Bewertung und Kritik zu
Pretty Privilege – Schauspiel Stuttgart
Uraufführung: 7. Februar 2026
Von: Wilke Weermann – nach Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray
Inszenierung: Wilke Weermann
Bühne: Johanna Stenzel
Kostüme: Teresa Vergho
Musik: Constantin John
Video: Christian Neuberger
Licht: Peter Krawczyk
Dramaturgie: Benjamin Große
Über die Inszenierung
Mit „Pretty Privilege“ entwickelt Wilke Weermann eine radikal zeitgenössische Neufassung von Oscar Wildes berühmtem Roman. Statt viktorianischer Eleganz steht eine Gegenwart im Fokus, in der Schönheit zur Währung geworden ist und Selbstinszenierung über Wahrheit triumphiert. Die Inszenierung untersucht, wie digitale Bilder, soziale Medien und gesellschaftliche Erwartungen das Selbstbild formen – und wie schnell Bewunderung in Abhängigkeit, Manipulation und moralische Erosion kippen kann.
Johanna Stenzels Bühne schafft einen wandelbaren Raum zwischen Studio, Showroom und digitalem Spiegelkabinett. Teresa Verghos Kostüme spielen mit ästhetischen Überhöhungen und Brüchen, die die Figuren zugleich verlockend und verletzlich erscheinen lassen. Die Musik von Constantin John setzt pulsierende Akzente, während Christian Neubergers Videoarbeiten die Selbstvermessung der Figuren in Echtzeit sichtbar machen. Peter Krawczyks Lichtgestaltung verstärkt die Ambivalenz zwischen Glamour und Abgrund.
Ensemble
- Tim Bülow (als Dorian)
- Teresa Annina Korfmacher (als Sibyl)
- Mina Pecik (als Jane)
- Felix Jordan (als Henry)
- Sebastian Röhrle (als Basil)
Thematische Schwerpunkte
„Pretty Privilege“ fragt, wie weit Menschen gehen, um begehrt zu bleiben – und was Schönheit wert ist, wenn sie zur einzigen Form von Macht wird. Weermann legt die Mechanismen offen, die hinter Perfektion, Verführung und Selbstoptimierung stehen. Die Inszenierung zeigt eine Welt, in der das Bild wichtiger ist als der Mensch, und in der jede Entscheidung eine Spur im digitalen Gedächtnis hinterlässt.
Warum dieser Abend fasziniert
- eine moderne, pointierte Adaption eines literarischen Klassikers
- ein ästhetisch kraftvoller Bühnenraum zwischen Glamour und Kälte
- ein Ensemble, das die psychologischen Brüche der Figuren präzise auslotet
- eine Inszenierung, die Schönheit, Macht und digitale Selbstinszenierung neu befragt
- ein intensiver Theaterabend, der lange nachwirkt
„Pretty Privilege“ am Schauspiel Stuttgart wird zu einem scharf gezeichneten Porträt einer Generation, die zwischen Selbstbestimmung und äußerem Druck navigiert – und dabei immer wieder an den eigenen Bildern scheitert.





