    Der Chor aus Menschen in bunter Alltagskleidung vertritt dabei das Volk, das in seinen gewaltigen Gesängen um Gnade, Erlösung und Gerechtigkeit fleht. Immer wieder stellen sie sich aber auch als Mahner an die Allmacht Gottes und seine möglichen Strafen dar. 

    So nehmen überraschender Weise diese beiden Religionskritiker diese Musik und seinen Inhalt sehr ernst und geben ihm auf der Bühne eine Wucht, die bis in die letzten Reihen spürbar ist. Das liegt auch an dem einfühlsamen Dirigat von Kevin John Edusei und an den anrührenden Stimmen der vier Solisten. Eine besondere Rolle kommt in dieser Umsetzung dem Chor zu, der zu den eindrucksvollen Bildern in den Regalfächern beiträgt. Ein beeindruckender, gefühlsintensiver Abend in der Staatsoper. 

    Birgit Schmalmack vom 21.3.18

    www.hamburgtheater.de

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